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ristisch für ihre Entstehnng während des Lebens des Kindes sind ferner die gleichfalls an der linken Körperseite des Kindes vorfindlichen Hautverletzungen an der linken Seite des Unterleibes „von bräunlicher Färbung".

Aus der Natur der Verletzungen lässt sich schliessen: „dass die meisten derselben durch eine gewaltsame Einwirkung der Nägel der Mutter dem Kinde beigebracht seien." Das Kind ist mit höchster Wahrscheinlichkeit erstickt worden durch eine vor Mund und Nase gehaltene, mit Kindspech verunreinigte Hand. Die Druckstelle an den Augenlidern des rechten Auges ist entstanden durch den Druck eines Fingers, entweder des Daumens, wenn die vorgehaltene Hand die rechte gewesen ist, oder des Zeige- oder Mittelfingers, falls die linke Hand die Erstickung vollbracht hatte. — Die übrigen an der Oberfläche der Kindesleiche sich darbietenden Hautverletzungen verdanken ihren Ursprung den Nägeln derjenigen Hand, welche das Kind festhielt, während die andere Hand die Verschliessung von Nase und Mund ausführte. — Es lässt sich nicht mit Sicherheit behaupten, ob die ganz vorwiegend an der linken Körperhälfte des Kindes gefundenen Verletzungen der von hinten um das Kind herumfassenden linken Hand der Mutter ihren Ursprung verdanken oder der von vorn her zupackenden Hand. — Die Wahrscheinlichkeit und die Aussage der Inculpatin sprechen dafür, dass die linke Hand das Festhalten des kindlichen Körpers, die rechte Hand den Verschluss von Mund und Nase bewerkstelligt habe, und somit würden die vielfachen Verletzungen an der linken Seite des Kindes, sowie an der Innenseite des rechten Oberschenkels der linken Hand der Mutter zuzuschreiben sein. — Gewiss aber können wir uns der Schilderung, wie das Kind während des Erstickungsaktes gehalten sei, für überhoben ansehen; nur so viel glauben wir noch hervorheben zu müssen, dass au« der Beschaffenheit, sowie aus der grossen Anzahl der Hautabschürfungen nach Grundsätzen der gerichtlichen Medicin der Schluss gerechtfertigt erscheint:

„dass der Tod des Kindes wohl nicht rasch und leicht zu Stande gekommen sei, sondern dass das von Erstickungsnoth geängstete Kind eine Zeitlang durch unwillkürliche sogenannte reflectorische Bewegungen des ganzen Körpers, namentlich der Gliedmassen, gegen die Gefahr sich zu wehren versucht und in Folge davon die verschiedensten Hautverletzungen erlitten habe."

Dass mit diesem Ausspruch die Aussagen der Inculpatin insoweit übereinstimmen, als dieselbe behauptet, „sie wisse nicht, wie die Verletzungen an dem Kinde entstanden seien, sie habe wenigstens absichtlich solche Verletzungen dem Kinde nicht zu-. gefügt, doch könnten ja möglicherweise die Verletzungen am Kopfe durch Eindruck ihrer Nägel entstanden sein", ist von selbst klar. Absichtlich und bewusst sind die von den Nägeln herrührenden Male gewiss nicht gewesen, vielmehr sind diejenigen Handgriffe der Inculpatin, durch welche sie das sich wehrende Kind während des Vorhaltens der Hand zu fixiren suchte, sicher unbewusste, unwillkürliche, durch die ganze Situation bedingte gewesen.

Es dürfte kaum einem Zweifel unterliegen, dass die an der Kindesleiche sich findenden Hautverletzungen der überwiegenden Mehrzahl nach beim Festhalten des Kindes während des Erstickungsaktes durch die Nägel der Mutter ihre Entstehung gehabt haben.

Dass wir keine Spuren von Beschmutzung des Kindes im Gesicht durch das vorgehaltene Kindspech zu registriren hatten, hat seine genügende Erklärung in dem im Untersuchungsprotokoll verzeichneten Umstände, dass an dem Sonntage, wo die Leiche auf freiem Felde lag, den ganzen Tag und auch schon die Nacht vorher ein ungewöhnlich anhaltender und starker Regen gefallen war, welcher nothwendig alle am Gesicht haftenden Schmutztheile entfernen musste.

IV. Zum Schluss haben wir uns noch der vom verehrlichen B. Oberinspectorat gestellten Aufgabe zu unterziehen, zu untersuchen, ob und welche Momente vom gerichtsärztlichen Standpunkte aus beigebracht werden können zur Aufhellung der Frage:

„ob das von der Inculpatin verübte Verbrechen als ein im augenblicklichen Affekte begangenes oder als ein prämeditirtes anzusehen sei", und werden wir in letzterer Beziehung namentlich zu prüfen haben, „ob die Behauptung der Inculpatin, dass sie dem Kinde die Brust gegeben oder zu geben versucht habe, durch den Befund an der Leiche eine Stütze finde oder nicht."

Bei der grossen Schwierigkeit, welche mit der Ergründung der Gemüthszustände dritter Personen überhaupt nothwendig verbunden ist, haben wir mit doppelter Gewissenhaftigkeit jedes Moment sorgfältig zu erwägen, welches geeignet erscheint, über den Gemüthszustand eines Inculpaten im Augenblick seiner That Licht zu verbreiten. Wir enthalten uns jeden Versuchs, ans den im Allgemeinen ermittelten Thatsachen Folgerungen zu ziehen für die Annahme eines prämeditirten oder eines Handelns im augenblicklichen Affekt; wir glauben diese Quelle der Beurtheilung dem Gericht überlassen zu müssen. — Nur diejenigen Momente haben wir geglaubt hervorheben und für die Gewinnung eines Urtheils über die vorliegende Frage dem Gericht darlegen zu müssen, welche zu ihrer Würdigung gerichtsärztliche Kenntnisse voraussetzen. In dieser Beziehung nun haben wir Folgendes zu sagen:

1) Aus den vielfachen und nicht unbedeutenden Verletzungen an der Kindesleiche, wie die äussere Besichtigung sie ergab, lässt sich der Schluss ziehen, dass dieselben dem Kinde müssen zugefügt sein, ohne dass die Schürze der Inculpatin oder das braune Halstuch um dasselbe geschlagen war. Eine Umhüllung des Kindes entweder mit der noch neuen leinenen Schürze, die aus einem dicken und festen Gewebe bestand, oder mit dem weichen baumwollenen Halstuch, in welchem das Kind gefunden worden, würde es unfehlbar haben verhindern müssen, dass die auf das Kind ausgeübte Gewalt in so vielen einzelnen, scharf begrenzten Verletzungen der Oberhaut sich manifestirt habe. Es würden durch eine derartige Umhüllung hindurch wohl Druckstellen, aber nicht so scharf begrenzte und so distinkte Substanz Verluste an der Oberhaut haben entstehen können, wie sie an der Leiche sich darstellten.

2) Die Verletzungen, welche wir mit dem an dem Kinde verübten Akt der Erstickung glaubten in Verbindung bringen zu müssen, sind demnach der letzten Betrachtung zufolge entweder sehr frühzeitig, sehr bald nach der Gebart, ehe noch die Einhüllung des Kindes von der Mutter vorgenommen war, dem Kinde zugefügt worden oder, wenn denn eine längere Zeit nach der Geburt verstrichen ist, wenn das Kind nach der Aussage der Mutter erst eine Weile auf dem Schooss und eine Zeitlang an der Brust gelegen hat, so werden wir zu der Annahme gedrängt, dass das Kind eine längere Zeit ohne diejenige Umhüllung geblieben sei, welche gewissermassen mechanisch als erste Hülfsleistung nach dem Durchschneiden der Nabelschnur jedem Neugeborenen zu Theil zu werden pflegt. Man kann nur die Alter

Vierteljahrsschr. f. ger. Med. N F. XXII. 2, lg

native hinstellen, „dass dem Kinde entweder nach der Gebart eine Zeitlang die nöthige Pflege durch Einschlagen in eine Umhüllung vorenthalten sei, oder dass das Kind gleich nach der Geburt durch Erstickung getödtet worden sei."

3) Hieran schliesst sich nun die weitere Frage: welche Bedeutung die Anwesenheit „einer Menge braunen, aber nicht dunklen Kindspechs" in dem braunen, das Kind umhüllenden Tuch zuzuschreiben sei in Bezug auf die Frage, ob das Kind bereits eingehüllt gewesen sei, als der Erstickungstod eintrat.

Es ist eine Thatsache, dass im Augenblick eines gewaltsamen Todes, namentlich aber gerade beim Erstickungstode, ein mehr oder minder reichlicher Abgang von Koth aus dem Darmrohr des Sterbenden stattfindet. Nimmt man nun an, dass dem Kinde im Augenblick des Erstickens das Kindspech abgegangen sei, und dass erst, nachdem der Tod eingetreten, das Tuch um das Kind geschlagen sei, gewissermassen als Leichentuch, ohne welches es nuu einmal nach der allgemeinen Sitte bei einer Leiche nicht gut angehen kann, so erklärt sich die Anwesenheit des Kindspechs im Tuch bei der bekannten Zähigkeit und Klebrigkeit dieses Koths leicht in der Art, dass der grösste Theil des abgegangenen Koths, soweit dieser nicht zur Erstickung mit verwandt oder an der augenblicklichen Unterlage haften blieb, in der Umgebung des kindlichen Afters und am Rücken angeklebt und somit bei der demnächst erfolgenden Einhüllung des Kindes mit in das Tuch gelangt sei. — Möglich ist es ausserdem, dass bei dem vorgenommenen Transport des Kindes, sei es nun gleich unmittelbar nach der Erstickung von dem Ort der Geburt hin nach der etwa 30 Schritt weit entfernten Grabenkante, sei es selbst noch am Tage, wo die Kindesleiche gefunden wurde, von dem Fundorte hin nach dem eine halbe Stunde entfernten Dorfe F., aus dem mit Koth reichlich gefüllten Dickdarm und Mastdarm von dem Kindspech eine grössere oder geringere Menge durch den im Tode gelähmten Schliessmuskel des Afters hindurchgedrängt und in's Tuch entleert worden sei.

Berücksichtigt man die mit dem genannten Transport der Leiche nothwendig verbundenen Bewegungen und Erschütterungen des kindlichen Körpers, sowie den dabei unvermeidlichen directen oder indirecten Druck auf den Unterleib der Leiche, so lässt sich mit einer an Gewissheit grenzenden Wahrscheinlichkeit annehmen, dass das im Tuche vorgefundene Kindspech zum Theil auch diesen letzteren Einwirkungen sein Zutagetreten verdanke.

Es ist nach diesen Betrachtungen ersichtlich, dass aus dem Vorhandensein des kindlichen Roths im Tuche keineswegs gefolgert werden dürfe, dass das Kind in dem Augenblick, in dem es den Erstickungstod erlitten, bereits eingehüllt gewesen sei; vielmehr ist die mehr genannte Erscheinung vollkommen erklärt, auch wenn wir die aus anderen Thatsachen sich ergebende Schlussfolgerung festhalten, „dass das Kind, erstickt worden, ehe die Umhüllung desselben mit dem braunen Tuche vorgenommen."

4) Noch haben wir einen anderen Punkt des Näheren zu prüfen. Es fragt sich nämlich, inwieweit die Aussage der Inculpatin, „sie habe das Kind gleich nach der Geburt an die Brust gelegt, um es zu säugen", durch die gerichtsärztlicher Seits gemachten Ermittelungen gestützt werde oder nicht.

Im Allgemeinen haben wir geglaubt, ein so frühzeitiges Anlegen des neugeborenes Kindes, wie es von der Inculpatin behauptet wird, als ein „ ungewöhnliches" bezeichnen zu müssen, und sind demgemäss auf Veranlassung des verehrlichen B. Oberinspectorats Vernehmungen darüber vorgenommen, „ob bei den früher stattgehabten Entbindungen von der Inculpatin gewohnheitsgemäss in einer so frühen Periode das Kind an die Brust gelegt worden sei oder nicht."

Die Aussagen der Hebamme N., sowie der Hebamme D. sprechen entschieden dafür, theils dass in gewissen Districten des Landes das sofortige Anlegen des Kindes an die Brust gleich nach der Entbindung das Uebliche sei, theils dass die Ehefrau Seh., wenigstens bei ihrer letzten Entbindung, wirklich gleich nach der Entbindung das Kind an die Brust genommen habe. Sonach würde in der genannten Aussage der Inculpatin etwas Auffälliges nicht mehr zu finden sein, und es würde nur noch zu untersuchen sein, „ob jene Behauptung durch den Inhalt des kindlichen Magens und Darmkanals eine Stütze finde oder nicht."

Bei dem aktenmässig jedenfalls nur kurzen Leben des neugeborenen Kindes — die Inculpatin giebt an, gleich nach der Entbindung das Kind an die Brust gelegt, \ Stunde reichlich dasselbe an der Brust gehabt zu haben, und will darnach das Kind noch eine Zeitlang auf dem Schoosse gehalten haben, und ist sonach die Lebensdauer höchstens etwa \\ Stunde zu schätzen —

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