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Ein neuer Fall von Lnftathnien der Frucht während des Gehnrtsaktes.

Mitgetheilt

von

Prof. Eduard llofnianii in Innsbruck.

Im letzten Bande dieser Zeitschrift (S. 59) habe ich den Sectionsbefund eines neugeborenen Kindes veröffentlicht, bei welchem trotz notorischer Todtgeburt und obgleich keine grösseren instrumenteilen oder manuellen Eingriffe zur Anwendung gekommen waren, dennoch sowohl die Lungen als auch der Magen und ein kleiner Theil der oberen Dünndarmschlingen als lufthaltig sich ergaben, und zwar unter Umständen, die nur auf ein im Uterus stattgefundenes Luftathmen schliessen lassen. Ich habe an diesen Fall einige Bemerkungen geknüpft und auseinandergesetzt, in welcher Beziehung solchen Beobachtungen eine gerichtsärztliche Bedeutung zukommt.

Unmittelbar nach erfolgter Drucklegung des betreffenden Aufsatzes ist mir nun ein zweiter solcher Fall vorgekommen, und ich beeile mich denselben hier mitzutheilen, um so mehr als er geeignet ist, die von mir aus Anlass des ersten Falles gezogenen Schlüsse weiter zu unterstützen.

Marie H., 26 Jahre alt, ledige Dienstmagd, Erstgebärende, wurde hochschwanger Mitte November 1874 in die hiesige Gebäranstalt aufgenommen. Sie ist von mittlerer Körpergrösse, regelmässigem Knochenbau und gesunder Constitution. Ihre Menstruation bekam sie zum ersten Male mit 14% Jahren und war dieselbe dann immer vollkommen regelmässig. Die letzte Menstruation am 5. Februar 1874. Während der ersten Monate der Schwangerschaft litt sie sehr häufig an Erbrechen, besonders in den Morgenstunden. Die ersten Fruchtbewegungen will sie erst Anfangs August verspürt haben. Die ersten Wehen traten auf am 29. Novbr. 4 Uhr Nachm. Am 30. Novbr. 2 Uhr früh erfolgte der Blasensprung und soll sehr viel Wasser abgegangen sein. Erst um 3 Uhr früh traten die Wehen etwas kräftiger auf, und erst jetzt fand sich die H. bewogen in's Kreisszimmer zu kommen. Die jetzt vorgenommene Untersuchung zeigte den Uterus im Querdurchmesser grösser als im Längsdurchmesser; dor Grund des Uterus noch bis zur Magengrube reichend. Bei Aufsuchung der Kindstheile fand man den Kopf in der rechten, den Steiss in der linken Gebärmulterseite; über dem Beckeneingange keine vorliegenden Kindstheile (IL Stellung, Querlage). Bei der inneren Untersuchung fand sich die Scheide sehr lang, das Scheidengewölbe sehr hoch stehend, für die Spitze des Fingers eben durchgängig, noch mit einem zarten Bande vom Scheidentheil umgeben und von der Mittellinie etwas nach links abweichend. Wehen noch schwach und lange Pausen machend.

Noch immer Abgang grosser Mengen von Fruchtwasser. Es wurde der Gebärenden nun die rechte Seitenlage anbefohlen.

Um 7 Uhr befand sich der Kopf schon in der rechten Darmbeingrube und konnte derselbe bei der inneren Untersuchung und bei gleichzeitigem Gegendruck von Aussen jetzt schon mit Mühe erreicht werden. Muttermund ein Kreuzer gross. Um 9% Uhr Vormittag war der Kopf schon vollständig über dem Beckeneingange, somit die Längslage hergestellt. Der Muttermund 20Kreuzerstück gross, noch immer vom Reste des Scheidentheils umgeben, aber leichter zu erreichen und in die Mitte des Beckens gerückt. Jedoch zeigten sich jetzt ungleichmässige Contractionen des Uterus; die der Einmündungssteile des rechten Tuba entsprechende Stelle zeigte sich sehr schlaff, die entgegengesetzte sehr gespannt. Diese spastische Contraction ging gegen Mittag auf das ganze Organ über und blieb dasselbe in fortwährender Contraction. Der Muttermund zog sich wieder mehr zusammen und war sehr empfindlich; der Kopf ging ebenfalls wieder etwas zurück und war schwerer zu erreichen als Vormittag. Die Gebärende sehr aufgeregt und unruhig, daher Umschläge mit Chamillenthee auf den Unterleib und jede Stunde 2 Gran Pulv. Doweri verabfolgt. Herztöne sehr schwach. Gegen Abend wurden die Wehen wieder mehr regelmässig, um 7 Uhr Abends der Muttermund guldenstückgross, vom Scheidentheil Nichts mehr zu fühlen; um 10 Uhr thalergross, um 10£ Uhr verstrichen. Die dritte Periode dauerte bloss X Stunden, die vierte dagegen 2 Stunden. Die Wehen in der letzteren waren sehr schwach und es wurden deshalb 2 Dosen Pulv. See. coinut. zu 5 Gran in den letzten halben Stunden gegeben. Der Kopf war durch volle \ Stunden im Durchschneiden und gingen, wenn der Kopf zurückwich, grosse Mengen übelriechender Gase ab. Herztöne nicht mehr zu hören.

Am h December um lj Uhr früh erfolgte die Geburt eines todten Kindes mit welker etwas grünlich verfärbter Nabelschnur unter gleichzeitigem Abgange mit Kindspech verunreinigter Frucht1ässer und übelriechender mit gurrendem Geräusch entweichender Gase. Auch nach Abgang der Placenta zeigte sich der Uterus ungleichförmig contrahirt.

Die Section des Kindes wurde au demselben Tage um 2 Uhr Nachmittags vorgenommen uud ergab:

Die Leiche sehr gut genährt, 7 Pfund schwer, 21 Zoll lang. Oberkörper diffus livid. Die Conjunctiven injicirt, einzelne flohstichförmige Ecchymosen aufweisend. Zwischen den Lippen grünlicher Schleim in geringer Menge. Der Nabelschnurrest sulzig, grünlich imbibiit. Aeusserlich an der Leiche keine Spur beginnender Fäulniss zu bemerken.

VlerwlJ»hr»schr. f. ger. Med. N. F. XXlt. 2. 16

Massiger Vorkopf; zahlreiche Ecchymosen in dem sulzig iufiltrirteu Gewebe desselben und unter dem Pericranium. Hirnhäute und Hirn byperämisch. Beide Paukenhöhlen luftleer. Die Gehörknöchelchen in, den ganzen Paukenhöhlenraum ausfüllender, lockerer, serös intiltrirter Sulze eingebettet

Die Zunge mit einer dünnen Schichte grünlichen Schleims belegt, ebenso Rachen und Schlund und der Eingang zum Kehlkopf. Letzterer und die Trachea leer, doch steigt beim Druck auf die Lungen eine geringe Menge schaumigen, kleine Bröckchen käsiger Schmiere enthaltenden Schleims aus der Tiefe auf.

Beide Lungen im hinteren Brustraum, dunkel von Farbe, schwer und beide namentlich die rechte mit sparsamen, theils flohstichförmigeu, theils bis linsengrossen subpleuralen Ecchymosen besetzt. Die Spitze des rechten Mittellappens hellroth, gleichmässig lufthaltig, ebenso der unterste Rand des Unterlappens in Form eines hellrothen Saumes. Ausserdem in allen drei Lappen einzelne oberflächliche Gruppen lufthaltiger Lungenbläschen bemerkbar. Das Lungenparenchym sonst luftleer, blutreich. In den Bronchien am Hylus eine geringe Menge etwas schaumigen, gelbliche käsige Pünktchen enthaltenden Stdileims. Die linke Lunge vollkommen luftleer, blutreich. In den grossen Bronchien, sowie in den Bronchiolen des Oberlappens Fruchtschleiin. Bei der Schwimmprobe sinkt die linke Lunge rasch und vollständig, die rechte hält sich mit Mühe über dem Wasser. Nach Zerstücklung der letzteren schwimmen die hellrothen Partien, während die übrigen Stücke der Lunge mehr oder weniger rasch untersinken.

Das Kerz mit einigen grossen subpericardialen Ecchymosen besetzt. Rechtes Herz strotzend von dunklem halbflüssigem Blut, ebenso die grossen Venen.

Magen, Zwölffingerdarm und die erste Schlinge des Jejunums lufthaltig, die übrigen Gedärme luftleer. Der Dickdarm contrahirt, ohne Spur von Meconium. Venöse Hyperämie in den Unterleibsorganen.

In beiden Ovarien je eine erbsengrosse, klares Serum enthaltende Cyste.

Resume: Querlage, vorzeitiger Abfluss der Fruchtwässer, Selbstwendung, Krampfwehen. Eindringen von Luft in den Uterus. Fötale Erstickung unter vorzeitigen Athembewegungen mit Aspiration von Fruchtwasser und der in den Uterus eingedrungenen Luft.

3.

Ueber eine Vergiftung durch Fliegenpapier.

Von

Dr. Kornfeld,

Kreisphysikus in Wotalau.

Das folgende Gutachten über eine Arsenik-Vergiftung mit tödtlichern Ausgange leitet seine Berechtigung zur Veröffentlichung davon ab, dass der Sectionsbefund der aufgegrabenen Leiche den Einwurf abschneiden konnte, als wenn das Arsen möglicherweise aus der nicht auf Arsen geprüften Kirchhofserde in die Leiche hätte gedrungen sein können. Auch die Art der Vergiftung ist eine seltene.

Ueber die Inculpatin sei noch bemerkt, dass dieselbe eine junge, saubere, in ihrem Kreise für schön gehaltene Frau war. Sie vergiftete ihren Mann, den sie des Geldes wegen geheirathet hatte, einige Wochen nach der Ehe, als sie sich überzeugt hatte, dass derselbe sich in keineswegs guten Verhältnissen befand, angeblich ohne ihm eine Cohabitation gestattet zu haben. Ihr sittlicher Ruf im Uebrigen war nichts weniger als gut.

Die schwurgerichtliche Verhandlung endete mit Verurtheilung der Angeklagten zum Tode.

Motivirter Obductionsbericht.

In der Todesermittelungssache des Wirths P. A. verfehlen wir nicht, unter Remission der Acten dem Ersuchen des Königlichen Kreisgerichts vom 22. Januar 1872 in Folgendem ergebenst nachzukommen.

Geschichtserzählung. Der Wlrth P. A. ist bis zu seiner Verheirathung im Juni 1871 und auch bis zum 8. Juli ej. ganz gesund gewesen. Ein früheres Unwohlsein (Fieber) um Pfingsten desselben Jahres dauerte nur einige Tage und hatte keine Aehnlichkeit mit der letzten Erkrankung.

Den 8. Juli Nachmittag 4 Uhr kam er mit einem Bekannten nach Hause und erhielt von seiner Frau Kaffee, der bereits an bestimmten Plätzen des Tisches eingegossen stand. Einen besonderen Geschmack oder Geruch an dem Getränk bemerkte er nicht. Ungefähr nach einer halben Stunde klagte er über Brennen und Schmerzen im Mägen, brach sehr stark und viel und musste beständig trinken. Dieser Zustand dauerte mit Ausnahme des Brechens am 9., 10., 11. fort, indoss konnte er am 10. und 11. wieder im Felde arbeiten, klagte aber über grosse Schwäche.

Am 12. Juli, nachdem er wieder von seiner Frau Kaffee bekommen hatte, musste er denselben gleich wieder ausbrechen, klagte von Neuem über zunehmende Schmerzen und erbrach reichliche, gallig gefärbte Massen. An diesem Tage konnte er nicht mehr auf's Feld gehen, hütete aber gegen Abend das Vieh.

Am 13. und 14. konnte er gar nicht mehr zur Arbeit gehen, klagte über Schwäche, grosses Brennen im Magen, quälenden Durst, Erbrechen.

Am 15. fuhr er zum Doctor L. in K., welcher coDstatirte, dass seine Zunge ganz rein war und dass ausser der Magengegend der Unterleib nicht schmerzhaft, auch seiner Angabe nach Diarrhoe nicht vorhanden war.

Zu Hause legte er sich an diesem Tage zu Bett und musste das ihm verschriebene entsäuernde, beruhigende Mittel gleich wieder ausbrechen, hatte fortwährend quälenden Durst, Brennen und Erbrechen.

Ebenso auch am IG. und 17. Am 18. verschrieo Doctor L. in K. Erbrechen stillende Tropfen. Die dem Kranken von der Frau mitgebrachten Tropfen brach er indess gleich wieder aus.

Am 19. ging es ihm etwas besser. Als er aber am Abend wieder von seiner Frau Kaffee bekam, erbrach er nach einer Weile erst Wasser und Kaffee und dann noch fortwährend sehr reichlich (das Erbrechen hörte gar nicht mehr auf).

In der Nacht starb er und wurde am 22. beerdigt, wegen dringenden Verdachts der Vergiftung aber am 12. August, 23 Tage nach dem Tode, wieder ausgegraben und secirt.

Die Section ergab im Wesentlichen folgende Resultate:

A. Acussere Besichtigung.

1. Die uns zur Section übergebene Leiche ist männlichen Geschlechts, ca. 30—40 Jahre alt, 147 Ctm. lang und verbreitet einen sehr starken Fäulnissgeruch.

2. Dieselbe ist ziemlich abgemagert.

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