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bilien etc. gezeigt werden, die als Schaustücke für jede Revision bereit ständen, während das Publikum mit geringerer Waare (Rhabarber, folia sennae z. B.) oder gar mit Surrogaten wie Cortex salicis für Cortex chinae fuscus abgefunden würde; eine Manipulation, die heute doch, zum Lobe unserer Apotheker sei es gesagt, nur ausnahmsweise vorkommt.

Doch genug der schon zu vielen Worte; alle theoretiischen Deductionen sind für meine Anschauung von geringerem Belang, als die practische Erfabrung anderer Länder; und aus dieser Erfahrung wissen wir (ich habe mich in Italien und England selbst davon überzeugt), dass 1) nirgends die Apotheken in besserem, wohl aber meistentheils in schlechterem

Zustande sind, 2) die Arzneien überall (mit Ausnahme der Schweiz) unzuverlässiger bereitet und 3) sehr viel theurer sind, als in Deutschland und speciell in Preussen, 4) dass die Vertheilung der Apotheken auf dem platten Lande im Verhältniss

zu den grossen Städten zweckmässiger, als in allen anderen Ländern, 5) dass die deutschen Apotheken anerkannt die besten, und die deutschen

Apotheker die gesuchtesten in der ganzen Welt sind.

Diese Punkte müssen selbst die Gegner des ConcessionsSystems als richtig anerkennen. Und doch verlangen sie, dass wir vom bewährten System einem modernen und in vielen anderen Fällen sehr brauchbaren Princip zu Liebe abgehen.

Ich kann nur wiederholen, was ich am Schluss meiner Reiseskizzen über englische Hygieine und Sanitätspolizei *) nach einer kurzen Schilderung der Londoner Apotheken bereits ausgesprochen habe:

Und nach diesem Eden strebt man heute bei uns! es macht wirklich einen eigenthümlichen, ja traurigen Eindruck, zu sehen, wie bei uns das angestrebt wird, was die Erfahrung in England und Holland, ja selbst in Frankreich als schädlich für das Allgemeinwohl erwiesen hat. Wollen wir denn nicht aus der Erfahrung unserer Nachbarn lernen?

Alle Vorzüge unserer Apotheken und ihrer Leistungen zugestanden, kann indessen trotz Hartmann's geschickter Auseinandersetzungen nicht geleugnet werden, dass ein entschiedener Mangel an Apotheken vorhanden ist nicht allein in Schlesien, sondern auch in vielen anderen Theilen des Staates, besonders in der Provinz Sachsen selbst. Und somit kommen wir an das Punctum saliens.

*) Vierteljahrsschr. f. gerichtl. u. öffentl. Med. 1873. Bd. XVIII.

Wenn Hartmann in seiner Denkschrift (S. 4) sagt:

„Nirgend ist bisher die Arznei zuverlässiger und besser bereitet, nirgends sind die Apotheken besser und gleichmässiger über Stadt und Land vertheilt, nirgends ist der Preis der Arznei bisher niedriger gewesen, als in Deutschland“, so muss ich ihm darin im Ganzen beistimmen, selbst für Preussen, trotzdem aber ist die Zahl der Apotheken für Preussen speciell zu klein und darum auch ihre Vertheilung keine richtige. Vergleichen wir nur in der beifolgenden Tabelle die Verhältnisse der Provinzen Hannover und Hessen-Nassau mit den Verhältnissen in den alten preussischen Provinzen, sehen wir uns ferner die Tabelle von Schwonder (Mittheilungen über die Verbreitung der Apotheken im Deutschen Reich etc. Schlawa, 1873.) genauer an, so muss man zu dem Resultat kommen, dass das alte Preussen mit Ausnahme der- Rheinprovinz und eines Theils von Westphalen zu kärglich mit Apotheken versorgt ist. Preussen hat relativ weniger Apotheken, als alle anderen deutschen Staaten, ausgenommen Bremen, Sachsen und Sachsen-Altenburg.

Wenn Hartmann mit Beziehung auf den Jacobi’schen Vorwurf im genannten Petitionsbericht (S. 29) fragt:

„Wo haben denn diese 330 Apotheken 1867 gefehlt und wie viele fehlen unter Zugrundelegung des Verhältnisses 1 Apotheke auf 10,000 Einwohner heute noch und resp. wo fehlen sie noch?“ so antworte ich ihm hierauf zuerst, dass ich der, wie er selbst sagt, willkürlich angenommenen Verhältnisszahl von 10,000 meine Durchschnittszahl 8,000 entgegenstelle und zwar aus folgenden Gründen.

Nach der bisherigen Berechnung (Wald für den Regierungsbezirk Potsdam, dessen Schrift) resp. Annahme für den ganzen Staat, die Hurtmann (S. 48) acceptirt, beträgt der Arznei-Consum pro Kopf 10 bis 11 Groschen.

Nimmt man den niedrigsten Satz, also 10 Groschen an, so giebt der Durchschnittssatz von 8000 Einwohnern auf eine Apotheke ein Medicinalgeschäft von 8000 Mark = ca. 2700 Thaler Brutto. Nach den von Hartmann acceptirten Sätzen für Geschäftsunkosten etc. bleibt ein Netto-Gewinn von etwa 1300 Thalern, der durch den Handverkauf nicht unerheblich vermehrt werden dürfte, in wohl habenden Gegenden aber an sich schon sehr viel höher ausfällt. Wie ich von einem Apotheker, der in grossen und kleinen Städten servirt hat und seit Jahren wohlsituirter Besitzer ist, erfahren habe, darf man in grossen Städten den ArzneiConsum bis zu einem Thaler pro Kopf, für wohlhabende Gegenden, mittlere Städte auf 15 bis 20 Groschen annehmen. Nur in ganz ärmlichen und dünn bevölkerten Districten dürfte der Verbrauch pro Kopf unter 10 Groschen sein.

In Hannover, Hessen und Nassau, wie ich von den betreffenden Medicinal

Decernenten durch Privat - Correspondenzen weiss (ich sage den Herren Lambert, Dedek und Bruns hier gern meinen Dank für die bereitwilligst gewährte Auskunft), werden Apotheken neu concessionirt, wenn man auf einen Brutto - Ertrag von 1000 Thlrn. ohne Gefährdung der existirenden Apotheken rechnen kann.

In Cassel und Hannover haben selbstständige Land- Apotheken wie Filiale ein Brutto-Einkommen von 900 bis 1500 Thalern; dies muss ich mit den Herren Collegen in Hannover und Cassel allerdings ein recht spärliches nennen und glaube gern, dass verschiedene hannoversche kleine Besitzer nur ein kümmerliches Dasein fristen. Dabei sind im Regierungsbezirk Cassel seit 20 Jahren keine Subhastationen vorgekommen und ebensowenig in Wiesbaden oder Hannover. Ich sehe ganz von Nebengeschäften ab, welche sehr wohl mit dem Apothekengeschäft zu vereinigen sind, z. B. Telegraphen-Post-Dienst an kleinen Orten, Landwirthschaft, was in Hannover vielfach vorkommt; andere Nebengeschäfte, wie Wein- und Bierschank, Materialienhandlung, halte ich sogar für bedenklich neben der Apotheke. Ich sehe ganz von der erstgenannten Möglichkeit ab und will nur darauf hinweisen, wie hoch meine Summe von 2700 Thalern Umsatz noch gegriffen ist mit Rücksicht auf schon bestehende Verhältnisse. Und wenn man nach diesem Verhältniss von 2000 bis 2700 Thalern voraussichtlichen Umsatz das Königreich Preussen, wie es vor 1866 bestand, auf die heutige Apotheken - Vertheilung prüft, dann fehlen doch noch einige mehr als 330 Apotheken.

Ich will hier nur noch kurz einige eclatante Beispiele fehlender Apotheken anführen:

Die ganze Provinz Schlesien, insbesondere aber der hiesige Regierungsbezirk, zeichnen sich aus durch Mangel an Apotheken; in Pommern mussten die Landleute hin und wieder zwei Meilen bis zu einer Apotheke oder einem Arzt senden; hier sind Aerzte schon näher zu haben, während die Apotheken bis drei Meilen entfernt sind; in wohlhabenden Kreisen des hiesigen Bezirks kommen heute noch 25,000 bis 30,000 Einwohner auf eine Apotheke, obwohl in den letzten 20 Jahren die Concessionen reichlicher ertheilt sind. Nicht anders liegen bei der grösseren Wohlhabenheit die Apotheken-Verhältnisse in den Bezirken Breslau und Liegnitz, wenn auch die Zahlen etwas kleiner sind.

Dies ist das eclatanteste Beispiel, von allen Freunden und Feinden des Concessions-Systems gleichmässig anerkannt event. verwerthet. Als Beispiele gegen die gleichmässige Vertheilung der Apotheken erlaube ich mir folgende Grossstädte anzuführen: Während Köln mit 129,000 Einwohnern für 18, d. h. ca. 7,500 Einwohner

auf 1 Apotheke, Königsberg mit 112,000 Einw. für 12 Apotheken, also ca. 9,400 Einw.

auf 1 Apotheke, Danzig mit 89,000 Einw. für 8 Apotheken, also ca. 8,000 Einw. auf

1 Apotheke ausreichen, bedarf man in den beiden ebenso reichen Städten:

Breslau mit 208,000 Einwohnern nur 18 Apotheken, also 11,500 für

1 Apotheke, und in dem reichen Magdeburg mit 104,800 Einw. nur 8 (!) Apotheken, also 13,000 für

1 Apotheke.

Da mag man mir noch von gleichmässiger Vertheilung der Apotheken sprechen und nur Berlin ausnehmen; ich glaube bewiesen zu haben, dass es noch andere Beispiele nur zu günstiger Vertheilung, d. h. für die Besitzenden giebt. Beati possidentes! - Apotheken fehlen überall dort, wo ohne wirkliche erhebliche Schädigung der anderen Apothekenbesitzer, wenn man den wahren Werth dieser Geschäfte, d. h. jenen Werth zu Grunde legt, welchen das Geschäft heute unmittelbar nach der Einrichtung und Eröffnung haben muss, um das angelegte Kapital zu verzinsen, die Betriebskosten zu decken, den Besitzer nebst Familie bei bescheidenen Ansprüchen anständig zu ernähren und ihm daneben die Gelegenheit zu Ersparnissen für das Alter zu gewähren, eine neue Apotheke einen MinimalUmsatz von 2,700 Thalern erreichen kann. – In den Städten muss sich der Umsatz etwas resp. viel höher beziffern, weil die Beschaffung der Realien, namentlich des Grundstückes eine viel höhere Kapital-Anlage erfordert.

Hiernach muss ich Jacobi vollständig beistimmen, wenn er in dem PetitionsBericht, wie in dem Artikel der Schlesischen Zeitung No. 296. 1873. darauf dringt, dem in Preussen bestehenden Concessions - Unwesen, das den Apothekenbesitzern selbst nur bis vor ca. 20 Jahren Nutzen gebracht hat, welcher später durch die hohen Zinsen erheblich vermindert wurde, ein Ende zu machen. Die künstlich erzielten hohen, ja man kann sagen, Schwindelpreise, welche man mit den Güterpreisen und Pachtsummen um das Jahr 1860 vergleichen kann, müssen auf die gehörige Norm zurückgeführt werden; es muss minder begüterten approbirten Apothekern die Erlangung der Selbstständigkeit nicht durch Speculation unter der Aegide des Staatsschutzes erschwert werden.

Aber nicht das System der Concessionen an sich ist schlecht, die Art der Anwendung, die heute massgebenden Grundsätze sind zu verwerfen. Aendert man diese ab, beseitigt man den eingerissenen Abusus, concessionirt man künftig ohne jene ängstliche Rücksicht auf die Besitzenden, ohne Rücksicht auf die hohen Kaufsummen und die also aufzubringenden Zinsen, nur mit Rücksicht auf die Bedürfnissfrage der Bewohner und auf die Existenzfähigkeit des neuen Concessionärs, neben den bestehenden Geschäften in ihrem wahren Werth, dann werden wir gute, billige und schnell zu erreichende Arznei erhalten und behalten. Die Wissenschaft wird dabei auch ihre Rechnung finden. Die bisherigen Pfründen - Inhaber mögen immerhin schreien über Beeinträchtigung wohl erworbener Rechte, Niemand wird sich darum kümmern; ich meine aber, sie thun besser, dankbarlichst zu schweigen, dass man ihnen so lange die fetten Pfarren ungeschmälert belassen hat.

Gern gebe ich zu, was mir namentlich von einzeln stehenden Apothekern öfters auf meine Auseinandersetzungen gesagt ist: „Ja, man hätte nur bei meinem Vorgänger schon eine neue Con

cession geben sollen, da hat man es versäumt; der sass in der Wolle, ich habe nun im guten Glauben theuer gekauft und soll dafür büssen.“ Ja, darin liegt eine gewisse Härte, aber daran darf die Staatsregierung resp. die Bezirksregierung sich nicht kehren, damit nicht wieder der rechte Zeitpunkt versäumt werde. Wo nach reiflicher Erwägung eine zweite Apotheke so existiren kann, dass der Besitzer ohne Nebengeschäfte sich einen Gehülfen oder auf dem Lande, wenn er tüchtig ist, auch ohne Gehülfen einen Lehrling halten kann, da muss von jetzt ab obne Säumen mit der Errichtung neuer Apotheken vorgegangen werden, freilich so, dass man die ersten Apotheken immer dort neu eröffnet, wo alte Besitzer sind, doch auch mit den erst seit kürzerer Zeit im Besitz stehenden nicht zu lange zögert und das aus folgenden Grunde: Wartet man zu lauge mit neuen Concessionen an Orten, wo nur zwei oder gar nur ein Besitzer sind, so setzen sich diese oder dieser inzwischen so fest in den Sattel, dass sie durch niedere Concurrenz den neu concessionirten Apotheker todt machen, oder sie verkaufen wieder höher. Solche Fälle sind mir bekannt aus der Mark und Pommern. Also lieber zu früh als zu spät concessioniren, so dass in 10 Jahren nach den später zu erörternden Normativzahlen Alles geordnet ist.

Bei der Ertheilung der Concession muss jedes persönliche Motiv, besonders die Rücksicht auf Politik oder Religion fortfallen, dagegen muss der Charakter und die Befähigung des Bewerbers mit allen zu Gebote stehenden Mitteln genau geprüft werden. Der Staat soll ja eine Erziehungs-Anstalt im Grossen sein; nun dann muss er seine Diener besonders nach ihrem Charakter und ihren Fähigkeiten anstellen, nicht nach dem so leicht zu wechselnden Kleide der Religion und der Politik. Wer in den letzten 25 Jahren offene Augen gehabt hat, dürfte nicht nach Beispielen für politisches und religiöses Changement je nach dem herrschenden Regime fragen. Unter den durch Charakter und fachmännischer Befähigung Gleichen muss der älteste Bewerber genommen werden. Diesem Concessionär muss die Bedingung auferlegt werden, dass er das Geschäft nach frühestens 10jahrigem Besitz wieder veräussern darf und zwar an einen qualificirten Nachfolger, welcher sich der Regierung über seine Qualification auszuweisen hat.

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