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als Schirmherrn des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Zollvereins.

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I. Zur Eröffnung des constituirenden

Reichstages,

am 24. Februar 1867. Erlauchte, edle und geehrte Herren vom Reichstage des Norddeutschen Bundes.

Es ist ein erhebender Augenblick, in welchem Ich in Ihre Mitte trete; mächtige Ereignisse haben ihn herbeigeführt, grosse Hoffnungen knüpfen sich an denselben. Dass es mir vergönnt ist, in Gemeinschaft mit einer Versammlung, wie sie seit Jahrhunderten keinen Deutschen Fürsten umgeben hat, diesen Hoffnungen Ausdruck zu geben, dafür danke ich der göttlichen Vorsehung, welche Deutschland dem von seinem Volke ersehnten Ziele auf Wegen zuführt, die wir nicht wählen oder voraussehen. Im Vertrauen auf diese Führung werden wir jenes Ziel um so früher erreichen, je klarer wir die Ursachen, welche uns und unsere Vorfahren von demselben entfernt haben, im Rückblick auf die Geschichte Deutschlands erkennen.

Einst mächtig, gross und geehrt, weil einig und von starken Händen geleitet, sank das Deutsche Reich nicht ohne Mitschuld von Haupt und Gliedern in Zerrissenheit und Ohnmacht. Des Gewichtes im Rathe Europas, des Einflusses auf die eigenen Geschicke beraubt, ward Deutschland zur Wahlstatt der Kämpfe fremder Mächte, für welche es das Blut seiner Kinder, die Schlachtfelder und die Kampfpreise hergab.

Niemals aber hat die Sehnsucht des Deutschen Volkes nach seinen verlorenen Gütern aufgehört, und die Geschichte unserer Zeit ist erfüllt von

den Bestrebungen, Deutschland und dem Deutschen Volke die Grösse seiner Vergangenheit wieder zu erringen.

Wenn diese Bestrebungen bisher nicht zum Ziele geführt, wenn sie die Zerrissenheit, anstatt sie zu heilen, nur gesteigert haben, weil man sich durch Hoffnungen oder Erinnerungen über den Werth der Gegenwart, durch Ideale über die Bedeutung der Thatsachen täuschen liess, so erkennen wir daraus die Nothwendigkeit, die Einigung des Deutschen Volkes an der Hand der Thatsachen zu suchen, und nicht wieder das Erreichbare dem Wünschenswerthen zu opfern.

In diesem Sinn haben die verbündeten Regierungen, im Anschlusse an gewohnte frühere Verhältnisse,' sich über eine Anzahl bestimmter und begrenzter, aber praktisch bedeutsamer Einrichtungen verständigt, welche eben so im Bereiche der unmittelbaren Möglichkeit, wie des zweifellosen Bedürfnisses liegen.

Der Ihnen vorzulegende Verfassungs - Entwurf muthet der Selbstständigkeit der Einzelstaaten zu Gunsten der Gesammtheit nur diejenigen Opfer zu, welche unentbehrlich sind, um den Frieden zu schützen, die Sicherheit des Bundesgebietes und die Entwickelung der Wohlfahrt seiner Bewohner zu gewährleisten.

Meinen Hohen Verbündeten habe Ich für die Bereitwilligkeit zu danken, mit welcher sie den Bedürfnisssen des gemeinsamen Vaterlandes entgegengekommen sind. Ich spreche diesen Dank in dem Bewusstsein aus, dass Ich zu derselben Hingebung für das Gesammtwohl Deutschlands auch dann be

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reit gewesen sein würde, wenn die Vorsehung Mich hunderte verkümmert hat. Nur zur Abwehr, nicht nicht an die Spitze des mächtigsten und aus diesem zum Angriff einigen sich die Deutschen Stämme, Grunde zur Leitung des Gemeinwesens berufenen und dass ihre Verbrüderung auch von ihren NachBundesstaates gestellt hätte. Als Erbe der Preus- barvölkern in diesem Sinne aufgefasst wird, beweist sischen Krone aber fühle Ich Mich stark in dem die wohlwollende Haltung der mächtigsten EuroBewusstsein, dass alle Erfolge Preussens zugleich päischen Staaten, welche ohne Besorgniss und ohne Stufen zur Wiederherstellung und Erhöhung der Missgunst Deutschland von denselben Vortheilen Deutschen Macht und Ehre geworden sind.

eines grossen staatlichen Gemeinwesens Besitz erUngeachtet des allgemeinen Entgegenkommens greifen sehen, deren sie sich ihrerseits bereits seit und obschon die gewaltigen Ereignisse des letzten Jahrhunderten erfreuen. Nur von uns, von unserer Jahres die Unentbehrlichkeit einer Neubildung der Einigkeit, von unserer Vaterlandsliebe hängt es daDeutschen Verfassung zu allseitiger Ueberzeugung ber in diesem Augenblicke ab, dem gesammten gebracht und die Gemüther für die Annahme der- Deutschland die Bürgschaften einer Zukunft zu selben empfänglicher gemacht hatten, als sie früher sichern, in welcher es, frei von der Gefahr, wieder waren, und später vielleicht wiederum sein würden, in Zerrissenheit und Ohnmacht zu verfallen, nach haben wir doch in den Verhandlungen von Neuem eigener Selbstbestimmung seine verfassungsmässige die Schwere der Aufgabe empfunden, eine volle Entwickelung und seine Wohlfahrt pflegen und in Uebereinstimmung zwischen so vielen unabhängigen dem Rathe der Völker seinen friedliebenden Beruf Regierungen zu erzielen, welche bei ihren Zuge- zu erfüllen vermag. ständnissen obenein die Stimmungen ihrer Land- Ich hege das Vertrauen zu Gott, dass die Nachstände zu beachten haben.

welt im Rückblick auf unsere gemeinsamen ArbeiJe mehr Sie, Meine Herren, sich diese Schwierig- ten nicht sagen werde, die Erfabrungen der früheren keiten vergegenwärtigen, um so vorsichtiger werden misslungenen Versuche seien ohne Nutzen für das Sie, davon bin ich überzeugt, bei Prüfung des Deutsche Volk geblieben, dass vielmehr unsere Verfassungs-Entwurfes die schwer wiegende Ver- Kinder mit Dank auf diesen Reichstag als den Beantwortung für die Gefahren im Auge behalten, gründer der Deutschen Einheit, Freiheit und Macht welche für die friedliche und gesetzmässige Durch- zurückblicken werden. führung des begonnenen Werkes entstehen könnten, Meine Herren! ganz Deutschland, auch über die wenn das für die zige Vorlage hergestellte Ein- Grenzen unseres Bundes hinaus, harrt der Entverständniss der Regierungen für die vom Reichs- scheidungen, die hier getroffen werden sollen. tage begehrten Aenderungen nicht wieder gewonnen Möge durch unser gemeinsames Werk der Traum würde. Heute kommt es vor Allem darauf an, den von Jahrhunderten, das Sehnen und Ringen der günstigen Moment zur Errichtung des Gebäudes jüngsten Geschlechter der Erfüllung entgegengeführt nicht zu versäumen; der vollendetere Ausbau des- werden. selben kann alsdann getrost dem ferneren vereinten Im Namen aller verbündeten Regierungen, im Wirken der Deutschen Fürsten und Volksstämme Namen Deutschlands fordere ich Sie vertrauensvoll überlassen bleiben.

auf: helfen Sie uns die grosse nationale Arbeit Die Ordnung der nationalen Beziehungen des rasch und sicher durchführen. Norddeutschen Bundes zu unsern Landsleuten im Der Segen Gottes aber, an welchem Alles geleSüden des Main ist durch die Friedensschlüsse des gen ist, begleite und fördere das vaterländische vergangenen Jahres dem freien Uebereinkommen

Werk! beider Theile anheimgestellt. Zur Herbeiführung dieses Einverständnisses wird unsere Hand den Süddeutschen Brüdern offen und entgegenkommend dargereicht werden, sobald der Norddeutsche Bund in Feststellung seiner Verfassung weit genug vorge

II. Zum Schlusse des constituirenden schritten sein wird, um zur Abschliessung von Ver

Reichstages, trägen befähigt zu sein.

am 17. April 1867. Die Erhaltung des Zollvereins, die gemeinsame Pflege der Volkswirthschaft, die gemeinsame Ver

Erlauchte, edle und geehrte Herren vom bürgung für die Sicherheit des Deutschen Gebietes

Reichstage des Norddeutschen Bundes! werden Grundbedingungen der Verständigung bilden, Mit dem Gefühle aufrichtiger Genugthuung sehe welche voraussichtlich von beiden Theilen ange- Ich Sie am Schlusse Ihrer wichtigen Thätigkeit strebt werden.

wiederum um mich versammelt. Wie die Richtung des Deutschen Geistes im All- Die Hoffnungen, die ich jüngst von dieser Stelle gemeinen dem Frieden und seinen Arbeiten zuge- zugleich im Namen der verbündeten Regierungen wandt ist, so wird die Bundesgenossenschaft der ausgesprochen habe, sind seitdem durch Sie zur Deutschen Staaten wesentlich einen defensiven Cha- Erfüllung gebracht. rakter tragen. Keine feindliche Tendenz gegen Mit patriotischem Ernste haben Sie die Grösse unsere Nachbarn, kein Streben nach Eroberung hat Ihrer Aufgabe erfasst, mit freier Selbstbeherrschung die Deutsche Bewegung der letzten Jahrzehnte ge- die gemeinsamen Ziele im Auge behalten. Darum tragen, sondern lediglich das Bedürfniss, den weiten ist es uns gelungen, auf sicherem Grunde ein VerGebieten von den Alpen bis zum Meere die Grund- fassungswerk aufzurichten, dessen weitere Entbedingungen des staatlichen Gedeihens zu gewähren, wickelung wir mit Zuversicht der Zukunft überwelche ihnen der Entwickelungsgang früherer Jahr- lassen können,

siod,

2n62

Die Bundesgewalt ist mit den Befugnissen aus- III. Zur Eröffnung des Norddeutschen gestattet, welche für die Wohlfahrt und die Macht

Reichstages,
des Bundes unentbehrlich, aber auch ausreichend
den Einzelstaaten ist, unter Verbürgung

1. Legislatur-Periode, 1. Session,
ihrer Zukunft durch die Gesammtheit des Bundes,

am 10. September 1867. die freie Bewegung auf allen den Gebieten ver

Erlauchte, edle und geehrte Herren vom blieben, auf welchen die Mannigfaltigkeit und Selbst- Reichstage des Norddeutschen Bundes! ständigkeit der Entwickelung zulässig und erspriess- Bei dem Schlusse des Ersten Reichstages des lich ist. Der Volksvertretung ist diejenige Mitwir- Norddeutschen Bundes konnte Ich die Zuversicht kung an der Verwirklichung der grossen nationalen aussprechen, dass die Volksvertretungen der einzelAufgaben gesichert, welche dem Geiste der bestehen- nen Bundesstaaten dem, was der Reichstag in Geden Landes-Verfassungen und dem Bedürfniss der meinschaft mit den Regierungen geschaffen hatte, Regierungen entspricht, ihre Thätigkeit von dem ihre verfassungsmässige Anerkennung nicht versagen Einverständnisse des Deutschen Volkes getragen würden. Es gereicht Mir zu grosser Genugthuung, zu sehen.

Mich in dieser Zuversicht nicht getäuscht zu baben. Wir Alle, die wir m Zustandekommen des In allen Bundesstaaten ist die Verfassung des Nordnationalen Werkes mitgewirkt, die verbündeten Re- deutschen Bundes auf verfassungsmässigem Wege gierungen ebenso wie die Volksvertretung, haben Gesetz geworden. Der Bundesrath bat seine Thåbereitwillig Opfer unserer Ansichten, unserer Wün- tigkeit begonnen und somit kann ich heute in Meische gebracht, wir durften es in der Ueberzeugung nem und Meiner Hohen Verbündeten Namen mit thun, dass diese Opfer für Deutschland gebracht freudiger Zuversicht den Ersten, auf Grund der sind und dass unsere Einigung derselben werth war. Bundesverfassung versammelten, Reichstag will

In diesem allseitigen Entgegenkommen, in der kommen heissen. Ausgleichung und Ueberwindung der Gegensätze Für die Ordnung der nationalen Beziehungen des ist zugleich die Bürgschaft für die weitere frucht- Bundes zu den Süddeutschen Staaten ist unmittelbringende Entwickelung des Bundes gewonnen, bar nach Verkündigung der Bundesverfassung ein mit dessen Abschluss auch die Hoffnungen, welche wichtiger Schritt geschehen. Die Deutsche Gesinuns mit unseren Brüdern in Süddeutschland ge- nung der verbündeten Regierungen hat für den meinsam sind, ihrer Erfüllung näher gerückt werden. Zoliverein eine neue, den veränderten Verhältnissen Die Zeit ist herbeigekommen, wo unser Deutsches entsprechende Grundlage geschaffen und dessen Vaterland durch seine Gesamintkraft seinen Frieden, Fortdauer gesichert. Der deshalb abgeschlossene, sein Recht und seine Würde zu vertreten im Stande ist. von dem Bundesrathe genehmigte Vertrag wird

Das nationale Selbstbewusstsein, welches im Reichs- Ihnen vorgelegt werden. tage zu erhebendem Ausdruck gelangt ist, hat in al- Der Haushaltsetat des Bundes wird einen hervorlen Gauen des Deutschen Vaterlandes kräftigen ragender Gegenstand Ihrer Berathungen bilden. Wiederhall gefunden. Nicht minder aber ist ganz Die sorgfältige Beschränkung der Ausgaben auf Deutschland in seinen Regierungen und in seinem den nothwendigen Bedarf wird es gestatten, beinahe Volke darüber einig, dass die wiedergewonnene drei Viertheile derselben durch die eigenen Einnationale Macht vor Allem ihre Bedeutung in der nahmen des Bundes zu bestreiten, und die vorsichSicherstellung der Segnungen des Friedens zu ge- tige Veranschlagung dieser Einnahmen leistet dafür währen hat.

Gewähr, dass die im Etat vorgesehenen Beiträge Geehrte Herren! Das grosse Werk, an welchem der einzelnen Bundesstaaten zur Deckung der Gemitzuwirken wir von der Vorsehung gewürdigt sind, sammt-Ausgabe vollstängig genügen werden. geht seiner Vollendung entgegen. Die Volksver- Dem Bundesrathe sind Gesetz-Entwürfe vorgelegt tretungen der einzelnen Staaten werden dem, was und verheissen, welche den Zweck haben, auf den Sie in Gemeinschaft mit den Regierungen geschaffen verschiedenen Gebieten der Bundesgesetzgebung das haben, ihre verfassungsmässige Anerkennung nicht zu ordnen, dessen Ordnung der Augenblick erforversagen.

Derselbe Geist, welcher die Aufgabe dert und die Zeit gestattete. Ein Gesetz über die hier gelingen liess, wird auch dort die Berathungen Freizügigkeit soll die weitere Entwickelung des, leiten.

durch die Verfassung begründeten gemeinsamen So darf denn der erste Reichstag des Norddeut- Indigenats anbahnen. Ein Gesetz über die Verschen Bundes von seiner Thätigkeit mit dem er- pflichtung zum Kriegsdienste soll dieses gemeinhebenden Bewusstsein scheiden, dass der Dank des same Indigenat für das Heer zur Geltung bringen Vaterlandes ihn begleitet und dass das Werk, welches und zugleich die Bestimmungen übersichtlich zuer aufgerichtet hat, sich unter Gottes Beistand sammenfassen, welche in der Verfassung theils segenbringend entwickeln wird für uns und für selbstständig, theils durch Hinweisung auf die Gekünftige Geschlechter.

setzgebung Preussens über die Dienstpflicht geGott aber wolle uns Alle und unser theures troffen sind. Ein Gesetz über das Passwesen ist Vaterland segnen!

dazu bestimmt, veraltete Beschränkungen des Verkehrs aus dem Wege zu räumen und die Grundlage zu einer, dem nationalen Interesse entsprechenden Vereinbarung zwischen dem Bunde und den Süddeutschen Staaten zu bilden. Eine Maass- und Gewichts-Ordnung hat die Aufgabe, das Maass- und Gewichtswesen des Bundes übereinstimmend und

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in einer, für den internationalen Verkehr förderlichen Weise zu regeln. Die Eigenschaft der Post, als eines Bundes-Instituts, macht gesetzliche Anordnungen über das Postwesen und den Porto-Tarif nothwendig. Die Errichtung von Bundesconsulaten erfordert die gesetzliche Feststellung der mit Ausübung dieses Amtes verbundenen Rechte und Pflichten. Die Einheit der Handelsmarine bedarf einer Grundlage durch ein Gesetz über die Nationalität der Kauffahrteischiffe.

Ich hoffe, dass diese Gesetze, welche einen ersten aber entschiedenen Schritt zum Ausbau der Bundesverfassung bezeichnen, Ihre und des Bundesrathes Zustimmung finden werden.

Die Ueberzeugung, dass die grosse Aufgabe des Bundes nur zu lösen ist, wenn durch allseitiges Entgegenkommen die besonderen mit dem allgemeinen und nationalen Interesse vermittelt werden, hat die Berathungen geleitet, aus welchen die Bundesverfassung hervorgegangen ist. Sie hat in den Verhandlungen des Bundesrathes von Neuem ihren Ausdruck gefunden, und sie wird, wie Ich zuversichtlich erwarte, auch die Grundlage Ihrer Berathungen bilden.

In diesem Sinne, geehrte Herren, legen Sie Hand an den Ausbau des, durch die Bundesverfassung begründeten Werkes. Es ist eine Arbeit des Friedens, zu welcher Sie berufen sind, und Ich vertraue, dass, unter Gottes Segen, das Vaterland sich der Früchte Ihrer Arbeit in Frieden erfreuen werde.

theidigung, über die vertragsmässigen Zinsen und die Bundes-Consulate, haben in der Form, welche sie durch Ihre Beschlüsse erhielten, die Zustimmung des Bundesrathes gefunden. In der Thatsache, dass alle diese wichtigen Gesetze, wenn auch einzelne ihrer Bestimmungen einen lebhaften Kampf der Meinungen hervorriefen, doch im Ganzen stets die grosse Mehrheit Ihrer Stimmen vereinigten, erblieke Ich mit lebhafter Befriedigung einen Beweis de gegenseitigen Verständnisses, in welchem die Folcsvertretung Hand in Hand mit den verbündeten filgierungen ihre gemeinsamen Ziele erstrebt.

Der von Ihnen genehmigte Vertrag über die Fortdauer des Zollvereins ist im Verhältniss zu alles Süddeutschen Staaten noch nicht gesichert. Die verbündeten Regierungen würden es mit Ibnen beklagen, wenn eine Einrichtung, deren segensreiche Wirkungen allen dazu gehörenden Ländern zu Gute gekommen sind, sich fortan nicht mehr auf alle diese Länder erstrecken sollte. Sie sind sich aber mit Ihnen bewusst, dass die unentbehrlichen Re formen der Verfassung des Zollvereins vorüberge henden Schwierigkeiten nicht geopfert werden dirfen, und dass die Gemeinschaft der wirthschaftlichen Interessen die nationale Verpflichtung zum gemeinsamen Schutze derselben zur vertragsmässigen Voraussetzung hat.

Der Schifffahrts-Vertrag mit Italien, welchem Sie Ihre Genehmigung ertheilt haben, wird dazu bei

. tragen, die Beziehungen zu einem Lande zu be festigen, mit welchem uns grosse gemeinsame Interessen verbinden.

So kehren Sie denn, geehrte Herren, zurück in Ihre Heimath mit dem Bewusstsein, unser nativnales Werk thatkräftig gefördert zu haben. Ich hoffe, Sie in nicht langer Zeit hier wieder versemimelt zu sehen, und zwar in Gemeinschaft mit Abgeordneten aus Süddeutschland zum Zollparlament

.

IV. Zum Schlusse des Norddeutschen

Reichstages,
1. Legislatur-Periode, 1. Session,

am 26. October 186 7. Erlauchte, edle und geehrte Herren vom Reichstage des Norddeutschen Bundes!

Die Hoffnungen, mit welchen Ich Sie bei dem Beginn Ihrer Thätigkeit hier willkommen hiess, sind im vollsten Maasse in Erfüllung gegangen.

Derselbe patriotische Ernst, mit welchem, in klarer Erkenntniss der gemeinsamen Ziele, die Bundesverfassung begründet wurde, hat Ihre Berathungen über die ersten Schritte zum Ausbau derselben geleitet In einer kurzen, aber an Ergebnissen reichen Session haben Sie auf den verschiedensten Gebieten der Gesetzgebung Einrichtungen festgestellt, welche nicht blos in sich selbst eine hohe Bedeutung haben, sondern auch die leitenden Gesichtspunkte für ferner zu schaffende Einrichtungen deutlich vorzeichnen. Für die anstrengende Thätigkeit, deren es zur Erreichung dieser Ergebnisse bedurfte, danke Ich Ihnen in Meinem und Meiner Hohen Verbündeten Namen.

Die von Ihnen berathenen Gesetze über den Bundeshaushalts-Etat, über die Verpflichtung zum Kriegsdienste, über die Freizügigkeit, das Postwesen, den Portotarif, das Passwessen, die Besteuerung des Salzes, die Nationalität der Kauffahrteischiffe, die Ausbildung der Kriegsmarine und der Küsten-Ver

V. Zur Eröffnung des Norddeutschen

Reichstages,
1. Legislatur-Periode, 2. Session,

am 23. März 1868. Geehrte Herren vom Reichstage des Nord

deutschen Bundes! Zum dritten Male begrüsse ich Sie im Namen der verbündeten Regierungen, um in Gemeinschaft mit Ihnen den Ausbau der Verfassung des Norddeutschen Bundes fortzusetzen.

In Ihrer letzten Session haben Sie durch Her stellung organischer Einrichtungen die Grundlagen geschaffen, auf welchen nunmehr die Gesetzgebung des Bundes diesen weiteren Ausbau seiner inneren Einrichtungen zu bewirken hat. Die Gesetz-Entwürfe, welche zu diesem Zwecke Ihrer verfassungsmässigen Beschlussnahme unterbreitet werden sollen, sind dem Bundesrathe vorgelegt, und zum Theil schon von demselben berathen worden.

Das in Ihrer letzten Session begründete Institut der Freizügigkeit soll durch eine, auf dem Grund

satze der Gewerbefreiheit beruhende Gewerbe-Ord- hervorgegangen war. Er hat die freundschaftlichen nung weiter entwickelt und durch Aufhebung der Beziehungen gefördert und befestigt, welche zwischen polizeilichen Beschränkungen der Eheschliessung von dem Norddeutschen Bunde und den auswärtigen einem, seine Verwirklichung lähmenden Hemmniss Mächten bestehen und deren Pflege und Erhaltung befreit werden. Ein Gesetz über die Quartierleis- der Gegenstand Meiner unausgesetzten Sorgfalt tung im Frieden ist dazu bestimmt, die Militair- bleiben wird. Gesetzgebung des Bundes nach einer, für die In- Ich darf daher der Ueberzeugung Ausdruck geben, teressen der Bevölkerung besonders wichtigen Seite dass der Segen des Friedens auf den Anstrengungen zum Abschluss zu bringen. Die Regelung des ruhen werde, welche Sie der Förderung der natioMaass- und Gewichtswesens, welche in der vorigen nalen Intereressen widmen wollen, zu deren Pflege Session dringenderen Aufgaben weichen musste, und zu deren Schutz das gesammte Deutsche Vaterwird in der gegenwärtigen zu Ihrer Berathung ge- land sich verbündet hat. langen. Die Verhältnisse der Bundesbeamten bedürfen der gesetzlichen Regelung und werden den Gegenstand von Vorlagen bilden. Ein Gesetz-Entwurf über das Schuldenwesen des Bundes wird Ihnen wiederum vorgelegt werden. Ich vertraue, dass VI. Zur Eröffnung des Deutschen die Bereitwilligkeit, mit welcher die verbündeten

Zollparlaments Regierungen in diesem Entwurfe den von Ihnen bei der früheren Berathung gefassten Beschlüssen ent

am 27. April 1868.

Geehrte Herren vom Deutschen Zollgegengekommen sind, von Ihrer Seite ein gleiches Entgegenkommen finden werde.

parlamente! Ueber die Lage der vormals Schleswig-Holstein- Vierzig Jahre sind verflossen seit der Begründung schen Offiziere, welche in der letzten Session Ihre des Vereins, welcher heute in eine bedeutungsvolle Theilnahme in Anspruch nahm, und über die Un- Epoche seiner Entwickelung eintritt. Von kleinen terstützung hülfsbedürftiger Familien der Ersatz- Anfängen ausgehend, aber getragen von dem BeReserve werden Ihnen Vorlagen zugehen. Die Be- dürfnisse des Deutschen Volkes nach der Freiheit steuerung des Branntweins in den Hohenzollernschen innern Verkehrs, hat der Zollverein sich allmälig, Landen und in dem zum Bunde gehörenden Theile durch die Macht des nationalen Gedankens, welchem Hessens bedarf der Regelung, und mit dieser Re- er Ausdruck gab, über den grössten Theil Deutschgelung steht ein Vertrag in Verbindung, durch lands ausgedehnt. Er hat zwischen seinen Gliedern welchen der freie Verkehr mit Branntwein und Bier eine Gemeinsamkeit der Interessen geschaffen, welche zwischen dem Bunde und dem übrigen Theile Hessens ihn schwere Proben siegreich bat bestehen lassen, hergestellt werden soll.

und im Weltverkehr nimmt er eine Stellung ein, Der Haushalts-Etat des Bundes für 1869 wird auf welche jeder Deutsche mit Befriedigung blickt. Ihnen vorgelegt werden. Die Schwierigkeiten, welche Die ihm bei seiner Gründung gegebenen Einseiner Aufstellung in den ersten Monaten des Jahres richtungen haben im Laufe der Zeit durch die entgegenstehen, haben dem Wunsche weichen müssen, Sorgfalt der Vereinsregierungen einen hohen Grad Sie zu einer Zeit zu berufen, in welcher Sie sich der Ausbildung erhalten. Sie vermochten jedoch Ihrer gewohnten Berufsthätigkeit mit den geringsten auf die Dauer weder den Anforderungen zu geOpfern entziehen können.

nügen, welche die rasche Entwickelung und die zuDie Regelung des internationalen Postverkehrs nehmende Vielseitigkeit des Verkehrs an die Guauf Grundlage der in Ihrer letzten Session beschlos- setzgebung stellt, noch dem berechtigten Verlangen senen Gesetze, ist weit vorgeschritten. Post-Ver- des Deutschen Volkes nach einer wirksamen Theilträge mit den Süddeutschen Staaten, mit Oester- nahme an dieser Gesetzgebung zu entsprechen. reich, mit Luxemburg, mit Norwegen und mit den Die Veränderungen, welche das wirthschaftliche Vereinigten Staaten von Amerika sind abgeschlossen und politische Leben Deutschlands erfahren hat, und werden Ihnen vorgelegt werden; mit anderen erheischten die Fortbildung der dem Zollverein Staaten sind sie dem Abschluss nahe und werden, bei seiner Gründung gegebenen Organe. und es wie Ich hoffe, noch zu Ihrer Berathung gelangen. ist die Frucht einer naturgemässen Entwickelung,

Ein mit den Vereinigten Staaten von Amerika wenn heute Vertreter der ganzen Nation sich zur abgeschlossener Vertrag ist dazu bestimmt, die Berathung der gemeinsamen wirthschaftlichen InteStaatsangehörigkeit der gegenseitigen Einwanderer ressen Deutschlands vereinigen. zu regeln und damit aus den Beziehungen zweier, Diese Berathung wird sich auf fast alle Gebiete durch Verkehrs-Interessen und Familienbande eng der nach dem Vertrage vom 8. Juli v. J. gemeinverbundenen Nationen den Keim von Zwistigkeiten schaftlichen Gesetzgebung erstrecken und kann dazu entfernen.

bei die Ausdehnung des Vereins auf Mecklenburg Im Einverständniss mit Meinen Verbündeten habe und Lübeck als nahe bevorstehend ins Auge fassen. Ich Behufs Unterhandlung dieser Verträge und um Sie wird zunächst die dauernde Regelung der Verdie völkerrechtliche Stellung des Norddeutschen kehrsbeziehungen zu einem Nachbarlande zum GeBundes zur Geltung zu bringen, die in der Ver- genstande haben, welches durch Stammes-Verfassung vorgesehene Vertretung des Bundes im wandtschaft und die mannigfaltigsten materiellen Auslande hergestellt, und ist dieser Schritt zu Interessen eng mit Deutschland verbunden ist. Meiner lebhaften Genugthuung allseitig in dem Geiste Der mit Oesterreich am 9. März d. J. abgeschlosaufgefasst und erwidert worden, aus welchem er sene Handels- und Zollvertrag wird dem gegen

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