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die abgeschnittenen Traintolonnen noch hinzukamen. Hunderte vc»n Pferden trieben sich in den Straßen umher, die Wagen waren geplündert und die Straßen mit Kleidungsstücken, Wäsche und Kriegsgeräth ganz bedeckt. Jeder nahm sich, was er brauchte. Die Einwohnerschaft war in entsetzlicher Angst vor uns; man hatte uns die schauderhaftesten Sachen nachgesagt, und das Publikum war so dumm, daran zu glauben. Ich wurde bei einer Wittwe. einer Bicomtesse d'O ... einquartiert. Sie kam mir sehr ängstlich entgegen und wies mir mein Zimmer an. Nach dem Eintritt in dasselbe sagte sie mir: »Ick habe kein anderes Zimmer als dieses; Sie sehen, mein Haus ist nur klein; dies Zimmer hat mein verstorbener Mann bewohnt. Alle Gegenstände, welche Sie hier sehen, sind theuere Andenken.« Darauf hob sie die Hände flehend empor und sagte mit bittender Stimme: »Nickt wahr, Sic stehlen mir nichts davon?« Ich mußte ihr ins Gesicht lachen und erwiderte: »Wir Preußen sind keine Spitzbuben; Sie können sich beruhigen; es wird Ihnen nichts fortkommen.« Aber trotzdem bat sie später auch einen HauptMann, der sich bei mir meldete, ihr doch nichts fortzunehmen. Ich hielt sie anfangs für verdreht, aber nach einiger Zeit, als sie sab. daß ihr nichts fortgenommen wurde, wurde sie ganz vernünftig. Ich fragte sie dann, wie sie auf den Gedanken gekommen wärt, uns Preußen für eine Bande von Dieben zu halten, und erhielt die Antwort, daß dies seit Monaten in allen Zeitungen gestanden habe.

Die Pcvöllernng war früher legitimistisch gesonnen, und auch jetzt ist noch der Legitimismus stark vertreten; z. N. gehörte meine Wirthin und ihre ganze Verwandtschaft zu dieser Partei. Als sie erfuhren, daß alle preußischen Offiziere Legitimisten seien, wurde unsere Stellung zu ilmen eine weit bessere. Auch mit der Einwohnerschaft stellte sich ein besseres Verhältniß heraus, als die Leute merkten, daß w»r viel besser als unser durch die Zeitungen verbreiteter Ruf »raren. Sie waren auch in ihren Forderungen durchaus nicht so unverschämt wie iu Orleans. Wir spcisteu in einem Hotel gut und billig zu Mittag; Gebranchsgegenstände waren durchaus nickt thcner; die Preise sanken sogar in späterer Zeit. Die Abende verlebten wir meist im Theater: nicht in einem französischen, denn die Schauspieler desselben waren davongelaufen, sondern in einem deutsche». Es befanden sich bei der Armee alle Berufsartcn vertrete», Schauspieler, Säuger und sonstiges fahrendes Volt. Diese Sorte hatte sich nun zusammengcthan uud gab Vorstellungen, die 'llifmoldentlich besucht waren. Selbst der Prinz Friedrich Karl 7lls<bmHhle es nicht, ihnen beizuwohnen. Eine von der Koinmantantur getroffene Einrichtung schien den Bewohnern sehr zu gefallen. ,>den Mittag von 12 bis 1 Uhr spielte nämlich eines der in Le Mans befindlichen Musitlorps auf dein Iatobiner-Platz. Hunderte reu Bewohnern fanden sich dazu ein und lauschten, auf dem Platze auf- und abgehend, der Musit. Am meisten schien ihnen das Musit lorps des Leib-Regiments zu gefallen. Es war aber auch das beste, »nd der Musikmeister Piefke traf bei der Auswahl der Stücke den Geschmack seiner Zuhörer."

Eine traurige Pflicht hatte das Regiment in Le Mans zu erfüllen, die Beerdigung des Hauptmanns Stophasius und des "'cutenllnts Faber. Beide waren brave, unerfchrockene Offiziere ^wesen. Wenn die Trauerfcicr für den Hauptmann StöphasiuS die sonst wohl üblichen Grenzen der Anthcilnahme überstieg, so hatte dies seinen Grund in der hervorragenden Persönlichkeit des Perflerbtncn, der es verstanden hatte, bei Vorgesetzte» und Untergebenen, >« der eigenen Truppe wie bei den anderen Waffen der 5. Division l>i besondere Ancrlenuung und Liebe zn erwerben.

Hauptmann Slöphafius war am 15. Januar Mittags 2 Uhr <«»l»minn 'liner vor Le Mans erhaltenen schweren Wunde erlegen. An seinem ^llldedelte hatte General v. Stülpnagel gestanden und ihm geläql- .Was wird die 5. Division ohne 3ic machen, wenn Sie nicht llmblommen?" worauf Ttöphasius erwidertem „Was soll ich im Himmel machen, wenn ich die 5. Division nicht bei mir habe!", ein sprich, welches von der Stellung Zengniß ablegt, die der Ent5>nene in der 5. Division einnahm.

Am 17. Januar wurde die entseelte Hülle durch den Unter ^ier du Plat aus dem Lazarett, Parignö l'EvOque nach Le Mans "dnführt und im Parl der Batterie aufgestellt. Um 3'/, Ühr Nach willig« begann die Trauerfcicr. Der mit Blumen geschmückte Sarg "tu in einem Leichenwagen, auf defsen Deckel die militärischen AbiNlben, Schärpe. Helm und Säbel des Verewigten angebracht waren, »«b« Rappen, das Gespann des l. Geschützes der I. leichten Batterie, 'cq» 5fn Wagen, zu dessen beiden Seiten der ^-eldwebel und die >lnlerofnziere der Batterie gingen, während unmittelbar hinter dem ^Nge das Leibpferd deo Hauptmanns <I»ca> von z>vei Kanoniere», '"» denen der eine, «anonicr Dzialel, sein Pfleger in den letzten "zt„ g,u>esen war, gefübrt wurde.

Dle Leichenparade bestand aus einer Kompagnie 52. InfanterieRegiments mit der Rcgimcntsmusit. Als Leidtragende folgten sämmtliche in Le Mcms anniesenden hohen Offiziere des III. Armeekorps, außerdem aber noch an 150 Offiziere, ferner die gcsammte 1, leichte und 2. schwere Batterie sowie über tausend Mann aller Waffen, die sich freiwillig angeschlossen hatten. Auf dem Kirchhofe wurde der Sarg in die hart links des Einganges bereitete Gruft gesenkt, worauf der Oberpfarrer «retschmer kräftige, kurze Worte sprach. Nach dem Segen drängte sich ein Jeder hinzu, um dem allgeliebten Manne die letzte Ehre zu erweisen. Die Salven trachten über das Grab — und heim ging es unter den Klängen d« Kärnthner Liedermarsches.

Zur dauernden Erinnerung an den tapfern Helden, an dessen Seite der am 10. Januar von seinen Schmerzen erlöste Lieutenant d. Res. Faber ruht, wurde ein Sandstcindentmal vom Offizier torps der Königlich preußischen 5. Infanterie-Division errichtet.

Vom Helden Stöphasins.

War Ein«, der stürmte so herzhaft voran.
Als ob er von Eise», der tapfere Mann;
Und mnßt' er dein Tode erliege».
So war es, um sterbend zu siegen,

Wohl strahlten die Zungfrau'» in sitt'gem Erglüh'»,
Als einstens er einzog so frisch in Verlin,
Anführt' auf bekränztem blosse
Erbeutete Dänen-Geschosse.

Um sie zu gewnmen, stürmt' wacker er drein
Nei Düppel, als ging es zu lustigstem Reih'».
Uno schnell flog von Wunde zu Munde
Vom Helden Htöplmsiu? die Kunde,

Sein Kampfruf !)icfl- „Aorwäri«!" und „Vrandcnburg hoch!''
Im Felde sei» ^eben gar wenig ihm wog.
Er warf es dem Franzmann entgegen.
Kühn trotzend dem eisernen Regen,

Lud selbst die (beschuhe mit mächtiger Faust
Nei Metz, als die Feinen von Kugeln zerzaust;
Solch Heldeubild nur zu erschauen.
Weckt Kampflust und frisch« Vertrauen.

Das Wichte Fritz ilarl, der ihn zweimal geschmückt
Mit dem Eisernen Kreuz und die Hand ihm gedrückt.
Dem Tapfern, der felsglcich im Meere
Nefochten für Konig und Ehre,

Da« nmhte sein Korps, dem ei ringsum bekannt.
Das mit Liebe und Stolz seinen Namen nur nannt'i
Ein Jeder bei Niwot und Streite
Vocht solchen Gesellen zur Seite,

Wohl dorret der Lorbeer mit dem, der ihn bricht,
In der ewig bergenden Erde nicht;
Doch ach! Der Held ist begraben.
Den Alle geliebet haben,

23. g>5 zum Waffenjlillllllnd.

(Sliz,e4>. S. 393, Stizze 56. E, 495 u, Stizze b?. S, bOb.)

Am 23. Januar wurde das X. Armeetorps in Ruhequartiere n^ch 3e Mans zurückgenommen, die Sicherung gegen die Mayenne dem III. Korps und den Kavallerie Divisionen übertragen.

Auf dem linlen Flügel der Armee nabin die 6. KavallerieDivision Aufstellung. Die 14. Kavallerie-Brigade war mit der 3 reitenden Batterie am 22. von Paiges westlich Ve Mans ad gerückt, hatte am 23. Brulon. am ^4. Malicorncs erreicht. Die 2, reitende Batterie marsckirtc am 25. unter Bedeckung zur 15. Ka «llene-Vrigade nach ?a Floche und vereinigte sich dort wieder mit dem l. Zuge, Premierlicuteuaut v. Gizycki, welcher dort am 24. ein Gefecht gehart Halle. An diesen» Tage war nämlich die 15. Kavallerie-Brigade unter Oberst v. Drigalsly von Noycn snr Sann« nach Va Flocke marschirt. Sie batte außer dem Zuge nock e»e Kompagnie Regiments Nr. 91 bei sick. In ?a Floche stieß die «ese«» »»» loantgarde mit dem Gegner zusammen. Da derselbe mit Insniterie vordrang, mußten die Zielen - Husaren die schon besetzte Tladt räumen, während der Zug auf 1600 Schritt sein Feuer eröffnete. Nach fünf Sckuß zog der Feind sich zurück, das De lacbeinent folgte, die beiden Geschütze dnrckelllcn im Trabe die Stadt, zulgen auf der lihanssce nack Bazou^cs (westlich ^a Flocht) in Stellung und vertrieben durch einige lzchnj Schuß den Gegner, «liier wieder Halt gemacht hatte. Nack turzem Kampf um Ba znlges, an dem der Zug sick mit einigen Granaten bclbeiligte, ging Premierlicutcnant v. Gizycki nock über den Ort zur Verfolgung vor. Jenseits Bazougcs erbiclt die Kavallerie nochmals starlco ^«rr. Für eine nochmalige Berwendung dcc> Zngcs war es aber bereits zu dunlel geworden.

Als die Batterie am 25. um 12 Uhr in Va Flocke ciiigetrosfc» war und eben die Quartiere bezogen hatte, wurde sie nm 2 N!r wieder alarmirt, da der Feind, welcher Clsfs (südlich La Fleche besetzt hatte, von dort aus vordrang. Durch das Porgehen einer kleinen Truppeuabtheilung, der ein Zug der Batterie zugctheilt war. wurde der Angriff abgewiesen. Ein Perfolgen des Gegners fand jedoch nicht statt. Munitionsverbrauch: 34 Granaten.

Am 26. wiederholte sich um dieselbe Zeit der Angriff der Franzosen. Wieder gingen eiue Kompagnie, eine Eskadron und ein Zug der Batterie dem Feinde entgegen, während die übrigen Truppen die verschiedenen nach dem Feinde zu belegenen Ausgänge der Stadt besetzten. Ein Zug der Batterie ward am Bahnhof aufgestellt, zwei Geschütze au der Brücke zur Unterstützung irgend eines de drohten Punktes.

Es entwickelte sich wiederum ans der Straße im Walde vor Clsfs ein Feuergefecht, infolgedessen der Gegner allmählich wieder zurückging. Munitionsverbrauch: zwölf Granaten.

An« 27. Januar ging der 2. Zug der ^. reitenden Batterie Lieutenant Hederich) noch einmal gegen deu Feind vor, der stctl von Neuem näherte. Es war dies in dem Feldzugc das letzte Mal, daß brandenburgifchc Geschütze zum Gefecht marschirten; doch kamen sie nicht zur Perwendung. Bis zur Pertundiguug des Waffenstillstandes verblieb die Batterie ungestört in La Fische; ein Zug derselben war stets alarmirt.

Die Divisionen des III. Korps hatten am 23. je zwei selb?> - ständige Brigaden gebildet, welche nebeneinander im Anschluß an die 6. Kavallerie-Division vou Sabls sur Sarthc bis Tills lc Guillannie einen breiten Sichcrungsgürtel nm Le Maus bildeten (Skizze.'»6). Die kombinirte Prigade des Generals v. Schwerin wurde aufgelöst. Es standen vom rechten zum linken Flügel: die 9. Brig. zwischen Tills und Eonlie. 1. leichte Tills, 1. schw. EonUe.

- lO zwischen Nenvillette und St. Tymphorien, 2. leicbte

Parenncs, 2. schw. T t. Symphorie». l l zwischen Jons cn Charme und Logne, 6. leichte Iou«.

6. schw. Longne.

- 12. - zwischen Brnlon und Lon^, 5. schw. Lous, 1. Zug der

5. leichte», Lt. Dierle, Vrulou; zwei Züge der 5. leichte» i» Ehautenav au der Straße Le Maus —Table bei dem Detachemcnt des Oberstlts. Grafen zu Lynar zur Perbindnng mit der 6. Kavallerie-Division. Die Korvsartilleric um Coulans, westlich Lc Maos.

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