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Von Mitte Mai 186? an wurde Dresden von den preußischen Trxppen geräumt, nachdem schon Anfang April die Sachsen die Nachen übernommen hatten.

Am 20. Mai verlieft die Abtheilung Dresden, um in ihre alte Garnison Jüterbog zurückzukehren. Dem Ausmarsch ging ein glänzendes Fest in dem Restaurant ans der Brühlfchen Terrasse voran, welches die sächsischen Kameraden den preußischen Offizieren gaden und zu dem auch Seine königliche Hoheit der Kronprinz von Sacksen erschienen war.

Unter dem 22. Septemder hatte Prinz Friedrick Karl aus Berlin folgenden >torpsbefehl erlassen:

„Ihr Brandenburger! Ick freue mich, Euch mitzutheilen, daft der König mir mein altes Korps wieder verliebe» hat, das ich in zwei Fcldzüge» zum Siege führte. Möge mein sieggewohntes Korps auch ferner iu meiner Hand das rüstige Werkzeug bleiben, was es bis dahin war. Dazu werdet Ihr alle mir in gewohnter Freudigkeit helfen."

Am 12. September erhielt die Fahne des Regiments eine neue Auszeichnung:

„Ich will zur bleibenden Erinnerung an den diesjährigen ruhmvollen Feldzng den Trnppcnthcilcn, welche an demselben lbei! genommen und ein Gefecht mitgemacht oder vor dem 2. August dieses Jahres die kreuze eines der niit Preußen im >triegc ge wesenen Vander überschritten haben, eine Auszeichnung au ihren Fahnen und Standarten gewähren.

Zu diesem Zwecke verleihe Ich denselben das Band für Kom battanten des für diesen Fcldzug gestifteten Erinnerungstreuzes mit den vorschriftsmäßigen Quasten in Silber und Sckwarz nnd, sofern sie au Gefechten thcilgcnommcn haben, mit zwei aufrecht übercinauderftcheuden Schwerier» i» Metall oberhalb der beiden Quasten.

Die Trnppcntheile. welche an ihrer Fahne oder Standarte bereits das Band der Kriegsdcntmünze für 1813/15 oder eines der Bänder für die Feldzngc 1848, 1849 und 1864 führen und nunmehr das Band für 1866 erhalten, führen letzteres dergestalt, daß dasselbe unter den früher erworbenen Bändern angebracht ist.

Wilhelm."

?. Abgabe von Batterien.

Durch Allerhöchste Kabinets-Ordre vom 9. März 1866 n«r beim Regiment eine 12 pfundige Batterie neu aufgestellt, welche als 2. 12pfündige Batterie bei der Mobilmachung zur Artillerie des

1. Reservetorps trat. Am 2, Oktober 1866 wurde sie als 5. 12pfundige Batterie lspäter 3. 4pfündige Batterie» zum Feldartillerie-Regimen: Nr. 11 versetzt, gleichzeitig mit ihr unsere 2. reitende Batterie, welche jetzt beim 11. Regiment die 1. reitende Batterie ist. Für fit wurde die 4. reitende Batterie unseres Regiments unsere jetzige

2. reitende Batterie.

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Der Feldzug von 1866 ist in artilleristischer Beziehung von ganz besonderem Interesse. Die Thatsache, daß die preußische Feltartillerie in keiner Weise den berechtigten Ansprüchen, am aller, wenigsten aber den hochgespannten Erwartungen entsprochen hatte. führte zur Klarheit in der vorher völlig duntlen Frage der Leistungen und Verwendbarkeit der gezogenen (beschütze.

Der Feldzug 1864 hatte, wenn auck nur in kleinen Verhältnissen, die Uebcrlegenheit der gezogenen beschütze gezeigt, und mau hatte sich zur weiteren Einführung derselben entschlossen. Der schnelle Wechsel aber in der Organisation und Bewaffnung der Feldartillerie hatte verhindert, Offiziere und Mannschaften mil ibrn» Geschütz genügend vertraut zu machen. Jeder glaubte, daß er eine Waffe von außerordentlicher Wirkung besäße, aber Niemand kannte die Art, wie ihre Borzüge auszunutzen seien.

Die Erfahrung, die man im Fcldzuge 1866 gemacht hatte, war zunächst die Erlenntniß der vollständigen Ohmnackl der glatten Geschütze, welche im iiampf mit gezogenen kaum Gelegenheit zur Gefecktstbätigtcit gefunden hatten. Unserer Artillerie gelang «s nickt, eine Entsckeidung gegen die Massenwirtung der österreichischen herbeizuführen oder vorzubereiten. Die Infanterie mußte sich allein ihre Siege erkämpfen und erzielte große Erfolge nickt nur gegen

>« feindliche Infanterie, sondern häufig auch gegen Batterien, Dan! ihrer vorzüglichen Bewaffnung. Die Reserveartillerie war fast stets zu spät gekommen, um so mehr, als wir uns meist im Angriff befunden hatten.

Deshalb war nach dem Kriege das Streben in erster Linie auf genaue Kenntnih des Materials und Behandlung desselben, dann aber auch auf die Ausbildung im Schießen und auf die uniictie Perwendung der Feldartillerie gerichtet.

Ein eifriger Förderer dieser Fortentwickelung war der General- «»»««> inifelteur v. Hindersin. Die Herausgabe eines neuen Eferzir- ' "'""ft». Reglements, die Gründung der Artillerieschießschule, die Bestimmung, daß in den Manövern die höheren Offiziere der Artillerie das Kommando «der gemischte Truppen führen sollten, die Aufstellung einer Instruttion wi die höheren Truppenführer, in der auch die Grundsätze für die Verwendung der Feldartillerie dargelegt wurden, find deutliche Beweise, wie ernst man diese Friedensarbeit nahm.

Eine Allerhöchste Kabinets-Ordre vom 28. Februar 186? hatte bestimmt, daß die Fuß-Batterien, nach Maßgabe der fortschreitenden Bewaffnung mit gezogenen Geschütze»!, neue Bezeichnungen erhalten sollten. Aus der 3. 12pfündigen entstand die b. spfündige. aus der 4. 12 pfundigen die 6. 6 pfundige Batterie. Gleichzeitig wurde die Zahlenbenennung der Fuß Abtheilungen geändert. Während die I zur III. wurde, wurden die II. und III. zur I. bezw. II. Abldeilung. Auch fand eine Verschiebung der Batterien in den Ab lhnllmgen derart statt, daß bei der I. Abtheilung nunmehr die 1. und 5, bei der II. die 3. und 4.. bei der III. Abtheilung die 5. und 6 Batterie jeder Art standen.

Als Zeitpunkt für die Ausführung dieser Veränderungen war wl den Fall einer Mobilmachung diese selbst, sonst aber der Schluß der Ichießübung 186? festgesetzt worden.

Schon im April dieses Jahres waren sämmtliche glatte FußAattcrien in 6-Pfünder-Batterien umgewandelt worden! nur bei ben ^ttupationstruppen sollte erst die Rückkehr in die Heimatb ab gewartet werden. Hierfür war zunächst der 1. Juli in Aussicht genommen, doch wurden dann diese Truppen schon in der 2. Hälfte 5» Mai zurückberufen.

Die reitenden Batterien erhielten erst im November 186? gezogene 4-Mnder 0/6?. In diesem Jahre endete die Schießübung am 3. Juli.

««rniftnen Die Batterie!, rückten am folgenden Tage in ihre zum Tbnl

'' neuen Standorte ab:

I. Fuß-Abtheilung, Torgau, II.Fuß-Abtheilung,Jüterbog.

1, 6pfdgc Nattr. (bisher in Wittenberg). 3. 6pfdge Nattr.

2. 6pfdge Nattr. > 4. Lpfdge Nattr. «bisher in Torgau

1. 4pfdge Ballr. (bisher in Wittenberg). I!. 4pst>ge Nattt.

2. 4pfdgc Nattr. 4. 4pst>ge Nattr.

III. Fuß-Abtheiliing. Witten- Reitende Abtheilung,
bcrg. Düben.

5. ßpidgc Nattr, lbish. 3. I2pfdqe Vattr.

in Jüterbogs ^ «"°nde Natterie.

<>. Upsdge Nattr. fbish.4. 12pfdge Nattr.) 2. rettende Natterie.

5. 4pft»ge Nattr. , ^ rettende Natterie.

<!, 4pft>gc Nattr, ^bisher in lorgau).

Die Wiederkehr des Tages von Königgrätz wurde auf dem Schießplatz vom vereinigten Regiment dnrck eine Parade festlick de gangen: an diesem Tage wurde eine Tafel mit den Namen der Gefallenen des letzten Feldzuges an dem Dentmal des Regiment« <iuf dem Schießplatz Jüterbog feierlick enthüllt.

Am 23. Dezember 1867 wurde das Brandenburgische Festung« artillerie-Negiment aus dem Verbände der 3. Artillerie-Brigade in die 11. Artillerie-Brigade versetzt. Dafür trat die Hessische Feftungsartillerie Abtheilung Nr. 11, welche bis dahin die III. Abtheilung des Magdeburgischen Festungsartillerie-Regiments Nr. 4 gewesen war, zur 3. Artillerie-Brigade über. Diese Abtheilung belegte zu folge Allerhöchster Kabinets-Ordrc vom 29. Februar 1868 Torgau und Wittenberg,

Im November 1868 erhielten die 6pfundigen Batterien Wagen und ^'affeten 0/64, an Stelle solcher 0/42, welche sich in beiden Feldzügen gut bewährt hatten. Damit hatte die Einführung des neuen Materials ihren Abschluß erreicht. Sonst findet sich in den Varolebüchern dieser Zeil nichts Bemertenswerthes. Auffällig sind die vielen Veränderungen im Offiziertorps. besonders bei den Haupte leuten. So hatte z. B. die 1. 6pfündige Batterie vom 28. September bis 1?. November 1866, also während der Demobilmackung drei Batteriechefs.

Anfang 186« wurde der Regimentsstab von Berlin nack Jüterbog verlegt. Das Jahr 1869 brachte einen Wechsel im Rcgimentstommando. indem am 13. Mai der Oberst v. Ramm zum Kommandeur der 6. Artillerie-Brigade ernannt wurde und seinen Platz dem Oberstlieutenant v. Krensti überließ.

Erwähnt möge noch werden, daß eine Allerhöchste KabinetsOrdre vom 25. März 1869 anordnete, daß die II. Artillerieinsrettion (Berlin) aus der Garde-, 2. und 3, Artillerie-Brigade besteben sollte.

Am 5. Mai 1870 bestimmte eine Allerhöchste Kabinets-Ordre als Garnison für die I. Fuß-Abtheilung die Stadt Frankfurt a. O, „sobald die zur Unterbringung zu treffenden baulichen Einrichtungen beendet sind."

Die Verlegung fand jedoch erst nach dem Feldzuge 1870/71 statt.

Eine Allerhöchste Kabinets-Ordre vom 5. Juni 1870 änderte die Namen der Batterien in der Weise, daß die 6 pfundigen die Bezeichnung „schwere", die 4 pfundigen die Bezeichnung „leichte" Bat terien erhielten.

Im Jahre 1868 hatte Seine Königliche Hohe,» Prinz Karl von Preußen dem Regiment Höckstdessen Bild in der Uniform des Regiments geschenkt, welches seht im Speisezimmer der Offizier3veiseanstalt zu Brandenburg als deren schönster Schmuck sich befindet.

Siebenter Abschnitt.
Per Jeldzua l8?0/7l.

l. D«« der Kliegstlllliilnnß bis zur Schlacht bei Spichere«.

Die politischen Verhältnisse, welche die Veranlassung zum Feldzuge 1870/71 gaben, sind so allgemein bekannt, daß sie vier nickt einmal geftreift zu werden brauchen.

Das Jahr 1870 hatte in gewohnter Friedensarbeit begonnen, Teil dem 20. Juni befand sich das Regiment zur Schießübung auf Km Platze bei Jüterbog. Diese Ucbnngen waren zu damaliger Zeit besonders anstrengend, weil die einzelnen Batterien in den de» Tchiehplah umgebenden Ortschaften, ein bis zwei Stunden entfern», untergebracht waren, so daß die Mannschaften oft um 2 oder 3 Ubr Morgens ihre Quartiere verlassen mußten, um rechtzeitig den Dienst beginnen zu können.

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