Abbildungen der Seite
PDF

beiden andere» Armeen hingegen direkt nach Wien zu führen, um so den Feldzug in kürzester Frist zu entscheiden.

Damit trat unser Regiment den Vormarsch auf Wien an.

<l. Die beiden Batterien der Avantgarde der Ersten Armee:

2. tipfündige Batterie (Benecke), 6. ^pfundige Batterie

<Müller).

Die Batterien mcirschirten über Hermanmestetz, Hlinslo, Nemetschtn, Neustadt!. Nosckinla, Tischnowitz nach Brunn, wo die Avantgarde am 12. Juli eintraf. Die Batterien brachen in der Regel um 5 Uhr Morgen? auf und erreichten ibre Ortsuntertunft um 2 Ubr Nachmittags. Während sonst auf gute» Chausseen und gebesserten Wegen marschirt wurde, war der Marsch von Hlinsto nack> Nemetschkn ganz besonders anstrengend. Der Weg führte über steile Berge, welche die Wagen meist nur einzeln durch Vorlegen von Pferden und mit Hülfe der Mannschaften überwinden tonnten, ^anz enge, ausgefabrene Waldwege stellten an die Pferde höbe Anforderungen, so daß am Abend dieses Tages viele sick durchgezogen oder am Widerrist gescheuert hatten.

Bor Tischnowitz hatte am 11. Juli ein kurzes Neitergefeckt stattgefunden, bei dem jedoch die Batterien nicht zum Eingreifen lamen. In Brunn rückte die Avantgarde um 10'« Mr ein. Die Batterien bezogen ein Biwal obne Heu und Strob auf dem großen Martte in der Borstadt, neben der protestantische» Kircke. Nachmittags 3 Uhr wurden rohes Fleisch, Reis. 2alz und Kaffee vcrtbcilt und Holz beigetrieben: Heu und Stroh, sowie Hafer tonnten nickt beschafft werden. Die gehoffte Erbolung der Mannschaften und Pferde wurde auf die Zukunft verschoben. Bon Zeit zu Zeit wurden die Mannschaften der Batterien von den gutmüthigcn Einwobnern eingeladen, i» die vollständig vorbereiteten, in den Häusern dicht beim Biwalsvlatz gelegene» Quartiere zu kommen. Dies konnte aber infolge des Befehls zum Biwatircn nicht gesittet werden, und so bliebe» die Batterien im schattenlosen Biwat stehen. Abends um 9'/? llhr kam zwar der Befehl, daß die Pferde in einem alten Schuppen »»lcrgcstcllt und die Mannschaften dort Alarmauartierc bczicben tonnten- die Batterien zogen es aber vor auf dem Platze zu bleibe», da am frühen Morgen der Weitcrmarsch erfolgen sollte und sick das (berückt verbreitet hatte, daß in diesem 3ckuppen rotzige Pferde der Oesterreicber gestanden bätten.

Am 13. Juli «erließ die Avantgarde Brunn und ging in südlich der Stadt gelegene Dörfer, um Platz für die 5. Division zu macken. Am 14, Juli war Ruhetag, am 15. wurde der Marsch gegen die Thcma fortgesetzt. Da jedoch die Brücke bei Musckau von den Oesterreickern verbrannt und eine neben derselben belegene Furt wegen der großen Wassertiefe und wegen des schlammigen Unier grundes für Artillerie nicht durchfchreitbar war, biwatirten die Batterien nördlich des Ortes bis zum 16. Juli 10 Uhr Vormittags. Sie gingen dann auf einer von deu Pioniere» hergestellten Bockbrücke über den Fluß und erreichten Abends 6 Uhr Eisgrub. Bon hier marschirten sie über Wilfersdorf, Spannberg nach Gänserndori, wo sie am 19. Juli eintrafen. Hier erhielt die 6. 4pfündige Batterie den Auftrag, mit dem Füsilier-Bataillon 18. Regiments bis zu denl Gabelpuutt der Eisenbahnlinien Wien — Preßburg und Wie»—Olmütz vorzugehen und dort eine Aufstellung zu nebmen, bis die wichtige Bahnstrecke zerstört sei. Nachdem eine kleine feind liche Postirung vertriebe» war, lehrte die Batterie nach Gänserndcri zurück. Am 20. und 21. Juli hatten die Batterien Ruhe in der Ortsuntertun st, am 22. marschirte die Avantgarde gegen DeutschWagram, um eine größere Erkundung gegen Wien auszuführe». Auf dem Marsche traf sie die Nachricht von der Waffenruhe, und die Batterien lehrten nach Gänser»dorf zurück.

<>. Die I. und Hl. Fuß-Abtheilnng bei ihren Divisionen.

Zwar hatte die Erste Armee am 6. Juli Ruhetag, doch war dies der l. ßpfüudigeu Batterie bei der Avantgarde der 5. Division nicht angesagt worden, weshalb sie sich während des ganzes Tages in ihrem Biwat marschbereit hielt. In den nächsten Tagen wurde der Marsch auf Brün» fortgesetzt, wobei die 6. Division dickt hinter der Avantgarde des Herzogs Wilhelm und hinter ihr die 5. Division in zweiter Vinic folgte. Dabcr rückte auch dl« 6. Di Vision, an ihrer Spitze Prinz Friedrick >iarl, schon am 12. Juli, die 5. erst am 13. in Brunn ein. Während der Marschtage hatte sich nichts von Bedeutung ereignet, nur stellten einzelne Märsche hohe Anforderungen an Material, Vcutc und Pferde. So hatte die 5. Division am 10. Juli in der Gegend von Swradta*) ganz bc sondere Schwierigkeiten zu überwinden. Der Marsch währte von 6 Uhr früh bis 6 Uhr Abends. Wege, die fast unpassirbar schienen.

*> Zwischen dlinsto und Ilemetschly.

hohe steine, sumpfige Stelle», schadhafte Brücken, steile Hänge wechselten ad. wurden aber dant der Dauerhaftigteit des Materials und der Ausdauer der Mannschaften und Pferde überwunden.

Die Ruhe, welche der 6. Division am 13. und 14., der 5. Division am 14. in Brunn gewahrt war. wurde von den Batterien zu schleunigen Instandsetzungen, zum Theil unter,'juhiilfenahmc von Eivilhandwcrlern. benutzt. Die Mannschaften wurden gut verpflegt, doch hatten die Pferde wenig Heu und Stroh. Am 14. fand Gottesdienst für Abordnungen in der St. Thomas-Kirche, am 15. ein Feldgottesdienst für die ganze 5. Division im Beifein Seiner Majestät des Königs statt.

In Brunn trennten sich die Wege der beiden Divisionen. Während die 6. Division der Avantgarde der Ersten Armee auf Wien folgte, wurde die 5. Division zur Verwendung gegen die von Olmütz im March-Thale zurückgehenden österreichischen Korps angesetzt.

Die 6. Division und mit ihr die III. Fuß-Abtheilung hatte am Morgen des 15. Juli Brunn verlassen und erreichte am 16. die Tbava bei Muschau, wo auch sie bis zur Fertigstellung der Brücke durch die Pioniere warten mußte. Sie erreichte an diesem Tage )titolsburg. Am 17. ging die 6. Division nach Poisdorf, am 18. nach Zistersdorf. am 19. nach Prottes und Ollcrsdorf. wo sie am 20. und 21. Ruhe hatte. Am 22. Juli hatte General v. Manstein das Gros seiner Division bei Auersthal versammelt, wo er den um ihn versammelten Offizieren den Abschluß der Waffenruhe mittheiltc. Ein Feldgottesdienst folgte, dann bezog die Division in den um Bockfließ liegenden Ortschaften Unterkunft.

Die 5. Division war infolge des Befehls des Großen Hauptauartiers, welcher die Erste Armee auf Lundcuburg verwies, um dort den von Olmütz zurückgehenden österreichischen >torps entgegenzutreten, noch am Spätnachmittag des 15. Juli von Brunn aufgebrochen und bis Tellnitz gelangt. Am 17. Juli erreichte sie Göding. wo die I. Fuß-Abtheilung bei einer großartigen österreichischen Feldbäckerei Viwat bezog. Dieser Umstand gewährte den Batterien die Möglichkeit, sich mit dem so lange entbehrten Brot zu versehen: auch fand sich ein Ucberfluß an sonstigen Lebensbedürfnissen und an Hafer, so daß die Batterien ihre eisernen Portionen und Rationen ergänzen tonnten. Am 18. wurde die Marcb zwischen <"wding und Holitsch überschritten, am 20. Groh-Schützcn erreicht. Da jedock außer der 8. Division, welche vor der 5. bereits am 20. bis Stampfen vorgeschoben war, auch die ?. Division auf das lintc March-Ufer gezogen wurde, so ging die 5. Division am 21. Juli auf einer bei Dürntrut durch Pioniere erbauten Bockbrücke auf das westliche March-Ufer zurück und bezog am 22. um Schöntirchen Ortsunterkunft.

f. Das 3. Reserueartillerie-Regiment.

Die der Avantgarde der Ersten Armee zugetheilten beiden Batterien der II, Fuß-Abtheilung haben wir bereits auf ihrem Marsche gegen Wien begleitet. Das Reserveartillerie - Regiment selbst folgte im Perbande der Reserveartillerie der Ersten Armee den Divisionen und erreichte am 13. Juli die Gegend nördlich von Brunn. Auch hier finden sich wieder die Klagen über „schauderhafte, über alle Maßen schlechte, furchtbar steile und mit Fels trümmern übersäete Wege". Nach einem Ruhetage am 14. ging die Reserveartillerie am 15. bis Groh-Raigern und wendete sich von bier über Auspitz, Koste! auf Lundenburg, dessen Umgegend sie am 18. Juli erreichte. Am 19. marfchirte das Reserve-Regiment nach Spannberg, mußte aber am Nachmittag dieses Dorf für die 6. Division wieder räumen und nach Loidesthal umquartieren. Um 5 Uhr wurde der Marsch dorthin angetreten — Entfernung V- Meile. Kaum hatte sich das Regiment in Bewegung gefetzt, als ein woltenbruchartiger Regen mit Hagel vermischt losbrach. In ganz kurzer Zeit war der Weg, schwerer Lehmboden, völlig durchgeweicht, so daß die Pferde, außerdem erschreckt durch Blitz und Hagel, nicht mehr vorwärts wollten. Eine bedeutende Anhöbe, welche überschritten werden muhte, überwand nur das erste (vorderste, Geschütz, schon das zweite tam nicht weiter, es mußten 10 Pferde vorgespannt werden. Der gebahnte Weg war nicht mehr zu ge brauchen. Jedes Geschütz suchte für sich einen Weg durch das Feld den Berg hinauf. Trotzdem blieben von den nachfolgenden Batterien viele Munitionswagen und besonders Feldschmieden und Porrathswagen stecken. Erst um 8 Uhr langte die Spitze des Regiments in Loidesthal an, der letzte Wagen folgte um 10 Ubr. Am 20. Juli ging das Regiment nach Goetzendorf, woselbst am 21. Ruhe war und Gottesdienst durch de» Pfarrer Sauberzweig gehalten wurde. Am 22. wurde auch hier die Waffenruhe bekannt. Alle Batterien des Regiments batten wäbrend dieser Märsche durch die Ungunst der Geländeverhältnisse und durch die geringe Zahl der Rubetage.

[ocr errors]

die ihren Grund in dem schnellen Vorschreiten der Armee fanden, sehr zu leiden. Zu diesen Anstrengungen traten noch Entbehrungen, da die Verpflegung, wie bei einem solchen Zusammendrängen großer Truppenmassen auf kleinem Raum nur natürlich ist, auf große Schwierigleiten stieß. Die Truppen waren auf das von Natur arme Vand angewiesen, welches sich taum selbst ernähren tonnte, aber ganz außer Stande war, für die vielen aufeinander folgenden starten Einquartierungen das Notlüge herbeizuschaffen. Aeußerst füblbar wurde der Mangel an Brot, welches nur in sehr un genügender Menge, meistens schlecht und verschimmelt, empfangen wurde. Fleisch gab es zwar reichlich, wurde aber gewöhnlich so spät geliefert, daß die vom Marsch ermüdeten Mannschaften laum noch ^nst zum Kochen hatten. Als eine große Erleichterung wurde es empfunden, daß die Batterien, mit Ausnahme der der Avantgarde, mit Quartiermachern marschiren tonnten. Dadurch wurde der Uedergang zur Ruhe bedeutend beschleunigt.

Auch Futter für die durch die starten beschwerlichen Märsche sebr mitgenommenen Pferde tonnte nur in fehr geringer Menge beschafft werden, so daß Grün- und Garbenfutter zu Hülfe genommen werden mußte, um den Pferden, welche häufig auf halbe Haferration gefetzt waren, genügend Futter geben zu tonnen. Dadurch ging natürlich der Futter und Gesundheitszustand der Thiere fehr zurück, und die Batterien hatten verhältnismäßig starte Abgänge.

Veränderungen im Offiziertorps während diefer Zeit:

Am 6. Juli übernahm Hauptmann v, Spangenberg die 3. 12pfundige Batterie vom Hauptmann Gülle.

Am ?. Juli meldete sick Hauptmann Grieß gesund und über nahm die Führung der seit der Verwundung des Majors Nu stow vom Hauptmann Hübner gefübrtcn I. Fuh-Abtheiliing.

Am 19. Juli wurde durch Allerhöchste Kabinets Ordre Oberst« lieutenant v. Lilientbal zum Führer des 2. Reserve Feldartillcrie Regiments ernannt.

6. Waffenruhe »«« Külbmarsch.

(2li„e 2b, H. 243 und Eli,ze 29. S. 2X3, >

Die Truppentheile der Ersten Armee bezogen am 23. inner halb der ihnen angewiesene!! Bezirke Ortsunterlunft. Hierdurch wurden zwar geringe Verschiebungen in den Quartieren der einzelnen Batterien berbeigcfiibvt, im Allgemeinen blieben aber die

« ZurückWeiter »