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Die Beschießung der Stadt dauerte am 1. und während der Nackt zum 2, I»li fort: es wurden in dieser ,'jeit in 3tt Stunden gegen 6000 (Geschosse in die Stadt geschleudert. Der Fcstungsartillerie gelang es nickt das feindliche F<ner zu dampfe«, Haupt säcklick dcsbalb nickt, weil mehrere (beschütze und Mörser sprangen, andere derartige Beschädigungen erlitten, daß sie nicht mebr geladen norden tonnten.

Die Lage der Garnisonartilleric »rar eine außerordentlich schwierige, da sie nickt mir durch das feindliche Feuer, sondern auch durch die eigenen (beschütze gefährdet wurde. Auf dem Bastion VI waren mehrere Kanoniere dein« Abfeuern der Mörser gctödtct oder verwundet und es fehlte den anderen Artilleristen an Mut!', die Vuntc ferner an das Zündloch zu legen. Allein der Bombardier Holnagel feuerte die noch in Tbätigteit gebliebenen Geschütze ad und rief durch sein mutln'gcs Beispiel die übrige Mannsckaft, wclckc bereits die deckende Brnstwcbr aufgesucht, zu ihrer Pflickt zurück.

Auf demselben Werte soll sick ein Kanonier Voß durck die vorzügliche Wirkung einer von ilmi gerichteten Kanone mehrfach bcrvorgethan babcn.

Am 2. Juli vormittags macklc der Feind uock einen Augriff auf die Strandsckauzcn, der jcdock durck die am Nackmittag um 3 Ilbr eintreffende Nackrickt von dem zlvischen Preußen und FranN rcick geschlossenen Waffenstillstand unterbrocken wnrdc. Damit war überbaupt der >iampf um >toldcrg beendet.

Durck die bcldenmüthigc Tapferkeit und die standhafte Ausdauer der Besamung, sowie durch die opferfreudige Unterstützung der Bürger schaft war itolbcrg vor dem Fall bewahrt geblieben.

Außerordentlich groß waren die Müden und Anstrengungen gewesen, die der fortlaufende Weckscl von Arbeiten. Nachtwachen und Gefechten mit sich gebrackt hallen.

Die Verluste bei der Artillerie waren im Hinblick auf die dervorragende Nolle, die sie gespielt, nickt sein bedeutend: sie betrugen cinsckliehlich der an den Wunden Gestorbenen nnr drcizcdn: bei der itolbcrger Garnisonartillerie Kompagnie waren nur zwei Gemeine. Zlcintraus und Bruuner gefallen, einige Leute verwundet: ein Mann war in Gefangenschaft gerathen. Erbebend ist es. das Urlbcil zu Icscu, welches der nuumedrige Tbcrstlieutcnant v. Gucisenau in seinen Bclolmungsvorschlägc» an Seine Majestät den ttönig über die Artillerie bei der Berlbeidigung von itolbcrg fällt.

Dasselbe lautet:

„Wohlthucnd ist es, wenn ick Euer königlichen Majestät anzeige!» lan», daß der größte Theil der Garnison sich vortrefflich betragen hat. Ausdauer, Muth und Gehorsam haben sich hier in einem schönen dickte gezeigt, Ich darf hierin diejenige Waffe, welcher bei einer Belagerung ein vorzüglicher Äntheil an Gefahr und An^ strcuguugcn wird, obenan stellen. Sie hat, mit schlechten Mitteln ausgerüstet, mich in meinen Anstrengungen auf das Vortrefflichste unterstützt und mit den schleckte» eiserne» Geschützen zur Verwunderung geschossen. Ueber 190 Unteroffiziere und Bombardiere find freiwillig hierher gekommen, um an der Belagerung theilzuncbmen, und es war beinahe dnrchgehcnds in dieser Waffe ein Wetteifer der Pflicht, der Anstrengung und Tapferkeit. Der Major Matte, uncrachtet der Hinfälligkeit seines Körpers, hat die Möglichkeit geleistet. Den Hauptmaun Heinemann haben Euere öiöuigliche Majestät sckon durch sein Avcmcemeut zum Kapitän belohnt. Der alte Lieutenant Post, ebenfalls von der hiesigen ^cstuugsartillerie, ist, so lange ich hier lommandire, weder Tag noch plackt von seinem Bastion — zumal das gefährlichste — gewichen. Er hat sich beständig damit abgegeben, die jungen Leute im Artillericdiensl zu unterrichten. Bei seinem Alter kann ihm Avancement nicht sonderlich viel mehr helfen, aber Euer Majestät können seinen Eifer an feinem Tohuc belohne», wcuu Allcrhöchsldiesclbcn solchen bei der hiesigen ^cstimgsartillcrie als Offizier künftig hier austeilen wollten. Der junge Mauu hat fich die ganze Belagerung durck sehr gut benommen, auch sckon für die Nacht vom 17. Mai die silberne Medaille erhalten."

Den Vorschlägen des Obcrstlieutenants v. Gucisenau zufolge erhielten von der Kolberger Garnisonartilleric Kompagnie an Anszciä'nungcn für die Belagerung von Kolberg Major Matte den Orden i»mir 1« mm-ite, 9 Unteroffiziere, 3 Bombardiere, 8 Kanoniere die silberne Verdienstmedaille nnd zwar:

Die Unteroffiziere: 3 ckicncmann, Ordelin < für Auszcicknnng auf Hront Bütow», Heiden (für Auszeichnung auf Bastion V>, Eyser (für Auszeichnung auf Bastion III), Spies lfür Aus zcichuung auf Bastion II), Siemou, Vcmtc, Platz ,für Ans zciclmung in der Grenadier Schanze», Haupt.

I'ic Bombardiere: Pesck, Holnagcl lfür Auszeichnung auf Bastion VI), Rabe.

Die Kanoniere: Malowstn <für Auszeichnung auf Bastion V >, Boß «für Aufzeichnung auf Bastion VI), Wernickc, Mann I, Wachs. Messing. Brusc, «nies.

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Außerdem erhielten sinnutlicne Feuerwerler. Unteroffiziere. Bomdardicrc und ^'cnicinc, wclcke tadellos gedient hatten, die

Ehrentroddel, und noch nachträglich wurden im Jahre 1851 sämmtliche Truppentheile, die an der Verteidigung Kolbergs teilgenommen, dadurch geehrt, daß Seine Majestät der König ihnen die Erlaubniß ertheilte, im Hclmadler ein Band mit der Aufschrift „Eolberg 180?" zu tragen.

Nach der Belagerung von Kolberg blieb die Festung vorläufig noch kriegsmäßig besetzt, im September wurde aber die Garmsonartillerie Kompagnie auf Friedcnsfuß gesetzt, und im Oktober 1808 erhielt an Stelle des in den Ruhestand tretenden Majors Matte der Major v. Hüfer das Kommando der Kompagnie. Offiziere derselben waren zu dieser Zeit: Stabskapitän Heincman», Lieuteuants Post und Nefe. Ein Ereigniß von höchster Bedeutung für deu Aufschwung und die weitere Entwickelung der preußischen Uii«, .Xogxst Artillerie war die Ernennung des Prinzen August von Preußen non pllxßln. ,,„„ ^f ^selben, welche durch eine für die Waffe sehr schmcichcl hafte Kabincts-Ordre bekannt gemacht wurde:

„Durchlauchtigster Prinz,
freundlich lieber Vetter!

Die Artillerie hat sich in dem letzten Kriege, sowohl im freien Felde als in den Festungen durch ihr gutes Verhalten Meine Achtung in dem Maße erworben, daß Ich zu dem Wunsche bc stimmt worden bin, derselben einen auszeichnenden Beweis Meiner Huld und Gnade zu geben.

Diese Absicht kann Ich unstreitig wohl nicht vollkommener als dadurch erreichen, daß Ich bei derselben in Euer Viebdcn Person einen Prinzen Meines Hauses anstelle, der sich in dem f-eldzngc von 1806 ebenfalls dnrck eine rühmliche Entschlossenheit hcrvorgclhan hat. Ich übertrage demnach Euer Licbdcn hiermit den Befehl über diese Waffe in dem Verhältnis; als Brigadegencral, ernenne Sic auch zugleich zum ühcf des Ostprcnßisckcn Artillerie Regiments und thuc solches mit um so größerem Vergnügen, weil Ich dadurch auch demselben Meine Erkenntlichkeit für Ihre guten Dienste bezeigen und zugleich zu erkennen geben kann, wie sehr Ich Ihrer wissenschaftlichen Applikation berechtig teil widerfahren lasse.

Ich halte Mich überzeugt, daß es Euer Vicbdcn angenehm sein wird, einem so ehrwürdigen Korps, als die Artillerie ist, vorzustehen und darf Mir, bei Ihren militärischen gute» Eigen

schaften. von IKrer Fürsorge für Meine Artillerie wesentlichen Nutzen versprechen. Uebrigens bemerke Ich nur noch: daß der Oberst v. Neander die bisher zu Meiner ganzen Zufriedenheit geführte Inspektion der Artillerie behalten, dabei auch das Kommando unter Euer v"iebden in obenerwähntem Verhältnisse führen soll.

Mit wahrer Hochachtung und Freundschaft beharre Ich Euer

Vicbden freundwilliger Vetter

Friedrich Wilhelm.

Königsberg, den 8. August l808.

An den Prinzen August von Preußen, Viebden.

Unmittelbar nach dem unheilvollen Frieden von Tilsit war man mit rastloser Thcitigleit an die Neugestaltung des Heeres gegangen, welche auch für die Artillerie vou besonderer Bedeutung war. Gc meinsame, hingebende Arbeit des Prinzen August mit dem Schöpfer der neuen preußischen Heeresorganisativn. Tcharnhorsl, führte zu den segensreichsten Neueinrichtungen in unserer Waffe. <"emäß Allerhöchster Kabincts-Ordre vom 24. November 1808 sollte die gesammtc Artillerie in drei Brigaden gcthcilt werden, und zwar die 1, unter Obcrstlieutenant v. Oppen in Preußen, die 2. unter Oberst Dccler in Brandenburg, die 3. unter Major v. Tchöler in Schlesien. Wäbrcnd der besondere Erlaß zur Errichtung der 1. Brigade bereits am 20. Dezember 1808 seitens des Artillerie- und Ingenicurdepartcments erging, wurden die besonderen Borschriften für die andern beiden Brigaden erst am 20. Februar 1809 ausgefertigt.

Jede Brigade follte aus zwölf Fuß- und drei reitenden Kompagnien bestehen: die Garnison Artillerie als solche verschwand.

Die Kolberger Xompagnie legte ihren Namen ab, den sie 3? Jahre lang geführt hatte, und unter dem es ihr vergönnt gewesen war. sich in den Annalcn der vaterländischen beschickte in dieser verhängnißvolle» Zeit ein ewiges Denkmal zu sehe».

Am 1. März I80N nabm sie de» Namen der

d. 2. Fnß'Kompagnie der Vrondenburgischen Artilleric>Bligadc

an. Der Brigade Kommandeur, Oberst Decker, war im Jahre l?64 Artillerieoffizier geworden, hatte l?92 bei Balnm den Orden ^mir I«' m^ritu" crbalten und war 1><»? zum Oberst befördert.

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