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resp. violette lichtbeständige Farbstoffe. Aus der wässerigen Lösung ist er leicht und vollständig extrahierbar durch Chloroform.

Die mikroskopische Untersuchung der unter Most kultivierten Mycelien, als der auf Mostgelatine entstehenden Lufthyphen zeigte, daß sie durch Scheidewände in einzelne Zellen geteilt und eigentümlich bauchig aufgetrieben sind. Die Bildung der Conidienträger und Perithecien geschieht in derselben Weise, wie sie von De Vary von üurotium ^spergillus Alau«us beschrieben worden ist. Die Conidien sind in den den Sterigmen nahen Teilen glatt und werden erst im späteren Alter auf dem Epispor warzig. Zwischen den einzelnen Conidien beobachtet man kleine Bindestiickchen. Bei der Untersuchung der Askosporen in den Ascis der Perithecien stellte es sich heraus, daß die Einbuchtung von den Polen der Sporen nur sehr gering ist, nicht so tief eingebogen, wie De Bary für Lurotium ^,spergillus Alau«us gefunden hat.

Nachdem die einzelnen Merkmale des Pilzes bekannt waren, stand es fest, daß man es mit einer neuen Art von Lurotium ^,sperAillus zu thun hat, welche dem Lurotium ^,spergillus Alavous De Lsr^ nahesteht. Zu der Vurotium ^,sperAillus-Art ist der gefundene Pilz zu zählen, wegen der Bildung von Perithecien. Er unterscheidet sich vom Lu,«tium ^.sperAillus Alauous De Lar^ einmal durch das knorrig aussehende Mycel, zweitens durch die Askosporen. Jn Bezug auf letztere erinnert er an Lurotium repeus De Larz? wegen des stumpfen, kaum rinnigen Randes der Sporen in'der Kantenlage. Von Lurotium repeus aber unterscheidet er sich durch das warzige Epispor der Conidien, das bei Lurorium repeus glatt ist. Von beiden unterscheidet sich der gefundene Pilz andererseits durch die Größe der Conidien, Perithecien und Askosporen. Wie man sich endlich leicht überzeugt, ist das Habitusbild des Pilzes verschieden von dem des Lurotium ^,sperAillus Alau«us De Lar^. Wegen der Mittelstellung unseres Pilzes zwischen Lurotium ^,sperAillus Klau«us De Larz^ und Lurotiuni repeus I)e Lar^ ist der neugefundene Pilz Lurotium XsperFilius meclius bezeichnet worden.

«. Kurse in der Versuchsstation.

Während bei den bisherigen beschränkten Raumverhältnissen nur eine entsprechend kleine Zahl von Laboranten in der Versuchsstation Aufnahme finden konnte, ist nach Fertigstellung der neuen Arbeitsräume seit Oktober 1897 eine größere Anzahl fester Arbeitsplätze eingerichtet, so daß jetzt den Jnteressenten Gelegenheit gegeben ist zu jeder Zeit und ganz nach Wahl über in das Gebiet des Wein-, Obst- und Gartenbaues einschlagende Fragen sich zn informieren oder aber selbständige wissenschaftliche Untersuchungen auszuführen. Gleich nach Einrichtimg der Arbeitsplätze traten als Laboranten ein die Herren: Halffter aus Königsberg i. Pr.; E. Schraubstädter aus St. Louis, Ver. Staaten; M. Ley aus Luxemburg; Th. Goethe aus Geisenheim; Nalimoff, Petzelt und Gontscharuk aus Rußland.

Einige der Herren beschäftigten sich mit pflauzenanatomischen Uebungen und Untersuchungen, die anderen mit der Hefereinzucht, der Kultur von Hefen und sonstigen Gärungs-Organismen und mit Untersuchungen aus dem Gebiete der Gärungs-Physiologie.

Vom 7. bis 19. März fand der übliche Kursus über Weingärung, Hefereinzucht, Anwendung von Reinhefen u. s. w. statt, welcher von 45 Teilnehmern besucht wurde. Anmeldungen zu diesem Kursus waren im Ganzen 65 ergangen.

7. Beantwortung von Anfragen, Züchtung von reinen Hefen.

Jnfolge der in der Versuchsstation vorgenommenen Untersuchungen und Züchtungen von reinen Weiüheferassen und der durch diese Thätigkeit angebahnten Gärungsreform auf allen Gebieten der Weinbereitung hat sich ein besonders lebhafter Verkehr der Praxis mit der Versuchsstation entwickelt, indem fast täglich Anfragen inbezug auf Weingärung und Behandlung von kranken Weinen einlaufen, und hat besonders nach letzterer Richtung hin die Versuchsstation wie im Vorjahre eine umfassende und an Umfang immer mehr zunehmende Thätigkeit nach außen hin entfaltet. Außerdem liefen von Seiten der Praxis zahlreiche Anfragen ein, welche sich bezogen auf Krankheiten und Beschädigungen der Obstbäume und Reben, sowie anderer wichtiger Kulturpflanzen.

Die in der Versuchsstation vorhandene Sammlung reingezüchteter Weinhefen, welche in der Praxis Anwendung finden, sowie sonstiger Gärungsorganismen konnte auch im verflossenen Jahre wieder bereichert werden. Abgesehen von mehreren deutschen Heferassen erhielt die Station aus Rußland, sowie aus Portugal einige Serien von Weintrubs besonderer Lagen, aus denen eine ganze Kollektion gut gärender Heferassen herangezüchtet wurde. Von den Portugieser-Hefen konnte eine (Laureiro) gleich im Sommer in größeren Gärversuchen mit Stachelbeer- und Johannisbeermosten verwendet und ausprobiert werden, und waren die damit erzielten Resultate im Vergleich zu den Leistungen heimischer Hefen derart vorzügliche, daß die Laureiro-Hefe im Sommer 1898 zur Bereitung von Beerenweinen, besonders von Dessertweinen in größerem Umfange an die Praxis abgegeben werden soll.

8. Wissenschaftliche Publikationen.

Jm Laufe des Etatsjahres gingen aus der pflanzenphysiologischen Versuchsstation folgende Publikationen hervor:

1. Julius Wortmann: „Ueber einige in den DomanialKellereien zu Eberbach im Herbste 1896 unter Verwendung von Reinhefe ausgeführte Gärversuche." („Weinbau und Weinhandel", Organ des Deutschen Weinbau-Vereins 1897, Nr. 21—23.)

2. R. Meißner: Ueber eine neue Spezies „Lurotium ^,«perßillus meäius öleissusr," (Botanische Zeitung 1897, Nr. 22 und 23.)

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b) Bericht über die Thätigkeit der önochemischen Oersuchsstation im Etatsjahre 1897/98.

Erstattet von vi, P. Kulisch, Dirigent der önochemischen Bersuchsstation.

^. Missenschaftttche ThatigKett.
1. Analysen von 1897er Moften.

Die seit einer längeren Reihe von Jahren in jedem Herbst vorgenommenen Mostanalysen sind auch auf den Jahrgang 1897 ausgedehnt worden.

Jnfolge des außerordentlich kalten und nassen Nachsommers blieben die Trauben in der Reife so zurück, daß anfangs Oktober nur die Aussicht auf einen recht geringen, saureu Wein vorhanden war. Wenn tatsächlich das Ergebnis der Lese im ganzen ein wesentlich günstigeres war, so ist dies lediglich eine Folge des günstigeren Wetters in den beiden Lesemonaten Oktober und November. Die sommerlich warmen und dabei trockenen Tage riefen neben einer weitgehenden Verminderung der Säure die in unseren Klimaten so seltene Schrumpfung der gesunden Beeren zu Rosinen hervor. Durch diesen Vorgang sind während der Lese ähnlich, wie es im Jahre 189!! der Fall war, die Mostgewichte immer mehr in die Höhe gegangen, so daß solche zwischen 90 und 100° sehr häufig waren, in guten Lagen sogar solche von 100—120° die Regel bildeten. Bei einigen Spätlesen sind sogar Mostgewichte mit etwa 200' Oechsle erzielt, was einem Zuckergehalt von etwa 45°/« entspricht. Durch die Konzentration des Beerensaftes ist auch der prozentische Säuregehalt in die Höhe gegangen, so daß im allgemeinen die 1897er Moste im Vergleich zum Zuckergehalt als sehr säurereiche sich charakterisieren.

Jst schon durch den Zeitpunkt der Lese eine große Verschiedenheit der Moste bedingt, so kommt noch hinzu, daß in vielen Lagen die Peronospora sehr stark auftrat und in nicht bespritzten Weinbergen großen Schaden angerichtet hat. Diese „Peronospora-Moste" zeichneten sich wie im Jahre 1895 durch niedrige Mostgewichte bei nicht sehr hohem Säuregehalt aus.

Die Säuregehalte der meisten Moste lagen zwischen 9 und 12°/o«, dagegen schwankten die Mostgewichte innerhalb außerordentlich weiter Grenzen: In kleinen Lagen und bei früher Lese bewegten sich dieselben etwa zwischen 75 und 85°, bessere Mittellagen schon erreichten Gewichte bis zu 100° und die Spätlesen der ersten Güter wiesen fast alle mehr als 100° auf. Unter diesen Umständen begegnet man unter den 1897er Weinen solchen von allerverschiedenstem Charakter. Neben säuerlichen und alkoholarmen Produkten, welche sich kaum über den Durchschnitt geringer Jahrgänge erheben, sind die Spitzen zwar etwas säurereich, dabei alkoholreich und sehr kräftig, zum Teil werden die 1897er Weine sogar eine gewisse Mostsüße behalten. Wie diese letzteren, so eigenartigen Weine sich entwickeln werden, läßt sich zur Zeit noch nicht vorausjagen, doch unterliegt es schon jetzt keinem Zweifel, daß der 1897er, zumal er einen erheblichen Teil seiner Säure bereits verloren hat, im allgemeinen einen brauchbareren Wein geliefert hat, als man vor der Lese erwartet hat.

2. Erhebungen über die chemische Zusammensetzung der Moste und Weine der preußischen Weinbaugebiete (Jahrgang 1896).

Betreffend die Ziele dieser alljährlich ausgeführten Untersuchungen finden sich nähere Angaben in dem Bericht über die Thätigkeit der Versuchsstationen Preußens, 1892, S. 75.

Ueber die Zusammensetzung der 1896er Moste ist bereits im Vorjahre berichtet worden. Hier sind noch die Ergebnisse der Weinuntersuchungen kurz zu besprechen. Leider haben sich auch von diesem Jahrgang geeignete Proben in genügender Anzahl nicht beschaffen lassen.

Entsprechend den niedrigen Mostgewichten waren die Alkoholgehalte allgemein sehr niedrig. Die Säure ist im Vergleich zu den Mosten sehr zurückgegangen, worüber im vorjährigen Bericht das Nähere mitgeteilt ist. Bezüglich der sonstigen Zusammensetzung der Weine ist bemerkenswert, daß die Extraktgehalte allgemein sehr hohe waren, auch nach Abzug der Säuren. Geradezu abnorm erwiesen sich mehrfach die Glyzeringehalte, zwar nicht absolut, aber im Vergleich zum Alkoholgehalt. Es seien hier, weil diese Zahlen für die Weinbeurteilung von größter Bedeutung sind, einige besonders bezeichnende Beispiele herausgegriffen.

Gelmlr in lVO o«m Wein: Anf 10« Teile Alkohol: Gemarknng Lage Alkohol Glyeerin kommen Teile Glycerin

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Diese Zahlen beweisen aufs neue, wie unhaltbar die bezüglich des Glyzeringehaltes der Weine noch ziemlich allgemein benutzten Grenzzahlen sind. Unzweifelhaft würden die vorstehenden Proben, deren Naturreinheit außer jedem Zweifel steht, im freien Verkehr von den meisten Chemikern als mit Glyzerin versetzt beanstandet sein, weil man voraussetzt, daß abgesehen von sehr alten, lange im Faß gelagerten Weinen und selten vorkommenden feinen Auslesen Naturweine auf 100 Teile Alkohol höchstens 14 Teile Glyzerin enthalten.

Es ist auf Grund der hier durchgeführten Untersuchungen über Abhängigkeit der Glyzerinbildung von den Gärungsbedingungen schon in einem früheren Berichte betont (vergleiche Bericht der Königl. Lehranstalt 1895/96, S. 97), daß zwischen Alkohol- und Glyzeringehalt die vielfach angenommene Beziehung nicht besteht. Obige Zahlen dürften geeignet sein, für diese Anschauung eine weitere Stütze beizubringen. Thatsächlich sind die Glyzeringehalte in den besprochenen Weinen nicht sehr hoch, nur das Alkohol-Glyzerinverhältnis ist es, weil der Alkoholgehalt der Weine ein sehr niedriger ist. Jm Jahre 1895 war der Alkoholgehalt im Vergleich zum Extrakt hoch, daher zeigte sich das Alkohol-Glyzerinverhältnis vielfach in umgekehrter Richtung abnorm. Aus diesen Gründen sollte man bei Beurteilung der Weine auf Grund des Glyzeringehaltes in erster Linie den absoluten Gehalt an dieser Substanz zu Grunde legen.

3. Ueber die Anwendung der Kohlensäure in der Kellerwirtschaft.

Die letztjährigen Untersuchungen über diesen Gegenstand betrafen die Frage, wie lange der durch Kohlensäurezufuhr bedingte Unterschied und damit die Vorteile dieses Verfahrens auf der Flasche sich erhalten. Zu diesen Versuchen wurden Weine benutzt, welche durch Pasteurisieren keimfrei gemacht waren, um zu verhüten, daß die ursprünglich vorhandenen Unterschiede durch Neubildung von Kohlensäure auf der Flasche verwischt würden. Es ergab sich, daß unter diesen Umständen die Kohlensäure in der Flasche sich während eines Zeitraumes von Jahr nicht wesentlich verminderte und daß die mit Kohlensäure verbesserten Weine auch nach so langer Lagerung noch die bei Beginn des Versuches vorhandenen Vorzüge zeigten. Die Flaschen waren bei diesen Versuchen nur mit normalen Weinkorken verschlossen. Es ergab sich weiter, daß die Kohlensäure selbst dann in fast unveränderter Menge in den Weinen verbleibt, wenn dieselben in der Flasche aufrecht stehend zum Zwecke der Abtötung von Organismen auf 40 bis 60° C. erwärmt werden.

4. Untersuchungen über die chemischen Borgänge bei der Görung.

Diese Arbeiten sind im letzten Etatsjahre in der Richtung ausgedehnt worden, daß die bei der Gärung gebildeten Säuremengen ihrer Menge nach bestimmt und zu isolieren versucht wurden. Dabei wurde speziell auch die Menge und Natur der in gesunden und kranken Weinen vorhandenen flüchtigen Säuren berücksichtigt. Ueber die Ergebnisse dieser noch nicht abgeschlossenen Arbeiten kann erst später berichtet werden.

5. Untersuchungen über die Herstellung von Obstweinen und
Obftschaumweinen.

a) Ueber die Bemessung der Wasserzusätze bei der Herstellung von Beerenobstweinen.

Jm letztjährigen Bericht ist ausführlich dargethan, wie nachteilig zu starke Wasserzusätze bei der Bereitung von Beerenobstweinen sind. Im verflossenen Etatsjahr wurden auf breitester Grundlage die früher angestellten Versuche in der Richtung ergänzt, daß aus allen für die Weinbereitung in Betracht kommenden Beerenfrüchten Weine nebeneinander unter sonst gleichen Bedingungen dargestellt wurden, indem man nur die Wasserzusätze innerhalb der weitesten Grenzen wechselte. Die früher gewonnenen Ergebnisse wurden dabei in jeder Beziehung bestätigt. Speziell ergab sich in mehreren Versuchsreihen, daß man durch übermäßige Wasserzusätze Weine erhält, welche die bei Obstweinen so verbreitete Krankheit des Mäuselns zeigen und dabei einen abnorm hohen Gehalt an flüchtiger Säure aufweisen. Nachstehend dafür einige besonders sprechende Belege.

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