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dem Obsthause unter einer Stellage auf den Boden gestellt und hier bei einer Wärme von 2—6° C. fast 7 Monate lang, bis zum 12. Mai nächsten Jahres, aufgehoben, an welchem Tage sie zur Feststellung des Ergebnisses ausgepackt wurden. Königlicher Kurzstiel und Dr. Bretonneau wurden unmittelbar vom Baume weg am 16. Oktober eingeschichtet, während bei der Baumanns Reinette dies nach vierwöchigem Lagern im Obsthause geschah. Das Ergebnis war folgendes:

Königlicher Kurzstiel. Von 112 Früchten waren 12 faul; die übrigen aber hatten ein wundervolles Aussehen, kurz abknackendes zartes Fleisch und einen vortrefflichen Geschmack, während die im Hause auf der Stellage gelagerten gänzlich geschrumpft waren. Dieser Versuch that dar, daß der leicht welkende und auch im Rheingau gewöhnlich hart und fast ungenießbar bleibende Königliche Kurzstiel durch diese Art der Aufbewahrung erst seinen vollen Wert erhält und deshalb in dieser Beziehung alle Beachtung verdient, um so mehr noch, als sein hochgehender sehr fruchtbarer Baum winterhart und sehr spätblühend ist.

Baumanns Reinette. Von dieser wurden 73 Früchte eingelagert, die aber größtenteils gefault waren; was erhalten blieb, war sehr schön und wohlschmeckend. Der Grund der starken Fäulnis lag nicht in der Aufbewahrung selbst, sondern wohl in dem Umstande, daß die Früchte sehr spät geerntet worden waren, was nach früheren Beobachtungen schon diese sonst sehr haltbare Sorte nicht gut zu vertragen scheint. Die auf der Stellage frei hingelegten Früchte neigten nämlich ebenfalls sehr zum Faulen, so daß bis Ende März davon keine mehr vorhanden waren. Auch dürfte es sich empfehlen, das Einlegen in Mull unmittelbar nach dem Pflücken auszuführen und nicht erst einige Wochen darnach, wie es hier geschah.

Dr. Bretonneau. Von 60 eingebetteten Früchten blieben 46 sehr gut erhalten, waren auch im Geschmacke um vieles besser als bei freier Lagerung im Obsthause.

Weil trockener Torf aus dem Jnneren eines geschlossenen Ballens verwendet und die Früchte auch sämtlich in Papier eingewickelt waren, ließ das Obst beim Genusse nicht den geringsten muffigen unangenehmen Beigeschmack erkennen. Es verdient unzweifelhaft dieses Verfahren auch anderwärts probiert und ausgeführt zu werden.

7. Die neue Obstverwertungsstation.

Schon seit Jahren erwiesen sich die bisherigen Räumlichkeiten für die praktische Ausübung der Obstverwertung zur Einübung der Schüler sowohl wie auch zu den Unterweisungen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Obstverwertungskurse als nicht mehr ausreichend, um so mehr, als darin auch der Unterricht in Weinchemie zeitweise erteilt wurde. Diese Räume wurden nun der önochemischen Versuchsstation zu ihrem ausschließlichen Gebrauche überwiesen und dementsprechend umgebaut und eingerichtet. Dafür wurde die Obstverwertungsstation in einem neuen Gebäude untergebracht, das Ende dieses Etatsjahres nach den in diesem Punkte gesammelten Erfahrungen im Anstalts-Muttergarten aufgeführt wurde. Der leitende Gedanke dabei war, eine Einrichtung zu treffen, die

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die Ausübung der Obstverwertung im Hause, wie sie vornehmlich bei den Obstverwertungskursen für Frauen gelehrt, und der Obstverwertung im kleineren Fabrikbetriebe, die bei den Kursen für Männer und bei den Schülern behandelt wird, so gestattet, daß das Trocknen von Obst und Gemüse, die Herstellung von Kraut, Gelee, Mus, Marmelade und Latwerge, das Einkochen von Früchten und Gemüsen in Gläsern, Blechdosen und Krügen (Konserven), wie auch das Brennen von Obstbranntweinen in ausgiebigerem Maße erfolgen können.

Das Gebäude (Fig. 13) ist 14 m lang, 10,50 m breit, in werk aufgeführt und mit Dachpappe in doppelter Lage gedeckt' sind neben einem großen hellen Arbeitsraume von 10 m Bodenfläche im Geviert noch ein Vorratsraum mit Speicher und eine Garderobe vorhanden.

Die Mitte des Arbeitsraumes nimmt ein Schornstein von Durchmesser ein, der einige Meter über das Dach hinaus aufgeführt ist. Zur ungehinderten Ableitung der aufsteigenden Dämpfe und Hitze ist in seiner Umgebung das Dach unterbrochen und darüber ein ringsum mit feststehenden Jalousien versehener gedeckter Lüftungsschacht angebracht.

Der Boden ist asphaltiert und nach zwei Stellen mit Gefälle und gedeckten Rinnen versehen, damit man ihn jederzeit mit Hilfe der in die Station hingeleiteten Wasserleitung schnell und leicht abschwenken kann.

Die Maschinen mit eigener Feuerung und zwar ein großer Obstkochkessel mit Rührwerk und eine Geisenheimer Wanderdörre (beide rechts in der in Fig. 14 wiedergegebenen photographischen Aufnahme) wie auch ein großer Dampfkessel mit 6 Atmosphären Druck und ein stattlicher Küchenherd aus Gußeisen (Fig. 15) haben um den Schornstein zweckmäßige Aufstellung gefunden. Der Brennapparat (Fig. 15 rechts) und die Ryder'sche Obstdörre mit schräg ansteigendem langen Trockenschachte (konnte nicht mehr auf die photographische Platte der Fig. 15 mit ausgenommen werden) sind an der Mittelwand entlang aufgestellt, die die anderen Räume von dem Arbeitsraume trennt. Dicht vor den Fenstern der Rückwand des Gebäudes erhielten, wie in Fig. 14 gut dargestellt, in der Reihenfolge von rechts nach links ihren Platz: 1. in der Ecke unter der Wasserleitung ein Spülstein, 2. ein aus verzinktem Eisen hergestelltes Dampf-Wasserbad vornehmlich zum Kochen von Obst- und Gemüsekonserven und zum Sterilisieren von Most, 3. zwei zum Umkippen eingerichtete Dampfkochkessel aus Kupfer, 4. ein feststehender kupferner Dampfkochtopf und 5. ein gut verschließbarer Dämpfkasten aus Eisen, in dem Obst und Gemüse vor dem Dörren erst einige Minuten lang der brühenden und erweichenden Einwirkung des einströmenden Wasserdampfes ausgesetzt wird.

Der Dampfkessel erzeugt nicht nur den für den Brennapparat, für die drei Dampfkochkessel, das Wasserbad und den Dämpfkasten erforderlichen Dampf, sondern auch noch reichlich zum gleichzeitigen Ausdämpfen von je drei Weinfässern, zu welchem Zwecke ein Rohr unter den Boden hin ins Freie geleitet ist.

Die Lieferung des Dampfkessels (Quersiedekessel), die Umarbeitung und teilweise Erneuerung der Einrichtung, soweit sie mit dem Dampfkessel in Verbindung steht, übernahm die Firma Will). Albach, Kupferwarenfabrik zu Höchst g. M.

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