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fähigen Wurzeln erzeugt hatten. Figur 6 soll ein Stück eines ausgehe benen Berjüngunsgrabens darstellen. Beim Ausgraben gingen allerdings trotz aller Sorgfalt die in der Mitte besindlichen Wurzelteile verloren.

Jnwieweit die Kosten dieses Verfahrens mit dem erzielten Vorteile im Verhältnis stehen, kann erst nach einigen Jahren beurteilt werden, wenn die jungen Wurzeln zur vollen Wirkung gekommen sind. So viel steht heute schon fest, daß Verjüngungsgräben durchaus wirksam sind und daß es mit ihrer Hilfe möglich ist, die Lebensdauer wertvoller Pflanzungen zu verlängern.

IV. Versuch über die künftigste Aussaatzeit der «Pfel- und Birnkerne.

Auf Anregung der Anstalt unternahm Professor Dr. Alfr. Koch, der längere Zeit hierselbst für die deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft thätig war, einen umfassenden Versuch, der auf Seite 133 bis 145 der Mitteilungen über Obst- und Gartenbau im Jahre 1895 eingehend geschildert worden ist. Es ergiebt sich aus dem Versuche der Herbst als beste Zeit zur Aussaat von Samen des Kernobstes.

V. Prüfung von Apparaten.

a) Neues Okuliermesser, genannt der Schnelläugler von J. Kaehler & Grunewald in Tempelhof-Berlin. Die Prüfung dieses neuen Veredelungsmessers hat folgendes Resultat ergeben:

Wenn die zu veredelnden Wildlinge von ziemlich gleichmäßigem Wuchse sind, kann man mit dem „Schnelläugler" sehr gut und flott arbeiten. Das Lösen der Rindenflügel geht ohne Mühe und vor allen Dingen ohne Verletzung derselben von statten.

Sind aber die Wildlinge ungleichmäßig, haben sie kleine Biegungen, dann ist das Messer nicht mehr mit Vorteil anzuwenden, weil die gerade Schnittfläche desselben sich den Biegungen der Stämmchen nicht anpaßt. Zum Veredeln ganzer Baumschulschläge, wo die verschiedensten Formen und Biegungen vorkommen, kann man somit das Messer nicht allein anwenden.

b) Neue Baumsäge von Karl Dörmer im Forstgarten bei Gießen. Diese Säge unterscheidet sich von ähnlichen dieser Art durch eine besondere Vorrichtung zum Stellen des Blattes und zum Festhalten desselben in der angegebenen Richtung. Die Säge schneidet vorzüglich, doch ist der Bügel etwas klein, so daß beim Abschneiden von starken Aesten Schwierigkeiten entstehen. Jnfolge der kleinen Rädchen, welche oben und unten an dem Blatte angebracht sind, bleibt dasselbe beim Arbeiten in seiner richtigen Stellung und der Bügel kann sich nicht umlegen, wie dies bei anderen Baumsägen der Fall ist. Jndessen verursacht das Stellen des Blattes ziemlich viel Arbeit und wenn die beiden Räder nicht gleichmäßig in die Zähne eingreifen, so bekommt das Blatt eine schiefe Stellung.

«) Die ledernen Baumbänder von Otto Evers in Radebeul-Desden. Diese Bänder sind sehr stark und haben sich im Muttergarten gut bewährt. Es genügen zwei Bänder unter der Krone angelegt, um den Banm am Pfahle festzuhalten. Diejenigen Bänder, welche man am Pfahle festbinden kann, sind bequemer als die anderen, deren Enden mit Nägeln befestigt werden müssen, was immerhin umständlich ist.

ä) Der Baumkitt derselben Firma. Dieses Material deckt das Holz vollständig und verhütet das Aufspringen desselben. Die Wunden überwallen normal, doch geht die Verwaltung unter der alten bekannten Baumsalbe aus Lehm und Kuhdünger schneller vorwärts. Gegen den Gummifluß konnte der Baumkitt noch nicht angewendet werden.

e) Schattenrahmen der Firma Benrath & F r a n k - Korbmühle in Düren. Diese Rahmen sollen jungen Pflanzen Schutz vor direktem Sonnenlichte und Aprikosen, Pfirsichen u. s. w. an Spalieren Schutz gegen Nachtfrost gewähren. Sie werden aus geöltem Papier besonderer Konstruktion hergestellt. Die in hiesiger Anstalt nach der Anleitung verfertigten Schattenrahmen dieses Materiales hatten eine nur geringe Haltbarkeit, weil sich das Oel von dem Papier löste und letzteres dann in kurzer Zeit weich wurde und zerriß.

Prüfung von vier neuen Obstpflückern.

5, Obstpflücker von G. Eberhardt, Messerwarenfabrik in Wiesbaden. Derselbe besteht aus einem längeren Bambusstocke, auf welchem eine Pflückscheere derartig angebracht ist, daß man sie mit einer Schnur von unten her öffnen kann. Dieser Pflücker dient mehr für Formbäume, Es läßt sich mit ihm recht gut pflücken, nur hat er den Nachteil, daß er bei der Benutzung zu oft mit der Schnur, welche die Pflückscheere in Bewegung setzt, an dem Fruchtholze hängen bleibt.

Z) Obstpflücker von A. Zöckler in Gießen a. L. Dieser besteht aus zwei Klappen, die durch eine Feder in Bewegung gesetzt werden. Mit diesen beiden Klappen faßt man die Frucht und zieht an einer Schnur, die an der Feder befestigt ist, so daß die beiden Klappen die Frucht nun festhalten. Mit der Stange, auf welcher der Pflücker steckt, macht man eine kleine Drehung und die Frucht löst sich von ihrer Ansatzstelle. Dieser Pflücker wäre gar nicht so übel, wenn die beiden Klappen senkrecht auf der Stange ständen. Jn ihrer wagerechten Richtung nehmen sie zu viel Platz weg, man kann die Frucht nicht gut sehen und bleibt auch im Gezweigs hängen. Dasselbe ist auch bei der Feder der Fall, so daß man viel Zeit gebraucht, um den Obstpflücker wieder frei zu bekommen.

K) Obstpflücker von Karl Fischer in Bremen. Er besitzt beinahe den gleichen Bau wie der vorige, nur daß sich unter den beiden Klappen noch ein langer Schlauch aus Gaze besindet, in den die Frucht nach dem Pflücken hineinfällt und darin hinuntergleitet. Unten an dem Schlauche ist ein Schlitz angebracht, um die gepflückte Frucht herausnehmen zu können, ohne daß der Obstpflücker zur Erde gebracht zu werden braucht. Beim Herunterfallen der Frucht im Schlauche schlägt sie aber an den Ringen, mit denen der Schlauch an der Stange befestigt ist, auf und bekommt Druckflecken. Außerdem ist der Pflücker so schwer, daß man nur kurze Zeit damit arbeiten kann.

i) Obstpflücker von B. A. Hjorth & Komp. in Stockholm. Cr macht den Eindruck, als wenn man zwei Kochlöffel ohne Stiel gegeneinander zusammengefügt und dann auf einer Stange befestigt hätte. Zieht man an einer Schnur, die mit einer sehr kleinen Feder in Verbindnng steht, so klappen die beiden Kochlöffeln ähnlichen Halbkugeln zusammen. Die damit arbeitende Person muß bei diesem Obstpflücker die allergrößte Vorsicht gebrauche^ weil sie sonst nicht nur Frucht- und Tragholz abreißt, sondern auch die gefaßte Frucht mitten durchschneidet. Außerdem ist der Apparat viel zu groß, so daß man meistens die Frucht, die man pflücken will, nicht sehen kann.

VI. Tierische Feinde.

a) Der Apfelwickler (Die Obstmade), (Zarpooapsa pomoiiella 1^.

Die Beobachtungen über diesen schlimmen Feind des Kernobstes sind auch in diesem Jahre fortgesetzt worden. Es ergab sich, daß das als Raupe überwinternde Jnsekt sich zu Ende April oder auch zu Anfang Mai verpuppt, um alsdann in dem letzten Drittel des Mai oder Anfang Juni als Schmetterling zu erscheinen. Somit liegen zwischen dem Verpuppen und dem Auskriechen des Schmetterlinges rund gerechnet vier Wochen. Die Eiablage erfolgt in größeren Zwischenräumen, wodurch sich das gleichzeitige Vorhandensein von älteren und jüngeren Räupchen zur Genüge erklärt.

Das junge Räupchen höhlt nach dem Eindringen in die Frncht einen größeren Raum unter der Oberhaut aus und nimmt alsdann seine Richtung in mehrfach gewundenem Gange nach dem Kernhause zu, wo es die Kerne ausfrißt. Als Eingangsstellen dienen sehr häusig der Kelch und auch der Stiel; wo Blätter die Früchte bedecken, legt der Schmetterling ebenfalls gern und häusig seine Eier ab. Doch sindet man zahlreiche Früchte, bei denen die Eingangsstellen auf der der Sonne am meisten zugekehrten freien Seite sind. Der Durchmesser der Gänge ist verschieden und bei dem eindringenden Räupchen kleiner als bei dem die Frucht wieder verlassenden, im Durchschnitte 1 mm. Zwei Räupchen in einer Frucht sind selten, dafür wurde mit Sicherheit festgestellt, daß ein Räupchen zwei Früchte nacheinander angreift. Es kommen auch Fälle vor, in denen das Jnsekt auf halbem Wege in der Frucht umkehrt und einen andern Ausweg nimmt. Auch scheint mitunter das Eindringen des Pilzes (Mium (Nomlis,) fruotiAenum das Räupchen zum Verlassen der Frucht zu bewegen.

Gegen den Herbst hin wurde bemerkt, daß die Zahl der befallenen Früchte nicht nachließ wie in anderen Jahren, sondern vielmehr stetig zunahm. Dieser Beobachtung entsprach die große Zahl von jungen Räupchen, die in verschiedenen Stadien der Entwicklung in den Früchten gefunden wurden. Jn Kaltenbach.s Pflanzenfeinden wird auf Seite 173 gesagt, daß Ratzeburg und Nördlinger für das mittlere Deutschland nur eine Generation annehmen. Dagegen will nach Taschenberg, Obstschutz Seite 137, Schmidtberger in Oesterreich zwei Generationen des Apfelwicklers beobachtet haben und dieselbe Wahrnehmung wird daselbst aus Nord-Amerika berichtet. Durch diese Angaben beeinflußt hielt man eine zweite Generation in Deutschland für nicht wahrscheinlich und schloß man auf ein dem Apfelwickler ähnliches Insekt; man untersuchte daraufhin wurmige Aepfel und Birnen zu wiederholten Malen zu Hunderten, teils die befallenen Früchte vom Baum pflückend, teils sie gleich nach dem Abfallen vom Boden auflesend. An diese Untersuchungen der wurmigen Früchte knüpfte sich fortgesetzte Beobachtung der eingesammelten Räupchen durch den Winter hindurch bis zum Verpuppen und Auskriechen der Schmetterlinge. Das Endergebnis bestand darin, daß die gegen den Herbst hin beobachteten lungen Räupchen keinem anderen Jnsekt, sondern in der That einer zweiten Generation des Apfelwicklers angehörten. Aehnelten schon die Räupchen denjenigen der ersten Generation, nur daß sie kleiner und weißlich waren, während die anderen fleischrosa gefärbt aussahen, so glichen sich die wiederholt auf das genaueste untersuchten Schmetterlinge vollständig. Das Auftreten einer zweiten Generation in Deutschland erklärt sich durch die ungewöhnliche Wärme des Sommers 1895, von welchem man sagen kann, daß er andauernd südliche Temperatur-Verhältnisse besaß.

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Während die Entwicklungsgeschichte des Schädlinges fortwährend verfolgt wurde, ging die Anwendung der Bekämpfungsmittel nebenher. Man legte die in dem Berichte 1893/94 geschilderten „Madenfallen" in sehr großer Zahl an und sing damit eine bedeutende Menge von Räupchen des Apfelwicklers. So fand man Ende Oktober hinter zwei Fallen, die von Stämmen des grünen Fürstenapfels und der Gaesdoncker Reinette genommen wurden, insgesamt 435 Räupchen. Die meisten derselben waren noch recht lebendig, andere aber auch todt und es schien, als ob sie von einem Pilze befallen seien. Jn der vorhergehenden Fig. 7 ist ein Stückchen einer solchen Madenfalle von Jnnen gesehen dargestellt und daneben einzelne Coccons aus der Holzwolle und auch aus dem Papier, unbewohnt und leer, sowie noch bewohnt. Das Jnnere dieser Coccons ist glatt und glänzend. Diese bildliche Darstellung dürfte wohl zur Genüge die Vorzüglichkeit und ausgezeichnete Wirkung der Madenfallen beweisen.

Es wurde wiederholt beobachtet, daß Obstmaden sich oberhalb des Bandes der Madenfalle eingesponnen haben. Dies läßt sich so erklären, daß Räupchen, welche ihre volle Entwicklung erlangt hatten, bevor die bewohnten Früchte absielen, aus denselben herauskrochen und nun von oben her kommend die Papierränder der Madenfalle als geeigneten und sicheren Schlupfwinkel zum Verpuppen annahmen. Hiernach dürfte die Anschauung, daß sich die ausgewachsenen Obstmaden an einem Faden zum Boden herunterlassen und dann erst suchend am Stamm emporkriegen, nicht mehr in vollem Umfange aufrecht zu erhalten sein. Allerdings gelangen die meisten Obstmaden mit der abfallenden Frucht auf den Boden.

b) Der Pflaumenwickler. d?ärp««a^sä tunebraua.

Auch dieser Schädling wurde genauer beobachtet und es zeigte sich, daß der Schmetterling bereits Mitte Mai ausfliegt. Er ist ungemein scheu und behende und verkriecht sich, wenn ihm nachgestellt wird. Die Färbung des Schmetterlinges ist schwarzgrau und am Jnnenwinkel besindet sich ein mattschimmernder bleigrauer Fleck mit einer Reihe schwarzer Punkte.

Gegen das Räupchen des Pflaumenwicklers wurden ebenfalls Madenfallen verwendet und zwar mit dem besten Erfolge; man fand unter ihnen schon Ende September die Maden in großen Mengen. Viele derselben waren übrigens von Schlupfwespen belegt.

o) Der Apfelblütenstecher, ^ntkonomu« pomorum.

Jn den letzten Jahren hat die Larve dieses Schädlinges die Aussichten auf eine gute Obsternte wiederholt in der empfindlichsten Weise durch Ausfressen der Blüten zerstört; abgesehen von der nützlichen Tätigkeit mehrerer Vogelarten, giebt es wenigstens für die Hochstämme noch kein wirklich brauchbares und leicht anzuwendendes billiges Bekömpfungsmittel. Es erschien deshalb ein genaues Studium dieses Jnsektes geboten und es wurden zu diesem Zwecke mehr als hundert Käfer, die man aus Larven gezogen hatte, in ein entsprechendes, gut gelüftetes Glashäuschen gesetzt, in dem sich ein Apfeltopfbaum befand. Die Käfer sitzen des Tages am liebsten im Dunkeln auf der Unterseite der Blätter oder in den Triebspitzen verborgen, da wo die Blättchen aneinander liegen. Sie schaben das Blattgrün in der in Figur 8 dargestellten Weise ab und verursachen

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