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Es liegt die Frage nahe, ob der beobachtete niedrige Aschengehalt der 92er Weine eine nur diesem Jahrgang eigentümliche oder bei den Weinen dieser Gebiete allgemeine Erscheinung sei. Jch glaube diese letztere Frage mit der Einschränkung bejahen zu sollen, daß in geringerer Zahl so aschenarme Weine in allen Jahrgängen vorkommen.

Die große Aschenarmut sehr vieler, zweifellos reiner Moselweine ist eine schon seit längerer Zeit in den Jnteressenkreisen bekannte Thatsache. Merkwürdigerweise sind bestimmte, mit Zahlen belegte Angaben hierüber nirgends in der Litteratur zu sinden.

Jmmerhin bleibt trotzdem die Thatsache, daß unter den hier untersuchten 92ern aschenarme Weine in so großer Zahl gefunden wurden, sehr auffallend. Namentlich wenn man den durchschnittlich beobachteten Aschengehalt berücksichtigt, muß man unbedingt zugeben, daß die 92er Weine der hier in Betracht kommenden Gebiete allgemein sehr aschenarm sind. Die Frage nach der Ursache dieser Erscheinung, läßt sich bei der Mannigfaltigkeit der in Betracht kommenden Faktoren kaum mit Sicherheit beantworten. Man könnte vielleicht annehmen, daß die außerordentliche Trockenheit des letzten Sommers die Aufnahme normaler Mineralstoffmengen durch die Wurzeln verhindert habe.

Daß irgendwelche Krankheiten der Reben, insbesondere die?eron«spors, die Schuld tragen, ist vollkommen ausgeschlossen, da die Reben im Jahre 1892 fast ausnahmslos so gesund waren, wie seit langen Jahren nicht. Nasses Lesewettcr kann auch kaum zur Erklärung eines so niedrigen Aschengehaltes herangezogen werden, denn in den betreffenden Gebieten waren die Witterungsverhältnisse während der Lese keineswegs so ungünstig, daß sie eine so starke Verminderung der Mineralbestandteile zur Folge gehabt haben könnten. Gegen eine solche Annahme sprechen auch die hohen Extraktgehalte der Weine.

Gerade mit Rücksicht auf die vorstehend besprochenen Ergebnisse bezüglich des Aschengehaltes, auf deren Bedeutung ich später noch zurückkomme, erscheint es mir notwendig, auf die Zuverlässigkeit des benutzten Untersuchungsmateriales etwas näher einzugehen.

Es bedarf wohl kaum der besonderen Versicherung, daß bei der Beschaffung desselben die allergrößte Sorgfalt beobachtet wurde. Es gelangten nur solche Weine zur Untersuchung, welche von zuverlässigen, meist mir persönlich bekannten Weingutsbesitzern als vollständig rein für diese Zwecke eingesandt waren. Eine absolute Bürgschaft ist damit natürlich nicht gegeben, ich glaube aber, daß das untersuchte Material so zuverlässig ist, wie es überhaupt unter den gegebenen Verhältnissen zu erlangen ist. Hervorheben will ich gerade an dieser Stelle, daß einer der aschenärmsten Weine aus, dem Keller der Kgl. Lehranstalt stammt, wo ein Zweifel an der Reinheit der Probe doch völlig ausgeschlossen ist.

Der Extraktgehalt der meisten Weine bewegt sich durchweg in den für Naturweine bisher beobachteten Grenzen, ist in vielen Fällen sogar ein recht hoher. Besonders betont sei noch die Thatsache, daß die aschenarmen Weine keineswegs auch an Extraktstoffen arm sind. Die Moselweine, auch die aus Riesling, sind im allgemeinen weniger reich daran, wie aus früheren Untersuchungen derselben schon genügend bekannt ist. Abnorm niedrige Extraktgehalte wurden auch bei diesen nicht beobachtet.

Einer besonderen Erwähnung bedarf noch der Glyzeringehalt der Weine. Man hat bisher angenommen, daß auf, 100 Teile Alkohol in Naturweinen mindestens 7 Teile Glyzerin kommen. Während die Mehrzahl der hier untersuchten 92er Weine dieser Forderung genügt, wurden bei einer kleineren Anzahl Glyzeringehalte gefunden, die unter diesem Minimum liegen (von 93 Weinen 11). Mit Ausnahme einer Probe, die noch nicht völlig durchgegoren und etwas zäh war, wurden die Weine völlig gesund befunden. Man kann also nicht einwenden, daß es sich viel» leicht um Weine handle, die infolge mangelhafter, durch irgendwelche Einflüsse verzögerter Gärung einen niedrigen Glyzeringehalt aufweisen, zumal bei der Mehrzahl der betreffenden Nummern deren Herkunft es fast völlig ausschließt, daß bei der Kellerbehandlung grobe Versehen geschehen sind.

Mehrfach vorgenommene Kontrollbestimmungen bestätigten das zuerst gewonnene Ergebnis. Danach kann das Vorkommen normal vergorener Naturweine mit weniger als 7 Teilen Glyzerin auf 100 Teile Alkohol kaum bezweifelt werden. Dieselbe Beobachtung habe ich bereits in den 91er Weinen unserer Anstalt gemacht, über ähnliche Erfahrungen an Tiroler Weinen berichtet Mach.

Man hat bekanntlich bisher Weine, die in der besprochenen Richtung abnorm waren, vielfach als mit Alkohol versetzt beanstandet. Nach meinen, auch früher schon gemachten Ersahrungen, ist ein solcher Schluß sehr häusig nicht berechtigt, wie denn überhaupt der Gehalt an Glyzerin, wenn man bei der Beurteilung der Weine streng wissenschaftlich verfahren will, praktisch verwertbare Schlüsse kaum noch gestattet. Jnsbesondere dürfte es in den meisten Fällen unmöglich sein, ein Urteil darüber abzugeben, ob 1 Volumprozent oder mehr Alkohol einem Weine zugesetzt sind, eine Frage, die infolge der Bestimmungen des neuen Weingesetzes jetzt häusiger dem Weinchemiker vorgelegt wird.

V. Die meteorologische Beobachtungsstation.

Jm Folgenden sollen die Resultate derjenigen Beobachtungen mit» geteilt werden, welche in dem Kalenderjahr 1893 auf der in der Lehranstalt besindlichen meteorologischen Beobachtungsstation II. Ordnung ausgeführt worden sind.

Wesentliche Aenderungen in dem Jnstrumentarium der Station fanden in diesem Jahre nicht statt.'") Vom 1. April 1893 an wird nicht die Einheitszeit, sondern die mittlere Ortszeit bei allen Beobachtungen und Notierungen zu Grunde gelegt. Jnfolge der Beibehaltung der Ortszeit werden die Terminbeobachtungen von dem genannten Tage an nicht mehr wie bisher um 7 Ka, 2 Kp und 9 Kp, sondern um 7,, Ks, 2,s Kp und 9s, Kp angestellt. Ferner sind alle nach Einheitszeit gemachten Angaben über Beginn und Ende der verschiedenen Witterungs - Phänomene um 28 Minuten zu verringern.

*) Im Übrigen vergleiche hinsichtlich des Instrumentariums die Berichte von 1884—1892.

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