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Am 3. Juli wurde der Anstalt die Ehre des Besuches Sr. Ezcellenz des Herrn Ministers von Heyden-Cadow und des Herrn Regierungs-Präsidenten von Tepper-Laski aus Wiesbaden zu Teil. Am 14. und 15. August besichtigten der Herr Ministerial-Direktor Sterneberg und der Vorsitzende des Kuratoriums, der Wirkliche Geheime Ober-Regierungsrath Herr Dr. Singelmann die Anstalt.

Wie auch in den Vorjahren haben wieder eine ganze Reihe von Ausflügen nach Frankfurt a, M. zum Besuche des Palmengartens, der städtischen Anlagen und des Zoologischen Gartens, nach der Hallgarter Zange und dem Kloster Eberbach bezw. dem Steinberg, nach Hattenheim in die Besitzungen der Firma Wilhelms, nach Johannisberg zum Besuche des Schlosses, nach Rüdesheim in die Kellereien der Firma J. B. Sturm und in die hiesigen Schaumweinkellereien der Herren Gebrüder Höhl stattgefunden. Unter Führung des Fachlehrers Zweifler unternahmen die älteren Eleven und die Obst- und Weinbauschüler eine, siebentägige Belehrungsreise nach Edenkoben, Neustadt a. H. und Deidesheim, von welchen Orten aus mehrfache Spaziergänge in die wichtigsten Weinorte des berühmten Weinbaugebietes der Pfalz unternommen wurden. Ueberau nahm man die Schüler der Anstalt mit der größten Freundlichkeit auf und gestattete ihnen besonders in den Kellereibetrieb die interessantesten Einblicke. Es war dies der erste Weinbau-Ausflug, welcher bisher ausgeführt wurde und die Ergebnisse desselben sind so befriedigend gewesen, daß in jedem Jahre ein solcher stattsinden soll.

Eine besondere Anregung auf dem Gebiete des Obstbaues bot die Obst-Ausstellung, welche der Rheingauer Verein für Obst-, Wein- und Gartenbau in der Zeit vom 6. bis 8. Oktober abhielt. Da gab es für die Schüler bei der Einrichtung sehr viel zu thun und aber auch zu lernen, denn diese Ausstellung vereinigte Obst von ganz außergewöhnlicher Schönheit und Größe, wie es in Deutschland so vollkommen wohl nur im Rheingau gezogen werden kann. Jn gärtnerischer Beziehung lehrreich war für die Schüler eine Chrysanthemum-Ausstellung zu Rüdesheim in der Zeit vom 12. bis 13. November, welche ebenfalls vom Rheingauer Verein für Obst-, Wein- und Gartenbau unternommen wurde.

Eine interessante Uebung in der Aufnahme von Grundstücken ergab sich bei derjenigen der sogenannten Kreuzberg-Anlage in Rüdesheim, welche dem dortigen Verschönerungsverein gehört und nun nach einem neuen Plane zweckentsprechender umgestaltet werden soll.

Es verdient hervorgehoben zu werden, daß im vergangenen Etatsjahre die Schüler aus eigenem Antriebe während des Sommers allabendlich nach dem Nachtessen eine freiwillige Turnstunde veranstalteten. Auch verpflichteten sie sich, ebenfalls freiwillig, zur Ueberwachung der Vogelnester und zur Bekämpfung bezw. zur Vertilgung des Raubzeuges, welches den Vögeln nachstellt, Der Erfolg dieses sehr wirksamen Schutzes läßt sich nicht verkennen und es siedeln sich immer mehr Vogelarten im Parke und in den Obstpflanzungen an.

Am 21. Dezember fand die übliche Weihnachtsfeier statt. Bei den Aufführungen und Gesängen leisteten die Schüler, was nur irgend von solchen Kräften zu erwarten ist und es verdient die Hingabe alle Anerkennung, mit welcher Dr. Christ das Ganze leitete und zum Ziele führte.

Am 27. Januar wurde der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs mit einem Aktus gefeiert, den Chorgesänge eröffneten und schlossen. Bei dieser Gelegenheit hielt Garteninspektor Seeligmüller die Festrede und die Schüler Reinhard, v. Monschaw, Buch und Weiß trugen patriotische Deklamationen vor.

Die schriftliche Prüfung, an welcher sich die Eleven Hug, Reichenbach, Müller, Scharnke, Hartrath und Krolopp beteiligten, fand am 12., 13. und 14. Februar und zwar immer nur an den Vormittagen statt. An jedem Vormittage kamen zwei Fächer, jedes während zwei Stunden zur Bearbeitung und zwar waren es diesmal die Spalierzucht, die Ernährungs-Physiologie, Bodenkunde und Düngerlehre, Gemüsebau, Gehölzzucht und Gehölzkunde, sowie Obstbaumzucht. Die mündliche Prüfung wurde am 19. und 20. Februar im Beisein sämtlicher Lehrer und unter Ausschluß der Oeffentlichkeit derart abgehalten, daß die Schüler der vier Kategorien in den Fächern: Obstbaumpflege, Allgemeiner Pflanzenbau, Blumenzucht, Weinbau, Chemie, Obstverwertung, Pflanzenphysiologie, Physik, Landschaftsgärtnerei und Kellerwirtschaft je während einer Stunde geprüft wurden.

Am 24. Februar wurde am Schlusse des Schuljahres ein feierlicher Aktus abgehalten, bei welchem der ältere Eleve Müller „über die physiologischen Aufgaben der Wurzeln unserer Pflanzen", der jüngere Eleve Dinkler „über den Privatgarten und den öffentlichen Garten", der Gartenschüler Müller „über den Obstbau" und der Obst- und Weinbauschüler Müller „über den Rebschnitt" je einen kurzen Vortrag hielten. Danach erfolgte die Verteilung der Zeugnisse und die Entlassung nach einer Ansprache des Direktors; Gesänge des Schülerchores eröffneten und schlossen die Feier in würdiger Weise.

3. Periodische Kurse.

a) Gbstverwertungskursus für Frauen in der Zeit vom 14. bis

18. August.

An demselben beteiligten sich 34 Personen.

b) Nachkursus zum Obstbau und Baumwärterkursus vom 2l. bis 2«. August.

Derselbe wurde von 19 Lehrern, 7 Privaten und 23 Baumwärtern, insgesamt von 49 Personen besucht. Die reiche Obsternte gestattete diesmal eine ausgiebige Unterweisung in den wichtigsten Methoden der Obstverwertung.

«) Gbstverwertungskursus für Männer in der Zeit vom 28. August

bis 2. September.

Die Zahl der Teilnehmer betrug 36.

ä) Reblauskursus.

Die Zahl der Teilnehmer an diesem Kursus, welcher in der Zeit vom 8. bis 12. Januar stattfand, belief sich auf 36.

s) winzerkurfus.

Derselbe wurde in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar abgehalten und von 22 Personen besucht. Außer den bereits im Vorjahre eingeführten Verbesserungen wurde diesmal eine genaue Unterweisung im Veredeln der Reben gegeben.

Y Bbstbaukursus.

Derselbe fand mit Rücksicht auf das frühzeitige Osterfest in der Zeit vom 27. Februar bis 31. März statt und wurde von 33 Personen besucht.

Vaumwcirterkursus.

Er fand in derselben Zeit wie der vorhergehende statt und wurde von 32 Personen besucht, von denen eine große Zahl auf Kosten ihrer Gemeinden hierher kamen. Auch entsendet der Kommunalständische Verband für den Regierungsbezirk Wiesbaden alljährlich mehrere StraßenWärter zur Ausbildung im Obstbau.

Die Gesamtzahl aller Schüler und Kursisten, welche die Anstalt seit ihrer Eröffnung besuchten, beträgt nun bis zum 31. März 1894 gerechnet 3 788 (gegen 3522 des Vorjahres.) Davon sind eigentliche Schüler 764 und Kursisten 3024.

4. Gauliche Veränderungen.

Dieselben beschränkten sich im verflossenen Etatsjahre auf die Verlegung des Vermehrungshauses an eine günstigere Stelle und der Anbringung von Verbesserungen in der inneren Einrichtung.

5. Gesuche.

Auch im vergangenen Etatsjahre ist die Anstalt von einer großen Zahl von Vereinen, Schülern, Fachleuten und Jnteressenten des Jn- und Auslandes besucht worden.

6. Geschenke.

Die Anstalt erhielt von den Fräulein E. und A. Rühle in Cannstatt bei Stuttgart eine große Blumenvase mit Postament und eine Bacchus-Figur, für den Eingang zum Kelterhause bestimmt, als Geschenk. Beide Stücke, welche eine Zierde der Anstalt bilden, stammen aus der berühmten Fabrik von March Söhne in Charlottenburg. Außerdem wurden der Anstalt von anderer Seite her und besonders von ehemaligen Schülern zahlreiche Geschenke an Pflanzen, Edelreisern, Sämereien und Materialien für die Sammlungen und Lehrgegenstände zu Teil.

Die Anstalt dankt auch an dieser Stelle den freundlichen Gebern nochmals.

7. Sammlungen und Gibliothek.

Die Bibliothek erhielt unter anderem Zuwachs an folgenden Werken:
Sander, ReioKeuda«1iia, Or«tiiäs illustrateä auä äes«ribe6.
(Zuwendung eines hohen Ministeriums).

Willkomm, Bilderatlas des Pflanzenreichs nach dem natürlichen
System.

^«lioosur, raväAsurs äe Is, viZll« (Geschenk des Herrn von
Mumm in Johannisberg.)

Hofmann, die Schmetterlinge Europas.

Vilmorin.s Blumengärtnerei (Zuwendung eines hohen Mi-
nisteriums).

Hofmann, die Raupen der Groß-Schmetterlinge Europas; 50
Tafeln mit 1900 Abbildungen.

Fuerst, Deutschlands nützliche und schädliche Vögel. 8 Lief. (Zu-
wendung eines hohen Ministeriums).

v. Possanner, chemische Technologie der landwirtschaftlichen Gewerbe (Zuwendung eines hohen Ministeriums).

Zu den Sammlungen kamen hinzu:

Große Sammlung der Land- und Forstwirtschaft, dem Garten- und Obstbau und der Rebe schädlicher Jnsekten^ (420 Arten in 480 Species in 5 Kästen mit Glasdeckel).

Ein Satz englischer Draingeräte.

Ii. Thittigkeit der Anstalt nach Innen.

Wbftbau.

Das Frühjahr 1893 trat ungemein zeitig ein, fodaß die Aprikosen im Freien schon in den ersten Tagen des April blühten und die Psirsiche an den Mauern um dieselbe Zeit in voller Blüte standen. Mitte April hatten Kirschen und Frühbirnen-Sorten, Ende April auch die Apfelbäume verblüht. Der Ansatz war bei allen Obstarten ein sehr reichlicher und die Entwicklung der Bäume trotz der anhaltenden Trockenheit und Wärme schöner wie jemals; fehlte es doch nicht an genügender Feuchtigkeit im Untergrunde, denn auch in dem Winter 1892/93 ist fleißig gewässert worden. Man kann sagen, daß die Obstbäume einen Vorfprung von drei Wochen gegen andere Jahre hatten.

Die große Wärme und Trockenheit im Monat Mai machte wiederholtes durchdringendes Gießen nötig, welches auf Grund früherer Untersuchungen über die Ausdehnung des Wurzelsystems in einer besonderen Form vorgenommen wurde. Danach zog man um jeden zu gießenden Baum unter der Kronentraufe einen ringförmigen flachen Graben, von welchem aus eine kleinere Zahl kurzer Gräben nach dem Baume zu und eine größere Zahl ebensolcher strahlenförmig nach Außen hin angebracht werden. Fig. I verdeutlicht diese Vorkehrung. Das Wasser verteilt sich, an einer Stelle eingegossen, rasch durch alle Gräben und durchfeuchtet eine große Fläche auch nach Außen hin in kurzer Zeit. Man gab dem einzelnen Baume 4—5 KI Wasser und schaffte dasselbe mit dem Wasserkarren herbei, welches im Berichte über das Etatsjahr 1890/91 auf Seite 20 bereits abgebildet wurde.

Ende Mai trat auch, wohl infolge der großen Wärme an sehr vielen Bäumen Honigtau auf und zwar so stark, daß die Blätter wie

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