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Die Erziehungsart ist insofern hierbei von Einfluß, als die Richtung und Länge der Bogreben den Austrieb bedingt. Die nach Rheingauer Art gebogenen Tragreben treiben am gleichmäßigsten aus und geben demnach auch Trauben von ziemlich gleicher Qualität. Bogreben dagegen, welche lang sind und nach oben, unten, einwärts oder auswärts, rund oder flach gebogen werden, geben mehr oder weniger verschieden starke Triebe.

Der zu späte und der zu frühe Schnitt sind, abgesehen von andern Nachteilen auch auf den Austrieb von großem Einfluß Zu früher Schnitt (Herbst- und Winterschnitt) haben häusig Frostbeschädigung in stärkerem Grade, und dadurch ungleichmäßigen Austrieb zur Folge.

Eigentümlicherweise — ob infolge von Frostbeschädigung oder anderer Ursachen bleibe hier unentschieden — treiben die Knospen solcher Stöcke auch später aus, als zu richtiger Zeit geschnittene und bleiben in der Entwickelung gegen diese das ganze Jahr hindurch zurück.

Wird der Schnitt dagegen zu einer Zeit ausgeführt, wo die Knospen schon weit vorgetrieben sind, so fallen die gegen das Ende der Rebe sitzenden, am weitesten getriebenen Augen dadurch ab und die unteren, weniger entwickelten bleiben und liefern in diesem Falle häusig neben starken, zahlreiche schwache Triebe. Der Austrieb sindet verspätet statt, offenbar wohl, weil die oberen beim Austrieb günstiger gestellten Knospen einen großen Teil der aufgespeicherten Reservenährstoffe zum Nachteile der tiefer sitzenden verbraucht haben.

Das Heften der grünen Triebe im Laufe des Sommers hat bei fehlerhafter Ausführung im nächsten Jahre ebenfalls ungleichen Austrieb der Augen zur Folge. Werden bei dieser Arbeit viele Blätter eingebunden, so werden die an der Basis sitzenden Knospen nur mangelhaft ernährt, bleiben häusig unfruchtbar und liefern auch öfter kurze Triebe, zuweilen kaum 3—4 Blätter, die kleine unausgebildete Träubchen haben und im Rheingau „Fledermäuse" genannt werden.

Wenn sich die in vorstehendem geschilderte schädigende Einwirkung durch richtige Behandlung des Stockes ohne Schwierigkeit vermeiden läßt, so ist der Mensch dagegen nicht, oder doch nur unvollkommen, imstande, gegen Einflüsse zu arbeiten, welche ausschließlich in ungünstigen Witterungsverhältnissen liegen. Dazu gehören diejenigen Frostbeschädigungen im Winter, durch welche die Augen ganz oder teilweise getötet werden, sowie ein kalter und trockener Frühling, welcher den Austrieb verzögert und wobei manches Auge nicht oder nur schwach austreibt, das bei warmer Witterung sicher und gut gekommen wäre.

13. Versuche mit „Pilzwehr"

(^ntinonnin)

von der Firma L. Prandtl in Wünschen VII Ost., Frühlingsstraße 17, III r.

1. Zur Reinigung schleimnasser und schimmeliger
Kellerwände.

Die Wände wurden mit einer zehnfachen (9 I Wasser, 1 I) Verdünnung des Mittels gestrichen, um die daran wuchernden Schimmelund schleimartigen Bakterienkolonien zu vernichten.

2. Jmprägnierung der Faßschließen.

Um die Haltbarkeit der Faßschließen, welche aus Eichenholz oder Buchenholz hergestellt sind, zu erhöhen, hatte man auch diese mit obigem Mittel in fünffacher (1 l auf 4 1 Wasser) Verdünnung behandelt. Um seinerzeit einen Vergleich bei der Beurteilung der Haltbarkeit zu haben, sind auch eine größere Partie Schließen mit Kupfervitriol imprägniert worden.

Ueber die Ergebnisse dieses, sowie jenes Versuches kann erst später berichtet werden. Fr. Zweifler.

Reben-Veredlungsstation Elbingen.
^. Beredlungsversuche:
1. Frnhjahr«Veredlung (Holzveredlung) in Kaften.

Es wurden sowohl einjährige Wurzelreben als auch unbewurzelte Blindhölzer veredelt und in die schon seit einigen Jahren benutzten kalten Frühbeetkasten eingeschlagen. Unbedingt notwendig ist es, daß die Edelreiser sich bereits im Safte besinden und die Augen schon merklich hervorkommen. Die Kasten werden im Anfang geschlossen gehalten und mit Schattendecken von Kokosfaserstricken belegt, bis die ersten großen Blätter vorhanden sind. Dabei muß täglich gespritzt werden, um eine feuchtwarme Luft zu erzeugen, die gerade auf das Austreiben einen so günstigen Einfluß ausübt. Nach und nach gebe man Luft und harte die sich aus dem Edelreise bildenden grünen Triebe allmählich ab. Sobald dieselbe so lang geworden sind, daß sie an die Fenster stoßen, können diese erst stundenweise und dann für ganze Tage abgenommen werden, bis sie entbehrlich sind. Hat einmal die Vereinigung von Edelreis und Unterlage stattgefunden, so versäume man nicht, dem Wasser zum Gießen etwas Jauche beizufügen, um kräftigere Blätter und stärkere Triebe zu erzielen. Die Veredlungen von 1893 haben in den Kästen eine Länge von 1—1'/« m erlangt.

Die sich aus dem Edelreise bildenden Wurzeln müssen anfänglich alle acht Tage und später alle vierzehn Tage entfernt werden. Ende September kann man dann die Veredlungsstelle ganz von Erde befreien, um so das Edelreis an die Luft zu gewöhnen.

Versuch 1.

Prüfung des Verbands mit Kork und desjenigen mit Kautschukpapier und Bindfaden.

Dieser Versuch wurde bereits im Vorjahre ausgeführt, aber zur Sicherung in diesem Jahre noch einmal wiederholt.

Das Ergebnis läßt einen Unterschied zu Gunsten des Korkverbandes nur in geringem Maße oder gar nicht erkennen. Da sich der Verband mit Kautschukpapier und Bindfaden bezw. Raffiabast, welcher mit Kupfervitriol imprägniert wurde, sehr gut bewährt hat und die Veredlungsarbeit mit demselben doppelt so schnell von statten geht und erheblich billiger ist als bei dem Verband mit Kork, so dürfte man in Zukunft wohl in der Hauptsache Kautschnkpapier mit Bindfaden oder Bast verwenden.

Versuch 2.

Empfiehlt es sich als Unterlagen Wurzelreben oder Blindholz zu nehmen?

Auch in dieser Richtung liegen aus den Vorjahren bereits Resultate vor, die sämtlich zu Ungunsten der Verwendung von Blindreben sprechen. Da indessen von mehreren Seiten dennoch den Blindreben das Wort geredet wird, so sollte der Versuch wiederholt zur Durchführung gelangen,

Es wurden veredelt:

a. Blindholz:

Riesling auf Solonis; veredelt 50 Stück; gewachsen 8 Stück — l6°/„ Frühburgunder auf ?ork Naäeira; veredelt 50 Stück; gewachsen 23 Stück ^ 46

Frühburguuder auf Riparia; veredelt 45 Stück; gewachsen 15 Stück - 33 °/«.

b. Wurzelreben:

Riesling auf Solonis; veredelt 57 Stück; gewachsen 49 Stück ^- 86 Frühburgunder auf ?ork Na<Zeira; veredelt 60 Stück; gewachsen 33 Stücke 63

Frühburgunder auf Riparia; veredelt 70 Stück; gewachsen 53 Stück ^ 75°/«.

Die Veredlung auf Wurzelreben hat auch bei diesem Versuche wieder viel bessere Resultate ergeben, die Verwachsung ist eine innigere und die edlen Triebe sind viel kräftiger geworden, als bei der Veredlung auf Blindholz.

Versuch 3.

Geben im Frühjahre frischgeschnittene oder im Vorwinter geschnittene und eingeschlagen gewesene Reiser bessere

Erfolge?

Diese Frage hat insofern ihre große Bedeutung, als man bei Verwendung von im Vorwinter geschnittenen Reisern sicher ist, vom Froste nicht beschädigtes Holz zu Edelreisern nehmen zu können. Gerade in den letzten Jahren hat der Frost das einjährige Holz teilweise so stark verletzt, daß es zum Veredeln nicht mehr tauglich war und da diese Eventualität in Deutschland wohl ziemlich häusig eintritt, verdient die Frage der Beschaffung von gesunden Edelreisern die größte Beachtung.

Bei diesem Versuche zeigt sich, daß die im Vorwinter geschnittenen und über Winter im Einschlag gehaltenen Edelreiser gegen den Einfluß der Luft sehr empsindlich sind und leicht vertrocknen, selbst wenn die Luft, wie in den Kästen eine feuchtwarme ist. Es wuchsen die damit veredelten Wurzelreben so schlecht an, daß man sie wieder herausnahm und nochmals mit bereits im Triebe besindlichen Reisern des Frühjahres veredelte; nun wuchs der größte Teil derselben gut an.

Nach diesen Erfahrungen wird es notwendig sein, die Veredlungen mit im Vorwinter geschnittenen Reisern nach der Auspflanzung in den Kasten so stark anzuhäufeln, daß selbst das oberste Auge des Edelreises noch etwas mit Erde bedeckt ist. Auch wird man mit dem Lüften doppelt vorsichtig fein müssen. Vielleicht empsiehlt es sich, derartige Edelreiser vor dem Gebranch solange in fließendes Wasser einzustellen, bis sie wieder ihren früheren Wassergehalt erlangt haben und austreiben. Jedenfalls geben im Frühjahr geschnittene und so behandelte Edelreiser gute Erfolge.

Versuch 4.

Wie verhalten sich die einzelnen Sorten auf derselben

Unterlage?

Man veredelte 346 liiparia-Wurzelreben mit Riesling, wovon 285 oder 82 °/„ gewachsen sind. Von 124 Frühburgundern auf derselben Unterlage wuchsen 60 Stück oder 48 Wie schon bei früheren Versuchen hervorgetreten, nimmt also der Frühburgunder die Veredlung auf Rivarianicht so bereitwillig an als der Riesling. Hat aber das Reis ausgetrieben, dann ist auch die Verwachsung eine verhältnismäßig recht innige.

Zählt man die Veredlungen der einzelnen Versuche in Kästen zusammen, so ergiebt sich als Resultat, daß von 1051 Veredlungen auf Wurzelreben 786 oder 75 °/<i, von 418 Veredlungen auf Blindhölzer 102 'oder 25,4 °/<, gewachsen sind. Jnsgesamt beträgt die Zahl der in den Kasten gewachsenen Veredlungen 888.

Ä. Veredlung auf Murzelreben, die nicht in Kaste« gebracht, sonder» ins Freie in die Rebschule eingepflanzt wurden.

Das Ergebnis dieses Versuches ist ein so geringes, daß es gar nicht in Betracht gezogen werden kann. Obwohl die Veredlungen vollständig mit Erde behäufelt worden waren, haben sie doch durch die übergroße Trockenheit und Hitze des Sommers außerordentlich not gelitten, sodaß nur einige wenige gewachsen sind und auch diese nur Triebe von kaum 40 «m Länge bildeten.

3. Veredlungen auf amerikanische Mutterstöcke, die bereits an Grt und Stelle im Weinberge standen

Die Versuche mit dieser Veredlungsmethode wurden im Mai, nachdem der stärkste Safttrieb vorüber war, derart ausgeführt, daß man jedem Stocke 2 bis 3 vorjährige Ruten beließ und dieselben in der Höhe von 1 bis 1,20 m mittels Kopulierens und unter Anwendung des Korkverbandes bezw. des Verbandes mit Kautschukpapier und Bindfaden veredelte. Zu Edelreisern verwendete man einjähriges Holz, welches im Einschlag gehalten worden war. Jn noch viel höherem Maße als bei Versuch 3 beeinträchtigt die Empsindlichkeit dieser Reiser gegen Luft und Wärme das Anwachsungsprozent, so daß von sehr vielen Veredlungen überhaupt nur zwei gewachsen sind, die allerdings Triebe von 1Vsw Länge bildeten.

Jn Zukunft dürfte es sich auch hierbei empfehlen, bereits im Triebe begriffene Edelreiser zu wählen und die veredelten Ruten bogenförmig so in den Boden einzulegen, daß das Edelreis ganz mit Erde behäufelt werden kann. Dabei würde die amerikanische Rute? soweit sie sich im Boden besindet, Wurzeln bilden und man könnte im nächsten Frühjahre derartig veredelte „Einleger" schon als selbständige Pflanzen loslösen.

4. Vr«»Veredl«ng

Die Veredlungen nach dieser Methode sind im verflossenen Jahre zum erstenmale befriedigend ausgefallen, was wohl zum Teil der günstigen warmen Witterung des Vorsommers zugeschrieben werden muß, ohne welche gerade diese Veredlungsart nicht gelingt. Allerdings konnten Ergebnisse von 90—99°/«, wie sie in Oesterreich und Steiermark häusig vorkommen, noch nicht erzielt werden, was auf mangelnde Uebung und auf die Art der Durchführung der Versuche zurückzuführen ist, welche darauf ausgingen, den besten Termin für die Veredlung festzustellen.

Bei der Ausführung hängt sehr viel davon ab, an den Trieben der Unterlage und für das Edelreis die zur Ausführung des Veredlungsschnittes beste Stelle zu treffen, welche den höchsten Grad von Fähigkeit zur Kallusbildung besitzt. Es ist dies in den meisten Fällen das Glied zwischen dem 4. und 6. Knoten von der Spitze an gerechnet. Der Veredler muß sich das richtige Gefühl für diese Stelle durch Uebung aneignen.

Es wurden im Versuchsweinberge Riesling, Sylvaner und Frühburgunder auf Riparia veredelt. Dieselben Sorten verwendete man auch auf der Leideck zur Veredlung auf Sulouis und ?ork Nageira, welche Sorten in den im zweiten Jahre stehenden Quartieren III und IV an den stärksten Stöcken versuchsweise und behufs Einübung des Veredlers gepfropft wurden. Die Veredlung wurde in der Zeit vom 25. Mai bis 21. Juni in der Weise vorgenommen, daß an jedem Tage eine Zahl von 10—20 Veredlungen gemacht wurde. Es sollte hierdurch ermittelt werden, welche Zeitperiode, eventuell welche Temperatur für das Gelingen der Veredlung am geeignesten ist.

Hinsichtlich der Zeitperiode konnte festgestellt werden, daß für unsere klimatischen Verhältnisse ein früher Termin (im vorliegenden Falle die Tage vom 25. Mai bis etwa 10. Juni) zur Grünveredlung genommen werden muß, weil bei späterer Ausführung die Edeltriebe, zuweilen auch die Unterlage nicht gehörig ausreifen. Die letztere betreffend konnte mehrfach beobachtet werden, daß das Edelreis an feinen unteren Teilen reif geworden ist, daß dagegen die Unterlage dicht unter der Veredlungsstelle sich scharf abhebend vollkommen grün geblieben ist. Vielleicht handelt es sich hierbei um eine Hemmung der nach abwärts wandernden Nährstoffe durch die Veredlungsstelle.

Die Anwachsungsergebnisse der einzelnen Tage waren sehr verschieden: bei Riesling auf Riparia 14—66 „ Sylvcmer auf Riparia 25 —75 „ Frühburgunder auf Riparia 16 — 50°/,

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