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7. Wikderholter Versuch mit Umhüllung der Trauben mit Pergammdüten.

Um den im vorigen Jahresberichte Seite 4? angegebenen Uebelstand des Verbrennens der mit diesen Beuteln umhüllten Trauben in Zukunft zu verhüten, hat die Firma Schmitz in Düsseldorf im Jahre 1893 perforierte (mit feinen Löchern durchbrochene) Düten in den Verkehr gesetzt. Allein auch die mit diesen versehenen Trauben blieben leider von der Verbrennung nicht ganz verschont; im übrigen blieb die Einwirkung die gleiche, sodaß das im vorigen Berichte über die Pergaminbeutel ausgesprochene Urteil vollständig aufrecht erhalten werden muß: Durchscheinende Papierbeutel üben auf den Reifeprozeß der Trauben einen günstigen Einfluß aus, beeinträchtigen dagegen zuweilen das Aussehen derselben und vermögen auch, mit Luftlöchern versehen, das Verbrennen nicht zu verhüten.

Größere Zahl der Luftlöcher dürfte diesem Uebelstande zwar abhelfen, allein dadurch dürften aber andererseits die günstige Einwirkung auf die Reife, sowie die Haltbarkeit der Düten eine Beeinträchtigung erfahren.

8. Fortgesetzter Versuch über die Einwirkung von Schwefelkohlenftoffdämpfen auf Glind- und Wurzelreben.

Das Ergebnis des über diesen Gegenstand im Jahre 1892 angestellten Versuches wurde im vorigen Jahresberichte Seite 49 mitgeteilt. Danach vermochte eine bei Blindreben bis zu 12, bei Wurzelreben bis zu 1 V? Stunden andauernde Einwirkung von Schwefelkohlenstoffdämpfen nicht zu töten. Wie lange die Reben unbeschadet ihres Lebens dem giftigen Gase ausgesetzt sein dürfen, sollte ein im Jahre 1893 vorgenommener Versuch zeigen.

Derselbe wurde genau in der im letzten Berichte angegebenen Weise angestellt, nur die Dauer der Einwirkung wurde verlängert. Sie betrug bei Blindholz von 13 bis 22, bei Wurzelreben von 2 bis 7 Stunden.

Das Ergebnis dieses in Nummer 1 Jahrg. VI der „Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft" ausführlicher beschriebenen Versuches war, daß Wurzelreben behufs Desinfektion bis zu 7 Stunden und vielleicht noch länger, Blindreben bis zu 12 Stunden in einem mit Schwefelkohlenstoff gesättigten Raume ohne Schädigung ihres Lebens gehalten werden können. Letztere sterben Hb, sobald die Dauer der Jnfektion 12 Stunden überschreitet.

Eine längere Desinfektion dürfte übrigens weder bei der einen noch der anderen Rebengattung notwendig erscheinen, denn die im vorigen Jahresberichte ausgesprochene Vermutung, wonach die Reblaus sicher früher zu Grunde geht, hat durch die schon früher von Hilgard in San Francisko (Kalifornien) gemachten Versuche ihre Bestätigung erhalten. Dieser fand nämlich, daß Rebläuse und ihre Eier schon durch ein höchstens einstündiges Einwirken von Schwefelkohlenstoffdämpfen getötet werden.

Hiernach haben wir im Schwefelkohlenstoff ein Mittel an der Hand, womit fremde Reben sicher und ohne Schädigung ihres Lebens desinsiziert werden können.

9. Viingungsversuche.

Die Anstalt beteiligt sich auch an den von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft an mehreren Stellen in den Weinbau treibenden Gegenden eingeleiteten Rebdüngungsversuchen. Zu diesem Zwecke wurde die „Untere Flecht" der in der Gemarkung Eibingen gelegenen neuerworbenen Weinberge bestimmt, weil sie sowohl nach Größe, nach Lage und Boden, als Bestockung dazu geeignet erscheint. Die Fläche besitzt eine gute Neigung nach Süd-Süd-West und schweren, aus Schiefer entstandenen Boden. Die Größe der für den Versuch bestimmten, auf der ganzen Fläche gleichmäßig verteilten Parzellen beträgt je 3 a. Die Zone, welche diese voneinander trennt, ist der Länge nach 3 Zeilen — 3.60 m, der Breite nach 3 Stöcke — 3m breit. Sie erhält die gleiche Düngung.

Auf diesem Versuchsfeld wurde im Frühjahre 1894 die Düngung nach folgender Vorschrift begonnen:

Neben Stalldünger in den ortsüblichen Mengen und Zwischenräumen sind auf den Hektar alljährlich zu geben in KA:

im Herbst im Frühjahr

Kalt Phosphorsäure Stickstoff

[table]

Diese Nährstoffmengen sollen gegeben werden in folgenden Formen: Kali als 90°/«iges schwefelsaures Kali, mit 50«/« Kali, Phosphorsäure als 20°/«iges Suvervhosphat, Stickstoff als schwefelsaures Ammoniak.

Danach entsprechen 150 Kali ^ 300 KZ schwefelsaurem Kali mit 50°/« Kaligehalt, 100 Phosphorsäure 500 KA Superphosphat und 50 Stickstoff 250 schwefelsaurem Ammoniak.

Die Stalldüngermenge beträgt für den Hektar 800 Doppelzentner und wird für 3 Jahre gegeben. Um die Wirkung der Düngung zu ermitteln, werden die Parzellen im Laufe der Wachstumsperiode beobachtet und im Herbst das Gewicht der Trauben, deren Mostgewicht und Säuregehalt bestimmt. Für jede Düngungsart sind zwei Parzellen bestimmt, aus denen Durchschnitte gezogen werden. Die Dauer der Versuche ist vorderhand auf zehn Jahre bestimmt, in welcher Zeit sie für die Praxis gewiß wertvolle Aufschlüsse liefern wird.

10. Versuche über Haltbarmachung der Flaschenetiketten.

Um festzustellen, welche Mittel geeignet sind, dem vorzeitigen Verderben des Etikettenkleisters und damit der Etiketten vorzubeugen, wurden nachstehend beschriebene Versuche gemacht.

1. Versuch.

Jm Februar 1892 hatte man je 10 Flaschen mit Etiketten versehen, welche in nachstehender Weise behandelt wurden:

Nr. 1 Dextrin versetzt mit 0,3°/«, Thymol

Nr. 2 „ „ „ 3°/«« „

Nr. 3 „ ., „ 1°/« Salicylsäure

Nr. 4 12°/« Borax.

Die Flaschen lagerten ein Jahr an einer Stelle des Kellers, wo sie dem Temperaturwechsel und dem Beschlagen mit Feuchtigkeit stark ausgesetzt waren und wo sonst nach der genannten Zeit die Bezeichnung derselben schon unkenntlich oder sehr unansehnlich wurde. Die Untersuchung ergab:

Bei Nr. 1 waren die Etiketten etwas schimmelig geworden. Der Schimmel ließ sich jedoch wegwischen, ohne daß erstere in ihrem Aussehen und ihrer Klebfähigkeit gelitten haben.

Bei Nr. 2 waren die Etiketten noch besser erhalten, schimmelten fast gar nicht, die Klebfähigkeit dagegen hat etwas gelitten.

Bei Nr. 3 haben die Etiketten in ihrem Aussehen etwas, an der Klebfähigkeit dagegen stark eingebüßt.

Bei Nr. 4 befriedigte sie am wenigsten, weil die Verschimmelung am stärksten, die Klebfähigkeit am geringsten gewesen sind.

Aus dem Gesagten ergibt sich, daß das Thymol die Haltbarkeit der Etiketten am besten beeinflußte; daß dagegen Borar als Konservierungsmittel derselben nicht in Betracht kommen kann. Salicylsäure schützt zwar vor Schimmel, schädigt indessen die Klebfähigkeit.

2. Versuch.

Wie aus Vorstehendem ersichtlich ist, so schützt die Menge von 0,3°/«« Thymol nicht in der wünschenswerten Weise vor der Beeinflussung durch Pilze; während anderseits 3°/«« sich insofern als zu reichlich erwiesen, als dadurch die Klebfähigkeit beeinträchtigt wurde. Dieser Versuch sollte daher zeigen, ob Zusätze, welche zwischen 0,5°/«« und 2°/«« liegen, bessere Dienste thun. Es wurden zu diesem Zwecke je 10 Flaschen mit Schildern beklebt, bei denen das Dextrin mit folgenden Mengen Thymol versehen wurde: Nr. 1 mit 0.5°/«« Nr. 2 mit 1°/««

Nr. 3 .. 1,5°/«« Nr. 4 .. 2°/««.

Das Ergebnis dieses Versuches war folgendes:

Nr. 1 hat sich am besten gehalten. Es bildete sich zwar etwas Schimmel, wie denn eine gewisse Farbenveränderung der Schilder wohl nicht ganz zu vermeiden sein wird, doch blieben diese nach Wegwischen der schwachen Pilzschichte gut kenntlich und die Klebfähigkeit vorzüglich erhalten. Die Nummern 2—4 befriedigten nicht mehr in jeder Beziehung, weil die Klebfähigkeit mehr oder weniger zu wünschen übrig ließ.

Es hat sich ferner ergeben, daß die verschiedenen Etikettensorten sich gegenüber dem Konservierungsmittel nicht gleich verhielten, fondern im Aussehen und der Klebfähigkeit gewisse Unterschiede zeigten, welche aber jedenfalls auf das Papier bezw. die Farbe des Etiketts zurückzuführen sein dürften. Nichtsdestoweniger geht aus diesen Versuchen hervor, daß die Jmprägnierung des Dextrins mit 0,3—0,5"/«« Thymol die Haltbarkeit unö Klebfähigkeit der damit bestrichenen Flaschenschilder derart zu erhöhen vermag, daß sie selbst bei längerer Lagerung noch kenntlich nnd an den Flaschen haften bleiben,

Näheres über diesen Gegenstand wurde in Nummer 5, Jg. VI der „Mitteil, über Wemb. u. Kellerw." mitgeteilt.

11. Einfluß des Schnittes auf das Wachstum und den Ertrag
des Stockes.

Es wurden vier Stöcke der Sorte Labernet noir nicht mehr ge> schnitten oder sonstwie behandelt, sondern blieben durch die Zeit von 1887 bis 1894 ganz sich selbst überlassen. Zum Vergleiche mit diesen Reben hatte man Stücke derselben Sorte und in der gleichen Zahl der üblichen Behandlungsweise unterzogen. Der Zweck dieses Verfahrens war zunächst, um Demonstrationsmaterial für den Unterricht zu schaffen, dann aber, um zu sehen, ob die Beobachtung nicht auch Ergebnisse liefern würde, welche allgemeines Interesse und Wert hätten. Thatsächlich ist das letztere zugetroffen und wenn Neues auch nicht zu Tage gefördert wurde, so sind bekannte Erfahrungen doch durch einen vergleichenden Versuch vervollständigt und bekräftigt worden.

Die sich selbst überlassenen Stöcke verwilderten schließlich ganz, bildeten nur kurze, engknotige, dünne Reben, und bedeckten mit ihren zahlreichen Verästelungen und Verzweigungen mindestens das 4 fache derjenigen Fläche, welche für die in Kultur stehenden ausreichte. Die Zahl der Trauben war eine bedeutend größere, in der Qualität allerdings geringere, als bei letzteren. So ergab der Durchschnitt bei den 4 nicht geschnittenen Stöcken 8,39 K^, bei den in Kultur stehenden 4,1 K^, also um die Hälfte weniger Trauben. Das Mostgewicht der ersteren betrug 62,3° Oechsle, der Säure 15°/««, der letzteren 69,75° Oechsle, der Säure 14°/««, Die Größe und Vollkommenheit der Trauben spricht ebenfalls zu Gunsten des Schnittes, was abgesehen von dem Augenschein, auch die Zahl der auf eine Gewichtseinheit gehenden Trauben ausdrückt; so waren zu einem 28 Trauben beim nicht behandelten, 20 Trauben bei im Kultur stehenden Stocke erforderlich.

Daß infolge der Vernachlässigung die Gesundheit der Stöcke im Vergleich zu den geschnittenen in irgend einer Weise gelitten hätte, konnte nicht beobachtet werden, vielmehr hat es sich beim Ausgraben derselben sehr auffällig herausgestellt, daß sie einen bedeutend stärkeren Umfang in der Wurzelstange — dem im Boden steckenden Teil des Stockes — und eine um vieles bessere Bewurzelung zeigten, wie die letztere. Vermöge ihrer kräftigeren Entwickelung sind solche Stöcke gewiß auch imstande, Witterungseinflüssen und Krankheiten länger und besser Widerstand zu leisten, wie die in Kultur stehenden schwächeren.

Wenn man die Unterschiede in der Qualität der Moste Gergleicht, so ist derselbe nicht so bedeutend, als man unter Berücksichtigung der so grundverschiedenen Bedingungen, unter denen die Entwickelung der Stöcke stattfand, annehmen sollte. Wie sich ein aus solchen Mosten entstandener Wein verhalten haben würde, kann natürlich aus dem Mostgewicht nicht immer mit Sicherheit geschlossen werden; allein es scheint doch, als wenn die um die Hälfte kleinere Menge Trauben beim kultivierten Rebstocke nicht ganz im Verhältnisse stände mit dem Mostgewicht, welches nicht viel besser ist, als dasjenige des vom ungeschnittenen Stocke in der doppelten Menge gewonnenen Mostes. Ohne damit für die Vernachlässigung der Stöcke sprechen zu wollen, so kann hieraus doch geschlossen werden, daß die Rheingauer Schnittmethode in vorliegendem Falle der Sorte Labernet noir nicht ganz entsprochen hat und daß es vielleicht besser gewesen wäre, dem Stocke mehr Holz zu belassen, wodurch nicht nur die Tragbarkeit eine größere, sondern auch dessen Entwickelung eine kräftigere geworden wäre. Dieses Beispiel ließe sich auf verschiedene ähnliche Fälle anwenden.

Aus diesem Versuche geht aber auch des ferneren mit aller Deutlichkeit hervor — und damit wird eine alte Erfahrung bestätigt — daß die Kulturmaßregeln zwar die Qualität des Produktes verbessern, die Entwickelung und Kräftigung des Stockes, sowie die Menge der Ernte.dagegen verringern.

Wenn hierdurch die Widerstandsfähigkeit des Stockes verkleinert wird, so ist es andererseits die Pflicht des Winzers, diesen Fehler durch sonstige sorgfältige Pflege und kräftige Düngung nach Möglichkeit gut zu machen.

12. Einfluß starker und schwacher, unvollkommener Triebe aus die Qualität der daran sitzenden Trauben.

Häusig sindet man an ein und demselben Stocke mehr oder weniger entwickelte, schwache, kurze Triebe. Die Qualität der an diesen sitzenden Trauben ist verschieden, indem die letzteren Triebe stets geringwertigere Trauben bringen, als erstere, auch dann, wenn diese unverhältnismäßig größere und mehr Trauben haben, als jene. Obwohl schon die alleinige Betrachtung solcher Stöcke obige Annahme rechtfertigt, so sollte diese doch durch einen Versuch geprüft werden, welcher in den Jahren 1890—1892 an den Sorten Riesling und Sylvaner ausgeführt wurde. Zu diesem Zwecke hatte man von mehreren Stöcken jedesmal die Schwachen für sich und die starken Triebe für sich gelesen und der Most so gewonnener Trauben untersucht, wobei, wie nachstehende Zahlen zeigen, die Qualität des Mostes thatsächlich recht verschieden ist.

Riesling Sylvaner

Mostgewicht g,, Mostgewicht ^,

Grad OechSle Grad Oechsle S«n>e

1890 Starke Triebe . . . 79,0 10,9 79,0 8,9 Schache „ ... ?«,0 11,2 70,5 8,0

1891 Starke Triebe . . . 79,0 14,5 - Schwache 74,0 14,9 —

Je mehr unvollkommene Reben demnach an einem Stocke sich besinden, desto geringer muß die Qualität des davon gewonnenen Mostes werden. Schwache und starke Reben sinden sich an jedem Stocke; es fragt sich nur, ob und wieweit es durch geeignete Behandlungsweise möglich ist, die Entwickelung des Stockes so zu beeinflussen, daß die Bildung der Triebe eine möglichst gleichmäßige und starke werde.

Wie diesbezügliche Versuche und Beobachtungen zeigen, so dürfte neben der auf die sonstige Behandlung bezughabenden, die Beachtung folgender Punkte hierbei von Wert sein.

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