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9. Geleebereitung.

Um die vielen Falläpfel einigermaßen zu verwerten, kochte man von ihnen schon früh in unreifem Zustande Gelee ein. Ohne Zucker ging das nicht, da den Früchten noch die nötige Süße mangelte. Man fetzte daher auf 1 l Saft 200—250 A Zucker zu und erhielt dann ein annehmbares klares Apfelgelee, dem allerdings noch das nötige Aroma fehlte, welches dem Gelee aus reifen Früchten eigen ist.

Auch aus Quitten wurde Gelee gekocht und man machte dabei die Wahrnehmung, daß Früchte, welche die volle Baumreife hatten, das schönste und hellste Gelee ergaben. Behält man die Quitten länger auf Lager, so werden sie mehlig und geben dann oft ein recht trübes Produkt.

Die Abfälle, die bei der Verarbeitung des Kernobstes zu Dörrobst entstanden, wurden auch in diesem Jahre wieder mit Erfolg zur Krautund Geleebereitung verwendet. Gleichzeitig wurde folgender Versuch ausgeführt: Man trocknete Schalen und Abfälle und erhielt von l00 Pfund Schalen und Abfällen 15 Pfund Dörrprodukt. Diese 15 Pfund wurden aufgekocht und ausgepreßt und der so gewonnene und darauf ohne Zuckerzusatz eingedickte Saft ergab 5 Pfund Kraut, welches aber nicht die Güte hatte, als solches von frischem Obst oder Abfällen.

Dieser Versuch mit der Verarbeitung von getrockneten Dörrabfällen zu Gelee ist durch eine Gerichtsverhandlung in Coblenz verursacht worden, in welcher seitens einiger Krautfabrikanten auf die größere Ausbeute und das vorzügliche Produkt hingewiesen wurde, welches amerikanische Dörrabfälle geben sollen. Nach diesem Versuche zu urteilen, ist diese Ausbeute nur mäßig und das Produkt minderwertig.

«. Weinbau.

1. Zahresübersicht.

Der Winter 1892/93, namentlich der Januar war strenge; trotzdem überdauerte ihn der Stock ohne im allgemeinen erheblich gelitten zu haben. Nennenswerter Schaden wurde nur in der Niederung und bei mastig wachsenden jungen Weinbergen angerichtet, wo manche Bogrebe und manches Auge ausgeblieben sind. Das Frühjahr hat früh begonnen und die außergewöhnlich beständige, warme Witterung begünstigte den Schnitt der Rebe derart, daß damit fast keinen Tag ausgesetzt zn werden brauchte. So gefördert, konnte diese Arbeit zeitig beendet werden, was wegen des frühen Beginns des Austriebes allerdings auch nötig war.

Die Entwickelung des Stockes schritt unter den denkbar günstigsten Wärmeverhältnissen derart rasch vor sich, daß wir bis Ende April gegen das Normale schon einen Vorsprung von 4 Wochen verzeichnen konnten. Unter dem Einflusse von Südost- und Ostwinden gestaltete sich das Wetter zu einem niederschlagarmen, trockenen, und behielt diesen Charakter auch bis in den Spätherbst. Wenige Gewitterregen brachten zwar einige Feuchtigkeit, doch reichte diese lange nicht aus, den ausgedorrten Boden gehörig und in der wünschenswerten Weise zu durchfeuchten. Dem tiefwurzelnden Weinstock vermochte diese Trockenheit jedoch bis zum Beginn des Sommers noch nichts anzuhaben, vielnGhr trat die Blüte schon Ende Mai und Anfang Juni ein und würde ohne Störung verlaufen sein, wenn nicht einige kühle Nächte in den mehr exponierten und tieferen Lagen ein ziemlich starkes Durchfallen der Trauben bewirkt hätten. Sie dauerte bis zum 18. Juni, also über drei Wochen. So erklärt sich auch der für das Jahr 1893 charakteristische außerordentlich verschiedene Behang in den einzelnen Lagen. Während die Niederungen und ältere Weinberge eine nur geringfügige Menge lieferten, giebt es Fälle genug, wo auf der Höhe und in jungen Weinbergen der volle Herbst und darüber geerntet wurde. Ein solches Beispiel liefert der Weinberg in der „Dechaney" der Gemarkung Eibingen, welche im Jahre 1886 angelegt, auf 25 Aren über „vollen Herbst", nämlich 1500 1 Most ergab. Allerdings hat unter diesem reichen Behang wie vorauszusehen war, auch die Qualität gelitten und diesem Umstande ist es auch zuzuschreiben, daß die Schwankungen in den Mostgewichten in diesem Jahre so sehr große sind.

Die Färbung und das Weichwerden der Trauben begannen, entsprechend der frühen Blüte, zu einem zeitigen Termine. Frühburgunder färbte sich am 17. Juli, Sylvaner wurde am 28. Juli weich, während Riesling, Traminer Spätburgunder und Elbing um den 30. Juli hell, bezw. blau zu werden ansingen.

Wenn bis dahin der trockene Witterungscharakter ohne Spuren eines nachteiligen Einflusses geblieben war, so beobachtete man jetzt, daß durch die übergroße, trockene Wärme, welche am 17.—19. August herrschte, die an der Sonnenseite hängenden Trauben, wenn auch nicht in dem Grade, wie 1892, so doch zum Teile recht erhebliche Sonnenbrandschädigungen erlitten. Auch im Holzwachstum machte sich die anhaltende Trockenheit dadurch bemerkbar, daß der Trieb nachließ und die Stöcke nur dünnes, kurzes Holz bildeten. Würden einige Regen im Juli und im September die oberen Bodenschichten nicht angefeuchtet und den Tauwurzeln Wasser zugeführt haben, so bliebe auch die Entwickelung der Trauben zurück; unter dem wohlthätigen Einfluß dieser Feuchtigkeit schritt jedoch die Reife gleichmäßig voran und erlangte schon frühzeitig einen Grad, wie er in unseren Breiten nur selten vorzukommen pflegt.

Der September, anfänglich warm und beständig, brachte gegen das Ende veränderliches aber warmes Wetter, wobei die Fäulnis der hochedelreifen Trauben begann und bei dem auch in den Oktober sich fortsetzenden Witterungscharakter an Umfang zunahm. Das Holz erlangte eine vorzügliche Reife; es blieb kurz und dünn, ging aber in einem so guten Zustande in den Winter, daß eine Frostbeschädigung wohl nur bei einer außergewöhnlichen Kälte möglich gewesen wäre. In der That hat der Stock überwintert, ohne auch nur den geringsten Schaden erlitten zu haben, trotzdem die Temperatur im Winter 1893/94 so tief herunter ging, daß innerhalb weniger Tage der Rhein zufrieren mußte.

2. Die Lese.

Entsprechend der ungünstigen Blüte war die Beschaffenheit der Trauben eine ziemlich ungleiche; die Reife derselben vollzog sich recht verschieden und machte in einem und demselben Quartier Vorlesen nötig, wenn Verluste vermieden und die Qualität nicht geschädigt werden sollten.

Bei Sylvaner mußte schon am 27. September eine Vorlese vorgenommen werden, weil schon um diesen gegen das Normale sehr frühen Termin ein großer Teil der Trauben in Edelfäule übergegangen war.

Frühburgunder mußte wegen der ganz bedeutenden Schädigungen, welche ihm durch die massenhaft auftretenden Wespen, Hornissen, Fliegen und Bienen zugefügt wurden, schon am 8. und 9. September gelesen werden, obwohl er im Jnteresse einer besseren Reife noch gut länger hätte hängen können. So ist das für dieses Jahr recht niedrige, sogar niedrigere Mostgewicht als 1892, zu erklären. Die Spätburgunderlese siel in die Tage vom 29. und 30. September, und wurde durch die um diese Zeit herrschende regnerische und veränderliche Witterung in unliebsamer Weise gestört. Dazu kam noch die sehr ungleiche Reife der Trauben; eine ziemliche Zahl von Stöcken, meist früh verfärbte und kurz gekappte, mußten wegen unvollkommener Reife jetzt noch ungelesen und deren Trauben bis zu einem späteren Termin hängen bleiben. Besonders auffällig zeigte sich hierin derjenige Teil des Quartieres, welcher gelegentlich des Winzerkursus im Januar und Februar 1893 geschnitten wurde. Die um diese Zeit herrschende kalte Witterung tötete hier einen Teil des einjährigen Holzes und der Augen, während an den anderen Stöcken kein Schaden zu bemerken war. Jnfolge der Einwirkung des Frostes auf das ältere Holz und des späteren Austriebes aus diesem Holze blieben diese Stöcke das ganze Jahr in der Entwickelung zurück und brachten nur unvollkommen reife, an der Schattenseite mangelhaft gefärbte Trauben. Der Unterschied zwischen diesem und dem zu rechter Zeit geschnittenen Teil des Quartieres war ein sofort auffallender und die Schädlichkeit eines zu frühen (Winter-) Schnittes in unseren Gegenden in aller Deutlichkeit zeigender.

Am 5. Oktober hat die Lese des Rieslings begonnen. Anfänglich durch öftere Regen unterbrochen und hinausgezögert, konnte sie infolge sich einstellender beständiger, ungewöhnlich warmer Witterung zu Ende geführt werden. Die Fäulnis ist bei genügender Feuchtigkeit und Wärme gegen Ende Ottober eine fast allgemeine geworden, wodurch an der Menge allerdings eine nicht unbedeutende Einbuße herbeigeführt wurde, welche aber durch die vorzügliche Qualität der Ernte sicher gedeckt erscheint. Jnfolge der hochedlen Reife des Rieslings fand durch die Fäulnis eine bedeutende Qualitätsverbesserung statt, sodaß im Gegensatz zum Jahre 1892 in diesem Jahre von einer wirklichen „Edelfäule" gesprochen werden kann. Dank der Vermehrung des Weinbergsareales gestaltete sich die Rieslinglese zu einer für die dieselbe ausführenden Schüler zu einer sehr lehrreichen. Es fanden mehrere Auslesen statt, wobei auch die Weinvorräte der Anstalt eine für die Unterweisung der Schüler in der Weinbehandlung sehr wertvolle Bereicherung erfuhren.

Was die Ernte in Bezug auf die Menge betrifft, so verhielten sich die verschiedenen Weinberge recht verschieden. Jn Eibingen kam dieselbe bei dem jungen „Dechaneyweinberg", wie schon erwähnt, über den „vollen Herbst" zu stehen, in der „Flecht" entsprach sie nicht ganz, in Geisenheim dem halben Ertrage. Burgunder dagegen ergaben ein bisher noch nicht verzeichneten Ertrag von 800 Liter auf dem V^«, . Elbling hatte einen ungewöhnlich starken Behang und lieferte pro Morgen 54K1 Wein. Auch Sylvaner befriedigte, während Traminer seit 1884 kaum nennenswerte Ernten ergiebt. Diese Sorte hat sich hier in einer niedrigen, flachen Lage mit Lehmboden nach den bisherigen Erfahrungen nicht bewährt. Die Stöcke leiden im Winter, namentlich aber im Frühjahre leicht und die Fröste der letzten Jahre haben sie ganz heruntergebracht.

Ueber die Qualität der Moste geben nachstehende Zahlen, welche bei der im chem. Laboratorium ausgeführten Untersuchung gewonnen wurden, Aufschluß:

Mostgew. n. Graden Säure, als Wein»

Oechsle säure in Promille

Geisenheimer Riesling . 77,5-109,s 10,g
Flecht .. . . 83,9-120 7,3-8,,

Dechaney
Sylvaner . .
Traminer . .
Elbling . .
Frühburgunder
Spätburgunder

Die Qualität der Most

. 72,«-80,9 10,s-12,i

. 93,° 8,s

. 97,7 7,°

. 64,5 8,.

. 84,s 6,s

. 92,« 8,9

zeigt, wie ersichtlich, große Abweichungen, welche in den schon genannten Einflüssen, wie Regenwetter, ungleiche Reife infolge von Frostschaden an den Stöcken oder infolge zu reicher Tragbarkeit, wie bei Dechanev-Riesling und Elbling oder infolge aus zwingenden Gründen vorgenommener zu früher Lese wie bei Frühburgunder, ihre Erklärung sindet. Jm allgemeinen ist aber die Qualität des 1893 er eine ganz hervorragende. Die Weine sind gut durchgegoren, klärten sich gut, sodaß nach dem ersten Abstich eine Kostprobe derselben vorgenommen werden konnte. Dieselbe bestätigt das auf Grund der Mostuntersuchungen gewonnene Urteil, wonach die 1893er zu den besten Weinen, welche seit langem geerntet worden sind, gezählt werden dürfen.

3. Krankheiten und tierische Feinde.

Jnfolge der trockenen Witterung hatte der Stock, wie auch im Jahre 1892 durch pflanzliche Schmarotzer nicht zu leiden gehabt. Die Belaubung blieb den ganzen Sommer bis in den Spätherbst eine gesunde und üppige. Nur dort, wo der Boden flachgründig und kiesig, sowie zu sehr durchlässig ist, machte sich die Trockenheit durch ein frühzeitiges Absterben der Blätter bemerkbar. An solchen Stellen standen die Stöcke schon im September blätterlos und mit kranken Blättern da, kein Wunder, wenn in solchen Weinbergen vielfach recht geringe Weine ge« erntet worden sind.

Jm Spätherbst ist überall die Traubenkrankheit (Oiäiura luvkeri) aufgetreten, ohne indessen Schaden anzurichten.

Dagegen war der den Sommer über herrschende Witterungscharakter günstig für die Vermehrung der Wespen und Hornissen, und der Spinnmilbe (letrau^odus tslarius).

Wie schon mitgeteilt, schädigten die Wespen und Hornissen die Trauben, namentlich frühreifende Sorten in sehr starkem Grade, verursachten aber auch noch bei Riesling bemerkbare Verluste, da die Tiere, begünstigt durch die Wärme, bis in den Spätherbst schwärmren. Die Bekämpfung geschah in der seither üblichen Weise, durch direkten Fang mit Gläsern und Vernichtung der Kolonien in früher Morgenstunde.

Die Spinnmilbe ist allenthalben aufgetreten, doch war in den Anstaltsweinbergen die Schädigung so geringfügig, daß ein Einschreiten nicht nötig war.

4. Sekömpfung der keronospora.

Die Bespritzung der Weinberge geschah zum erstenmale in der Zeit vom 8.—12. Juni, zum zweitenmale vom 10.—15. Juli mit Iprozentiger Kupferkalklösung.

Ferner fanden wiederholte versuchsweise Anwendung das „Borol" und das „Fostite" (Kupfervitriolspecksteinmehl), ohne daß hinsichtlich ihrer Wirkung neue als die seither gemachten Erfahrungen gemacht worden wären.

Neben diesen wurden Versuche gemacht mit dem Kupferkalkpulver und Kupferschwefelkalkpulver von der chemischen Fabrik von Dr. H. Aschenbrandt in Emmendingen (Baden). Das erstere dient zur Herstellung der Bordelaiser Brühe, indem man 4 davon in 100 1 Wasser derart löst, daß die angegebene Menge zunächst langsam in 50—60 1 Wasser gestreut und unter fortwährendem Umrühren mit einem Reisigbesen vermischt und dann erst der Rest von 40—50 I Wasser hinzugefügt wird. Nach wenigen Minuten ist die Flüssigkeit fertig. Die Vorzüge dieses Präparates bestehen in der bequemen Anwendung und darin, daß diese Flüssigkeit länger gebrauchsfähig bleibt als die gewöhnliche Brühe und so für mehrere Tage auf einmal hergestellt werden kann.

Bei der Behandlung der Weinberge mit dieser Flüssigkeit wurde ferner beobachtet, daß die Spritzen nicht so leicht verstopft werden und daß das Mittel ebensogut an den Blättern haften bleibt, ohne ihnen zu schaden, wie die auf seitherige Art hergestellte Bordelaiser Brühe. Die Triebspitzen leiden etwas.

Was die Kosten betrifft, so stellen sich dieselben bei einem Preise von 40 Pf. für das Kilo beim Kleineinkauf, 36 Pf. beim Bezug von 100 nicht höher, eher billiger, wie bei Bespritzung mit gewöhnlicher Brühe. Was seine Wirkung betrifft, so konnten hinsichtlich des Schutzes gegen ?eronosr)«rs, keine Beobachtungen gemacht werden, weil die Krankheit nicht aufgetreten ist; indessen liegt kein Grund vor, anzunehmen, daß diese eine andere wäre als diejenige der auf die gewöhnliche Art hergestellten bewährten Kupferkalklösung, da die Bestandteile hier wie dort die gleichen sind. Somit verdient dieses Präparat für die Prazis gewiß Beachtung.

Ueber das in Pulverform nicht nur gegen ?eronospora, sondern auch gegen Oidium anzuwendende Kupferkalkschwlfelpulver konnten hinsichtlich seiner schützenden Wirkung keine Beobachtungen gemacht werden, weil die Krankheiten nicht, bezw. spät aufgetreten sind. Die Menge des

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