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innerhalb sieben Tagen zur vollständigen Niederwerfung der österreichischen NordArmee und dadurch zur Entscheidung des Krieges führten.

An jenem Tage brach das Regiment 41⁄2 Uhr früh aus dem Biwak bei Pickau auf, passirte das durch seine dunklen Klostergebäude merkwürdige Polig, erreichte Hronow und machte einen längeren Halt in dem dortigen schönen Wiesengrunde. Deutlich lang von Nachod, woselbst General v. Steinmetz auf den Feind gestoßen, der nahe Kanonendonner herüber. Viele Stimmen wurden laut, es müsse darauf les marichirt werden. Prinz August von Württemberg hatte jedoch bereits andere Beisungen erhalten. Ueberdies meldete eine Offizierspatrouille der 4. Dragoner Lieutenant v. Niekisch-Rosenegk), die vom V. Armeekorps entsandt war, den günstigen Stand des dortigen Gefechts.

Gegen Mittag marschirte die 2. Garde-Infanterie-Division weiter auf Kostelet und bezog am Bahnhof dieses Ortes Biwak, nachdem die Avantgarde längs der Eisenbahn gegen Süden aufgeklärt hatte. Bei letterer Thätigkeit waren zwei Schwadronen 3. Garde-Ulanen-Regiments in der Nähe von Czernahora auf zwei Shwadronen Mexiko-Ulanen gestoßen und hatten diese glänzend geworfen.

Das Biwak bei Kostelet wurde kurz nach Beginn des Abkochens alarmirt, der kostbare Inhalt der Kochgeschirre ausgegossen und kampfesmuthig gen Süden vorzerückt. Auf dem Attackenfelde der braven Ulanen marschirte das Regiment gefechtsbereit auf. Kurze Zeit darauf lief die Siegesnachricht von Nachod ein, welche turch eine Ansprache des Regimentskommandeurs den Mannschaften mitgetheilt und mit einem jubelnden Hoch auf den geliebten König aufgenommen wurde. Hierauf lehrte das Regiment wieder in das verlassene Biwak zurück. Dort lag noch auf der Erde die schöne ausgegossene Reissuppe und kein Ersatz, keine Gelegenheit zum Requiriren, keine Proviantkolonne, kein Marketender war vorhanden. Endlich um 10 Uhr abends erhielten die Bataillone von einer Kolonne eine Mundportion, welche jedoch erst am nächsten Tage an die Kompagnien vertheilt werden konnte. Am anderen Morgen wurden die Tornister von den Wagen genommen und fortan getragen.

Die allgemeine Kriegslage hatte sich zur Zeit folgendermaßen gestaltet: Das Gardekorps stand mit der 1. Division bei Eipel, mit der 2. bei Kostelez, zwischen den beiden Defileen von Trautenau und Nachod. Bei letterem Orte war dem General v. Steinmetz das Debouchiren mit dem V. Korps geglückt. Eine Unterfügung für den 28. wurde ihm durch die 2. Garde-Jufanterie- Division zugesagt. Bährend so der herrliche Sieg bei Nachod dem V. Korps den Weg nach Böhmen ffnete, wurde auf dem rechten Flügel das I. Korps von den Oesterreichern zurückgedrängt und ging auf Liebau und Schoemberg zurück. Hier war Hülfe dringend nothwendig. Der Kronprinz ertheilte daher am frühen Morgen des 28. dem Gardekorps den Befehl, sobald als möglich aufzubrechen und den Feind bei Trautenau anzugreifen.

Am selben Morgen hatte jedoch der Feldmarschall-Lieutenant v. Gablenz, der Führer des österreichischen Korps bei Trautenau, vom Oberkommando den Befehl erhalten, den Ort zu räumen und weiter rückwärts bei Praußniß dem zu er= wartenden preußischen Angriff entgegenzutreten.

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28. Juni 1866.

5. Kapitel.

Gefecht bei Trantenan.*)

Mit Tagesanbruch lief am 28. der Befehl ein, daß die Division nicht, wie angeordnet, auf Skalit, sondern auf Eypel marschiren sollte. Dieser Umstand machte die Formirung einer neuen Avantgarde nothwendig und brachte die bisherige, welche bereits auf der Straße nach Skalig vorgeschoben war, in die Reserve.

Beim Abmarsch der Division aus dem Biwak bei Kostelet befand sich das Regiment an der Tete des Gros. Der Marsch ging unter Führung des Generalmajors Frhrn. v. Loën über Herdin und Katnowitz auf Eypel. Südwestlich dieses Ortes machte die Division einen längeren Halt, um weitere Befehle zu erwarten, da gegenwärtig die Verhältnisse beim Feinde noch nicht genügend geklärt waren. Hier wurde wegen der großen Hiße das Gepäck abgelegt und eine Wache dabei zurückgelassen.

Mittlerweile hatte die 1. Garde-Infanterie-Division das im Marsch begriffene Korps Gablenz in der Richtung auf die Linie Neu-Rogniß- Burkersdorf angegriffen. Als nun diese Division im Kampfe gegen das österreichische Gros plöglich in der Flanke durch das Vorgehen einer feindlichen Brigade bedroht wurde, erhielt die Tete**) der 2. Garde-Infanterie- Division Befehl, sich gegen diesen Feind zu entwickeln.

Auf dem Wege durch das Städtchen Eypel begegnete man den ersten österreichischen Gefangenen, sowie jenseits des Ortes der arbeitenden FeldtelegraphenAbtheilung des 10. österreichischen Armeekorps.

Nachdem der Marsch durch das / Meilen lange Defilee von Raatsch fortgesetzt worden war, formirte sich um 12 Uhr mittags das Gros der Division vor Raatsch, auf der Höhe von Staudenz zum weiteren Vordringen. Das Regiment stand südlich des brennenden Torfes, Front gegen Westen und zwar die GrenadierBataillone mit dem Füsilier-Bataillon Franz im ersten, das Füsilier-Bataillon im zweiten Treffen. Lezteres war bei Raatsch auf direkten Befehl des Divisionskommandeurs eine Zeit lang zurückgehalten worden, um erforderlichenfalls in der Richtung auf Alt-Rogniß zur Unterstützung der Grenadier-Bataillone des Regiments Franz eingesetzt zu werden. Als sein Eingreifen dort nicht mehr nöthig erschien, da die Bataillone vom Regiment Elisabeth bereits für diesen Zweck Verwendung gefunden hatten, folgte es dem Regiment wieder und nahm nunmehr südlich von Staudenz seinen Platz im zweiten Treffen ein. Die beiden Batterien des Gros waren auf dem rechten Flügel des Regiments aufgefahren.

Aus dieser ersten Aufstellung wurde nach kurzem Halt wieder vorgegangen und die Front ungefähr gleichlaufend mit der Chauffee Kaile-Trautenau eingenommen. Nach einem nochmaligen Halt zog das in der Mitte des ersten Treffens befindliche II. Bataillon die 5. Kompagnie zur Aufklärung des Geländes Die Marschrichtung sollte nunmehr auf Soor weiter eingeschlagen werden.

vor.

*) Dazu Plan Nr. 4.

**) I und II. Bataillon Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments.

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Während dieses Vormarsches erhielt (infolge glücklichen Verlaufs des Gefechts, welches die 1. Garde-Infanterie-Division inzwischen bei Burkersdorf geführt hatte) die 2. Garde-Infanterie-Division den veränderten Befehl, über Staudenz gegen Trautenau vorzugehen und diesen Ort zu nehmen.

Dem Füsilier-Bataillon Kaiser Franz, welches, in Kompagniekolonnen formirt, diese Bewegung eröffnete, folgten die drei Bataillone des Regiments und die beiden Batterien des Gros. Man marschirte westlich an Staudenz vorbei, bis an die Straße Kaile-Trautenau, wo Halt gemacht wurde, um den durch die Hiße und den Marsch sehr erschöpften Truppen eine kurze Ruhepause zu gönnen.

Während bald darauf das Füsilier-Bataillon Kaiser Franz die östlich von der Chaussee gelegenen Waldparzellen vom Feinde säuberte und mit seiner 11. und 12. Kompagnie zunächst unmittelbar östlich der Chaussee stand, zog das I. Bataillon Regiments Augusta die 1. Kompagnie und diese wiederum ihren Schützenzug, unter Lieutenant v. Stedman II., vor. Durch diese Avantgarde gesichert, überschritten die in Kompagniekolonne formirten drei anderen Kompagnien an dem Vereinigungspunkt der Straßen Königinhof-Trautenau mit der von Kaile kommenden Chauffee die lettere und gingen westlich derselben zunächst gegen den von feindlichen Abtheilungen besetzten Tannenwald bei Neu-Rognig mit entwickelten Schüßen vor.

Dem Vorgehen des I. Bataillons schloß sich auch die 5. Kompagnie an. Die 6. und 8. Kompagnie folgten als Unterstügung auf und neben der Chaussee, dahinter weiter rückwärts das Füsilier-Bataillon.

Vor dem umfassenden Angriff des von der 5. Kompagnie unterstützten I. Bataillons wich der Feind theils aus dem Walde, theils in der Richtung auf Sorge, theils auf der Chaussee nach Hohenbruck zurück, versuchte zwar noch einigen Widerstand in den Häusern von Neu-Rogniß zu leisten, wurde aber Schritt für Schritt auf und seitwärts der Chaussee zurückgetrieben, wobei er einen beträchtlichen Verlust an Verwundeten, Todten und Gefangenen erlitt.

Bei den vereinzelt zurückgehenden österreichischen Infanterieabtheilungen war jeder Zusammenhang und jede Ordnung verloren gegangen, so daß sie zu einem ernsten und zähen Widerstande weiterhin nicht mehr fähig waren. Es kam für die preußischen Truppen nur darauf an, bis Trautenau hin reine Bahn zu schaffen. Abtheilungen aufgelöster feindlicher Infanterie machten zwar bis gegen Hohenbruck hin noch vergebliche Versuche, Stand zu halten, wurden aber ohne viele Mühe immer wieder aus ihren Stellungen vertrieben. So blieb das Regiment in einem ununterbrochenen raschen Vorgehen. Da man während desselben österreichische Kolonnen von Trautenau nach Weigelsdorf (auf der Straße nach Pilnikau) abziehen sah, bog das I. Bataillon, gefolgt von dem Füsilier-Bataillon, von Hohenbruck auf Kaltenhof und Weigelsdorf gegen die Grabenhäuser ab. In der Richtung auf Hohenbruck übernahm das II. Bataillon, welches die 5. Kompagnie in die vorderste Linie vorgezogen hatte, die weitere Verfolgung.

Während vom Füsilier-Bataillon des Kaiser Franz Regiments die 11. und 12. Kompagnie auf der Straße nach Hohenbruck selbst und rechts neben derselben sich vorwärts bewegten, ging hart links derselben das I. Bataillon Augusta, mit dem 2. Schüßenzuge (Lieutenant v. Dergen) an der Tete, vor.

Beim weiteren Vorgehen auf der von Kaile nach Trautenau führenden Chaussee wurden die ersten Scheunen und Gehöfte lezteren Ortes gleich nach 3 Uhr nachmittags genommen und hier eine Anzahl Oesterreicher, u. A. das Personal einer Sanitäts-Kompagnie, welcher sich viele österreichische Infanteristen mit einer weißen Fahne angeschlossen hatten, zu Gefangenen gemacht. Obgleich durch das ununterbrochene lebhafte Vorgehen im Gefecht, bei glühender Hiße, die Truppen sehr ermattet waren, vergaßen sie doch im Drange, an den Feind zu bleiben, Hunger, Müdigkeit und Erschöpfung.

Erst um 52 Uhr abends endete die Verfolgung.

In den ersten Häusern Trautenaus und in dem Rathhause am Marktplage vertheidigten sich noch vereinzelte Desterreicher, gegen welche die Schüßen ein kurzes Feuergefecht führten. Bald ergab sich auch dieser Feind und es konnten jetzt die auf der Chauffee vorgezogenen Kompagnien der Regimenter Franz und Augusta bis an die nördlichen Ausgänge der Stadt vorrücken. Der Sieg war hiermit entschieden und die Verbindung mit dem I. Korps (Bonin) hergestellt.

Die zahlreichen Gefangenen gehörten den Regimentern Kaiser Alexander von Rußland, Airoldi, Parma, Erzherzog Karl, Mazzucheli, Erzherzog Stephan, Kaiser Franz Joseph sowie dem 16. Jäger-Bataillon an. Ein großer Theil derselben wurde in der Spinnerei von Fallis untergebracht. Den gefangenen Offizieren gab man gegen Ehrenwort ihre Waffen zurück.

Am Galgenberg machte die 10. Kompagnie nach gänzlich beendetem Gefecht noch gegen 300 Desterreicher ohne Schuß zu Gefangenen. Die Verluste der Oesterreicher waren bedeutend, die eigenen verhältnißmäßig gering, da die feindliche Infanterie durch das vorangegangene Gefecht erschüttert war und meist ohne zu zielen gefeuert hatte. Das Regiment zählte nur 2 Gefreite der 4. Kompagnie an Verwundeten, das Schwester-Regiment Franz dagegen hatte in dem siegreichen Kampf gegen die österreichische Brigade Grivicic große Verluste zu beklagen. Gewehre und Armaturstücke aller Art wurden in Masse erbeutet.

Während die Füsiliere, denen die Bewachung und demnächstige Begleitung von ungefähr 3000 Gefangenen anvertraut wurde, am Abend in der Stadt und der dabei befindlichen großen Spinnerei Quartier nahmen, mußten die beiden Grenadier-Bataillone am südlichen Ausgang nach Kaile biwakiren. Hier, wo sich über der Stadt der steile St. Johannesberg, von einem Wäldchen und einer kleinen Kapelle gekrönt, erhebt, war tags zuvor der Kampf am heißesten entbrannt. An dieser Stelle hatten die ostpreußischen Regimenter Nr. 3 und 43 mit Löwenmuth den nachdrängenden Feind zurückgeworfen und dadurch den Rückzug des I. Armeekorps hinter die Aupa gedeckt. Ein ernstes ergreifendes Bild des Kriegslebens entrollte sich dort den Augen des Beschauers. In dem Wäldchen, wo der Tod reiche Ernte gehalten hatte, lagen dicht gedrängt die Gefallenen; die Verwundeten hatten sich zur Kapelle hingeschleppt, viele waren kraftlos auf den Stufen des Altars zusammengefunken, alle waren noch unverbunden und unversorgt seit 30 langen Stunden.

In der Kirche von Trautenau, deren bildgeschmückte Wände in Halbdunkel gehüllt und spärlich und matt durch die angezündeten Altarkerzen erhellt wurden,

jah es gleichfalls gar wüst und traurig aus. Am Altar, in den Chorstühlen, in allen Winkeln lagen und stöhnten die Krieger aus Deutschland, Ungarn, Italien und Steiermark. Alle Hände bemühten sich jetzt, den armen Verwundeten nach Möglichkeit beizustehen und sie mit Speise und Trank zu erquicken, doch dauerte es vis in die Nacht, ehe alle im Lazareth zu Trautenau untergebracht waren.

Beim Morgengrauen fand noch bei Staudenz ein Gefecht gegen versprengte Lesterreicher vom Regiment Airoldi statt, die sich durchschlagen wollten, jedoch von den in der Nähe biwakirenden, schnell alarmirten Truppen gefangen genommen wurden.

6. Kapitel.

Von Trautenau bis Königgräk.

3. Juli 1866.

Am Morgen des 29. wurden die Lebensmittel und die Munition ergänzt. 29. Juni bis Da die eigenen Tornister nicht zur Stelle waren, so lieferten die zahlreich umherliegenden, wohlversorgten österreichischen gute Schuhe, Brot und die nöthigsten Toilettengegenstände. In letzterer Beziehung waren die Oesterreicher vortrefflich ausgestattet, fehlte doch sogar in keinem Tornister der Spiegel.

Das große Schlachtfeld der beiden lezten Tage wurde durch die Sanitätstruppen eifrig nach Verwundeten abgesucht, wobei die Unterweisung der preußischen Truppen, daß die Verletzten behufs Erleichterung des Auffindens in unübersichtlichem Gelände, besonders in Getreidefeldern, ihre Gewehre mit dem Bajonett in die Erde stecken und die Helme darauf sehen sollten, sich gut bewährte. Viele Desterreicher hatten sich dagegen aus Furcht vor Mißhandlung versteckt und, da bei dem hohen Getreide und dem schluchtenreichen Gelände das Aufsuchen der Verwundeten ungemein schwer war, so starb hülflos mancher brave Soldat, den ärztlicher Beistand hätte retten können.

Nachdem in dem Biwak bei Trantenau dem Regiment noch der schöne Lohn zu Theil geworden war, daß Seine Königliche Hoheit der Kronprinz ihm im Namen Seiner Majestät des Königs und im Auftrage des hohen Chefs den Dank für sein braves Verhalten ausgesprochen hatte, marschirte um 11 Uhr früh das ganze Gardekorps gegen Königinhof weiter.

Die Vorhut unter Oberstlieutenant Gr. v. Waldersee stieß bei legterem Orte auf 10 österreichische Kompagnien des Regiments Coronini und warf sie nach. fiegreichem Gefecht über die Elbe zurück. Hierauf bezog das Gardekorps mit der 1. Division in und bei Königinhof, mit der 2. bei Rettendorf und Komar Biwaks, in denen es bis zum Morgen des 3. verblieb.

Mit dem 1. Juli trat eine Aenderung in der Marschordnung ein. Die beiden Grenadier-Bataillone des Regiments gehörten von diesem Tage an mit dem II. Bataillon Franz sowie 2 Batterien und 1 Eskadron der Reserve der Division an.

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Die Lage des Biwaks bei Rettendorf und Komar ließ in keiner Weise etwas zu wünschen übrig. Vor der Front lag ein Waldstreifen, welcher dasselbe dem auf den Höhen des rechten Elb-Users stehenten Feinde verbarg, und in welchem aus

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