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1861.

Die folgenden Tage wurden der Vorbereitung zur zweiten ökonomischen 25. bis 27.Ottober Musterung gewidmet, welche am 25. und 26. Oktober beim I. bezw. FüsilierBataillon in Aarhuus, am 27. beim II. Bataillon in Skanderborg durch den Brigadekommandeur erfolgte.

Für die während des Feldzuges gefallenen und gestorbenen Soldaten wurde 2. November1864. am Feste Allerseelen in Aarhuus ein feierliches Hochamt abgehalten, an welchem sich sämmtliche katholischen Mannschaften betheiligten.

8. Kapitel.

Friede und Demobilmachung.

Zu Wien erfolgte am 30. Oktober die Unterzeichnung der Friedenspräliminarien, wonach die Herzogthümer Schleswig-Holstein und Lauenburg wieder deutsch wurden und unter österreichische bezw. preußische Verwaltung gelangten.

Um die Truppen nach dem Abschluß des Friedens bald aus Jütland zurückziehen zu können, verlegte man die Quartiere derselben zuvörderst mehr nach Süden. Bis zum 16. November blieben die Bataillone in Skanderborg und Umgegend, sowie in Serritslevgaard und Hanstedtgaard. Von dort aus wurde alsdann der Rückmarsch in die Heimath angetreten.

Der kommandirende General des II. fombinirten Armeekorps erließ beim Ueberschreiten der jütischen Grenze folgenden Korpsbefehl:

Offiziere, Soldaten, Beamte des mir untergebenen Korps!

Auf Befehl Seiner Majestät des Königs kehrt JIhr jetzt nach erfolgtem Friedensschluß in Eure Garnisonen zurück. Da hiermit der engere Verband aufhört, welcher die Truppen des Korps sieben Monate miteinander vereinte, rufe ich schon jetzt beim Ueberschreiten der jütischen Grenze Jedem unter Euch ein Lebewohl zu, verbunden mit meinen besten Wünschen für Eure ferneren Lebenswege.

Diejenigen unter Euch, welche bei Lundby dem Feinde gegenüber gestanden, haben den von unseren Brüdern in Schleswig errungenen Kriegsruhm um eine glänzende Waffenthat vermehrt. Bald darauf pflanzten wir unseres Königs Banner an der Nordspite des feindlichen Königreichs auf. Durch treffliche Mannszucht, durch treue Pflichterfüllung, wie die Stellung eines Jeden es mit sich brachte, habt Ihr mich Alle nach Kräften unterstützt und das II. kombinirte preußische Armeekorps hinterläßt einen guten Namen auch in Feindesland.

Empfangt dafür den Dank Eures fommandirenden Generals und scheiden wir voneinander mit dem Rufe:

»Es lebe der König!«

gez. v. Falckenstein.“

1864.

An einem Ruhetage, dem 20. November, wurden die von Seiner Majestät 20. November dem Könige und von Seiner Majestät dem Kaiser von Desterreich gestifteten Kriegsdenkmünzen übergeben.

26. November 1864.

28. November bis 9. Dezember 1864.

14. Dezember 1864.

Die Abfahrt des Regiments von Schleswig nach Altona mit der Eisenbahn erfolgte am 20. November. In Altona trat eine Unterbrechung der Weiterfahrt nach Berlin ein, und das Regiment bezog daselbst Quartiere.

Der Grund zu dieser unerwarteten Anordnung lag in der Weigerung von Sachsen und Hannover, ihre Truppen aus Holstein zurückzuziehen. Auf diese Erklärung hin erging seitens der preußischen Regierung an die im Rückmarsch aus dem Norden begriffenen Truppen der Befehl, sofort in Holstein Halt zu machen. Infolgedessen wurde das Regiment nach dem Aufenthalt in Altona 28. November bis 2. Dezember um Lockstedt, vom 4. bis 9. Dezember um Oldesloe herum einquartiert.

Nachdem der beim Deutschen Bund gestellte Antrag, die Exekution in Holstein für beendet zu erklären, angenommen worden war (5. Dezember), setzten die preußischen Truppen ihren Rückmarsch fort, und die Hauptstadt rüstete sich zu ihrem festlichen Empfange.

Die Abfahrt des Regiments nach Berlin erfolgte am 14. Der Regimentsstab und das I. Bataillon, die um 2 Uhr nachmittags Berlin erreichten, wurden in Rigdorf, das 5 Uhr nachmittags anlangende 11. Bataillon in Friedrichsfelde und Lichtenberg, das um 8 Uhr abends eintreffende Füsilier-Bataillon in Pankow einquartiert.

Der feierliche Einzug der um Berlin versammelten Truppen ging am 17. Dezember in folgender Weise vor sich:

Die Infanterie hatte um 11 Uhr auf dem Krollschen Play (jezt Königsplay) in der Weise Aufstellung genommen, daß alle I. Bataillone das erste, die II. Bataillone das zweite, die Füsilier-Bataillone das dritte Treffen bildeten.

Hier wurden noch 2 Offiziere, Hauptmann v. Not mit dem Rothen AdlerOrden 4. Kl. mit Schwertern und der Sekondlieutenant v. Didtman mit dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern, an Stelle des ihm früher verliehenen Rothen Adler-Ordens 4. Kl. mit Schwertern, dekorirt.

Um 12 Uhr erschien Seine Majestät der König, die Musikkorps spielten die Nationalhymne, während die Truppen unter dreimaligem Hurrah präsentirten. Nachdem Seine Majestät die Front abgeritten hatte, befahl Allerhöchstderselbe das Vortreten sämmtlicher dekorirten Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, um ihnen seine Glückwünsche und Anerkennung in folgenden Worten auszusprechen:

„Mit Freuden sehe Jch Sie aus einem glorreich beendeten Kriege zurückkehren.

Als Jch die neuformirten Garde-Regimenter, in einer Division vereinigt, diesen Krieg mitmachen ließ, beabsichtigte Jch, diesen jungen Regimentern eine Gelegenheit zu geben, sich eine Geschichte zu begründen. Sie haben im vollsten Maße dieser Absicht entsprochen und mit ausgezeichneter Tapferkeit gefochten."

Nach diesen ehrenden Worten wurden die Bänder der Kriegsdenkmünze und des Düppeler Sturmkreuzes für die Fahnen den Regimentskommandeuren ausgehändigt und sofort befestigt.

Unter dem Jubel der Bevölkerung begann um 1 Uhr der Einmarsch der siegreichen Truppen durch das Brandenburger Thor. Nächst dem König ritten Seine Königliche Hoheit der Kronprinz, der General-Feldmarschall Graf v. Wrangel, Prinz Friedrich Karl und die Generale v. der Mülbe und v. Plonski; dann folgten die Truppen. Die Infanterie marschirte in Halbzügen. Auf dem Pariser Playe standen Abordnungen der alten Garde-Regimenter, welche die einziehenden Schwestertruppen mit freudigem Hurrah begrüßten.

Am Denkmal Friedrichs des Großen marschirte die Infanterie in Kompagniefronten auf und zog im Parademarsch mit Gewehr über vor ihrem Allerhöchsten Kriegsherrn vorbei. Seine Majestät hatte hierzu an dem Denkmal des Fürsten Blücher Aufstellung genommen.

Mit klingendem Spiel wurden sodann die Fahnen des Regiments zu dem hohen Chef gebracht. Ihre Majestät die Königin wies den sieggekrönten Feldzeichen einen Ehrenplag in ihrem Empfangszimmer, am Sockel einer Reiterstatue Friedrichs des Großen, an.

Das Offizierkorps des Regiments war von dem des Kaiser Franz GardeGrenadier-Regiments nachmittags 5 Uhr zum Mittagsmahl eingeladen worden. Bei dieser Gelegenheit wurde den Kameraden des alten Regiments ein von dem Grabe der am 23. April 1848 in dem Gefechte bei Schleswig gefallenen Offizieren des Kaiser Franz Grenadier-Regiments (Hauptmann v. Normann und Premierhieutenant v. Berg) mitgenommener Epheuzweig übergeben.

Die nächsten Tage waren wiederum reich an Ehrungen. fand um 10 Uhr morgens Dankgottesdienst in der Garnisonkirche für die in Berlin eingerückten Truppen statt, bei welchem das Regiment durch eine Deputation von 4 Offizieren, 40 Mann vertreten war. Nachmittags 5 Uhr waren von Seiner Majestät dem Könige die mit Auszeichnungen bedachten Offiziere ins Königliche Schloß zur Tafel befohlen worden.

Am 18. Dezember 18. Dezember

1864.

1864.

Ferner ließ Ihre Majestät die Königin am 19. die während des Feldzuges 19. Dezember dekorirten Unteroffiziere und Mannschaften im Hofe des Palais sich vorstellen und darauf in dem Restaurant „Urania“ in der Kommandantenstraße bewirthen.

Um 5 Uhr desselben Tages wurde das Offizierkorps von Ihrer Majestät der Königin zur Tafel befohlen und ihm die große und überraschende Ehre zu Theil, den erhabenen Chef zum ersten Male in die Farben und Abzeichen des Regiments gekleidet zu sehen.

Während der Tafel brachte Ihre Majestät die Königin den Toast auf Seine Majestät den König in etwa folgenden Worten aus:

„Es gereicht Mir zur besonderen Freude, das Offizierkorps des durch die Gnade Seiner Majestät des Königs Mir verliehenen Regiments heute bei seiner Rückkehr aus einem glücklichen und ruhmvollen Feldzuge bei Mir zu sehen, nachdem dieses Regiment den Erwartungen Seiner Majestät des Königs so vollständig entsprochen hat. Das Regiment dankt heute mit Mir für das Vertrauen, welches Seine Majestät der König in dasselbe gejezt hat, als er ihm die ersehnte Gelegenheit zur Auszeichnung im Kriege gab. Seine Majestät der König lebe hoch!“

Geschichte des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4.

5

Nachdem hierauf Seine Majestät der König unter warmen Worten der Anerkennung auf das Regiment getoastet hatte, erhob sich der ehemalige Oberkommandirende, General-Feldmarschall Graf Wrangel, unter folgenden Worten:

„Eure Königliche Majestäten bitte ich in tiefster Ehrfurcht erlauben zu wollen, daß ich einen Toast ausbringen darf.“

Nach erfolgter Genehmigung sprach der General-Feldmarschall ungefähr Folgendes:

„Die jungen Garden, deren Fahnen vor nicht langer Zeit die heilige Weihe am Denkmal Friedrichs des Großen empfangen haben, sind heute im Siegesschmucke eingeholt worden von unserem ritterlichen Kriegsherrn, dessen Schwert einstmals in Deutschlands Gauen die Revolution besiegte.

Nicht will ich reden von den Kriegsthaten der Offiziere sie haben nur nach der Väter Brauch stets in den ersten Feuerlinien gefochten; hiervon geben Kunde die Verlustlisten.

Von welchem kriegerischen Geiste der Soldat aber beseelt ist, genüge ein Beispiel: Als vor Düppel die Sturmkolonnen mit Sehnsucht der Zeit zum Angriffe harrten, verlangte ein Soldat ein Stück Kreide, und als man verwundert fragte, zu welchem Zwecke er dasselbe jezt brauchen wolle, sagte er: »Scht Ihr, dort oben in der Schanze steht eine größere Kanone, die will und werde ich nehmen und darauf unseren Namen schreiben.«<

In demselben Moment brachen die Sturmkolonnen unter dem Schlachtruf: »Es lebe der König!«

vor, und ein Jeder kämpfte um den Sieg, als um sein Eigenthum, dessen er schon im Voraus gewiß ist, und nach manchem schweren Opfer wird erstürmt die Schanze VI der Feind vernichtet, die Kanone erobert — und der Soldat schreibt auf dieselbe »Augusta« und alle Kameraden rufen voll Begeisterung: »Hoch lebe unser Chef Augusta«. So tief hat sich das stolze Bewußtsein, Ihre Majestät seinen erhabenen Chef nennen zu dürfen, schon in die Seele der Grenadiere dieses Regiments geprägt, daß sie auch im Augenblick der höchsten Gefahr, im Schanzensturm, der hohen Ehre gedenken, deren sie durch die Ernennung Ihrer Majestät zum Chef dieses Regiments theilhaftig geworden sind, und deshalb bitte ich Sie, lassen Sie uns den Ruf aus Schanze Nr. VI erneuern:

Es lebe Ihre Majestät die Königin, die Mutter des Vaterlandes

Hoch, Hoch, Hoch!"

An demselben Tage nahm der General v. Bentheim durch nachfolgenden Brigadebefehl vom 18. Dezember von den ihm unterstellten Truppen Abschied: „Soldaten der Garde-Grenadier-Brigade!

Ihr kehrt in Eure Heimath zurück mit dem schönen Bewußtsein treuester Pflichterfüllung und mit dem Dank und der Belohnung Eures Königlichen Kriegsherrn. Ich war Euer Führer und werde es nie vergessen, daß ich Ehre und Ruhm, Freude und Leid mit Euch theilen konnte. Meinen Erwartungen habt Ihr entsprochen, denn gestern, als Eure Fahnen durch Königliche Huld und Gnade mit dem friegerischen Schmuck für ewige Zeiten

geschmückt wurden, war die schönste Hoffnung für mich in Erfüllung gegangen: daß Ihr Euren alten Schwester-Regimentern würdig zur Seite steht!

Lebt wohl, brave Grenadiere und Füsiliere meiner vortrefflichen Regimenter Elisabeth und Augusta, Gott schüße jeden Einzelnen auch fernerhin.“

1864.

Das Regiment verließ am 20. Dezember in 3 Sonderzügen Berlin, nach- 20. Dezember dem die beiden Grenadier-Bataillone vor ihrer Abfahrt auf dem Bahnhofe durch Seine Majestät besichtigt worden waren.

Auch die Rückfahrt gestaltete sich zu einem Triumphzuge. Bei einem längeren Aufenthalte in Aschersleben wurden die Mannschaften von den Bürgern der Stadt gespeist. Während der Durchfahrt durch Cassel war den Grenadier-Bataillonen ebenfalls eine liebenswürdige Ueberraschung bereitet. Hier hatten sich trotz später Nachtstunde die kurhessischen Offiziere eingefunden, um in herzlicher Weise die preußischen Kameraden zu begrüßen und mit Erfrischungen zu bewirthen.

Wezlar labte die Grenadiere durch ein Frühstück, bei welchem Rheinische Jäger die Honneurs machten.

1864.

Als die Grenadier-Bataillone am 21. Dezember mittags in Coblenz ankamen, 21. Dezember harrte ihrer von Seiten der Garnison wie der Civilbehörden ein überaus herzlicher Empfang. In Düsseldorf wurden die an demselben Tage um 1 Uhr eintreffenden Füsiliere von Seiner Königlichen Hoheit dem Fürsten von Hohenzollern, dem Offizierkorps und den Spigen der Civilbehörden feierlichst begrüßt. Die Freude, das Regiment nach dem glorreichen Feldzuge wieder in der Heimath zu sehen, war eine allgemeine, und Festlichkeiten aller Art in Coblenz sowie in Düsseldorf, von der Bürgerschaft und den zurückgebliebenen Kameraden veranstaltet, gaben diesen Gefühlen Ausdruck.

1864.

Am 22. Dezember erfolgte die Demobilmachung des Regiments. Demzufolge 22. Dezember jezten sich die Bataillone wieder auf die Stärke von 534 Köpfen; das ErsayBataillon, welches schon während des Waffenstillstandes bis auf eine Kompagnie unter Hauptmann v. Mutius verringert war, wurde gänzlich aufgelöst.

die

Die Gefallenen des Regiments ehrte das Offizierkorps dadurch, Namen der treuen Todten in eine von reichem Schnitwerk eingerahmte Metalltafel eingegraben wurden, die einen Ehrenplatz in den Räumen des Regimentshauses, später im Offiziercasino erhielt.

Zum Schluß dieses Abschnittes sei hier der von Seiner Majestät an die siegreichen Kämpfer nach Beendigung des Feldzuges erlassene Armeebefehl angeführt, der besser wie alle anderen Worte es vermögen die Verdienste der wackeren Söhne des Vaterlandes hervorhebt:

„Der glorreiche Krieg gegen Dänemark ist beendigt. Ein ehrenvoller Friede ist ihm gefolgt. Seit fast einem halben Jahrhundert haben mit kurzer, aber ruhmvoller Unterbrechung Preußens Waffen geruht.

Ihr Soldaten Meines Heeres, die Ihr bevorzugt waret, die Thaten des letzten Krieges zu vollbringen, habt den preußischen Waffenruhm erneut.

Die Tage von Düppel und Alsen sind durch Euren Heldenmuth auf ewige
Zeiten in der Kriegsgeschichte verzeichnet. Meine neubegründete Flotte hat sich

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