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auch diese Schanzen in preußischen Händen und es erschien damit die wichtigste Aufgabe des Tages erfüllt. Nach heißem Kampfe fielen schließlich auch das Retranchement, die Düppel-Mühle und der Brückenkopf in preußische Hände, so daß um 2 Uhr mittags kein Feind mehr diesseits des Alsensundes stand.

3 brave Offiziere, 24 Unteroffiziere und Mannschaften, welche eingedenk ihres Soldateneides „Treu bis zum Tode" geblieben waren, wie 1 Offizier, 40 Unteroffiziere und Mannschaften als Verwundete, hatte der Ruhm dieses Tages gekostet. Lediglich dem entschlossenen und überraschenden Vorgehen war es zu verdanken, daß die Sturmkolonne des Regiments nur diese verhältnißmäßig geringen Verluste erlitten hatte.

Wenn auch der Schmerz über den Verlust des tapferen Führers von Allen tief empfunden wurde, so wurde er doch bald betäubt durch die Siegesfreude und den Stolz, an dem ruhmreichen Tage mitgestritten zu haben. Die nächste Fürsorge galt den Verwundeten und Gefallenen. Von ihnen sah man noch Viele unversorgt auf dem Kampffelde liegen.

Es wäre indessen falsch gewesen, hätte man daraus den Krankenträgern den Vorwurf der Nachlässigkeit gemacht; denn ungeachtet aller Gefahren hatten jene im vollsten Maße ihre Pflicht gethan. Troydem konnten sie aber nicht sämmtlichen Verwundeten die nöthige Pflege angedeihen lassen, da deren Zahl sehr groß war. Der als Führer kommandirte Unteroffizier Wellmanns hatte einzelne Abtheilungen fremder Regimenter auf das Feld ihrer Wirksamkeit geführt, um durch sein Beispiel sie die Gefahr verachten zu lehren. Von den Krankenträgern der 11. Kompagnie war der als Märchenerzähler von den Feldwachen bei Düppel her bekannte, stets lustige Füsilier Flohr, vor der Tragbahre schwer verwundet, auf dem Kampfplate geblieben. Lazarethgehülfe Küppers erlitt durch einen Granatsplitter eine starke Kontusion am Bein. Troßdem versah er während der ganzen Dauer des Kampfes seinen Dienst und ließ sich erst nach Beendigung desselben ins Lazareth bringen. Die Grenadiere Brauskmann, Witte der 1., Guthörl, Braun und Schmiß der 4. Kompagnie waren als Krankenträger unermüdlich thätig und holten bis zuletzt Verwundete aus dem heftigsten feindlichen Feuer.

Die Sturmkolonne hielt bis 2 Uhr nachmittags die eroberte Schanze besezt, wo sich nacheinander der Divisionskommandeur, der Regimentsführer, Oberstlieutenant v. der Osten und viele andere Offiziere einfanden, um sich persönlich von den errungenen Erfolgen zu überzeugen. Dann wurden die Kompagnien von anderen Gardetruppen abgelöst und, mit allen möglichen Siegestrophäen beladen, marschirten sie in ihr Quartier nach Nübel zurück.

Es ist schwer, die Gefühle zu schildern, die wir auf diesem Marsche empfanden. Bekannte und geliebte Kameraden, bei denen wir vorbeimarschirten, kamen auf uns zugeeilt, und es fanden Umarmungen und Beglückwünschungen in wahrer kameradschaftlicher Theilnahme auch von solchen statt, denen man bis dahin ein solch weiches, mitfühlendes Herz kaum zugetraut hätte. Aber auch fremde, uns bis dahin völlig unbekannte Herren hielten uns auf dem Wege auf, um uns ihre Freude und Theilnahme zu bezeugen. Am meisten geehrt und gehoben fühlten sich aber Führer und

Soldaten, als auch der General-Feldmarschall v. Wrangel und Seine Königliche Hoheit der Kronprinz mit freundlichen und anerkennenden Worten uns begrüßten und uns die mitgenommene Siegesbeute zum dauernden Andenken für jeden Einzelnen schenkten. Aber auch der traurige Anblick eines Verbandplages dicht an der Chaussee, auf dem Schwerverwundete und Sterbende, nothdürftig nur auf Stroh gebettet, umher lagen und deren amputirte Gliedmaßen wir im Chausseegraben liegen sehen konnten, war uns nicht erspart.

Der Marsch wurde weiter fortgesetzt, und endlich kamen wir zu unseren Tornistern zurück, nahmen dieselben auf und marschirten in unsere Gehöfte. Die 11. Kompagnie wurde dagegen rangirt und Hauptmann v. Behr zog den Träger der Flagge Gefreiten Romey vor die Front der Kompagnie. Nach einer kurzen, seine That anerkennenden Rede ließ der Hauptmann das Gewehr präsentiren. In richtigem Takte brachte Gefreiter Romey nunmehr den Offizieren und der Kompagnie ein dreifaches Hoch aus.

Die Reserve-Kompagnien biwakirten auf dem Schlachtfelde.

Zwar hatte dieser Tag schwere Opfer gefordert, aber es war auch ein glänzender, den Ausgang des Krieges entscheidender Sieg erfochten. Das Regiment konnte sich rühmen, ein gut Theil der heißen Kampfesarbeit verrichtet und mit 4 Kompagnien, der 1., 4., 5. und 11., am Sturm selbst, mit 4 anderen, der 2., 6., 8. und 10. als Reserve, am Gefecht theilgenommen zu haben.

Am Vormittage des 19. fand die Beerdigung der Gefallenen auf dem Schlachtfelde statt, und manch Einer wanderte über das eroberte Gelände, um das Gefechtsfeld zu betrachten und vom Brückenkopf aus einen Blick nach Alsen hinüber zu werfen. Auch der Verwundeten wurde gedacht, die wir in vortrefflicher Pflege und Obhut vorfanden.

Die Grenadier-Brigade wurde um 12 Uhr mittags vom Vorpostendienst abgelöst, und das Regiment bezog hierauf seine alten Quartiere. Auf dem Marsche nach Warnig wurde manche anerkennenswerthe That bekannt, die hier noch Play finden möge.

Füsilier Henderkott, ein junger Soldat, hatte sich troß seiner Verwundung am Arme noch ferner am Kampfe betheiligt.

Unteroffizier Frost der 11. Kompagnie, welcher bis zur Erstürmung der Schanze seinen Humor nicht verloren hatte, wußte durch sein Beispiel von Kalt= blütigkeit und Unerschrockenheit seine Kameraden mit sich fortzureißen, bis furz vor dem Ziel ein feindliches Geschoß seinem Leben ein Ende machte.

Füsilier Kligge, dessen Muth und Tapferkeit ihn als einen der Ersten bis in das Innere der Schanze geführt hatten, mußte hier seine Treue mit dem Tode besiegeln.

Füsilier v. der Heydt, welcher in dem Schicksal seines Bruders, der im Jahre 1849 bei Schleswig geblieben war, sein eigenes ahnte, war trotzdem ohne Rücksicht auf Gefahr als braver Preuße gegen den Feind vorgegangen und dabei schwer verwundet worden. Aber ungeachtet dieser Verwundung, die ihn nach wenigen Tagen in die Arme des Todes liefern sollte, hatte er seine Kameraden zum Weitervordringen mit kräftigen Worten ermuthigt.

Geschichte des Königin Angusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4.

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Grenadier Flohr (1. Kompagnie) ging mit gefälltem Bajonett den Bedienungsmannschaften eines noch feuernden Geschützes auf der Schanze entgegen und nahm 1 Offizier sowie 10 Mann gefangen.

Gefreiter Schmitz II (1. Kompagnie) wurde gleich zu Anfang des Gefechts verwundet, machte dasselbe jedoch bis zum Ende mit und ging erst dann zum Verbandplay.

Gefreiter Rütter, die Grenadiere Zimmer, Wirths und Wildberger derselben Kompagnie verfolgten eifrig mehrere sich zurückziehende Dänen, schnitten sie ab und brachten 15 Gefangene ein, Wildberger wurde dabei verwundet.

Grenadier Peter Port der 4. Kompagnie wurde durch einen Granatsplitter verwundet, nichtsdestoweniger hielt er bis zum letzten Moment bei der Kompagnie aus.

Sergeant Müller, Gefreiter Kraemer, die Grenadiere Klein, Muddemann und Bußmann derselben Kompagnie gingen sämmtlich mit ganz besonderer Bravour und Aufopferung gegen die Schanzen vor und sind dicht vor den Pallisaden verwundet worden.

Sergeant Oskar Lindau der 5. Kompagnie hat sich beim Sammeln seiner Kompagnie vor Schanze VII im heftigsten feindlichen Feuer, wobei er verwundet wurde, ganz besonders thätig und umsichtig erwiesen.

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Grenadier Zimmer I der 5. Kompagnie verfolgte, einer Patrouille angehörig, eifrig mehrere sich zurückziehende Dänen, schnitt sie ab und brachte mehrere Gefangene ein. Grenadier Hahn von derselben Kompagnie, der Bursche des Lieutenants v. Rabenau, trug seinen schwer verwundeten Herrn mit eigener Lebensgefahr aus dem feindlichen Feuer zurück.

Grenadier Hirß der 5. Kompagnie fiel beim Vorgehen gegen Schanze VII durch einen Schuß in den Hals getroffen nieder, raffte sich jedoch auf und ging mit der Kompagnie noch weiter vor, bis er bewußtlos niedersank.

Grenadier Mülfarth gehörte zu keiner Sturmkolonne bei Düppel, da er als Lieutenants v. Oidtman von der 8. zur 5 Kompagnie kommandirt war. Demungeachtet hat er den Sturm mitgemacht und im Handgemenge sich sehr brav bewiesen, wobei er am Oberschenkel verwundet wurde.

Gefreite Erckens und Röller der 5. Kompagnie gingen bis Schanze VII vor und pflanzten auf derselben die preußische Flagge auf.

Grenadier Heinen der 5. Kompagnie wurde, während er im Anschlage lag, in der rechten Schulter schwer verwundet und sank zur Erde nieder. Als er von den herbeieilenden Kameraden bedauert wurde, erhob er sich, rief ihnen zu, es habe gar nichts zu bedeuten, schoß noch einige Male in aller Ruhe weiter und wurde hierauf abermals in der linken Schulter verwundet und nunmehr aus dem Gefecht getragen.

Unteroffizier Schäfer der 5. Kompagnie erhielt einen Schuß am rechten Ohr, war aber, troßdem er durch vielen Blutverlust fast erschöpft war, nicht zu bewegen, aus dem Gefecht zurückzugehen. Er machte dasselbe, seine Anordnungen ruhig treffend und seine Leute aufmunternd, bis zu Ende mit und ging dann erst auf Befehl zurück.

Grenadier Fontaine der 5. Kompagnie hat als Krankenträger die ganze Belagerungszeit durchgemacht und dabei so unerschrocken und aufopfernd gearbeitet, daß er schließlich selbst beim Fortschaffen des schwer verwundeten Grenadiers Heuser, völlig erschöpft, noch im Bereich des feindlichen Geschützfeuers liegen blieb.

Der Sieg von Düppel, an dem das Regiment so großen Antheil hatte, war nicht nur ein hervorragender militärischer Erfolg, sondern auch von Bedeutung für die politische Stellung Preußens. Das Blut seiner zahlreich bei Düppel gefallenen Söhne gab Preußen ein Anrecht auf den schleswig-holsteinischen Boden, das es im Jahre 1866 glorreich weiter verfechten sollte.

Seine Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Karl erließ am folgenden Tage nachstehenden Korpsbefehl:

„H. D. Gravenstein, den 19. April 1864.

Den tapferen Truppen, welche gestern unter meinem Befehl gefochten, freue ich mich, in Nachfolgendem die ihnen gewordene Anerkennung Seiner Majestät des Königs mittheilen zu können.

Sie ist an mich gerichtet und lautet wörtlich:

» Nächst dem Herrn der Heerschaaren verdanke Jch Meiner herrlichen Armee und Deiner Führung den glorreichen Sieg des heutigen Tages. Sprich den Truppen Meine höchste Anerkennung aus und Meinen Königlichen Dank für ihre Leistung.<<

Der kommandirende General.
gez. Friedrich Karl,
Prinz von Preußen."

3. Kapitel.

Vormarsch nach Jütland, bis zum ersten Waffenßtillstand.

Nicht lange sollte das Regiment nach seiner ersten größeren Waffenthat uns 22. April 1964. thätig bleiben, denn bereits am 20. April, nachmittags 2 Uhr, erfolgte der weitere Vormarsch der Garde-Division nach Zütland. Für den 21. wurde der Marsch eingestellt, da die mit hoher Begeisterung aufgenommene Nachricht eingetroffen war, daß Seine Majestät der König auf dem Kriegsschauplatz erscheinen und am folgenden Tage bei Apenrade die Garde-Division besichtigen werde.

Am 22. morgens standen die neun Bataillone der Division nördlich Stübbeck in Paradeausstellung. Ein alter Garnisonsoldat, sagte ein Tagesbericht, hätte sich vor dem Anblick der Kolonne entsetzt. Wo war das sonst so glänzende Aussehen der Truppe? Doch Seine Majestät hatte befohlen, daß die Leute in demselben Anzuge erscheinen sollten, in welchem sie am 18. die Düppeler Schanzen, das berühmte nordische Bollwerk, gestürmt hatten. Punkt 9 Uhr erschien der König, begleitet von einer zahlreichen Suite und ritt, begrüßt vom nicht enden wollenden „Hurrah“

der Truppen, die Front entlang, indem er an jeden Truppentheil Worte des Dankes und des Lobes richtete.*)

Nach einem Vorbeimarsch in Kompagniefront mit Gewehr über wurden die Sturm-Kompagnien vorgezogen. Wiederum ritt Seine Majestät die Front ab und sprach jeder einzelnen Kompagnie Seine Königliche Anerkennung aus und reichte den Führern derselben die Hand.

Hierauf gab Seine Majestät in herrlichen erhebenden Worten den versammelten Offizierkorps Seine Allerhöchste Zufriedenheit zu erkennen, verkündete die Absicht, ein besonderes Denkzeichen für alle an dem Sturm Betheiligten zu stiften**) und nahm dann von den Truppen huldreichst Abschied.

Nach der Parade wurde abgekocht, dann weitermarschirt und am 29. Aarhuus

erreicht.

Da man einen Landungsversuch der Dänen an der Ostküste befürchtete, so unternahm das Füsilier-Bataillon am 30. April eine Rekognoszirung gegen Grenaa und Helgenaes, zu deren Unterstützung die 1. und 4. Kompagnie bis Stierring vorgeschoben wurden. Abends bezogen das Füsilier-Bataillon und die 1. Kompagnie in Kalö, die 4. Kompagnie in Skjodstrup Quartier. Die beiden letzteren kehrten am 1. Mai nach Aarhuus zurück, während das Füsilier-Bataillon zunächst noch in dem bisherigen Kantonnement verblieb.

Hier traf mit der Nachricht, daß die Dänen Fredericia freiwillig geräumt, der Befehl des Oberkommandos ein, daß sich die Division Münster bei Randers zu versammeln habe, um mit dem III. Korps etwaigen Landungsversuchen der nun frei gewordenen dänischen Truppen gemeinschaftlich entgegentreten zu können.

Am 1. Mai übernahm infolge einer A. K. O. der bisherige Chef des Stabes beim Oberkommando, Generallieutenant Vogel v. Falckenstein, den Befehl über sämmtliche in Jütland operirende Truppen und verlegte das Hauptquartier nach Aarhuus. Derselbe verfolgte die Absicht, Jütland wieder bis zum Liim-Fjord zu besetzen.

Die kombinirte Division Graf Münster trat von diesem Zeitpunkt ab zum III. Korps.

Gleichzeitig erging auch der Befehl, daß die bei Düppel eroberten 118 Geschütze in den nächsten Tagen nach Berlin geschickt und durch eine Ehreneskorte begleitet werden sollten.

Es wurden solche Unteroffiziere zu diesem Begleitkommando ausgesucht, welche sich bei der Erstürmung der Düppeler Schanzen ganz besonders hervorgethan hatten und zwar:

1) Tie 11. Kompagnie brachte zur Parade die schwarzweiße, aus einem Hemd und einer Kapotte gefertigte und an einer Bohnenstange befestigte Sturmfahne, welche als erste preußische Fahne auf Schanze VI geweht hatte, mit. Oberst v. Bentheim hatte befohlen, daß dieselbe in Reih und Glied bleibe. Auf die Frage Seiner Majestät, was diese Fahne bedeute, antwortete Hauptmann v. Behr, sie habe als erste auf Schanze VT geweht, worauf der König in anerkennenden Worten der Kompagnie seinen Dank aussprach und dem Hauptmann v. Behr die Hand schüttelte.

**) Die Stiftung des Tüppeler Sturmtreuzes erfolgte am 18. Oktober 1864.

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