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Offizieren im Namen des Offizierkorps als Festesgruß ein Blumenkissen dargebracht wurde. Auf dem mit Epheu umrahmten, aus Kornblumen bestehenden Grunde hob sich, aus Feldblumen gefertigt, der Namenszug des Regiments ab. Die Ecken des kiffens zierten Schleifen und die Jahreszahlen 1860-1885.

Ihre Majestät sprach nach Entgegennahme dieser Huldigungen zu ihrem Offizierkorps nachstehende Worte:

Meine Freude über den Empfang Jhrer Gabe verbindet sich mit Meinem Dank dafür, Sie heute hier begrüßen zu können. Dieser Dank gebührt aber vor Allem unserem theuren Kaiser, der Mir die Ehre erwiesen hat, Chef dieses trefflichen Regiments und Mitglied der Armee zu sein. Als Andenken an diesen Stiftungstag überreiche Jch Meinem Offizierkorps dieses Gemälde und bestimme jedem Einzelnen ein Erinnerungszeichen, welches der Prinz Ihnen in Meinem Namen übergeben wird."

Hierauf wandte sich die hohe Frau an den zu dieser Feier von Ems herüber gekommenen Generaladjutanten Seiner Majestät, Generallieutenant v. Albedyll, und beauftragte ihn, eine zu diesem Tage an Ihre Majestät gerichtete A. K. O. zu verlesen.

Selbige lautet:

,,Da Jch zu Meinem lebhaften Bedauern an dem persönlichen Erscheinen zu dem von Eurer Majestät Regiment gefeierten Feste behindert bin, bitte Jch Allerhöchstdieselbe, dem Regiment Meinen Gruß, sowie den Ausdruck Meiner lebhaften Anerkennung seines bisherigen Verhaltens und Meine wärmsten Wünsche für sein künftiges Gedeihen und Wohlergehen übermitteln zu wollen. Auch stelle Jch Eurer Majestät anheim, die in nebenliegender Liste näher bezeichneten Gnadenbeweise bekannt zu machen, durch welche Ich Mein besonderes Wohlwollen für das Regiment gern habe bethätigen wollen.

Ems, den 3. Juli 1885.

Eurer Majestät treu ergebenster

gez. Wilhelm
I. R.

Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin.“

Im Anschluß gelangten folgende Gnadenbeweise zur Verlesung:

1. Premierlieutenant v. Gerstein-Hohenstein wird zum überzähligen Hauptmann befördert.

2. Major v. Kampy und

3. Hauptmann Braumüller, beide vom 4. Garde-Grenadier-Regiment Königin, erhalten den Rothen Adler-Orden 4. Klasse.

4. Generalmajor v. Minckwit, Kommandeur der 30. Infanterie-Brigade und 5. Generalmajor v. Seeckt, Inspekteur der 2. Landwehr-Inspektion, erhalten den Stern zum Königlichen Kronen-Orden 2. Klasse.

6. Major a. D. v. Arnim, zuletzt Hauptmann und Kompagniechef im 4. Garde-Grenadier-Regiment Königin, erhält den Rothen Adler-Orden 4. Klasse.

Alsdann ließ die hohe Frau eine bis dahin durch eine spanische Wand verdeckte Staffelei enthüllen und übergab dem Offizierkorps ein vom Professor Hünten zunächst nur im Karton entworfenes Bild. Das Gemälde stellt den Augenblick dar, in welchem bei der Parade des VIII. Armeekorps im Herbst 1884 Seine Majestät an den rechten Flügel des Regiments herangeritten ist und die als Chef auf diesem Flügel haltende Kaiserin begrüßt. Außerdem erhielt jeder derzeitig oder früher dem Regiment angehörige Offizier, ebenso auch jeder Reserveoffizier ein Erinnerungszeichen in Gestalt einer mit der Unterschrift Ihrer Majestät versehenen Photographie des Kaisers. *)

Diese Bilder wurden in einem mit der Kaiserkrone gezierten Rahmen den Generalen und dem Regimentskommandeur von Ihrer Majestät persönlich, den übrigen Offizieren durch Seine Königliche Hoheit den Prinzen Wilhelm übergeben. Dieser für jeden Theilnehmer unvergeßlichen Begrüßung folgte eine Defilircour im Kurfürstensaale und sodann ein Frühstück, bei welchem die Regimentsmusik im Schloßgarten spielte.

Am Nachmittag des 3. Juli fand das Regimentsfest auf dem, wie schon früher erwähnt, reich geschmückten Fort Constantin statt. Die rechts vom Kolonnenwege liegenden Kasernen des II. Bataillons hatten nicht nur den üblichen Zierath von Guirlanden, Fahnen und Inschriften angelegt, sondern es war auch jedes freie Plätzchen der Umgebung zu einem niedlichen Gärtchen voller Blumenbeete und Gesträuchgruppen umgewandelt. Auf dem Marsfelde flatterten an zahlreichen Fahnenstangen bunte Wimpel, an Verbindungsdrähten schaukelten farbige Lampions, Tische und Stühle bedeckten den weiten Raum, auf welchem die Bewirthung der Mannschaft erfolgen sollte. Laubguirlanden von mehreren tausend Metern Länge faßten den Platz ein, und den Eingang des Forts schmückte die Inschrift: „Seinem Allerhöchsten Chef das treue Regiment." Im Innern fehlte es selbstverständlich noch weniger an Schmuck als an der Außenseite. Mächtige Tafeln trugen die Namen jener Orte in Schleswig, Jütland, Böhmen und Frankreich, bei welchen das Regiment blutig gekämpft und den Sieg an seine Fahnen geheftet hatte. An der Rheinseite des Innenraumes waren für Ihre Majestät die Kaiserin und für die höheren zur Feier geladenen Offiziere Zelte aus Laubwerk errichtet, vor welchen sich ein eingefriedeter Platz für die Vorstellungen und Spiele der Mannschaften befand. 51⁄2 Uhr abends versammelten sich die ehemaligen Offiziere des Regiments sowie die von Ihrer Majestät geladenen Gäste mit ihren Damen am Fort Constantin; unter Ersteren waren vertreten die früheren Regimentskommandeure, General der Infanterie v. Strubberg, Generallieutenant 3. D. v. Lucadou, Generalmajor v. Minckwit, ferner die Generale v. Seeckt und v. Gliszczynski, unter den Gästen Oberpräsident v. Bardeleben, Generallieutenant Frhr. v. Loë, Generallieutenant v. Albedyll, Generalmajor v. Gelieu und Andere. Das Regiment hatte am Heckenwege Aufstellung genommen. In den Reihen der Offiziere stand auch Seine Durch

*) Auf den für die aktiven Offiziere bestimmten Bildern hatte Ihre Majestät den ganzen Vornamen, auf den für die Reserveoffiziere bestimmten den Anfangsbuchstaben Ihres Namens eigenhändig unterschrieben.

Laucht Generalmajor Fürst zu Wied, welcher nebst seiner Gemahlin zu dem Feste eingetroffen war.

Als um 6 Uhr Ihre Majestät, begleitet von Seiner Königlichen Hoheit. Brinz Wilhelm, erschien, begrüßte die hohe Frau ihr Regiment, begab sich sodann nach Fort Constantin und nahm daselbst unter dem Ehrenbogen Play.

Hier wurde eine zur Erinnerung an das 25jährige Bestehen des Regiments von Ihrer Majestät für die Unteroffiziere bestimmte silberne Medaille den ehemaligen und jetzigen Feldwebeln durch den hohen Chef selbst, den übrigen Unteroffizieren durch den Regimentskommandeur übergeben. Die Denkmünze trägt die Inschrift: „4.Garde-Grenadier-Regiment Königin 1860/85. Mit Gott für König und Vaterland". Auf der Rückseite die ineinander verschlungenen Buchstaben W. und A. mit der Zahl XXV.

Nach Aushändigung der Denkmünzen wurden an Unteroffiziere und Mannschaften von besonders guter Führung durch Ihre Majestät Auszeichnungen vertheilt; sodann begann die Festvorstellung mit einem vom Hauptmann v. Kloeden verfaßten Prolog, der von einem in brandenburgische Farben gekleideten Herold gesprochen wurde.

Die folgenden verschiedenartigen Aufführungen fanden reichen Beifall und schlossen wiederum mit einem vom Hauptmann v. Kloeden verfaßten poetischen Festgruße. Am Schluß des letzteren fiel die Regimentsmusik mit der Nationalhymne ein, die von den Anwesenden begeistert mitgesungen wurde. Nach Abschluß dieser Festlichkeit fand die Bewirthung der Mannschaften auf dem Marsfelde statt, wobei Ihre Majestät durch die Reihen der Leute fuhr und einzelne durch huldvolle Worte auszeichnete.

Abends beehrte Seine Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm das Civilcasino,*) in dessen schönem Garten das Offizierkorps den hohen Gast empfing, mit seinem Besuch.

Sonnabend, den 4. Juli, mittags, fand ein Regimentsappell statt. Als hierzu um 1012 Uhr vormittags die 1. Kompagnie die Fahnen aus dem Schlosse holte, wurde sie von Ihrer Majestät, die am Arm Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Wilhelm am offenen Fenster des Kurfürstensaales erschien, begrüßt.

Das Regiment hatte auf dem mit Flaggenschmuck und Laubguirlanden reich geschmückten Waffenplatz des Forts Alexander Aufstellung genommen. Auf dem rechten Flügel befanden sich Seine Königliche Hoheit Prinz Wilhelm und Generallieutenant Frhr. v. Loë, ferner, von dem Kaiser aus Ems entsandt, der Generaladjutant, Generallieutenant Gr. v. Lehndorff und der Flügeladjutant Heinrich XVIII. Prinz Reuß, als Vertreter der Stadt der Oberbürgermeister, Geheimer Regierungsrath Lottner und der Stadtverordnete, Kommerzienrath Wegeler, sowie etwa 50 ehemalige Offiziere des Regiments in den verschiedensten Uniformen.

Die früheren Feldwebel hatten auf dem linken Flügel Aufstellung genommen.

*) Die Offiziere des Regiments waren sämmtlich Kartenmitglieder des Civilcasinos, welches allabendlich von zahlreichen Offizieren der Garnison besucht wurde.

Ihre Majestät, welche die Abzeichen des Regiments angelegt hatte, wurde unter präsentirtem Gewehr mit der Nationalhymne empfangen, nahm aus der Hand des Regimentskommandeurs den Frontrapport entgegen und fuhr, geleitet von Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Wilhelm und dem Regimentskommandeur, die Front entlang, indem sie ihr Regiment huldvoll begrüßte. Hierauf begab sich die Kaiserin, umgeben von den ehemaligen Offizieren des Regiments, unter einen auf der Mitte des Plates errichteten Ehrenbogen und beauftragte den Kommandeur, nachstehenden Tagesbefehl zu verlesen:

„Es gereicht Mir zur hohen Freude, Meinem Regiment zu dem Jahrestage seines 25 jährigen Bestehens Meinen Glückwunsch aussprechen zu können. Seit beinahe ebenso viel Jahren verdanke Jch der Gnade Seiner Majestät des Kaisers und Königs die Berechtigung, dem Regiment als Chef und dadurch der Armee anzugehören. Ich blicke daher zurück auf einen von gemeinsamen, ehrenvollen Erinnerungen erfüllten Zeitraum.

Es ist dem Regiment vergönnt, seine Thaten auf glorreichen Blättern der vaterländischen Geschichte ruhmvoll verzeichnet zu sehen, zur Ehre seiner Führer, zum Stolz seiner rheinischen Heimath.

Möchte es, dieser Erinnerung getreu, durch seine ferneren Leistungen sich die Zufriedenheit seines Allerhöchsten Kriegsherrn stets erwerben, dann wird die Zukunft sich würdig an die Vergangenheit reihen und sein Name hochgeachtet bleiben im Heere und im Vaterlande. Mit diesem Wunsche im Herzen und dankbar für die Treue und Hingebung Meines tapferen Regiments stimme Ich heute mit demselben ein in den Freudenruf: »Seine Majestät der Kaiser und König lebe hoch!«

Coblenz, den 4. Juli 1885.

gez. Augusta.

An Mein Garde-Grenadier-Regiment."

Nach einem von Ihrer Majestät abgenommenen Parademarsch des Regiments rückten die Kompagnien in die ihnen angewiesenen Reviere, um in den Regimentsanlagen des Forts Alexander bewirthet zu werden. In der Mitte prangte als Gabe für die Mannschaften ein von der Stadt geschenktes, mit dem Stadtwappen verziertes Stückfaß Wein. Dem Offizierkorps war eine künstlerisch ausgestattete Adresse zugegangen, in welcher die Vertretung der Stadt den guten Beziehungen zum Regiment Ausdruck gab.

Als die Leute an den Tischen Platz genommen hatten, fuhr Ihre Majestät durch die Reihen, beglückte viele Mannschaften mit gnädiger Ansprache, ließ sich bei der 7. Kompagnie etwas Essen und ein Glas Wein reichen und leerte letteres auf das Wohl des Regiments, der Stadt Coblenz und auf die guten Beziehungen zwischen Bürgerschaft und Garnison. Die Freude der Leute, ihren Allerhöchsten Chef so gütig und herablassend unter sich weilen zu sehen, war groß.

Zum Schluß besuchte Ihre Majestät das Kernwerk Alexander und nahm hier den sinnreichen Schmuck und die zur Verschönerung des Kasernements von Leuten ausgeführten Malereien mit Interesse in Augenschein, während Prinz Wilhelm das Unteroffiziercasino besichtigte.

Um 5 Uhr versammelte sich das Offizierkorps im Regimentshause, in welchem die eingegangenen Festgaben aufgestellt waren.

Dort erschien auch Seine Königliche Hoheit Prinz Wilhelm und nahm nach Besichtigung der Ehrengeschenke an dem Festessen theil.

Kurz nach Beginn der Tafel erhob sich der Oberst v. Schauroth zu folgender Ansprache:

„Das Regiment blickt heute zurück auf 25 Jahre seines Bestehens, auf eine Zeit reich an Auszeichnungen und Ehre. Eine Auszeichnung und Ehre wird dem Regiment auch heute zu Theil durch die Allerhöchste Gegenwart Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Wilhelm, des erlauchten Enkelsohnes unseres Kaisers. Uns Alle begeistert die Liebe und Verehrung, in der wir emporblicken zu Seiner Majestät dem Kaiser und obersten Kriegsherrn, durch dessen hohe Voraussicht, dessen landesväterliche Fürsorge und nie rastende Arbeit und Mühe die Armee an Macht und Größe gewachsen ist. Die Früchte dieser Arbeit sind die ruhmreichen Erfolge der Armee, das Werk dieser Thätigkeit ist die Größe des Vaterlandes. Dankerfüllten Herzens, in begeisterter Hingabe, in Treue und Anhänglichkeit zu unserem allergnädigsten Kaiser, dessen Wohl und Wehe das unsere ist, sei heute wie für alle Zeiten unsere Losung:

Mit Gott für König und Vaterland! Seine Majestät der Kaiser und König lebe hoch!“

Ein brausendes, stürmisches Hoch auf den geliebten Heldenkaiser tönte durch die Säle, und alle Anwesenden stimmten hierauf begeistert in die Nationalhymne ein. Sodann richtete Seine Königliche Hoheit Prinz Wilhelm folgende Worte an das Offizierkorps:

„Der heutige 25jährige Geburtstag des Regiments ist für das Regiment eine Feier, in der wir unsere Freude über das ruhmreiche Bestehen zum Ausdruck bringen. Seine Fahnen wissen es zu erzählen. Niemand dachte daran, daß es so kommen würde, daß diese noch so jungen Fahnen schon nach kurzer Frist im Jahre 1864 die Feuertaufe erhalten würden. Ich erinnere an die Tage bei Düppel, an den Sturm, wo der Kronprinz dem Regiment für seine Tapferkeit und Ausdauer seine vollste Anerkennung aussprach, wie er damals in forscher Tapferkeit die Schanze VI erstürmen sah. Einer der Führer*) ist uns leider vor Kurzem entrissen worden, welcher auch ein Augenzeuge glorreicher Waffenthaten des Regiments gewesen ist. Es folgten darauf wenige Jahre des Friedens und dann wieder kurz aufeinander die beiden schweren Kriegsschläge in Böhmen und Frankreich.

Das Regiment hat bewiesen, daß der alte preußische Geist in ihm vertreten war; es stand ruhmreich an der Seite seines Schwester-Regiments, würdig seines hohen Chefs, den stets ein hohes Interesse für das Regiment beseelt, im Kriege wie im Frieden.

*) General v. Bentheim, damals Kommandeur der Garde-Grenadier-Brigade.

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