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Die höchste Auszeichnung aber wurde dem Regiment am 18. Oktober 1861, dem Tage der feierlichen Krönung zu Königsberg zu theil. Das Regiment hatte dazu eine Abordnung entsandt, bestehend aus: dem Kommandeur, Oberstlieutenant v. Oppell, dem Hauptmann v. Rosenberg (Chef der 1. Kompagnie), dem Premierlieutenant v. Arnim I, einem Feldwebel, 9 Unteroffizieren, 3 Spielleuten und 75 Mann nebst der Fahne des I. Bataillons.

Die anwesenden Vertreter des Regiments durften Zeugen sein einer erhabenen herrlichen Feier, an die sie späterhin die bei dieser Gelegenheit verliehene Krönungsmedaille erinnerte. Ganz besonders denkwürdig aber wurde der 18. Oktober 1861 für das Regiment dadurch, daß Ihre Majestät die regierende Königin zum Chef desselben ernannt wurde. Das Regiment erhielt damit den Namen:

„4. Garde-Grenadier-Regiment Königin“.

Die bezügliche an das Regiment gerichtete A. K. O. lautete:

"Ich habe an dem heutigen denkwürdigen Tage Meiner Krönung zu Königsberg Jhre Majestät die Königin, Meine Gemahlin, zum Chef des 4. Garde-Grenadier-Regiments ernannt und zugleich bestimmt, daß das Regiment fortan den Namen »4. Garde-Grenadier-Regiment Königin« erhält und die Chiffre Jhrer Majestät trägt. Indem Ich das Regiment unter Beifügung einer Abschrift Meiner an Ihre Majestät gerichteten Ordre hiervon unmittelbar in Kenntniß sege, erwarte Jch, daß dasselbe sich dieser besonderen Auszeichnung stets würdig und werth zeigen wird.

Königsberg, den 18. Oktober 1861.

An

Wilhelm.

das 4. Garde-Grenadier-Regiment."

Der Wortlaut der an Ihre Majestät die Königin selbst gerichteten Ordre ist folgender:

„An dem heutigen denkwürdigen Tage Meiner Krönung in Königsberg verleihe Jch Meiner ruhmreichen Armee neue Auszeichnungen. Von dem Wunsche geleitet, Euer Majestät Namen in dem vaterländischen Heere glänzen zu sehen, wünsche Jch denselben an die Spite eines der Garde-Regimenter zu setzen. In dem Vertrauen, daß Eure Majestät diese Bitte huldreichst gewähren, ernenne Jch Eure Majestät zum Chef des 4. Garde-GrenadierRegiments, dessen Stab in Coblenz sein Standquartier hat und das von heute an den Namen: »4. Garde-Grenadier-Regiment Königin« führen und die Chiffre Eurer Majestät tragen wird.

Königsberg, den 18. Oktober 1861.

An

Ihre Majestät die Königin."

Wilhelm.

Ueber das Tragen des Namenszuges seßte eine spätere Allerhöchste KabinetsOrdre vom 28. November Nachstehendes fest:

Ich bestimme hiermit, daß die Offiziere und Mannschaften des 3. Garde Grenadier-Regiments Königin Elisabeth und des 4. Garde-Grenadier-Regiments Königin die Namens-Chiffre Jhrer Allerhöchsten Chefs nach der beiliegenden Probe anzulegen haben. Auch die Offiziere dieser Regimenter, welchen bei ihrem Uebertritt aus dem Kaiser Alexander- und Kaiser Franz-Regiment durch Meine Ordre vom 2. Juni 1860 die Beibehaltung dieser Chiffre gestattet war, haben nicht mehr wie früher diese, sondern Epaulettes mit ihren Chefsnamen anzulegen, wonach das Kriegsministerium das Weitere zu veranlassen hat.

Wilhelm.

An

das Kriegsministerium."

Dieser Allerhöchste Gnadenbeweis erfüllte das ganze Regiment mit tiefster Dankbarkeit und hohem Stolz. Bei der Vorliebe Jhrer Majestät für Coblenz blühte dem Regiment die Aussicht, die hohe Frau oft in seiner Mitte zu sehen, und damit zu seinem Allerhöchsten Chef in nähere Beziehungen zu treten. Die kühnsten an diese Ernennung sich knüpfenden Erwartungen aber, die jemals gehegt werden konnten, sind durch die unerschöpflichen Gnadenbeweise und die nie rastende Fürsorge Ihrer Majestät für das Regiment in der Zukunft übertroffen worden.

4. Kapitel.

Das 4. Garde-Grenadier-Regiment Königin bis zum Feldzuge 1864.

Ihre Majestät die Königin kam Anfang Mai 1862 zum ersten Male als Regimentschef zum langgewohnten Sommeraufenthalt nach Coblenz und begrüßte die ins Schloß und zur Tafel befohlenen Offiziere des Regiments mit einer huldvollen Ansprache. Wenige Tage darauf, am 5. Mai, nahm die hohe Frau das Kasernement in Augenschein. Aus Veranlassung dieses hohen Besuches waren die Grenadier-Bataillone mit der Regimentsmusik auf dem Waffenplatz der Veste Alexander aufgestellt. Der hohe Chef ging unter huldvollen, an einzelne Grenadiere gerichteten Worten die Front entlang und ließ sich darauf in einem Laubzelt nieder, dessen Wände geschmückt waren mit dem aus Blumen geformten Namenszuge des Regiments. Hier wurden Ihrer Majestät von Mannschaften die alten. Zeichen der Gastfreundschaft Brot, Salz und ein frischer Trunk klaren Brunnenwassers - dargereicht. Zum Schluß folgte eine eingehende Besichtigung der Reviere der 1. und 8. Kompagnie.

Wie lebhaft das Interesse war, welches die hohe Frau an Ihrem Regiment nahm, zeigte sich gar bald an vielen Gnadenbeweisen mannigfacher Art. So gewährte Hochdieselbe der Regimentsmusik einen jährlichen Beitrag von 300 Thalern und kümmerte sich in großmüthigster Fürsorge um die Einrichtung der OffizierSpeiseanstalt.

Die bisher als Offizierkasino ermietheten Räume hatten sich bald als unzureichend erwiesen; daher fand am 3. Juni 1862 die Verlegung der sogenannten Offizierressource nach dem Hause zum Vater Rhein" in der Schloßstraße 48 statt, welches späterhin von dem Offizierkorps als Regimentshaus angekauft wurde.

In demselben bildete das am 15. April 1862 dem Offizierkorps von 15 April 1862. Ihrer Majestät geschenkte Brustbild Schmuck der neuen Räume.

gemalt von Winterhalter

den ersten

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Hier fanden im Winter allwöchentlich ein Mal Regimentsabende statt, an denen außer dem Offizierkorps auch der Garnison nicht angehörende, aber in Beziehung zum Regiment stehende Persönlichkeiten zahlreich erschienen.

Im Herbst 1862 nahmen die Grenadier-Bataillone an den Detachementsübungen der 32. Infanterie-Brigade unter Generalmajor v. Sommerfeld bei Bassenheim und Wolken, das Füsilier-Bataillon an denen der 28. InfanterieBrigade unter Generalmajor Frhr. v. d. Golt bei Wesel theil.

Im August des nächsten Jahres fand auf dem Plateau der Karthause Regimentsexerziren statt, zu welchem das Füsilier-Bataillon von Düsseldorf herangezogen wurde. Im Anschluß daran nahm das Regiment im Verband der 32. Brigade unter Generalmajor v. Egel*) an den Uebungen dieser Brigade sowie denen der 16. Division unter Generallieutenant v. Arnim auf dem Maifelde theil.

Zusammengefügt in den festen Formen des Dienstes, ausgezeichnet durch das Lob seines Allerhöchsten Kriegsherrn, geschmückt durch einen hohen Gnadenbeweis, konnte das Regiment mit stolzer Befriedigung auf die ersten Jahre seines Bestehens zurückblicken.

Nur eins fehlte ihm noch: Die Feuertaufe.

*) Generalmajor v. Ezel war mittlerweile von der 29. Infanterie-Brigade zur 32. Ju fanterie-Brigade verseßt worden.

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Zweiter Theil.

Theilnahme des Regiments an dem Feldzuge gegen Dänemark 1864.

I. Abschnitt.

Von der Kriegsbereitschaft bis zur Belagerung
der Düppeler Schanzen.

1. Kapitel.

Ursachen des Krieges.

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änemark hatte es kurz nach dem Thronwechsel im November 1863 versucht, die uralten verbrieften Rechte des zum deutschen Staatenbunde gehörenden Herzogthums Holstein zu mißachten und entgegen dem alten schleswig-Holsteinischen Wahlspruche: „Up ewig ungedeelt" - die beiden Herzogthümer durch Einverleibung Schleswigs in Dänemark auseinander zu reißen. Der Deutsche Bund verlangte hierauf von Dänemark die Zurücknahme des auf die Einverleibung bezüglichen Gesetzes und sah sich, als diesem Ansuchen nicht Folge geleistet wurde, gezwungen, mit den Waffen für die Rechte der Elbherzogthümer einzutreten. Auf Bundesbeschluß rückten zuerst sächsische und hannoversche Truppen in das von den Dänen freiwillig geräumte Holstein vor, drangen aber nicht in Schleswig, woselbst die dänische Armee stand, ein. Die deutschen Großmächte, Preußen und Oesterreich, entschlossen sich zu einem selbständigen Handeln und gingen gemeinschaftlich gegen Dänemark vor, indem ihre Truppen vorläufig den vorgenannten Bundestruppen als Reserven folgten und in Lübeck bezw. Hamburg Quartier bezogen. Wenn der sich mit diesen Schritten entwickelnde Krieg, in dem nach 50 Jahren wieder Preußen und Oesterreicher vereint Seite an Seite fochten, auch nicht die weltbewegende Bedeutung der folgenden beiden Kriege in sich trägt und durch die späteren großen Ereignisse in den Hintergrund gedrängt ist, so bildet derselbe doch einen wichtigen Markstein in der Entwickelung unserer Armee, einen Prüfstein für dieselbe nach langer Friedensruhe und den Grundstein für die künftige energievolle Offensive, die in der Folgezeit unsere Staatsleitung wie unser Heer ausgezeichnet hat. Der Armee, die sich damals in den kleinen, an Strapazen und Ent

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bebrungen überaus reichen Verhältnissen so glänzend schlug, konnte man für die Zukunft in jeder Weise vertrauen und von ihr das Höchste auch in einem größeren Kriege erwarten.

2. Kapitel.

Kriegsbereitschaft, Ausmarsch nach der Provinz Brandenburg (Herbst 1863) und Mobilmachung.

1863.

Am 30. November 1863, kurz nach Beginn der Rekrutenausbildung, lief die 30. November beim Regiment mit Jubel begrüßte Ordre zur Kriegsbereitschaft ein. Nachdem die eingezogenen Reserven am 11. Dezember eingetroffen und die Bataillone hierdurch auf die Stärke von 802 Köpfen gebracht waren, erfolgte später der Befehl zur Ueberführung des Regiments in die von den Truppen des III. Armeekorps (6. Division) soeben verlassenen, bei Berlin gelegenen Garnisonen. Die beiden GrenadierBataillone marschirten am 18. Dezember, morgens gegen 4 Uhr, nach dem damals noch nassauischen Oberlahnstein, um von dort mit der Eisenbahn weiter befördert zu werden, während das Füsilier-Bataillon am Morgen dieses Tages die Fahrt nach Berlin antrat.

Nach der Ausschiffung erhielten der Regimentsstab und das I. Bataillon Brandenburg a. H., das II. Bataillon Treuenbrießen, das Füsilier - Bataillon Rathenow (9. und 10. Kompagnie) und Friesack (Stab, 11. und 12. Kompagnie) als vorläufige Standquartiere zugewiesen. Diese wurden am 19. bezw. 21. Dezember erreicht.

Am 17. Januar 1864 traf beim Regiment der endgültige Befehl zur Mobilmachung ein.

Die Freude hierüber war um so größer, als bereits vor 16 Jahren eine Anzahl von Offizieren des Regiments den Feldzug gegen Dänemark mitgemacht und eine allgemeine Begeisterung für den in Gefahr schwebenden Bruderstamm - die Gemüther ergriffen hatte. Die Vorbereitungen für den Winterfeldzug, das Reiten und Einfahren der Mobilmachungspferde, die Beschaffung der nöthigen Ausrüstung für die Offiziere und das Einschießen mit dem Revolver nahmen die nächsten Tage in Anspruch.

Am 20. Januar 1864 übernahm der General-Feldmarschall Frhr. v. Wrangel 20. Januar 1864. das Oberkommando über das gesammte mobile preußisch- österreichische Heer und erließ folgenden Armeebefehl:

„Nach Uebereinkunft Ihrer Majestäten des Kaisers von Oesterreich und des Königs von Preußen hat mein Allergnädigster Herr mich zum Oberbefehlshaber der nach Schleswig bestimmten verbündeten Armee ernannt.

Ich habe dieses Kommando heute übernommen. Offiziere und Soldaten der mir nunmehr untergebenen Armee! ich rufe Euch ein herzliches Willfommen zu!

Was die Zukunft uns auch bringe, laffet uns nur einem Ziele entgegengehen, durch inniges Zusammenhalten und treue Pflichterfüllung unserem erhabenen Kriegsherrn zu zeigen, daß wir überall, also auch in Schleswig, es verstehen, das in uns gesezte Vertrauen zu rechtfertigen."

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