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Denn wo das Strenge mit dem Zarten
Wo Starkes sich und Mildes paarten ,
Da giebt es einen guten Klang.
Allegro. Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
Lieblich in der Bräute Locken
Spielt der jungfräuliche Kranz,
Wenn die hellen Kirchenglocken
Laden zu des Festes Glanz.
Ach ! des Lebens schönste Feier
Endigt auch den Lebens-Mai ,
Mit dem Gürtel, mit dem Schleier
Reisst der schöne Wahn entzwei.

TENORO SOLO.

Allegro assai. Die Leidenschaft flieht !
Die Liebe musz bleiben,
Die Blume verblüht,
Die Frucht musz treiben,
Der Mann musz hinaus
In's feindliche Leben,
Musz wirken und streben
Und pflanzen und schaffen ,
Erlisten, erraffen ,
Musz wetten und wagen
Das Glück zu erjagen.
Da strömet herbei die unendliche Gabe ,
Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,
Die Räume wachsen , es dehnt sich das Haus ,

Und drinnen waltet
Die züchtige Hausfrau,
Die Mutter der Kinder,
Und herrschet weise
Im häuslichen Kreise,
Und lehret die Mädchen ,
Und wehret den Knaben,
Und reget ohn' Ende
Die fleiszigen Hände,
Und mehrt den Gewinn
Mit ordnendem Sinn.
Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,
Und creht um die schnurrende Spindel den Faden ,
Und simmelt im reinlich geglätteten Schrein
Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein ,
Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,
Und ruhet nimmer.

QUARTETTO (2 TEN. UND 2 BASSI.)
Maestoso. Und der Vater mit frohem Blick
Von des Hauses weitschauendem Giebel,
Ueberzählet sein blühend Glück,
Siehet der Pfosten ragende Bäume,
Siehet der Scheunen gefüllte Räume
Und die Speicher, vom Segen gebogen,
Und des Kornes bewegte Wogen,
Rühmt sich mit stolzem Mund :
Fest wie der Erde Grund,
Gegen des Unglücks Macht
Steht mir des Hauses Pracht!
Doch mit des Geschickes Mächten
Ist kein ew'ger Bund zu flechten,
Und das Unglück schreitet schnell.

DER MEISTER. SOLO.
Andante. Wohl! Nun kann der Gusz beginnen ,

Schön gezacket ist der Bruch ,
Doch , bevor wir's lassen rinnen ,
Betet einen frommen 'Spruch !

Stosst den Zapfen aus !

Gott bewahr das Haus.
Rauchend in des Henkels Bogen
Schieszt's mit feuerbraunen Wogen.

CHOR.

Allegretto. Wohlthätig ist des Feuers Macht,
Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,
Und was er bildet, was er schafft,
Das dankt er dieser Himmelskraft;
Doch furchtbar wird die Himmelskraft,
Wenn sie der Fessel sich entrafft,
Einhertrit auf der eignen Spur
Die freie Tochter der Natur.
Wehe, wenn sie losgelassen
Wachsend ohne Widerstand
Durch die volkbelebten Gassen
Wälzt den ungeheuern Brand !
Denn die Elemente hassen
Das Gebild der Menschenhand.
Allegro non troppo. Aus der Wolke
Quillt der Segen ,
Strömt der Regen,
Aus der Wolke. ohne Wahl,
Zuckt der Strahl.
Hört ihr's wimmern hoch vom Thurm?
Das ist Sturm !
Roth wie Blut
Ist der Himmel,
Das ist nicht des Tages Glut!
Welch Getümmel

Straszen auf!
Dampf wallt auf!
Flackernd steigt die Feuersäule
Durch der Strasze lange Zeile
Wächst es fort mit Windeseile.
Kochend wie aus Ofens Rachen
Glühn die Lüfte, Balken krachen,
Pfosten stürzen, Fenster klirren,
Kinder jammern, Mütter irren,
Thjere wimmern
Unter Trümmern,
Alles rennet, rettet, flüchtet,
Taghell ist die Nacht gelichtet.
Durch der Hände lange Kette
Um die Wette
Fliegt der Eimer , hoch im Bogen
Spritzen Quellen Wasserwogen.
Heulend kommt der Sturm geflogen,
Der die Flamme brausend sucht.
Prasselnd in die dürre Frucht
Fällt sie, in des Speichers Räume,
In der Sparren dürre Bäume,
Und als wollte sie im Wehen
Mit sich fort der Erde Wucht
Reissen , in gewalt'ger Flucht,
Wächst sie in des Himmels Höhen
Riesengrosz !
Hoffnungslos
Weicht der Mensch der Götterstärke,
Müszig sieht er seine Werke
Und bewundernd untergehen.

Leergebrannt
Ist die Stätte,
Wilder Stürme rauhes Bette,
In den öden Fensterhöhlen

Wohnt das Grauen
Und des Himmels Wolken schauen
Hoch hinein.

T

DER MEISTER. BASSO SOLO UND QUARTETTO.

Recit. Einen Blick
Nach dem Grabe
Seiner Haabe
Sendet noch der Mensch zurück
Andante. Greift fröhlich dann zum Wanderstabe,
moderato. Was Feuers Wuth ihm auch geraubt,
Ein süszer Trost ist ihm geblieben.
Recit. Er zählt die Häupter seiner Lieben,
Und sieh! ihm fehlt kein theures Haupt.

DER MEISTER. SOLO.

Andante. In die Erd' ist's aufgenommen ,
Glücklich ist die Form gefüllt ,
Wird's auch schön zu Tage kommen ,
Dass es Fleisz und Kunst vergilt ?
Wenn der Gusz misslang?
Wenn die Form zersprang ?
Ach! vielleicht, indem wir hoffen,
Hat uns Unheil schon getroffen.

( H 0 R.

Adagio. Dem dunkeln Schoosz der heilgen Erde
Vertrauen wir der Hände That,
Vertraut der Sämann seine Saat
Und hofft, dass sie entkeimen werde
Zum Segen, nach des Himmels Rath.
Noch köstlicheren Saamen bergen
Wir traurend in der Erde Schoosz,
Und hoffen, dass er aus den Särgen
Erblühen soll zu schönerm Loos.

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