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typen sind blosse Gedankengebilde relativ unveränderliche Spezies allmählich so gewordene und in Wahrheit nur unmerklich, d. h. in unendlich kleinen Unterschieden sich verändernde Gruppen ähnlicher Individuen.

Platonismus und Darwinismus, Ideenlehre und Entwicklungstheorie stehen sich als feindliche Gegensätze einander gegenüber. Indem wir die Ideenlehre auf ihren ersten Ursprung zurückführten, haben wir sie ab ovo kritisch zersetzt und sie in ihrer Unhaltbarkeit nachgewiesen. Eine solche Widerlegung dieses kontradiktorischen Gegensatzes der Entwicklungstheorie ist zwar kein positiver Beweis für die Wahrheit der letzteren, hat aber wohl den nicht zu unterschätzenden Wert eines indirekten Beweises. Nur zwischen diesen zwei Theorien haben wir bei der Erklärung des Ursprungs der Arten zu wählen tertium non datur; die eine Theorie beruht erwiesenermassen auf einem πρῶτον ψεῖδος so bleibt nur die andere übrig: Die Entwicklungstheorie. Wir haben oben gesagt (S. 26),,,dass es nicht bloss aus historischem Interesse, sondern in der klaren Erkenntnis des der Naturwissenschaft unmittelbar zu gute kommenden praktischen Gewinnes geschähe, wenn wir die erste Entwicklung der Grundbegriffe des philosophischen Denkens hier darlegten." Wir hoffen, dass man die Erlangung dieses indirekten Beweises, des einzigen, der die Konstanzlehre wirklich ins innerste Herz trifft, als einen solchen Gewinn wird gelten lassen, und dass man unseren obigen Worten daher keine Übertreibung Schuld geben wird. Aber auch dieser Beweis war nur zu erlangen, indem wir die Methode der Entwicklungslehre anwandten, d. h. in unserer kritischen Betrachtung auf den ersten Entstehungskeim zurückgingen und die Entwicklung desselben verfolgten.

Zweites Kapitel.

Das Anwachsen der Naturverachtung.

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Der Epikure

Inhalt: Der Dualismus als Endergebnis der griechischen Philosophie. Die
Folgen des Dualismus. - Der Skeptizismus. Seine Entstehungsgründe.
Seine Begründer. Seine Theorie. Seine Wirkung.
Seine Entstehungsursachen. Sein Urheber.
lehre. Seine Naturtheorie. Seine Wirkungen.

ismus.

Seine Moral

Der Stoizismus.

Sein Grund und sein Begründer. Seine Prinzipien.

-

Die Pflege der

Logik. - Die Welt- und Naturauffassung. Seine Wirkung. Zusammenfassung in Hinsicht auf die Entstehung der Naturverachtung.

D

as bedeutsamste Endergebnis der griechischen Philosophie

in ihren beiden höchsten Koryphäen ist der Dualismus von Stoff und Form, von Materiellem und Immateriellem, von Körper und Geist, von Welt und Gott, und deshalb der Dualismus auf all den Gebieten, die überhaupt unter dem massgebenden Einfluss jener Grundbegriffe stehen. Die dualistische Weltanschauung ist mithin von den grössten Denkern der Zeit proklamiert, wirklich Neues wird auf philosophischem Gebiete in den nächsten zwei Jahrtausenden nicht mehr erzeugt, und so bleibt denn naturgemäss diese Folgezeit unter dem Banne dieses Dualismus stehen. Das Denken wendet sich ausschliesslich und allein den Ideen, dem Übersinnlichen, dem Immateriellen, der Gottheit zu, welches ihm als das allein Wertvolle erscheint, womit schon gesagt ist, dass die Natur und ihre Wissenschaft immer mehr in den Hintergrund tritt, bis sie endlich dem Interesse des Menschen ganz und gar entschwindet. Hinsichtlich der

Entstehungsursachen der Naturverachtung werden wir also zu zeigen haben, wie in dieser Zeit die religiösen Vorstellungen und mystischen Systeme immer üppiger emporschiessen und in demselbem Masse die Liebe zur Natur immer gründlicher verkümmert, bis sie endlich von einem wahrhaften Naturhass völlig verschlungen wird. Mit Platon und Aristoteles, deren Vorläufer Sokrates und die Sophisten, beginnt in der Entwicklung des menschlichen Denkens die Pflege der abstrakten Begriffe im Gegensatz zur Pflege der konkreten Naturerscheinungen, und es geschieht also in diesem langen Zeitraume nichts anderes, als dass die von jenen Philosophen geschaffene Ideenlehre praktischen Einfluss auf die Menschheit gewinnt und zwar so sehr, dass sie die geistige wie die materielle Welt derselben völlig nach sich umgestaltet. Indem die Ideenlehre sich nach allen Richtungen hin ausbreitet, trifft sie mit einem Gedankenstrome zusammen, der von Judäa ausgeht. Aus der Vereinigung jener hellenischen und dieser jüdischen Elemente geht das Christentum hervor. Dieses genauer darzulegen, wird ebenfalls unsere Aufgabe sein müssen, wollen wir das Entstehen der höchsten Potenz der Naturverachtung gründlich begreifen.

Der erste Schritt nun in dem antinaturwissenschaftlichen Entwicklungsprozess, in welchem den religiösen Systemen der Boden bereitet wird, ist die Begründung dreier philosophischer Richtungen, die ganz und gar unter dem Einfluss jenes platonisch - aristotelischen Dualismus ins Leben gerufen werden, nämlich des Skeptizismus, des Epikureismus und des Stoizismus.

1) Der Skeptizismus.

Wo der Dualismus anfängt, hört die Möglichkeit der Erkenntnis allemal auf. Denn die Erkenntnis fordert eine widerspruchslos in sich zusammenhängende Kette von Ursachen und Wirkungen. Diese fest geschlossene Kontinuität der Kausalreihe setzt aber voraus, dass Ursache und Wirkung stets von einer und derselben Art, dass sie ejusdem generis sind; also, dass Ursache und Wirkung, wenn es sich z. B. um das Materielle handelt, fortgesetzt

innerhalb des Gebietes des Materiellen liegen.

Wo aber plötzlich

ein ganz anderes Genus eingeführt wird, reisst die einmütige Kette des Kausalnexus ab, und wir stehen dann vor einer Kluft, die wir nicht zu überbrücken vermögen. So ist demnach die Erkenntnis allemal da unmöglich, wo das Immaterielle als Erklärungsgrund für das Materielle gesetzt wird. Denn erstens kennen wir ja das Immaterielle in seinem Wesen und seinen Eigentümlichkeiten nicht: es ist niemals Gegenstand der Erfahrung, der Wahrnehmung, es ist keine Erscheinung.*) Selbst das, worauf man als auf einen Erkenntnisgrund für das Immaterielle hinweist, unser Denken, ist ja an materielle Grundlagen gebunden und nie ohne diese vorhanden, so dass wir auch da, wo wir allein hoffen könnten, es zu erfassen, nämlich in den Vorgängen unseres Denkens, keine Einsicht in sein Wesen erhalten können. Wir wissen also nicht, was das Immaterielle ist, mithin wissen wir auch zweitens nicht, wie es wirkt. Wir dürfen das Wirken des Immateriellen natürlich nicht nach der Analogie des Wirkens des Materiellen beurteilen, die Wirkungsweise des Materiellen also nicht zur Erklärung auf das Gebiet des Immateriellen übertragen, denn beide sind ja gänzlich verschieden. Wir tappen also völlig im Dunkeln hinsichtlich seiner Wirkungsweise, sogar innerhalb seines eigenen Genus; wir wissen also drittens erst recht nicht, wie nun das Immaterielle wirken soll auf das absolut entgegengesetzte Materielle, mit dem es ja auch nicht einen einzigen Punkt identisch hat.

Wo demnach der Dualismus ausgesprochen wird, da muss gleichzeitig die Unmöglichkeit der Erkenntnis mit ausgesprochen werden, und so ist denn der erste konsequente Schritt, den jetzt die nacharistotelische Philosophie unter dem Druck dieses Dualismus thut, zu erklären: Erkenntnis giebt es nicht. Die Philosophie, welche ihr Haupt erhebt, ist der Skeptizismus, der mit Energie und im Selbstbewusstsein seines Rechts sich Luft zu machen sucht. Schon unmittelbar nach Aristoteles wird dieser Skepti

*) Ganz dasselbe gilt freilich auch von dem Materiellen; doch ist hier noch nicht der Ort, dies klar zu machen.

Fritz Schultze, Philosophie der Naturwissenschaft.

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zismus verkündigt durch Pyrrhon von Elis, nach welchem er deshalb auch als Pyrrhonismus bezeichnet wird; aber es ist sehr charakteristisch, dass er mit aller Schärfe in Platons Schule selbst hervorbricht. Es ist die sogen. mittlere Akademie, eine Weiterentwicklung der platonischen Schule, welche auf Grund des Platonismus und seines Dualismus die Unmöglichkeit der Erkenntnis behauptet und den Zweifel an Allem als das einzig richtige Prinzip proklamiert. Mit Sicherheit können wir nichts erkennen; anstatt einer Wahrheit giebt es höchstens eine unsichere Wahrscheinlichkeit; man thut in allen Fällen am besten, sein Urteil zurückzuhalten das sind die Resultate, die jetzt gewonnen werden. Und dieser Skeptizismus ist viel wirkungsvoller und durchgreifender und deshalb viel bedenklicher, als der Skeptizismus, den wir bei den Sophisten vor Sokrates finden. Der Skeptizismus der Sophisten lag noch vor der gewaltigen Entwicklungsperiode der griechischen Philosophie, wie sie in Sokrates, Platon und Aristoteles heranwächst. Er hatte hinter sich nur erst die Naturphilosophie und schöpfte aus den Widersprüchen dieser den Beweis für die Unmöglichkeit der Erkenntnis. Der jetzige Skeptizismus dagegen hat die grosse Entwicklung der ganzen griechischen Philosophie hinter sich und kann deshalb von sich sagen und sagt es: Das einzige Resultat alles Forschens und Denkens überhaupt ist nichts Anderes als die Einsicht in die Unmöglichkeit des Erkennens. Ich, der Skeptizismus, bin das einzig Mögliche, die alleinige Wahrheit, das A und das O des menschlichen Denkens. Dieser Skeptizismus wird deshalb auch im Altertum kritisch und erkenntnis-theoretisch nicht mehr überwunden, wie der Skeptizismus und Nihilismus der Sophisten durch Sokrates überwunden wurde. Er bleibt, und indem er alles bisher Geglaubte und Wertgehaltene zersetzt, unterhöhlt er sachte die Fundamente des antiken Wesens, zerfrisst die geniale Selbstsicherheit des klassischen Geistes und nimmt eifrig Teil an der Arbeit, den Zusammensturz der vorchristlichen Weltanschauung herbeizuführen. Bald steigt er auf zu grösserer Höhe, bald sinkt er wieder herab zu geringerer Wirksamkeit, aber bis weit in die christliche Zeitrechnung hinein macht er sich geltend, und erst da verschwindet er, wo der christliche

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