West-östlicher Divan

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In der Cottaischen Buchhandlung, 1819 - 556 Seiten
 

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Beliebte Passagen

Seite 162 - Ach, um deine feuchten Schwingen, West, wie sehr ich dich beneide! Denn du kannst ihm Kunde bringen, Was ich in der Trennung leide. Die Bewegung deiner Flügel Weckt im Busen stilles Sehnen; Blumen, Augen, Wald und Hügel Stehn bei deinem Hauch in Tränen. Doch dein mildes sanftes Wehen Kühlt die wunden Augenlider; Ach, für Leid müßt ich vergehen, Hofft ich nicht zu sehn ihn wieder.
Seite 5 - Dort im Reinen und im Rechten Will ich menschlichen Geschlechten In des Ursprungs Tiefe dringen. Wo sie noch von Gott empfingen Himmelslehr' in Erdesprachen Und sich nicht den Kopf zerbrachen.
Seite 30 - Das Lebendge will ich preisen Das nach Flammentod sich sehnet. In der Liebesnächte Kühlung, Die dich zeugte, wo du zeugtest, Überfällt dich fremde Fühlung Wenn die stille Kerze leuchtet. Nicht mehr bleibest du umfangen In der Finsternis Beschattung, Und dich reißet neu Verlangen Auf zu höherer Begattung. Keine Ferne macht dich schwierig, Kommst geflogen und gebannt, Und zuletzt, des Lichts begierig, Bist du Schmetterling verbrannt. Und so lang du das nicht hast, Dieses : Stirb und werde !...
Seite 164 - Drück' ich wieder dich ans Herz! Ach, was ist die Nacht der Ferne Für ein Abgrund, für ein Schmerz! Ja, du bist es ! meiner Freuden Süßer, lieber Widerpart; Eingedenk vergangner Leiden, Schaudr' ich vor der Gegenwart. Als die Welt im tiefsten Grunde Lag an Gottes ew'ger Brust, Ordnet' er die erste Stunde Mit erhabner Schöpfungslust, Und er sprach das Wort: ,Es werde!
Seite 175 - Allerliebste, gleich erkenn ich dich; Du magst mit Zauberschleiern dich bedecken, Allgegenwärtge, gleich erkenn ich dich. An der Zypresse reinstem, jungem Streben, Allschöngewachsne, gleich erkenn ich dich; In des Kanales reinem Wellenleben, Allschmeichelhafte, wohl erkenn ich dich. Wenn steigend sich der Wasserstrahl entfaltet. Allspielende, wie froh erkenn ich dich; Wenn Wolke sich gestaltend umgestaltet, Allmannigfaltge, dort erkenn ich dich.
Seite 11 - TALISMANE Gottes ist der Orient! Gottes ist der Occident! Nord und südliches Gelände Ruht im Frieden seiner Hände! » Er, der einzige Gerechte, Will für jedermann das Rechte. Sei von seinen hundert Namen Dieser hochgelobet! Amen. Mich verwirren will das Irren, Doch du weißt mich zu entwirren. Wenn ich handle, wenn ich dichte, Gib du meinem Weg die Richte! Ob ich Ird'sches denk' und sinne, Das gereicht zu höherem Gewinne.
Seite 147 - Locken, haltet mich gefangen In dem Kreise des Gesichts! Euch geliebten braunen Schlangen Zu erwidern hab ich nichts. Nur dies Herz, es ist von Dauer, Schwillt in jugendlichstem Flor; Unter Schnee und Nebelschauer Rast ein Ätna dir hervor. Du beschämst wie Morgenröte Jener Gipfel ernste Wand, Und noch einmal fühlet Hatem Frühlingshauch und Sommerbrand. Schenke, her! Noch eine Flasche! Diesen Becher bring ich ihr!
Seite 525 - Der nie genug zu schätzende Voß konnte das Publikum zuerst nicht befriedigen, bis man sich nach und nach in die neue Art hinein hörte, hinein bequemte.
Seite 166 - Ergreifen, sei es Raffen, Wenn es nur sich faßt und hält! Allah braucht nicht mehr zu schaffen, Wir erschaffen seine Welt. So, mit morgenroten Flügeln, Riß es mich an deinen Mund, Und die Nacht mit tausend Siegeln Kräftigt sternenhell den Bund. Beide sind wir auf der Erde Musterhaft in Freud und Qual, Und ein zweites Wort: Es werde!
Seite 11 - Irdsches denk und sinne, Das gereicht zu höherem Gewinne. Mit dem Staube nicht der Geist zerstoben, Dringet, in sich selbst gedrängt, nach oben. Im Atemholen sind zweierlei Gnaden: Die Luft einziehen, sich ihrer entladen; Jenes bedrängt, dieses erfrischt; So wunderbar ist das Leben gemischt. Du danke Gott, wenn er dich preßt, Und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt.

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