Medizin in Geschichte, Philologie und Ethnologie: Festschrift für Gundolf Keil

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Königshausen & Neumann, 2003 - 490 Seiten
 

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Meine Rezension bezieht sich auf die Beiträge von Dr.med.Axel Bauer und Bernhard Uehleke. In alle anderen zugänglichen Beiträgen habe ich hineingeschnuppert. Mir ging es im Zusammenhang mit philosophischen Fragen zur menschlichen Natur um die Rezeption medizingeschichtlicher Forschungsergebnisse im interpretatorischen Kontext der jeweiligen Zeit und der Autorität der Metaphysik bzw. des christlichen Weltbildes. Sowohl Axel Bauer als auch Bernhard Uehleke haben mich hier mit vielen interessanten Forschungslagen der Medizin bekannt gemacht. Besonders positiv fiel mir die differenzierte Beschreibung im Hinblick die Autoritäts- bzw Theoriegläubigkeit bei beiden Autoren auf, die ich mir für die Philosophie wünsche. Sie leidet dagegen unter einer ausgeprägten Abneigung gegen die Entstehung ihrer eigenen Tradition. Bernhard Uehleke danke ich besonders den Hinweis auf Francis Glisson und Axel Bauer die Darstellung von Andreas Vesal und dessen Lehrer Jacques Dubois. Im Hinblick auf den Naturbegriff der schottischen Aufklärungsphilosophie kann ich so ganz neue Aspekte und Sichten z.B. von David Hume gewinnen und erläutern. Beschreibungen über chirurgische Praktiken und der Zusammenhang mit selbstverständlichen Annahmen, auch die Darstellung medizinischer Literatur, die traditionellen Behauptungen als Wissen verkauft, hat mich sehr angeregt. Lesenswert!
Monika Wirthgen, Hamburg
 

Inhalt

Medizin und Geschichte
11
Giannozzo Manetti und die Anatomie der Sinnesorgane
28
Three Doctors Typhoid fever and Madame Butterfly A Case
51
Titel ohne Wert? Zur Debatte um den Stellenwert des Doctor
69
Aussatz als Metapher Aus der Geschichte einer sozialen
89
Akademischer Lehrer Lebensberater Sozialpolitiker
107
Ideengeschichtliche und begriffliche Vorläufer
131
Dieweil aber das angesicht ein sonderliche zier
159
Verpflichtet zu heilen Zur Zielrichtung ärztlichen
199
Medizin und Philologie
229
Dominanz Konkurrenz oder Komplementarität?
257
Frühe Koch und Pulverrezepte aus
289
A translation of Galens De substantia virtutum naturalium
321
Medizin und Ethnologie
371
Beobachtungen eines Medizin
379
Verzeichnis der Veröffentlichungen von Gundolf Keil
411

Zur Kompilationstechnik spätmittelalterlicher Lunar
177

Häufige Begriffe und Wortgruppen

Beliebte Passagen

Seite 111 - Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, usw.: so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen.
Seite 157 - Diseases: gathered from the Writings of several Eminent Physicians, and also from more than Forty Years
Seite 367 - Josef Benzing: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet.
Seite 211 - Person ist, und es unmöglich ist, sich von der Erzeugung eines mit Freiheit begabten Wesens durch eine physische Operation einen Begriff zu...
Seite 38 - Ich verspreche nicht (denn solches zu versprechen wäre Thorheit und Unsinn) das tausendbuchstäbige Alphabe th zur Entzifferung der unwillkürlichen Natursprache im Antlitz, und dem ganzen Äußerlichen des Menschen, oder auch nur der Schönheiten und Vollkommenheiten des menschlichen Gesichtes zu liefern; aber doch einige Buchstaben dieses göttlichen Alphabeths so leserlich vorzuzeichnen, daß jedes gesunde Auge dieselbe wird finden und erkennen können, wo sie ihm wieder vorkommen
Seite 43 - GRABSCHRIFT EINES GEWISSEN - PHYSIOGNOMEN Wes Geistes Kind im Kopf gesessen, Könnt er auf jeder Nase lesen: Und doch - daß er es nicht gewesen, Den Gott zu diesem Werk erlesen, Könnt er nicht auf der seinen lesen.
Seite 45 - Er sprach zuerst von solchen Schädeln, die keine in einer Richtung ausgezeichnete Erhebung darstellten, wohl aber ein schönes, bedeutendes Ebenmaß aller; und ein lehrreiches Exemplar eines solchen Gebildes erkannte man, wenn man den Kopf des großen Dichters betrachtete, der seine Vorträge mit seiner Gegenwart beehrte. Das ganze Auditorium sah Goethe an. Er blieb ruhig, ein kaum bemerkbares vorübergehendes Mißvergnügen verlor sich...
Seite 42 - Teile, zB der Figur und Größe der Nase, der Augen, des Mundes, der Ohren usw., der Farbe der Haare, der Höhe des Halses usf. ist vielleicht nicht unmöglich, dürfte aber wohl so bald nicht erscheinen, wenn auch Lavater noch durch zehn Quartbände schwärmen sollte.
Seite 245 - Selvon, der sach ein dunstlich bilde, halp maget, halp man, geteilet nach der lenge, Daz truc die vier complexen wilde in siner hant, ez vloz in twalmes + henge.
Seite 371 - John Block Friedman, The Monstrous Races in Medieval Art and Thought (Cambridge, Mass.: Harvard University Press, 1981).

Bibliografische Informationen