Sagenbuch der Bayerischen Lande: aus dem Munde des Volkes, der Chronik und der Dichter, Band 2

Cover
Rieger, 1852 - 471 Seiten
 

Was andere dazu sagen - Rezension schreiben

Es wurden keine Rezensionen gefunden.

Ausgewählte Seiten

Andere Ausgaben - Alle anzeigen

Häufige Begriffe und Wortgruppen

Beliebte Passagen

Seite 13 - Gnade, Herr,— sprach der kühne Degen — ich kam gezwungen hieher, und mein Fürst, der hier steht, gebot es bei seinen Hulden. Gott sei mein Zeuge, wie ungern ich diese Fahrt gethan; aber meinen Diensteid mußte ich lösen; wer mir das übel nimmt, dem lohne ich so, daß er sein letztes Wort gesprochen hat.
Seite 13 - Mit dem Ritter«, antworteten sie, »stehet es so, daß schwere Ungnade auf ihm lastet; möchte er deine Huld wieder gewinnen, so ließen wir ihn vor dir sehen.
Seite 107 - Einst ließen die Fischer den Zauberweiher zu Brückelsdorf ab, um die Fische herauszuholen, da kam ein fremdes Weib mit gelben Wangen und roten Augen, trat ohne Gruß in den Schlamm und nahm den größten Fisch heraus. Der Fischer rief zornig: „Laß, du Hex, meine Fische, und hole dir vom Teufel aus der Höll, wenn du deren nötig hast!
Seite 12 - Hiermit rüstete sich Heinrich zu dem Heerzug und kam bald nach Welschland zu der Stadt, wo die Deutschen lagen; . jedoch barg er sich vor des Kaisers Antlitz und floh ihn. Sein Zelt ließ er ein wenig seitwärts vom Heere schlagen. Eines Tages lag er da und badete in einem Zuber und konnte aus dem Bad in die Gegend schauen. Da sah er einen Haufen Bürger aus der belagerten Stadt kommen und den Kaiser dagegen reiten zu einem Gespräch, das zwischen beiden Teilen verabredet worden war. Die treulosen...
Seite 314 - Reigen, lock nimmer mich hinaus! Nimm mich in deine Mauern, du ödes Grafenhaus!« Graf Eberstein Zu Speyer im Saale, da hebt sich ein Klingen, Mit Fackeln und Kerzen ein Tanzen und Springen. Graf Eberstein Führet den Reihn Mit des Kaisers holdseligem Töchterlein. Und als er sie schwingt nun im luftigen Reigen, Da flüstert sie leise, sie kann's nicht verschweigen: »Graf Eberstein, Hüte dich fein! Heut nacht wird dein Schlößlein gefährdet sein.
Seite 12 - Da wurde er nothaft an Leuten und Mannen, und sandte heraus nach deutschen Landen: wer ein Lehn von dem Reiche trage, solle ihm schnell zu Hülfe eilen, bei Verlust des Lehens und seines Dienstes. Nun kam auch ein Bote zu dem Abt nach Kempten, ihn auf die Fahrt zu mahnen. Der Abt besandte wiederum seine Dienstleute, und forderte Herrn Heinrich, als dessen er vor allen bedürftig war. »Ach edler Herr, was wollt ihr tun«, antwortete der Ritter, »ihr wißt doch, daß ich des Kaisers Huld verwirkt...
Seite 13 - Teilen verabredet worden war. Die treulosen Bürger hatten aber diese List ersonnen; denn als der Kaiser ohne Waffen und arglos zu ihnen ritt, hielten sie gerüstete Mannschaft im Hinterhalte und überfielen den Herrn mit frechen Händen, daß sie ihn fingen und schlügen. Als Herr Heinrich diesen Treubruch und Mord geschehen sah, ließ er Baden und Waschen, sprang aus dem Zuber, nahm den Schild mit der einen und sein Schwert mit der anderen Hand und lief bloß und nackend nach dem Gemenge zu.
Seite 135 - Kameraden in der Grube so singen hörten, stimmten auch mit ein, und ihr Geheul kam manchmal so nahe, daß das Geigerlein, an welchem kaum ein einziger Wolf satt geworden wäre, geschweige zwei, jeden Augenblick fürchten mußte, es käme noch ein anderer, auch wohl noch ein dritter und vierter Gast zu feinem bischen Fleisch in die Grube herein.
Seite 135 - Wüste guckte indes einmal übers andere in die Höhe, ob's noch nicht Tag werden wollte; denn das Geigen war ihm sein Lebtag noch nicht so lang geworden und so ganz sauer und niederträchtig vorgekommen als da vor dem Wolfe, und er hätte lieber Holz dafür hacken wollen zwanzig Jahre lang, alle Wochentage. Ehe aber der Morgen kam, waren schon zwei Saiten an seiner Geige gerissen, und da es Tag wurde, riß die dritte, und der Geiger spielte nun bloß noch auf der vierten und letzten, und wäre die...
Seite 230 - Thun Mit eh'rnem Lügenmunde. Ob seinem frühen Schlage quält Sich, was auf Märkten handelt, Der Kranke, der die Stunde zählt, Der Reisende, der wandelt, Wie dulden es die Städter nur, Den Trüger stets zu hören? So wißt: sie mögen seiner Uhr Den alten Fluch nicht stören. Denn in dem dreißigjähr'gen Sturm, Im langen Iammerkriege, Da war der falsche Schwedenthurm Einst eines Gräuels Wiege.

Bibliografische Informationen