Ueber die deutschen Doppelwörter: eine grammatische Untersuchung in zwölf alten Briefen und zwölf neuen Postskripten

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J.G. Cotta, 1820 - 230 Seiten
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Seite 226 - Beziffern und Betonen zu kommen — verkennt sonst weniger als ich die wahren Vortheile, die wir in manchen Fällen, um nur zwei Arten, von Gesprächen anzuführen, davon ziehen. Den alten Horaz z, B. redet in seinen Satiren jeder Narr an, und er antwortet ihm, ohne daß die Alten nur durch die kleinsten „Gänsesüße" oder „Hafenöhrchen" angezeigt und unterschieden hätten, wer eigentlich rede.
Seite 92 - Jahre sind noch nicht 2» vorüber, welche unsere Gesetzgeber und Moses uns, wie der jüdische seinen Wanderstaat, in der Wüste herumziehen zu lassen haben, bevor wir sämmtlich abgegangen sind und unsere Kinder das gelobte Land der Verfassung wirklich erreichen. Große Fehler der deutschen Staaten — z. B. der Nachdruck, der Mangel an...
Seite x - Die deutsche Sprache bleibt unter allen europäischen Sprachinstrumenten eigentlich als die Orgel - doch soll auch die französische gelten als Schnarrwerk oder Flageolett und die englische als Bootmannspfeife - dastehen, und ihre Engelstimme und ihre Menschenstimme (vox angelica und humana) und ihr 32füßiges Grobgedackt und ihre vielen Mixturenregister sind ordentlich für dichterisch-fliegende yogier gemacht.
Seite 83 - die Sprache ist ein logischer Organismus, der sich seine Glieder nach so geistigen Gesetzen zubildet und einverleibt, als der leibliche sich die seinigen nach zusammen gesetzteren; aber wie dieser, treibt auch er zuweilen regellose Ueberbeine ect.
Seite 57 - 5 toberbriefe versucht, meine Freundin, zu bedenken an, zu welcher DisHarmonika sich unsere Sprache verstimmen würde, wenn man — aber lieber möchte ich mich mit dem Rücken an die Klaviatur einer mit allen Bälgen und Registern gezogenen Orgel andrücken und dem Durcheinanderheulen zuhören, als es in Dichtern ver- -» nehmen, wenn man einführte: der Katz-, Ratt- oder Ratzschwanz, der Roswangreiz (statt Rosenwangenreiz), das Pupp-, Nonn-, Wittw-, Wanzbein, der Büchsschaft.
Seite 1 - Grundworte1 verknüpft; und die menschlichen Ehen werden bei den verschiedenen Völkern kaum mannigfaltiger geschlossen als bei uns die grammatischen der Doppelwörter.
Seite 75 - ... hat es mit der Inconsequenz im Gebrauch oder Nichtgebrauch (s. oben I.) des s nicht viel zu sagen, da diese Ungleichheit ja bei en, n eben so obwaltet); hier also heißt es S. 75: „Es ist Pflicht, unsere auf knarrenden und kreischenden Mitlautern daherziehende Sprache wenigstens von dem Genitiv-s, als einem fünften Knarrad am Wagen zu befreien, und die Musik der Selbstlauter nach Vermögen vom Mitlautergekreische zu entfernen. In der That, dieses üble s sollten wir überall, wo es nicht hin...
Seite vi - ... Formen, und Beförderung des in vieler Hinsicht so unverzeihlich vernachläßigten Wohlklangs der deutschen Sprache. (Die rührenden Klagen Jean Paul's, S. IV- VII. über die vorzeitliche reiche Klang-Singstimme unserer Sprache sind umsonst; nur das Schlußwort bezeichnet, worauf es hier ankömmt: „Was ist zu thun? Wenigstens gewöhne man, da kein Echo des vorigen Wohlklangs aufzuwecken ist, ihr so viel Uebellaute ab, als man kann...
Seite 181 - Geschlechts zu gehören scheint, der Vater, des Vaters, das Glück, des Glücks. Da ich oben das Rettungsmittel, nach dem dieses S im Allgemeinen als Bindelaut mußte betrachtet werden, freiwillig aufgegeben habe, so bleibt nur übrig, zu zeigen, daß es allerdings ursprünglich ein allgemeines verbreitetes Zeichen des Zo Genitivs auch für Wörter weiblichen Geschlechts gewesen ist.
Seite 4 - Es gehört vielleicht unter die wenigen großen Entdeckungen, die in diesem noch jungen Jahrhunderte gemacht worden, und zwar von mir selber, daß ich die feste Regel herausgefunden, nach welcher I» sich die verschiedenen Bestimmwörter den Grundwörtern anknüpfen und die verschiedenen Klassen von Doppelwörtern bilden. Auch erfährt jeder unter dem Zusammenbauen eines Doppelworts die Hülfe einer ungekannt verwebenden Regel; denn Logik ist der Instinkt der Sprache.

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