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Urkunden ei» großes Gewicht, denn nicht nur in der Praxis wurde ihnen nachgegangen, sondern sie sind überhaupt als Ausdruck einer Gesammtüberzeugüng der wittenberger Reformatoren zu betrachte«:

Aus K. 0. S. 397 ff. Iii. M. 1 des Weimarer Communalarchivs. (Vgl. Zeitschrift für die historische Theologie IS60. S 46l ss,

Von denn Gradibus.

Die Zellische Ordenung, von den verboterien gradibus sol eintrechtiglich vndt gleich In Consistorijs gehalten werden, vndt sollen die Confistoria nicht darJn dispensiren, vor oder nach den Ehegelubdten, wer auch dawieder handelt sol von den Pastorn vndt Consistorien, der weltlichen Obcrkcit ahngezeigt werden, die sol ernstliche straff vben, doch soll vnterschiedt gehalten werden zwischen den Gradibus, die Gott außdrücklich Vorboten hat, vndt die In vnsern kirchen darüber angehengt sein Zuer Jnnerung vndt zu guter Zucht, denn die Gottichen vergebet feindt allen Creaturen ganz (un)dispensirlich vndt sollen mit ernster leibesstraff erhalten werden. Es sollen auch die Pastcrer In allen kirchen Jerlich Zweymal auff bestimpte Sontag dem volck das 18, Capittel Leuitici verlesen mit kurtzer erclerung vndt vermahnung, vor Ewigen vndt Zeitlichen straffen, die Got gewießlich ober alle Jncester sendet; dabej sollen sie auch die leuth von den andern verbottenen grabt deutlich vndt vnderschiedlich unterrichten, das sie sich weißen zue hutenn.

Von der Ehescheidung.
Diese Gotliche Regel Ist vnwandelbar, was Gott

zusammengefuget hat, soll kein Mensch scheiden, darumb hat Keine Oberkeit gewaldt Eheleut von einander zu reisen, sondern alle Oberkeit vndt Regimcndt seindt Got diesen Dienst schuldig, den Ehestandt, wie In Gott geordent hat zuerhalten, vndt alle verbotene Vermischung, vndt Zerstörung des Ehestandes, mit großem Ernste zuestraffen, vndt vornemlich so die Pastorn vom öffentlichen Ehebruch bericht werden, sollen sie dem Consistorio davon ahnzeigung thuen, das soll die gefallen Person Citiren vndt sie zur beßerung vermahnen, vndt mit der Publica Penitentia straffen Dabej sol die weltliche Oberkeit Ihr straff auch vben, Wie nhun die vnschuldige Person Claget, soll erstlich die Reconciliation versucht werden, vndt so dieselbe nicht crhaltew wurdt, vndt die vnschuldige Person begert, das sie ledig gesprochen werde/ sol der Richter nach erkundung, ob auch die Clagende Person ein gut Zeugnuß habe, sie lcdig sprechen, vndt zulaßen das sie sich wieder umb In einen Christlichen Ehestandt mit einer andern Person begebe, Vnd wurdt diese Ehe nicht durch den Richter zertrennet, sondern durch die schuldige Person, die wieder Gotes willen Ihren Ehestand selbstmutwilliglich zerreist, vndt In Gotes gericht vndt Zorn stell, Aber der Richter ercleret nach Gotes wordt, das die vnschnldige Person ledig seh wie Mattheij 19 geschrieben Ist, Lxoepto «asu Loortätioriis.

Vndt wie die Proceßur ordentlich zuhaltenn sindt, das wißen die verordentcn In den Consistorijs aus gemeinen Rechten, vndt sol vor solchen ordentlichen Proceß Keiner Person erleubet werden, sich In ein ander Ehestandt zu begeben, Es sollen auch die Pastores solche Personen nicht Tramm, wo sie nicht des Consistorij vrthel zuuor gesehen haben, vndt sollen den Ampt leuten bericht daruon thun, das sie folchs Zi'.sammenlauffen ohne Ordentlichen Proceß nicht gestatten.

Bon dem der nach der Ersten öffentlichen vorlobnus Eine andere beschlafft vndt Ehe zusagt.

So dieses vorfellet, das einer der ein Recht öffentlich vorlobnus mit einer gehalten hat, hernach eine andere beschlafft vnd Ihr auch eine Ehe zusaget, diese volgende beschlaffung Ist ohne Zweiffel ein Ehebruch, den die Erste öffentliche verlobnus Ist gewißlich eine Ehe, darumb sol der Theter als ein Ehebrecher gestrafft werden, mit der ?ubli«ä ?«euitentis vndt durch weltliche Oberteil vndt sol die versunung mit der ersten vorlubnuß vorsucht werden. So sie aber darouff beruget, das sie von Jme als von einem Ehebrecher ledig gesprochen werde, so(l) sie mit ordentlichen Procetz wie droben gemKdt ledig gesprochen werden, vndt sol Ihr vorleibet sein, sich wiederumb Christlich mit einem andern zuuorehelichen vndt so die ander von dem ersten verlobnus nichts gewust hat, sol Ihr auch erlaubet werden Christlich zu freyen, So sie aber das Erste verlobnuß gewust hat soll sie durch die weltliche Obcrkeit geburlich gestrafft werden, vndt soll pudliosui poenitelltiäm thun.

Vom weglauffen aus dem Ehestandt.

Die Gotlichc Regel, wie droben gesagt ist, Ist vnwandelbar, Was Got zusammen gefuget hat, sol niemandt scheiden. Wieder diese Gotliche Regel handeln alle die, welche boßhafftiglich weglauffen, vndt die verlobde Person, oder Ehegenoßen mit eigenem willen verlaßen, etliche aus vngedult, etliche aus bofer lust zu vngebundenem leben vndt zue Ehebruck, vndt laßen Ihre arme weib vndt Kinder In Hunger vndt Elend sitzen. Diese zerreifen selber Ihren Ehestand wieder Gotes willen, vndt fallen in Gotes gericht vndt Zorn, vndt wurdt solcher Ehestand nicht vom Richter zertrent, sondern der Richter thut erclerung nach Gotlicher schrifft, Corinth. 7, das die vnschuldige Person lcdig sei, wie droben vom Ehebruch gesagt, Vndt Ist dieses neinlich gcredt von boßhafftigen weglauffen, nicht von ehrlichen Personen die aus gebot Ihrer herrschafft In Legation, In Erlichen Kriegen, vndt andern Erlichen bcuolen fachen ziehen, oder gefangen werden, oder sonst mit bewilliaung der Hausfrawen ein Zeitlang ausbleiben, welche nicht seindt Desertores, den solche haben nicht ariimum cleserenlji vndt ist Inen hertzlich leidt, das sie nicht bej Ihrem weib vndt Kindern sein Können, von denselbigen Redet S. Paulus nicht, Who nhun eine Eheliche Person, nach der beschlaffung von der andern muthwilliglich weglauffet, so die verloffen Person Ehebruch trevbet, wie vielmahl geschiet, vndt die vnschuldige Person Claget, Ist zu Procediren, wie zuuor vom Ehebruch gesaget, vndt Ist nicht not lenger der Zeit zuerwartten.

So aber der Ehebruch nicht zuerweisen Ist, sol die unschuldig Person dreh Jahr vorziehen, vndt sich so viel möglich von der vntrcwen fluchtigen Person erkunden, vndt so sie wil ledig gesprochen werden, sol sie vmb Citatio» der fluchtigen Person bej dem Ccmsistorio ahnsuchen, die sollen nach ordentlichem Procesz vndt erkundung, ob die Clagende Person ein gut Zeugnus habe, So die fluchtige Person außcnbleibct, die ander vnschuldige Person ledig sprechen, vndt Ihr erlauben sich wiederumb Christlich zuuer Ehelichen.

Bndt dieses vrthel sol „durch die weltliche Oberkeit geschützt werden, also das die vntrew fluchtige Person, so sie wiederumb kommet nicht zur Clag, auch nicht Zur Zerrung der andern ehe zugelaßen werde, werde auch Zur straffe von wegen der geübten vntrewe Jmlande nicht geduldet.

Und vor solchen Sententz des Consistorij sol der vorlaßen Person nicht gestadt werden, sich wiederumb In den Ehestandt zubegeben, Es sollen auch die Pastores keine solche Personen trawen, sie haben den deß Consistorij vrthel gesehen, wie droben gcmeldt Ist.

So verlobte Personen vor dem beyliegen Zwej Jahr mutwilliglich auszbleiben, vnd die verlaßen Person Claget, vndt aufs die Citation die fluchtige Person nicht erscheinet, sol die Clagende Person ledig gesprochen werden, vndt sol Ihr erlaubet werden sich Christlich mit einem andern Zuuerehelichen, vndt so der fluchtige wieder kommet, soll er nicht zur Clag vndt zur Zerrung des Jtzigen Ehestandes zugelaßen werden, sol auch Zur straffe an demselbigen ort nicht geduldet werden.

Von der Seuitia, Veneficijs vndt etlich andern hochbeschwerlichen fellen, sollen die Conststoria dieselbige fachen ahn die Herschaft gelangen laßen, dieweil es doch solche Crimina seindt, darin man besondere leibesstraffen vom muß.

Von der Eltern bewilligung. Nach dem das ernstlich gebot Gotes du solt Vater vndt Mutter Ehren: alle Kinder Ihren Eltern Vätern vndt Muttern vnterworffen hat, vnd die Kinder nicht Ihr selb Herren feindt, fondern seindt In Ihrer Eltern gewaldt die sie durch Gotliche hulff erzeuget, vndt mit

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