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mit alten Schöffensprüchen, gelehrte Ausfürungen und Citate sind durchweg vermieden. Doch war die Bearbeitung der Justizangelegenheiten nicht das Einzige, was dem Kanzler oblag. Alle Regierungsfachen, die eine juristische, oder überhaubt gelehrte Bildung voraussetzen, fielen in sein Ressort. Als Dirigent der herzoglichen Kanzlei hatte er auch für alle Expeditionen zu sorgen, namentlich die in lateinischer Sprache selbst zu concipiren. Es würde zu Weit führen, wollte ich auf die inneren Regierungshandlungcn Herzog Albrechts näher eingehen, welche in die Amtszeit und unter den maaßgebenden Einfluß Johann Apels fallen. Als Angelegenheiten von höherer zum Theil bis in die Gegenwart hereinragender Bedeutung erwähne ich die Berathung und theilweise Feststellung (13. Dec. 1533) der Landesordnung ^), Stiftung und Bewidmung des großen Hospitals im Löbenicht (1531) "«), die Maaßnahmcn gegen die sich mächtig ausbreitende Sectc der Wiedertäufer

Ueber die letzteren spricht sich Apel in einem Brief an Seperat vom 18. Aug. 1531 folgendermaßen aus: „Es ist das Gewissen beschwerend, daß wir gegen ihren hartnäckigen Jrrthum uns so nachsichtig bezeigen, zumal da es klar am Tage liegt, daß die Phantasieen jener Leute erstens in sich Widersprüche enthalten, ferner der heiligen Schrift geradezu widerstreiten, endlich nicht mit der Gesammtüberzeugung, um mit Horaz zu reden, stimmen. Ich ermahne Euch daher, ehrwürdiger Vater, was ihr auch immer in dieser Sache thun möcht, mit Nachdruck und Eifer zu handeln".

Apel hatte sich das Vertrauen seines Fürsten bald erworben. Seine Rathschläge, seine Empfehlungen galten viel, ja es verknüpfte den von achter Humanität durchdrungenen Herzog und seinen Kanzler nicht bloß das kalte Dienstverhältnis^: aus der Zeit, wo dieses schon gelöst war, besitzen wir Zeugnisse, wie es das Band wahrer Freundschaft war, welches sich um den Fürsten und feinen Diener geschlungen hatte. Das wußte man im Lande wohl, und auch Männer wie Sperat, die selbst in hoher Stellung und großer Gunst standen, verschmähten es nicht, Apel um seine Fürsprache anzugehen, wenn sie etwas bei dem Herzog erreichen wollten.

Die Lage Markgraf. Albrechts war keine beneidenswerthe. Ueberall trat ihm bei dem Bestreben, seinem Land die Segnungen einer höheren Cultur zu verschaffen, die Rohheit und der widerspenstige Sinn seiner Unterthanen entgegen. Dazu offene oder noch gefärlichere heimliche Feinde ringsum. Nicht ohne Sorge blickte der Fürst auf die Anstrengungen der deutschen Herren, das verlorene Ordensland wieder zu gewinnen ^'). Die im Jahr 1532 wider ihn erkannte Reichsacht war ihm keineswegs gleichgültig. Bedenken verursachte auch das Verhältnis; zu der Krone Polen. Wohl hatte Albrecht sein Land von ihr zu Lehen genommen, um einen Rechtstitel für seinen Besitz und einen mächtigen Schutz gegenüber dem Orden zu haben, aber er war keineswegs gewillt, dadurch seiner Selbstständigkeit oder seiner Ehre etwas zu vergeben. Nun waren aber zur Zeit, von der wir handeln, Dinge vorgekommen, welche einestheils bewiesen, daß man in Polen die Hoheitsrechte Albrechts nicht hinlänglich respectirtc, anderntheils aber zeigten, daß man ihn mehr als Inhaber einer unterworfenen Provinz, wie als Herrscher über einen zwar selbständigen, aber doch gleichberechtigten Bestaudtheil des Reichs betrachtete. König Sigismund I. hatte im Jahr 1529 von den Polnischen Ständen seinen Sohn Sigismund August zum König wählen lassen, ohne Albrecht zuzuziehen^). Der Herzog verlangte deshalb vor Allem bezüglich der Königswahl Zusicherung von Sitz und Stimme^). Zugleich brachte er zwei andere Beschwerdepunkte vor. Es war geschehen, daß Unterthanen Albrechts von dessen Urteilen an den Polnischen Hof appellirt hatten und daß die Appellationen angenommen worden waren; ferner, daß der König von Polen Widersachern des Herzogs freies Geleit ertheilt hattet). Auf zwei Polnischen Reichstagen waren die Wünsche und Beschwerden Albrechts unbeachtet geblieben. Aber auch als der Herzog im Januar 1533 eine besondere Gesandtschaft'^) an den Reichstag in Petrikau abfertigte, in welcher sich Johann Apel befand^), ließ sich nichts erreichen. Die Gesandten, mit allen ihren Anträgen zurückgewiesen, kehrten unverrichteter Sache zurück ^).

Apel machte auf dem Reichstag die Bekanntschaft des Königlichen Generalsecretärs Jan z Choinic Choinski, Bischof von Przemysl^), Er widmete ihm nachmals seine AstKoäioa äisleotiosg ratio „allein darvmb, das er mit seiner Person (dem Herzog Albrecht) ethwas mehr sreuntschaft haben möcht. Den wie ich inen an sich (wie ich ihn ansehe), so Wirt er in der krön (Polen) vill werden""»).

Dies führt mich zurück zu Apels schon vorhin geschildertem Werk^»). Das Dictat, über welches ich berichtete, war vielfach abgeschrieben und auch über Wittenberg hinaus verbreitet worden. Den Autor mahnten seine Freunde, an die Herausgabe zu denken, sonst sei Gefahr, daß irgend ein habsüchtiger Drucker zum Nachtheil der Correctheit des Buches und der Ehre des Verfassers zuvorkomme. Unter den Mahnern ist auch der bekannte Baseler Professor Claudius Cantiuncula, welcher, wie bereits erwähnt, schon früher ein ähnliche Zwecke verfolgendes Werk^) veröffentlicht hatte So entschloß sich Apel endlich zur Publication. Am 1. April 1533 schrieb er die Widmungsepistel an Jan Choinski. Aber noch vier Monate brauchte er, um die letzte Feile anzulegen, denn das Nachwort ist datirt: Königsberg am 31. Juli 1533. Schon vorher hatte er die Beispiele um etwa 200 Stück vermehrt. Auch die Pandektenausgabe Gregor Haloanders („qui laeeras paucteots,« beneKoi« et impevss, srnplissimi «räiuis Keipub. Rorembei'Zeiisis, patriae nostras iZuloissimae, iuteZritati pristirme restituit") ^2) ihm Veranlassung eine Reihe von Verbesserungen und Bemerkungen zu machen. Er schickte nun das Manuscript nach Deutschland, damit es von einem tüchtigen Drucker abgesetzt werde. Allein es scheinen sich noch Schwierigkeiten entgegengestellt zu haben, denn erst um Fastnacht 1535 druckte Friedrich Peypus in Nürnberg die „Netkoäios, (iisleetiees ratio, »6 iurisprucieritiam aäoommoäats," in 1000 Exemplaren. Letztere waren schon zu Pfingsten desselben Jahres fast alle verkauft"»).

Doch ich bin meiner Erzählung vorausgeeilt. Es bleibt noch ein Blick zu werfen auf Apels Aufenthalt in Königsberg. Von häuslichen Leiden blieb er auch in dieser Stadt nicht verschont. So mußte er im März 1531 an Sperat schreiben: „Meine Frau liegt hart danieder, Gott erbarme sich unser" !"^) Aber auch die Gesundheit des Mannes selbst begann zu wanken. Er meint, die rauhen Seewinde feien ihm nicht zuträglich gewesen I« den Stunden des Unwohlseins

aber regte sich bei den Gatten die Sehnsucht nach der milden fränkischen Heimath, es zog sie zurück zu den grünbewaldeten Hügeln und ragenden Burgen, zu den hochgebauten Städten mit thurmreichen Munstern, Als daher im Frühling des Jahres 1534^") sich Gelegenheit bot, die im Jahr 1527 abgebrochenen Unterhandlungen mit dem Rath zu Nürnberg wiederanzuknüpfen, wieß dieselbe Apel nicht von der Hand, Es kam diesmal zum Abschluß. Apel sollte zu Pfingsten d. I. in Nürnberg eintreffen. Allein Herzog Albrecht bat in einem besonderen Schreiben (vom 16. April 1534) den Rath zu Nürnberg, seinem Kanzler zu gestatten, noch einige Monate zu bleiben^'). So verabschiedete sich Apel erst im Juli d. I. von feinem gnädigen Fürsten'^). Diesem war es zwar schmerzlich, den treuen und geschickten Diener zu missen, allein er bedurfte gerade damals auch in Deutschland wachsamer und thätiger Freunde und so setzte er Apels Abgang keine weiteren Hinvernisse in den Weg. Die Reife ging über Danzig, Wittenberg, Leipzig, Weimar und dauerte, einschließlich eines achttägigen Aufenthalts in Wittenberg, vierzig Tage Zu Anfang Septembers 1534 ließ der Rath zu Nürnberg, wie es mit Männern von Bedeutung zu geschehen pflegte, Apel den Wein schenken"").

Die Stellung, welche Apel in seiner Vaterstadt einnahm , war die eines Rathsconsulenten und Advokaten. Seine Gesundheit verbesserte sich zusehends und er schrieb jener Zeit ziemlich vergnügt an Herzog Nlbrecht und Spcrat"'). Noch im Jahr 1534 suchte der Bruder Albrechts, Markgraf Georg, Apel nach Anspach zu ziehen. Er ließ ihm die dortige „Dechanteh, an (ohne)

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