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Die Belagerungsübungen zu Jülich im September 1860.

(Mit 7 Tafeln.)

(Nach Mittheilungen des k. k. Generalmajors Fabisch.)

(Schlus s.)

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VI. Versuche und Arbeiten, ausgeführt von Seite des Ingenieur-Corps.

(Hiezu Tafel No. 26 und 27.) Bei der Schilderung der Schiessversuche wurden bereits die Wirkungen der verschiedenen angewendeten Geschosse gegen die einfache und die doppelte volle Sappe, gegen die Erdwalze (türkische Sappe), die Roll- oder Walzkörbe, gegen Sandsackmasken, verschiedene Blockhauswände, Gewehrscharten, eiserne Sappekörbe und eiserne Schartenblendungen, so wie die Schlussfolgerungen, welche sich aus denselben ergeben, angeführt; ferner wurde auch erwähnt, dass wegen Mangel an Zeit und der meist schlechten Witterung weder die Parallelen, die Annäherungen noch Verbauungen. vollkommen zur Ausführung kommen konnten, dass die ausgeführten Arbeiten nicht den Zweck hatten, ein schönes Bild zu verschaffen, dass endlich viele Arbeiten, welche im Ernstfalle nur bei Nacht geschehen können, bei Tage bewirkt werden mussten und man sich überhaupt nicht ängstlich an die bei derlei Ausführungen zu nehmenden Vorsichten gehalten habe.

Es erübrigt also blos noch nachstehende interessante Arbeiten anzuführen u. z.:

1. Übergang über einen nassen Graben. Folgendes hatte hiebei als Richtschnur zu dienen:

Bis zum Wasserspiegel wird ein Faschinendamm angelegt; Sandsäcke bewirken in der Höhe von 2 Fuss die Ausgleichung. Die Letzteren werden auch als Maske zur Deckung der Front und zur äusseren Verstärkung der beiden Seitenbrustwehren, welche durch eine Doppelreihe gekrönter Schauzkörbe gebildet werden, verwendet; über selbe kommt eine 7 Fuss im Lichten breite Dammkrone.

Die Faschinen, entweder 6 Zoll stark, 6 Fuss lang, 3mal gebunden, mit zwei Ziegelsteinen (eingebunden) 35 Pfund schwer — oder 8 Zoll stark, 6 Fuss lang mit 24/2 Ziegelsteinen, 46 Pfund schwer, werden im ersteren Falle von einem Manne, im letzteren von zwei Mann geworfen.

Ein Schanzkorb mit losem Strauch gefüllt und mit 3 Steinen belastet, 87 Pfund schwer, schwimmt noch.

Sandsäcke, 35 Pfund schwer, werden rückwärts über den Korb und die Frontmaske zur Ausgleichung der Dammkrone geworfen. Österreichische militärische Zeitschrift. 1861. XVI. (3. Band.)

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Zur Bildung der Maske vor dem Ausgange des Grabenniederganges werfen zwei Mann Faschinen über denselben nach vorne und den Seiten, bis der Damm die Höhe des Wasserspiegels erreicht, und darüber ebenso Sandsäcke; die Sandmaske wird dann in der Front durch Überwerfen allmählich vorbewegt, um auf jeder Seite einen Korb setzen zu können; es sind diess die beiden äusseren Körbe (des Profils), die innere Reihe kommt bei dem weiteren Vorschreiten des Dammes nachträglich auf Faschinen zu stellen.

2. Krönen der Minentrichter mittelst der Erdwalze.

(Tafel No. 26, Fig. 2 und 2 a.)

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Die bisherige Art den Trichterrand mit Körben zu krönen, stellt sich als ungenügend heraus, da die Körbe leicht umgeworfen werden und der Trichter, wenn derselbe mit Hohlgeschossen, Steinen u. s. w. anhaltend beworfen wird, nicht zu

, behaupten ist.

In Folge der Erfahrungen, die man bei Sebastopol gemacht, wurde eine neue Art des Krönens versucht (banquet de surveillance).

Die zwei Sappeure rücken arbeitend, an der inneren Böschung des Trichters gedeckt aufgestellt (7 Fuss unter dem Trichterrand), gegen den Trichterrand vor, indem sie den losen Boden zur Seite und gegen die Brust werfen. Im Trichterrand angekommen, geht No. 1 rechts weiter, während No. 2, sobald sie Platz gewinnt, eben so links geht, bis die Erdwalze in der Front des Trichterrandes geschlossen ist. Der Graben wird anfangs so schmal als möglich gebalten (11/2 bis 2 Fuss) und nur nach und nach erweitert. Die Tiefe desselben richtet sich nach dem Defilement.

Schneller und einfacher lässt sich das Krönen des Trichters mit Schanzkörben, die ausserhalb parallel zum Trichterrand aufgestellt werden, ausführen; es wird auf diese Art derselbe Vortheil, d. i. die Deckung gegen Sprengstücke in den Trichter fallender Hohlgeschosse etc. erreicht, jedoch muss diese Arbeit ungedeckt ausgeführt werden.

3. Demolirung der Kehlmauer der Lunette B mittelst einer Mine zum Ausbruch in die

Communication.

(Tafel No. 26, Fig. 1 und 1 a.)

150 Pfund Sprengpulver wurden rückwärts der freistehenden crenelirten Mauer mittelst Schacht bis zur Höhe der Grabensohle versenkt. Die kürzeste Widerstandslinie betrug 7 Fuss 11 Zoll. Die Zündung geschah mit der Stoppine im Bleirohr.

Die Kehlmauer war unten auf eine Länge von 6 Klafter, oben 7 Klafter 4 Zoll vollkommen zerstört und in den Graben geworfen, einzelne Mauertheile und Ziegeln wurden 60 Schritte weit gegen die Citadelle geschleudert. Die Wirkung war zu stark, weil durch die allzu breite Bresche die Deckung gegen die Festung verloren ging. Im Ernstfalle wäre die Kehlmauer nach Aufgeben der Lünette von Seite des Vertheidigers von diesem Zusammengeschossen worden.

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4. Demolirung des Blockhauses im ausgehenden Waffenplatze vor der Citadell - Contre

garde II mittelst Minen.

(Tafel No 26, Fig. 3, 3 a und 3 b.) Aus dem Minenlogement wurde eine 45 Fuss lange mit 1.5 Zoll fallende Gallerie 2 Fuss 6 Zoh breit, 5 Fuss hoch mit holländischem Rahmen bis unter das Fundament des Blockhauses vorgetrieben; die Kammer wurde an der Seite der Gallerie angelegt; der Pulverkasten ganz versenkt; die Pulverladung betrug 100 Pfund; Verdämmung auf 21 Fuss Länge aus Ziegeln mit Rasen und Erde. Die Zündung geschah mit der Stoppine im Bleirohr.

Ohne einen Trichter zu erzeugen, fiel das Blockhaus in sich zusammen; nur ein Theil der Reversseite blieb stehen; die Ständerung war zusammengeklappt, die Bombenbalken lagen auf dem Ziegelschutte.

5. Breschminen in der linken Face der Citadellen-Contregarde II.

(Tafel No. 26, Fig. 4, 4a und 46.) Diese Façe hat eine im Fundamente sehr stark gehaltene halb anliegende EscarpeBogenmauer, in welcher eine breite gangbare Bresche erzeugt werden sollte, um nach ihrer Erstürmung sich auf dem Werke verbauen zu können.

Es wurde 2 Fuss über der Grabensohle, 2 Fuss im Quadrat, ein horizontaler Zweig eingebrochen und selber dann in der Erde hinter der Mauer auf 3 Fuss Höhe vergrössert.

Der gerade Zweig, senkrecht auf die Escarpe, wurde 23 Fuss lang und der Ofen an der rechten Seite der Gallerie mit nicht versenktem Pulverkasten und 300 Pfund Ladung angelegt. 10 Fuss von der Escarpe einwärts wurde mit einem Zweige unter 90 Grad ausgebrochen und derselbe längs der innern Mauer bis an den Pfeiler 7 Fuss lang vorgetrieben. Eben so wurde 21 Fuss 9 Zoll von der Escarpe rechts mit einem Zweige rechtwinkelig ausgebrochen; derselbe in dieser Richtung 14 Fuss 6 Zoll und hinter dem Pfeiler noch 11 Fuss 3 Zoll gegen die Escarpe vorgetrieben.

Alle diese Zweige wurden mit holländischen Rahmen ausgeführt. Die Ladung der beiden letzteren Öfen betrug je 100 Pfund, die kürzeste Widerstandslinie des mittleren Ofens war 17 Fuss, die Verdämmung wurde bis in die halbe Dicke der Escarpe, d. i. 5 Fuss von der äusseren Flucht mit Ziegeln und Erde hergestellt.

Die Zündung aller 3 Öfen geschah gleichzeitig auf galvanischem Wege.

Die Wirkung war eine vollständige; die Erde und das Mauerwerk wurden etwas gehoben und stürzten dann in den Graben; von der Escarpe war nebst dem Bogen, unter welchem die Minen sich befanden, rechts und links je noch ein Bogen eingestürzt; an der Brustwehrkrone war ein Trichter erzeugt, der die Kammlinie fast tangirte und der an der vorderen Seite der Krone 21 Fuss im Durchmesser hatte.

Die Bresche war vollkommen gangbar und 51 Fuss breit.

6. Demolirungsminen unter der rechten Face der Citadellen-Contregarde II.

(Tafel No. 26, Fig. 3, š a und 56.) Aus der supponirten Verbauung auf der Contregarde II wurden drei Gallerien, 26 Fuss Mitte von Mitte unter 40 bis 45 Grad Fall, vorgetrieben und aus jeder derelben links mit einem 13 Fuss langen Zweige horizontal ausgebrochen. Die fallende Gallerie zunächst der Capitale und die Mittlere waren in der horizontalen Projection jede 15 Fuss, die letzte 13 Fuss lang. Die Kammern lagen bei beiden links seitwärts der Gallerie und ganz versenkt. Die kürzeste Widerstandslinie war bei 14 Fuss, die Ladung betrug 400 Pfund. Die Zündung geschah auf galvanischem Wege.

Die Trichterauswürfe wurden 8 bis 10 Fuss emporgehoben und in den Graben geworfen; die anliegende Escarpemauer war 8 Fuss über der Grabensohle und auf 62 Fuss Länge demolirt. Der Trichterrand tangirte das Bankett und der grosse Durchmesser betrug 68 Fuss; man konnte keine Grenzen der verschiedenen Trichter unterscheiden.

7. Sprengung zweier überladener Minen vor Ravelin II. Aus dem Minenlogement wurde mit zwei Rahmengallerien auf 62 Fuss Entfernung ausgebrochen, selbe fallend auf 43 Fuss Länge und parallel zu einander vorgetrieben. Die Entfernung der Kammern war 62 Fuss; die kürzeste Widerstandslinie 19 Fuss 6 Zoll.

Das Erdreich bestand aus feuchtem Sand mit Lehm untermengt; 1 Kubikfuss wog beiläufig 108 Pfund, die Ladung jeder Kammer betrug 15 Centner, normal bätte sie 751 Pfund sein müssen.

Der Pulverkasten war an der Stirn der Gallerie halb versenkt; die Verdämmung bestand aus Ziegeln mit Rasen; die Zündung geschah auf galvanischem Wege.

Die Minengarbe wurde auf 20 bis 25 Fuss Höhe gehoben und dann aus einander geschleudert, kleinere Partien wurden über 60 Fuss hoch emporgerissen. Die beiden Trichter waren gleich rein ausgebildet, nur wenig Erde war in selbe zurückgestürzt; der eine hatte fast eine elliptische Gestalt. An der Oberfläche betrug die grosse Axe 48 Fuss, die kleine 41 Fuss, die Tiefe 14 Fuss, die grosse Axe war in der Richtung der Gallerie, der Aufwurf um den Trichterrand 4 bis 5 Fuss hoch.

Der zweite Trichter war nahezu kreisrund mit 45 Fuss Durchmesser, 10 Fuss unter dem natürlichen Horizont tief. Auch hier ragte der Aufwurf über den Trichterrand 4 bis 5 Fuss empor.

8. Vier Steinminen (Fougassen). Dieselben waren im gedeckten Wege seitwärts der zu stürmenden Blockhäuser gegen die Minentrichter und Sturmcolonnen angelegt. Die Entfernung derselben von den Mittelpunkten der Trichter betrug 75 und 84 Schritte.

Je zwei Fougassen unter 45 Klafter mit ebenen Backen von den gewöhnlichen Dimensionen auf horizontalem Terrain waren in einer Entfernung von 8 Schritten neben einander angelegt und wurden gleichzeitig auf galvanischem Wege entzündet. Die Ladung betrug 20 Pfund Pulver und 20 Kubikfuss Steine (von Faustgrösse).

Jeder Streuungskegel war bei 100 Schritte lang und 60 bis 80 Schritte breit und ziemlich dicht besäet.

9. Demolirung der Stadtbefestigung von Jülich.

(Tafel No. 27, Demolitions-Minen in der Stadt-Bastion No. III.) Die Ladungen wurden mittelst Schachtminen von oben eingebracht; dieselben waren so berechnet, dass sie gerade nur zum Umlegen des Escarpen-Revêtements hin

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