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hende Brigade Deconchy der Division Marcognet näher herangezogen. Um diese Zeit hatte Murat die römischen und toskanischen Departements vollständig besetzt, hielt Rom, Ancona, Civitavecchia und andere Punkte eingeschlossen und stand mit der Spitze seiner Armee in Modena und Reggio, somit dem Vicekönig in Flanke und Rücken, indess der FM. Graf Bellegarde sich anschickte in der Fronte vorzudringen. Es würde eine bare Thorheit gewesen sein, bei einer solchen Überflügelung sich noch länger an der Etsch behaupten zu wollen.

Der Moment war eingetreten, welchen der Vicekönig längst vorhergesehen hatte. Um demnächst beide Gegner wieder vor die Fronte zu bekommen, musste man zurückgehen. Diess sollte jedoch blos Schritt für Schritt geschehen; der Mincio, Oglio, die Adda und der Po bezeichneten die betreffenden Abschnitte. Keine Übereilung durfte dabei eintreten, denn nachdem Napoleon's Siege oder Niederlagen in Frankreich auch für die Operationen in Italien massgebend wurden, so hegte man an der Etsch eben jetzt wieder leise Hoffnungen auf einen glücklichen Ausgang des Krieges.

Ein Rückzug hinter den Mincio blieb für die weiteren Operationen um so weniger nachtheilig, als man ja noch alle festen Plätze des Landes besass und den Gegner dadurch zwang, seine eigentliche Operations-Armee zu schwächen, wodurch auf alle Fälle ein Gleichgewicht der Kräfte entstand, ja dem Vicekönig sogar die Aussicht eröffnet wurde, im freien Feld überlegen zu bleiben.

Der FM. Graf Bellegarde hatte seine Feldtruppen damals zwischen Vicenza und dem Alpon versammelt und bedrohte Verona, das sein nächstes strategisches Object bildete. Um dieser Stadt eine gewaltsame Besitznahme zu ersparen, sendete der Vicekönig seinen Adjutanten Obersten Bataille an den FM. Bellegarde und liess ihn von seinem bevorstehenden Rückmarsch hinter den Mincio in Kenntniss setzen. Bei dieser Gelegenheit wurde verabredet, „dass die Stadt Verona erst nach erfolgtem Abzug der Franzosen durch die Österreicher besetzt werden solle, im Übrigen aber jeder Theil für seine Operationen freie Hand behalte, und die Feindseligkeiten nicht unterbrochen würden“.

Der Vicekönig zog die seit 17. Januar bei Zevio gestandene Reiterbrigade in die Stadt, verstärkte diese 1200 Pferde durch zwei Bataillone der Division Quesnel und übertrug dem General Bonnemain zugleich mit dem Befehl über die Nachhut auch die gänzliche Räumung von Verona, an deren Bewohner er noch schöne Abschiedsworte richtete.

Nachdem schon seit 1. Februar verschiedene Truppentheile hinter den Mincio zurückgesendet worden waren, begann die eigentliche Rückzugsbewegung am 3. und zu deren Sicherung blieben die Divisionen Quesnel und Rouyer für diesen Tag noch längs der Etsch stehen. Die Infanterie-Divisionen Marcognet, Fressinet, Zucchi und Palombini, die Garde und zwei Brigaden der Reiterdivision Mermet gewannen den Mincio. Die ganze retrograde Bewegung war staffelförmig und echt militärisch eingeleitet. Die auf dem Hochplateau von Rivoli stehende Division Palombini ging von der Madonna della Corona gegen Castelnuovo, liess aber ihre Feldwachen vorerst noch am Montebaldo. Die Division Marcognet und die Garde nahmen ihren Weg über Villafranca auf Mantua, die Reiterei ging über Goito auf Piubega, die Division Fressinet über Valeggio. Am 4. folgten auch die Divisionen Quesnel und Rouyer und die Division Palombini rückte zu Peschiera ein. Für seine Person verblieb der Vicekönig bei der Nachhut, welche gegen acht Uhr Morgens am 4. Verona zu räumen begann und die Strasse auf Villafranca einschlug. Im Castelvecchio blieben nur 130 Mann, zum Theil Invaliden, die man, wie wir später erfahren werden, erst eine Woche später zum Abzug zwang.

Der FM. Graf Bellegarde liess zwei seiner Infanteriedivisionen nach Veronetta einrücken, als die Franzosen kaum noch zum jenseitigen Thore hinaus waren. Schon um 9 Uhr Vormittags traf er Anstalten, um die Etsch zu überschreiten und um Mittag war die Besitznahme von Verona eine vollbrachte Thatsache.

Um diese Zeit rückte die Division Radivojevich bis Dossobuono und schob die Brigade Steffanini (4 Bataillons, 6 Escadrons, 1 Batterie) gegen Villafranca, wo die feindliche Nachhut sich aufgestellt hatte. Ihre Reserve hielt vor Mozzecane.

Gegen vier Uhr Nachmittags entspann sich hier ein Gefecht, das zwar keine besonderen Verluste brachte, aber auch von keinem Erfolge begleitet war. Bonnemain mit seinen 2 Bataillons und 5 Escadrons leistete trefflichen Widerstand und ging sogar zur Offensive über, ganz im Geiste seines Kaisers. GM. Steffanini musste mit 2 Compagnien Warasdiner Kreutzer, 2 Compagnien vom 10. Jägerbataillon und 1 Uhlanenschwadron zwei kräftige Gegenangriffe abweisen, wobei der Fähnrich Wladich von den Warasdiner Kreutzern den Heldentod starb und der Hauptmann Graf Bellegarde vom 10. Jägerbataillon verwundet wurde. Oberst von Gorczkowsky, ein uns allen unvergesslicher Veteran, focht mit 3 Schwadronen des von ihm befehligten Uhlanenregiments Erzherzog Karl bis zehn Uhr Abends eben so tapfer als umsichtig. Man hatte viel Geschützmunition verbraucht. General Bonnemain zog nach Mitternacht in excentrischer Richtung, nämlich gegen Mantua und Valeggio ab ).

Am 5. stand auch die feindliche Nachhut vollends hinter dem Mincio.

Von der österreichischen Armee gingen die Spitzen der Vortruppen bis in die Nähe des Flusses. FML. Marquis Sommariva mit dem rechten Flügel aus Südtirol hatte schon am 4. bei Dolce die Etsch überschritten, stand am 5. auf dem Plateau von Rivoli und hielt Lazise, Pacengo, Colà, Sandrà und Castelnuovo. Die Division Radivojevich rückte auf Villafranca, die zur Blockade von Mantua bestimmte Division Mayer bis Roverbella und stellte ihre Posten in Castiglione, Mantovano und Decastelli. Die Divisionen Pflacher und Mirvelle trafen am 5. erst zu Verona ein, wohin auch das Hauptquartier kam.

Die Stellung des Vicekönigs hinter dem Mincio hatte, bei einer Ausdehnung von sechs Meilen, ihren rechten Flügel an Mantua, den linken an Peschiera gestützt, die Mitte stand bei Goito und Borghetto. Bei den gesicherten Flussübergängen war diese Stellung eine rein offensive.

In derselben standen die Truppen wie folgt:

In Mantua, woselbst sich auch das Hauptquartier befand, die Garde nebst den Infanteriedivisionen Zucchi und Rouyer und eine Cavalleriebrigade. Von der

1) Unbegreiflich erscheint es, wie französische Autoren dieses Nachhutgefecht in einer Art

schildern, um den General Bonnemain als Sieger daraus hervorgehen zu lassen. So schreiben Manche Geschichte!

Infanterie waren 2 Bataillons in die Brückenschanzen von Borgoforte, 2 andere in jene bei Governolo entsendet.

Am rechten Oglioufer in Macaria Bozzolo und Conkurrenz stand die Infanteriedivision Marcognet und eine Reiterbrigade.

In Peschiera und Monzambano die Division Palombini.

In Borghetto, Volta und gegenüber von Pozzolo die Division Fressinet, welche sich nach beiden Seiten verband.

In und bei Goito die Division Quesnel nebst einer Cavalleriebrigade.
In Rivalta, Sarginesco und Castellucchio eine Reiterbrigade.
Längs dem rechten Mincioufer standen die nöthigen Beobachtungsposten.

Noch am 5. und 6. hatte der Vicekönig die Minciolinie besichtigt und überlegt, wie er dem Einen oder Andern seiner Gegner Eins zu versetzen vermöge.

Der FM. Bellegarde zog am 6. seine letzten Truppen durch Verona in die Centralstellung von Villafranca, indess FML. Baron Mayer von Heldenfeld die Punkte Marmirolo, Marengo, Villabona, Pero und alle Ortschaften zwischen den Strassen nach Goito und Mantua besetzen liess. Die in Legnago stehenden Brigaden Eckhart und Spiegel (zusammen 8 Bataillons, 8 Escadrons, /Dreipfünder-Batterie) wurden auf Ostiglia beordert, um den äussersten linken Flügel des Blockadecorps vor Mantua zu bilden. Der Marsch der Brigade Eckhart aus der Polesine gegen Castellaro war durch grundlose Wege und durchstochene Dämme verzögert worden. Dennoch erreichte diese Brigade am 4. Februar Bergantino und am 6. Melara 1).

Noch am 6. war Bellegarde nach Bologna geeilt, um sich mit dem König von Neapel, oder eigentlich mit dem FML. Grafen Nugent über die demnächstigen Operationen zu besprechen und wo möglich darüber in's Klare zu kommen, ob man auf eine ernstliche Mitwirkung der Neapolitaner zählen dürfe. Während seiner Abwesenheit von Verona war das Hauptquartier von dort nach Villafranca übersetzt worden.

Überblickt man im Allgemeinen die damaligen Verhältnisse des österreichischen Heeres in Italien, u. Z. auf beiden Ufern des Po, so waren diese ungefähr folgende:

FML. Nugent hielt am rechten Po-Ufer die Punkte Castelfranco, Finale und Bondeno, somit die Linie des Panaro und stand mit dem Rest seiner Truppen zu Bologna, wo selbst sich auch die Neapolitaner befanden. Er war durch die nach Ferrara dirigirten Brigaden Gober und Starhemberg verstärkt worden und hatte jedenfalls die directe und kürzere Linie über Modena, Reggio und Parma auf Piacenza, das mit vier starken Märschen erreicht werden konnte. Der Vicekönig hatte zwar vom Mincio dorthin auch nicht weiter, allein er musste dabei noch den Po überschreiten, was viele Zeit und Vorbereitungen beansprucht. Es war somit anzunehmen, dass FML. Nugent bei einiger Anstrengung diesen Übergang hindern konnte, falls Murat's Willfährigkeit dazu mitwirken würde.

Am linken Po-Ufer blockirte FML. Baron Marschall das ausgedehnte Venedig von der Landseite, GM. Csivich die Festungen Palmanuova und Osoppo, GM. Fölseis

4) Die Bewegungen der Brigaden Eckhart und Spiegel sind in den Feldacten nur flüchtig behan

delt. Dass beide am Gefechte des 3. Februar Theil nahmen, ist gewiss. Es scheint, dass die Brigade Spiegel über Ostiglia, Nogara und Isola della Scala auf Villafranca gerückt sei, denn wir finden selbe am 7. dort bei Mozzecane als Rückhalt. Die Brigade Eckhart kann nur auf der Strasse von Castellaro gegen San Giorgio am Gefechte Theil genommen haben.

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Legnago. Die Brigade Vlasits hielt Peschiera, die Division Mayer das wichtige Mantua, jedoch blos am linken Mincioufer eingeschlossen. Die zu den Operationen im freien Feld bestimmten Truppen lagerten zwischen Etsch und Mincio. Nur die Brigade Stanissavlievich (6 Bataillons, 1 Escadron, 8 Geschütze) operirte in den Judikarien, somit getrennt von der Armee und nach der Schule Alvinczy's jenseits des Gardasees mit der Bestimmung Rocca d'Anfo einzuschliessen und durch die Val Sabbia und Trompia gegen Brescia zu streifen, woselbst General Bonfanti nur einige wenige italienische Truppen befehligte. Ganz sicher wären die 4000 Mann des GM. Stanissaylievich weit besser am Mincio selbst verwendet worden, nachdem die Festungsblockaden ohnehin bei 24.000 Mann beanspruchten.

Bei einer vorgenommenen Erkennung hatte man nur wenige feindliche Truppen jenseits des Mincio wahrgenommen. Zugleich ward in Erfahrung gebracht, dass blos zwei Infanteriedivisionen zunächst am Flusse standen, der Rest aber sich im Rückzug auf Cremona befinden solle.

Diess war nun allerdings eine falsche aber keineswegs unwahrscheinliche Nachricht, wenn man noch dazu die politische und militärische Lage des Vicekönigs in's Auge fassen wollte. Der Letztere hatte ein derartiges Gerücht absichtlich aussprengen lassen, denn selbes diente seinen Zwecken; überhaupt hatte er mancherlei Anordnungen getroffen, die auf einen Rückzug deuteten 1) oder wenigstens auf die Absicht, gegen die Neapolitaner zu entsenden.

Alle diese Nachrichten und Wahrnehmungen bestimmten den FM. Grafen Bellegarde zu unverweiltem Handeln. Er beschloss, so viel diess in seiner Macht stehe, den Rückzug des Feindes zu stören und den Mincio zu überschreiten, in der Voraussetzung, dass die Franzosen denselben gänzlich verlassen hätten. Vermuthlich baute der österreichische Feldherr bei seinem Plan allzuviel auf die falschen Versprechungen des Königs von Neapel. Jedenfalls aber hätte er nicht unterlassen sollen sich zu vergewissern, ob der Vicekönig wirklich im Rückzug sei, wozu es mehr denn ein Mittel gab und schon der leiseste Angriff auf die Brückenschanzen von Monzambano und Goito in's Klare bringen konnte.

Die Berechnung war in so weit richtig, als eine solche Offensivbewegung jedenfalls nur ein erhebliches Resultat liefern konnte, wenn am rechten Po-Ufer mit gleicher Kraft gehandelt werden würde.

Die Operation ward für den 8. Februar festgesetzt und die Generäle Nugent und Eckhart darnach verständigt.

(H.)

1) GL. d'Anthouard in Piacenza musste Quartier für den Vicekönig und die Garden nebst einer

Infanteriedivision bereit halten. Am 5. waren die Befehle zum Rückzug hinter die Adda ausgefertigt, ein Theil der Artillerie nach Cremona in Marsch gesetzt worden. Alles dieses wurde 24 Stunden später widerrufen.

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Das Birago'sche Brückensystem und die Anwendung dieser Brücken in den letzten Feldzügen etc. 165

Das Birago’sche Brückensystem und die Anwendung dieser Brücken in den letzten Feldzügen von

1848 bis 1859.

Von einem k. k. Pionnier-Officier.

Seit dem Jahre 1841, in welchem die letzten grossen Versuche stattfanden, auf deren Ergebniss das Birago’sche Brückensystem in Österreich eingeführt wurde, sind nunmehr bei 20 Jahre, hierunter 3 Kriegsjahre verflossen, und es ist bei den zahlreichen Übungen im Frieden und den vielen Flussübergängen im Kriege eine reiche Gelegenheit geboten worden, den Werth dieses Brückensystems zu beurtheilen. Es dürfte daher zeitgemäss sein in Betrachtungen und Erörterungen einzugehen, wie weit sich dieses System überhaupt bewährt, inwiefern die Voraussetzungen, auf welche es basirt war, sich als wahr erwiesen, welche Mängel und Irrthümer sich zeigten, welche Änderungen stattfanden, wie sich dieses Brückensystem im Vergleiche mit anderen stellt, nach welcher Richtung vielleicht noch Änderungen erspriesslich sein dürften und wie weit die bisherigen Erfahrungen für ein Endurtheil noch nicht hinreichend massgebend sind.

Die gemachten Erfahrungen können ihrem Umfange nach bedeutend genannt werden.

Im Frieden wurden in den Sommerhalbjahren wöchentlich fünfmal bei jeder der 6 Abtheilungen des Corps Übungen mit dem Brückenmateriale vorgenommen, und es geschahen diese Übungen in sehr verschiedenen Örtlichkeiten, auf der Donau zu Linz, Tulln, Klosterneuburg, Hainburg, Pressburg und Pesth, auf der Enns bei Steyer, auf der Adda bei Cassano, auf der Etsch bei Verona und Trient, und auf dem Po bei Borgoforte.

Die Gesammtlänge der im Kriege geschlagenen Kriegsbrücken betrug in den Feldzügen in Ungarn 1848 und 1849, dann in Italien in den Jahren 1848, 1849 und 1859 50190 und die Zahl der Brücken 117. Die Localitäten boten eine noch grössere Mannigfaltigkeit als die Friedensübungen, wie diess das später vorkommende Verzeichniss der bewirkten Brückenschläge im Detail zeigt.

Es war zwar keine Anordnung getroffen, dass bei diesen Brückenschlägen Ergebnisse nach gewissen Richtungen gesammelt und zeitweise einer wissenschaftlichen Durchsichtung unterzogen worden wären; doch mussten sich auch ohnediess gerade die Nachtheile und Mängel des Systems, sowohl bei der Verwendung des Brückengeräthes, als bei dessen oft schneller Nachschaffung und Erzeugung bei so vielfachen Anwendungen immer wieder zeigen, und endlich zur Verbesserung drängen, so dass hieraus der Schluss zu ziehen erlaubt sein dürfte, dass jene Theile, bezüglich

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