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reichten ohne dabei die Stadt rückwärts, noch das Terrain vorwärts zu gefährden. Es kamen bei 20 Pfund auf 1 Fuss kürzeste Widerstandslinie, also bei 10 Fuss kürzeste Widerstandslinie 200 Pfund Pulver. Zur Steigerung der Wirkung wurde ein hohler Raum von 50 Percent in der Kammer gelassen.

Die Pulverkasten wurden in die Pfeiler eingeschrotet, sie waren beiläufig 30 Fuss von einander entfernt und 2 Fuss über dem Niveau des Wassergrabens. Dicht am Pfeiler geschah die erste Verriegelung mit starkem Kreuzholz, an den Ecken der Schächte wurde sie wiederholt, dazwischen kam die Verdämmung aus feuchtem Rasen, womit auch die Schächte oben lose gefüllt wurden. Die Zündung wurde mit 2 gekuppelten galvanischen Zellenapparaten à 72 Elementen vorgenommen. 6 Öfen waren immer gekuppelt und wurden mittelst des Umschalters gleichzeitig gezündet.

10. Versuche mit Bleiröhrenzündungen für Minen, sowohl in als ausser Wasser.

Die von den Franzosen gebrauchte Zündung in Guttapercharöhren veranlasste den k. preussischen Ingenieur-Hauptmann Grund Versuche anzustellen, um eine Röhrenzündung aus einem billigeren Materiale und auf eine einfachere Art aufzufinden.

Vielfache Erprobungen erwiesen die Zündung mit Bleiröhren, in welche Stoppinen eingezogen sind, als sehr brauchbar; sie steht hinsichtlich der Schnelligkeit der Feuerleitung der elektrischen am nächsten, ist ober und unter Wasser gleich gut verwendbar und bedeutend billiger als jene in "Guttapercharöhren.

Das hiezu gebrauchte Rohr hat 1/24 Zoll Wandstärke, 6 Fuss davon wiegen 1 Pfund. In dieses Rohr, welches in der Länge von 100 Fuss erzeugt werden kann (bei Georg Strof in Cöln) ist eine hinreichend starke Schnur schon bei der Fabrication eingezogen um damit die Stoppinen einbringen zu können, deren wenigstens zwei in das Rohr kommen. Nach eingebrachten Stoppinen werden die Enden des Rohres zugedrückt, um die Stoppinen vor Feuchtigkeit zu schützen. Die Verbindung einzelner Stoppinentheile geschieht durch Zusammenknüpfen derselben. Nach eingezogener Stoppine ist es für die Zündung gleichgiltig, ob das Rohr rund oder platt gedrückt ist.

Die Zusammensetzung der Rohrtheile für lange Leitungen ausser Wasser geschieht durch 4- bis 5zöllige Muffe, deren Lichtendurchmesser dem äusseren Durchmesser des Rohres gleich ist und die mit einer stumpfen Zange nach verschiedenen Richtungen an das Rohr gedrückt werden.

Zu Abzweigungen werden Kreuzmuffe gebraucht. Die Verbindung geschieht so, wie bei den geraden, nur muss hier die Vorsicht gebraucht werden, dass durch die Kreuzmuffen selbst, Stoppinen durchgezogen werden, die 6 bis 8 Zoll in das Rohr reichen und beim Zusammendrücken der Muffe nicht verschoben werden dürfen.

Die Entzündung geht gut vor sich; der Erfahrung nach überspringt der Funke selbst noch, wenn die Enden der Stoppinen bis 18 Zoll entfernt sind.

Für die Verbindungen der Röhren mit Muffen zu Leitungen unter Wasser wird die Verlöthung mit Zinn, auch bei schon eingezogenen Stoppinen gefahrlos angewendet und dadurch ein vollkommen wasserdichter Verschluss erzielt.

Zu langen Leitungen im strömenden Wasser oder wo sie sonst Erschütterungen ausgesetzt sind, nimmt man der Sicherheit halber Röhren mit 1/26 Wandstärke; sie werden bei Strof in der Länge von 60 Fuss erzeugt. Bei langen Leitungen muss

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überdiess die Vorsicht gebraucht werden, die Stoppinen etwas länger zu lassen als das Rohrstück und sie etwas weniges hineinzuschieben, damit sie bei der Ausdehnung der Röhren nicht reissen.

Durch die Entzündung reisst das Rohr alle 5 bis 6 Zoll auf, bleibt aber immer zusammenhängend.

Nachstehende Proben wurden mit dieser Art Zündung angestellt.

a) Wurde auf 700 Fuss vom Herde eine Mine von 10 Pfund Pulverladung gezündet; auf die ersten 108 Fuss lag die Leitung frei, der übrige Theil 6 Zoll tief in der Erde. Das Spielen der Mine erfolgte gleichzeitig mit der Entzündung.

b) Eine Blechbüchse mit 5 Pfund Pulver gefüllt, wurde mit dem Bleirohr und dieses mit den Muffen zusammengelöthet, in den mit Wasser 6 Fuss hoch gefüllten Hauptgraben der Citadelle gelegt und die Leitung erst 60 Fuss im Wasser, dann 60 Fuss lang ausserhalb des Wassers, längs der Escarpe freihängend auf den Wall geführt und von da nach 24 Stunden anstandslos gezündet.

c) Eine 150 Fuss lange Leitung wurde von dem Hofe der Citadelle auf die Bastion geführt und mit derselben eine Mine mit 5 Pfund Pulver gezündet.

d) Fünf Ladungen à 5 Pfund in Entfernungen von 20 bis 30 Fuss wurden mittelst eines durchlaufenden Rohres gleichzeitig gezündet; die Leitung bis zur ersten Ladung war 30 Fuss, bis zur letzten 180 Fuss lang. Die Entzündung der 5 Ladungen erfolgte gleichzeitig:

e) Von einem gemeinschaftlichen Herde aus wurden 7 Ladungen in den verschiedenen Distanzen von 100 bis 400 Fuss vollkommen gleichzeitig gezündet.

f) Fünf Ladungen in Blechbüchsen, jede mit 5 Pfund Pulver, wurden unter Wasser durch Abzweigung gleichzeitig gezündet.

Alle diese Versuche gelangen vollkommen. Die Schnelligkeit der Feuerleitung kommt fast jener mit elektrischer Zündung gleich. Bei mehreren durch den Rhein gemachten Zündversuchen, bei Leitungen von 3000 Fuss Länge erfolgte die Explosion nach 11/2 Secunde.

In den meisten Fällen lässt sich das schon gebrauchte Zündrohr wieder verwenden.

Mehrere Ingenieurofficiere wollen die Bemerkung gemacht haben, dass bei Entzündung des Ofens von oben, unter sonst gleichen Umständen, die Trichterbildung eine gleichförmigere sei, als wenn dieselbe von unten oder von der Seite erfolgt. Die Garbe werde in diesem Falle mehr herausgeworfen, es falle von derselben weniger in den Trichter zurück und es wird dadurch der Aufwurf um den Trichterrand höher. Es wurden jedoch vor Jülich in dieser Richtung keine Versuche angestellt; die Zündung fand stets von der Seite Statt.

Es verdient hier noch angeführt zu werden, dass bei allen Minen, welche auf galvanischem Wege gezündet wurden, neben der Leitung von Kupferdrath in Guttaperchaumhüllung, auch noch eine Blejröhrenzündung gelegt war. Man gebrauchte diese Vorsicht, weil der elektrische Apparat bei starker Anhäufung der Elektricität in der Luft mitunter seinen Dienst versagt.

Die Gradhältigkeit des zum Sprengen verwendeten Pulvers kann nicht angegeben werden.

Man betrachtete übrigens die Minensprengungen nicht als Versuche; man begnügte sich mit dem Effecte.

Alle vorkommenden Längen- und Körpermasse sind im rheinischen Masse, die Gewichte in Zollpfunden angegeben.

Schliesslich wird noch bemerkt, dass der auf die Citadelle angeordnete Sturm unterblieb, weil bereits die Mehrzahl der Truppen wegen der mit 1. October jeden Jahres eintretenden Entlassung der Reservemannschaft abmarschirt war.

Lenski,
Hauptmann, zugetheilt im k. k. Artillerie-Comité

Die Schlacht am Mincio am 8. Februar 1814.

Nach Österreichischen Originalquellen.

(Schluss.)

(Hiezu die Blätter 20 a, b, c.)

VI. Die Schlacht am 8. Februar 1814. a) Vorrückung und Aufmarsch der beiderseitigen Heere; Gefechte bei Monsambano und

Pozzolo. Die Nacht zum 8. verstrich ruhig; beide Theile waren mit ihren letzten Vorbereitungen beschäftigt und hatten die Truppen zunächst an den bestimmten Übergangspunkten gesammelt und geordnet. Auf Seite der Franzosen wurde die Unvorsichtigkeit begangen, die Vorposten längs des Mincio zwischen Pozzolo und Monzambano einzuziehen, wodurch der Übergang bei Borghetto unbeobachtet blieb.

Als der Morgen zu grauen begann, lag ein dicker Nebel auf der ganzen Gegend. Die Division Fressinet befand sich bereits im Marsche von Volta auf Monzambano. Dieses Versehen trug wesentlich bei, den Österreichern ihren Übergang bei Valeggio zu erleichtern, denn kaum hatte man erspähet, dass die französischen Feldwachen vom rechten Ufer verschwunden waren, als eine Abtheilung vom 10. Jägerbataillon übergesetzt wurde und Major von Wirker mit seinen Pionnieren sich unverweilt an die Arbeit machte. Die Schiffbrücke wurde etwas oberhalb der steinernen geschlagen und an letzterer der zerstörte Bogen hergestellt, das heisst gangbar gemacht.

Der FM. Graf Bellegarde, welcher sich schon am frühen Morgen in Valeggio einfand, bestärkte sich durch das Verschwinden des Feindes bei Borghetto nur noch mehr in seiner irrigen Ansicht und betrieb den Übergang aus allen Kräften. Sobald die beiden Brücken benützt werden konnten, was jedoch nicht vor 8 Uhr möglich wurde, bewirkte die Brigade Steffanini unter der Leitung des Oberstlieutenants Hrabovsky vom Generalstabe ihren Übergang und vor ihr her rückte der Oberstlieutenant Baron Bretfeld mit zwei Schwadronen Frimont-Huszaren und einer Abtheilung des 11. Jägerbataillons, um die rechte Flanke der genannten Brigade bei ihrem Vorgehen auf Volta , in der Richtung von Olfino und dem Monte Olivetto, zu sichern.

Die Brigade Steffanini marschirte, als sie das rechte Ufer erreicht hatte, am Monte de Fratti auf und lehnte ihren linken Flügel bei Bertolini an den Mincio. Ihr folgte die Brigade Bogdan und stellte sich in zweiter Linie als Unterstützung.

Der Nebel begann sich allmählich zu verziehen, als Oberstlieutenant Bretfeld unweit Olfino die Nachhut der Division Fressinet entdeckte und selbe anfiel. Diese machte augenblicklich „Kehrt“. Die plänkelnden österreichischen Huszaren wurden durch ein Bataillon und die beiden Schwadronen des 4. italienischen Chasseurregiments attakirt. Indessen betrieb FML. Radivojevich vollends den Übergang seiner Colonnen. Die Generale Verdier und Fressinet eilten bald selbst herbei und erkannten schon nach wenig Augenblicken, dass sie nicht im Stande sein würden bei der beabsichtigten Schlacht unweit Villafranca mitzuwirken, indem sie von ihrem Centrum abgeschnitten und gezwungen waren, sich ihrer Haut zu wehren. Da ihnen die Aufstellung von Olfino günstig dünkte, so wurden die im Marsch begriffenen Bataillone zum Umkehren befehligt, während die Nachhut den möglichsten Widerstand leistete. Es war also schon in dieser frühen Vormittagsstunde bereits ein Theil des Planes vereitelt, den der Vicekönig in Ausführung zu bringen gedachte.

Mittlerweile hatte auch GM. Graf Vecsey bei Pozzolo seine Brücke geschlagen und das rechte Ufer betreten. Seine Cavallerie verbreitete sich nach verschiedenen Richtungen, und eine dieser Abtheilungen stiess in der Gegend von Cereto und Cerlongo auf den Gepäcktrain der Brigade Bonnemain, welcher ohne alle Bedeckung auf Goito zog. Die Uhlanen fielen über denselben her, und nur ein Theil entkam nach Goito, verbreitete dort Schrecken und Verwirrung und setzte den Bataillonschef Desquerelles in nicht geringe Verlegenheit, bis es ihm gelang die Ordnung wieder herzustellen, denn auch die Besatzung im Brückenkopf begann eine unsichere Haltung anzunehmen, als sie sich im Rücken bedroht sah. Vielleicht hätte GM. Vecsey in jenem Augenblicke durch einen raschen Ablauf sich der Brücke von Goito bemächtigen können, über welche der Vicekönig mit der zweiten Colonne kaum eine Stunde früher in östlicher Richtung gezogen war.

FML. Radivojevich hatte die Brigade Bogdan rechts herausgezogen und die Brigade Steffanini den Marsch auf Volta fortsetzen lassen. Das 1. Landwehrbataillon Deutschmeister, vom Oberstlieutenant Rüchel befehligt, befand sich an der Spitze der Colonne, formirte sich unverweilt in Divisionscolonnen und ging muthig auf den Feind los. Als Unterstützung folgte das 3. Feldbataillon. Mit den beiden andern Bataillons nahm Oberst Ertmann eine Rückhaltstellung. Bald aber stiess das Landwehrbataillon Deutschmeister auf zahlreiche feindliche Kräfte und musste auf sein 3. Bataillon zurückgehen, was Oberstlieutenant Bretfeld durch einige gelungene Reiterattaken erleichterte. Oberst Ertmann auf den Höhen von Colombara nahm diese beiden Bataillone auf.

Um den Schlüssel seiner Stellung festzuhalten verstärkte Verdier seinen rechten Flügel und trachtete den Monte Olivetto angemessen zu besetzen, welchen er im ersten Augenblicke vernachlässigt hatte. Diess gelang ihm aber nicht, denn kaum hatte der FM. Bellegarde, bald nach 9 Uhr die Gewissheit erlangt, dass seine Colonnenspitzen ohne Anstand vordrangen und bei Goito nichts Erhebliches vom Feind stehe, als er die Brigade de Best nebst einer Reservebatterie gleichfalls auf das rechte Mincio-Ufer beorderte und den FML. Radivojevich dadurch in den Stand setzte, dem GL. Verdier kräftiger auf den Leib zu gehen, welcher um diese Zeit seine Hauptmacht hinter dem Redone aufgestellt hatte und seinen linken Flügel bei Monzambano an den Fluss lehnte. FML. Sommariva sollte vom linken Ufer aus mitwirken. An eine Gefahr für Valeggio selbst, wo nur die Brigade Quosdanovich verblieb, dachte in jenem Augenblicke kein Mensch, und dennoch stand selbe vor der Thür und wuchs noch in demselben Verhältniss, als man sich am linken Ufer von Truppen entblösste.

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