Kunstraub in Krieg und Verfolgung: die Restitution der Beute- und Raubkunst im Kollisions- und Völkerrecht

Cover
Walter de Gruyter, 2005 - 558 Seiten
0 Rezensionen

Im Zuge des Zweiten Weltkriegs, der NS-Verfolgung der Juden im Deutschen Reich und während der Besatzungszeit fand ein Kunstraub in einem bisher nicht gekannten Ausmaß statt. Die vorwiegend völkerrechtliche Debatte um die Rückführung der Beutekunst aus der Russischen Föderation und seinen Nachbarstaaten nach Deutschland ist bis heute weitgehend ungelöst. Internationale Konferenzen in London, Washington und Vilnius haben im Hinblick auf die Restitution von Kulturgütern aus jüdischem Besitz Empfehlungen und Absichtserklärungen (soft law) für den Umgang mit diesem zivilrechtlich geprägten Problem formuliert. In der Bundesrepublik Deutschland ist man ausweislich der Gemeinsamen Erklärung von Bund, Länder und Gemeinden aus dem Jahre 1999 und der sie erläuternden Handreichung bemüht, faire und gerechte Lösungen im Rahmen der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter aus öffentlichem Besitz zu finden.

Das Werk wendet sich als umfassendes Kompendium an alle Personen und Institutionen, die noch heute in Museen, Sammlungen, Versicherungen und am internationalen Kunstmarkt in Galerien und Auktionshäusern von diesen Problemstellungen betroffen sind. Es schildert in einer systematischen Darstellung die historisch wie juristisch äußerst vielschichtige Materie des Kunstraubs im Zweiten Weltkrieg (so genannte "Beutekunst") in wertender Gegenüberstellung zum verfolgungsbedingten Entzug von Kulturgütern aus zumeist jüdischer Provenienz. In diesen häufig sensiblen Fragen über die Restitution kriegsbedingt verlagerter und/oder verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter sind vornehmlich Fragestellungen aus dem (internationalen) Privatrecht, dem intertemporalen Recht der Rückerstattung und Wiedergutmachung und dem Völkerrecht zu beantworten. Neben der Darstellung entscheidender privatrechtlicher Institute, wie den gutgläubigen Erwerb, die Ersitzung und die Verjährung des Herausgabeanspruchs, wird der Leser durch die parallel hierzu verlaufende völkerrechtliche Debatte (unter anderem zur Haager Landkriegsordnung, Verjährung des Restitutionsanspruchs, acquiescence, zwingendes Recht) unter Berücksichtigung rechtsvergleichender Bezüge und des Kollisionsrechts geführt.

Ausgehend von einer gegenwärtig geteilten Anspruchsituation nach privatrechtlichen oder völkerrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen und dem gegenwärtigen soft law geht die Arbeit der Frage nach, wie weit das gegenwärtige Recht reicht und wo Handlungsbedarf besteht. Vorschläge zu möglichen gesetzgeberischen Maßnahmen, geeigneten alternativen Streitschlichtungsmechanismen und die Darstellung der verschiedenen Lösungsansätze in den Beute- und Raubkunstdebatten vertiefen den praktischen Nutzen.

Die auf dieses Werk abgestimmte Website www.Beutekunst.info bietet ergänzend Hyperlinks zur internationalen Restitutionsdebatte sowie Aktualisierungen und Nachrichten.

 

Was andere dazu sagen - Rezension schreiben

Es wurden keine Rezensionen gefunden.

Inhalt

Deutschland
6
Der Gang der Geschichte zur Entwicklung der Restitutionsfrage
11
B Der nationalsozialistische Kunstraub in Krieg und Verfolgung
26
Kunstraub im Völkermord
38
Die Verschleppung deutscher Kulturgüter in die Sowjetunion
49
deutschland
56
Eine Bestandsaufnahme
59
Die allgemeinen Grundlagen eines Restitutionsanspruchs am Beispiel
71
brechen des Zweiten Weltkrieges
255
Raub und Beutekunst aus der Sicht des deutschen Privatrechts
261
Herausgabeanspruch versus Eigentumsverlust
275
Eigentumserwerb auf einer öffentlichen Versteigerung 935 II 2 Alter
287
E Die Ersitzung ursprünglich geraubter Kulturgüter
299
G Die Verjährung des Herausgabeanspruchs
317
Mögliche Lösungen de lege ferenda in Deutschland
329
Fälle des Rechtsmissbrauchs
339

Die Restitution in kind
73
B Bundesrepublik Deutschland und Stadt Gotha gegen Cobert Finance S
79
Der Streit um Edgar Degas Pastell Landschaft
91
Tarquinius und Lucretia
97
PuskinMuseum
100
Rahmen für den freien Verkehr von Gütern im Binnenmarkt
114
G Der Umgang mit Raubund Beutekunst in Deutschland
125
H Verhandlungsstand und Entwicklungsmöglichkeiten
134
Rückerstattung und Wiedergutmachung
137
B Die Restitution von Beute und Raubkunst durch die alliierte Besatzung
142
Der Restitutionsanspruch im Völkerrecht
189
bewaffneten Konflikt
194
Die Haager Landkriegsordnung
200
E Allgemeine Rechtsgrundsätze im Völkerrecht
215
F Beutemachen in Krieg und Verfolgung als Kriegsverbrechen und Verbrechen
219
G luscogens peremptory norms
230
H Verfahrensfragen zur Rechtsverfolgung von Verstößen gegen das Völker
238
Rechtsfolgen des Zeitablaufs im Völkerrecht
244
Zusammenfassende Bewertung
345
Der Kunstraub im Internationalen Privatrecht
347
tenwechsel am Beispiel der Verjährung
353
Der gutgläubige Erwerb von Beuteund Raubkunst
359
Grundzüge des internationalen Privatrechts der Russischen Föderation
366
VI1 Die Geltung völkerrechtlicher Standards im Kollisionsrecht
387
Die Sammlungen Littmann und Silberberg
393
Das Verhältnis des Völkerrechts zum Kollisionsrecht
402
klauseln nach deutschem Privatrecht
415
VII1 Neue Ansätze für die Kulturgüterrückführung
425
B Lösungswege bei der Rückgabe von Raubkunst
446
Die Schaffung einer Kommission für Raubkunstfragen in Deutschland
453
Resümee
463
Anlagen
465
Literaturverzeichnis
507
Interviews und Gesprächspartner
551
Urheberrecht

Andere Ausgaben - Alle anzeigen

Häufige Begriffe und Wortgruppen

Über den Autor (2005)

Hannes Hartung ist Rechtsanwalt in München.

Bibliografische Informationen