Sühnekreuz Meschede: Die Massenmorde an Zwangsarbeitern im Sauerland während der Endphase des 2. Weltkrieges und die Geschichte eines schwierigen Gedenkens

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BoD – Books on Demand, 30.11.2016 - 440 Seiten
Im kurkölnischen Sauerland wurden 208 unschuldige Menschen aus "Russland" und Polen zwischen dem 20. und 22. März 1945 von deutschen Soldaten ermordet. Die willkürlich ausgewählten Opfer dieses Kriegsendphase-Verbrechens waren weibliche und männliche Zwangsarbeiter sowie zwei Kinder. Entlang des erst Ende 1957 eröffneten Gerichtsverfahrens gegen beteiligte Täter rekonstruiert Jens Hahnwald die grausamen Ereignisse und beleuchtet Reaktionen der Nachkriegsgesellschaft. Anders als bei den Mordschauplätzen Warstein und Suttrop wurde das dritte Massengrab nahe Eversberg erst 1947 entdeckt. Ein katholischer Männerkreis richtete zum Gedenken an die Opfer des Faschismus ein hohes "Sühnekreuz" auf. Dieses geweihte Gedenkkreuz wurde wenig später durch Äxte und Feuer geschändet. Es musste aufgrund großer Feindseligkeit in der Kleinstadt Meschede für Jahrzehnte in ein geheimes Erdgrab versenkt werden. Peter Bürger zeichnet die lange Geschichte eines "schwierigen Gedenkens" nach. Der Dokumentarteil dieses Buches mit dem frühesten Bericht von Georg D. Heidingsfelder, Originalquellen und Zeitzeugenberichten ermöglicht es den Lesern, sich ein eigenes Bild zu verschaffen. Ohne Kenntnis der Geschichte fehlt uns eine wichtige Orientierungshilfe zur Gestaltung von Gegenwart und Zukunft.
 

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Inhalt

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Autoren-Profil (2016)

Jens Hahnwald, geb. 1967, wohnt in Arnsberg. Studium der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und der Soziologie an der Universität Bielefeld und der Ruhruniversität, Bochum. - Historisches Forschungsprojekt: "Tagelöhner, Arbeiter und soziale Bewegungen in der katholischen Provinz. Das Beispiel des (kölnischen) Sauerlandes 1830-1933" (2002). - Veröffentlichungen zu sozial-, wirtschafts- und politikgeschichtlichen Themen.

Peter Bürger (geb. 1961 in Eslohe / Sauerland) ist kath. Theologe, Mitglied der Internationalen kath. Friedensbewegung pax christi und arbeitet als freier Publizist. Buchveröffentlichungen u.a.: Das Lied der Liebe kennt viele Melodien (2001 / 2005); Napalm am Morgen (2004); Hiroshima, der Krieg und die Christen (2005); Kino der Angst - Terror, Krieg und Staatskunst aus Hollywood (2005 / 2007); Bildermaschine für den Krieg (2007); Die fromme Revolte - Katholiken brechen auf (2009). Die Studien zur massenkulturellen Kriegspropaganda wurden 2006 mit dem Bertha-von-Suttner-Preis (Kunst und Medien) ausgezeichnet. Zahlreiche Publikationen zur südwestfälischen Regionalkultur, darunter eine mehrbändige Mundartliteraturgeschichte und das Buch "Fang dir ein Lied an! Selbsterfinder, Lebenskünstler und Minderheiten im Sauerland" (2013). Als Autor und Herausgeber einer Reihe von regionalgeschichtlichen und biographischen Veröffentlichungen bearbeitet er seit 2014 das Projekt "Friedenslandschaft Sauerland".

Georg D. Heidingsfelder (1899-1967), geboren in Dinkelsbühl und aufgewachsen in Ansbach (Mittelfranken). Tätigkeit als Journalist (bis 1933), Konversion zur röm.-kath. Kirche. Wegen weltanschaulicher Bildungsangebote für - vornehmlich junge - Katholiken in Meschede (Sauerland) Konflikt mit dem NS-Regime und anschließend Dienst in einem Wehrmachtsgefängnis. In US-amerikanischer Gefangenschaft Ausbildung zum "selected citizen" (demokratischer Multiplikator). 1950 wegen Ablehnung der Wiederbewaffnung Ausscheiden aus einer hauptberuflichen Stelle bei der KAB und Austritt aus der CDU. Im Anschluss daran kann Heidingsfelder als nonkonformer, linkskatholischer Publizist seine Familie kaum ernähren. Fünf Jahre lang ist er im Kampf gegen Remilitarisierung und Atomwaffen dem Schriftsteller Reinhold Schneider eng verbunden.

Bibliografische Informationen