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Die Schlacht an der Trebbia am 18., 19. und

20. Juni 1799.

Nach österreichischen Originalquellen.
Von Maximilian Sitter von Thielen,

k. k. M.jor.

(Vit 1 Tafel No. 2 und Benützung der Tafel No. 31 des Jahrganges 1862.)

In den ersten Tagen des Monats Juni 1799 stand das Hauptquartier des FM. Suwarow in Turin, wo er beunruhigende Nachrichten von den beiden französischen Armeen erhielt, von jener Macdonald's wie von der Moreau's. Diese Nachrichten lauteten: die beiden Generale hätten die Vereinigung ihrer Armeen in derRiviera von Genua bewirkt, bei Montecenere auf der Strasse von Pistoja nach Modena stehe ein Corps von 16.000 Mann, die Brester Flotte habe bei Savona und Vado ein Corps von 15.000 Mann Verstärkungstruppen an's Land gesetzt und die vereinigte Armee der beiden Generale zähle 60.000 Mann.

Die zwei wichtigsten dieser Nachrichten waren aber nicht wahr; die beiden Armeen waren nicht in derRiviera vereinigt und Verstärkungen waren keine gelandet. Der FM. Suwarow jedoch schien diesen Nachrichten Glauben zu schenken und zog aus denselben drei Schlüsse, nämlich: die Absicht den Feindes sei keine andere, als entweder durch die Bocheita, oder über Asti oder durch das Thal des Tanaro aus der Riviera hervorzubrechen, Alessandria und Tortona zu entsetzen, dann gerade auf Mailand loszugehen. In dieser Voraussetzung beschloss er mit allen nur immer zu vereinigenden Kräften sich bei Alessandria aufzustellen, dem Feinde, wo er herkomme, entgegen zu gehen und ihn zu schlagen.

Diesem Entschlusse zufolge erhielt General Vukassovich in Mondovi den Befehl Ober Cherasco und Alba nach Novi zu marschiren und dort die Vorhut des vereinten Heeres zu bilden.

Am 10. Juni brach die Division Freiich mit allen Russen von Turin auf, von wo sie, aufgehalten durch die schlechten vom Regen verdorbenen Strassen, erst am 13. bei Alessandria eintrafen.

Von der bestimmten Ansicht ausgehend, dass es bei dieser Stadt unfehlbar zu einer Schlacht kommen werde, erhielt auch die im Parmesanischen stehende Division Ott den Befehl, in Eilmarschen nach Alessandria zu ziehen, ein Befehl, der widerrufen wurde, als sie kaum Voghera erreicht hatte, von wo sie wieder umkehren musste.

Am unteren Po standen nur die zum Belagerungscorps des Feldzeugmeisters bei Mantua gehörenden Brigaden der Generale Hohenzollern und Rienau; der erstere mit 5 Bataillons, 6 Schwadronen in Modena, der andere mit 04/o Bataillons und 8 Schwadronea in San Giovanni auf dem von Bologna nach Carpi und Mirandola führenden

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Wege; zwischen ihnen stand ein Verbindungsposten von 1 Division des Banalregiments in Nonantola.

Diese schwache Aufstellung in dieser Gegend erklärt die Leichtigkeit, mit welcher Macdonald aus den Apenninen hervorbrechen und mit geringem Verluste s^h Piacenza nähern konnte.

Macdonald war am 29. Mai in Lucca eingetroffen und hatle zwischen dieser Stadt und Pistoja Stellung genommen; hier blieb er aus unbekannten Gründen bis zum 9. Jnni stehen, vielleicht, weil ihm die Nachrichten von Moreau fehlten. Seine Armee bestand aus 5 Divisionen unter den Generalen Olivier, Montrichard, Ruska, Vatrin, Dombrowsky und einer Avantgardedivision unter General Salm, <Ias Ganze bei 30.000 Mann.

Die zu Moreau's Armee gehörende, im östlichen Theile der Riviera gelegene Division Victor, 6750 Manu, war unter die Befehle Macdonald's gestellt. Sie kam von Pontremoli über Fornovo. setzte sich bei San Donino an die Spitze der übrigen Divisionen Macdonald's und bildete auf dem Marsche bis an den Tidonefluss die Vorhut dieses Feldherrn, der daher jetzt eine Gesammtmacht von 36.000 bis 37.000 Mann führte, und seine Bewegung vorwärts am 9. Juni begann.

Die Absicht des französischen Heerführers war, aus den Apenninen die Poebene zu gewinnen, in dieser unter Besiegung aller Hindernisse nach Tortona zu eilen, und sich. in der dortigen Gegend mit Moreau zu vereinigen, der unterdessen durch die Borhetta hervorgebrochen sein sollte.

Und so zogen Montrichard und Ruska auf der Hauptstrasse gegen Bologna, die Avantgarde Salm und die Divisionen Vatrin und Olivier nahmen den Weg, der von Pistoja über Pieve di Pelago nach Modena führt; die Division Dombrowsky's ging von Fivizzano über Sassalba, Castelnuovo ne' Monti auf Reggio zu.

Am 11. waren diese Bewegungen vollendet, und es standen an diesem Tage 2 Divisionen zu Bologna, 2 in Formigiue, eine in Sassalba und eine bei Vezzano.

Von Formigiue aus wurde noch an demselben Tage eine Erkennung gegen Modena vorgeschoben, die jedoch von den österreichischen Vorposten kräftig zurückgewiesen wurde.

Der 12. war dann zum eigentlichen ersten Angriffe auf Modena bestimmt. Macdonald, der sich bei den Divisionen Olivier und Vatrin befand, befahl Ruska über San Giovanni an den Pnnaro zu rücken, über diesen Fluss zu setzen und nach Mirandola eilend, zu suchen, Hohenzollern vom Po abzuschneiden, welchen Ort, wie wir sehen werden, Hohenzollern vor ihm erreichte.

Dieser'hatte in Modena, wie wir wissen, nur 5 Bataillons und 6 Schwadronen, etwas mehr als 3000 Mann. Ihm gegenüber stand die Division Olivier mit 6000 Mann, der als Reserve Vatrin mit anderen 6000 Mann folgte.

Es wäre eine unüberlegte Verwegenheit Hohenzollern's gewesen, im Falle ihm die Stärke seiner ihm gegenüberstehenden viermal überlegenen Gegner bekannt gewesen wäre, sich ihnen entgegen zu stellen, wenn er nicht die bestimmtesten Befehle von Kray gehabt hätte — wie er sie wirklich hatte, sich mit aller Aufopferung zu halten.

Bei dem Vordringen Macdonald's konnte Kray nichts anderes vermnthen, als seine Bewegung gelte dem Entsatz von Mantua. Zeit gewinnen, zuerst sein Belagerungsgeschütz gegen Verona in Sicherheit zu bringen, dann mit allen beiMantua entbehrlichen Truppen Macdonald entgegen zu gehen, waren die Rücksichten, die Kray bestimmten, Hohenzollern anzuweisen, sich aufs Äusserste zu wehren, was er dann auch in hohem Grade befolgte. Allein die Folge davon war, dass Hohenzollern trotz seiner bekannten eigenen und seiner Truppen ausdauerndsten Tapferkeit unterlag, mit dem höchst bedeutenden Verluste von 2205 Mann — zwei Drittel seiner Brigade — und 4 Geschützen, Modena räumen und sich nach Mirandola zurückziehen musste. Dass nach Jomini's Angabe der französische Verlust nur 300 Mann betragen habe, ist bei der Entschlossenheit, mit welcher auf beiden Seiten gekämpft wurde, unglaublich; übrigens blieb General Forest auf dem Platze, und Macdonald selbst erhielt zwei Säbelhiebe. Die Veranlassung dazu ist zu merkwürdig und zu ehrend für dieTapfern, die dabei thätig waren, als dass wir sie hier nicht anführen sollten.

Als Hohenzollern zum Rückzuge gezwungen wurde, mangelte ihm die Zeit alle detachirte Posten einzuziehen. Unter diesen war ein Zug von Bussy-Jägern unter Commando des Lieutenant Lefebvre. Seine ausgeschickten Patrullen hatten ihm lang die Überzeugung verschafft, dass er von allen Seiten umringt, keinen Ausweg mehr habe. Seinen Leuten hielt er jetzt eine Art Standrede und forderte sie auf, eher zu sterben als sich gefangen zu geben, und das Äusserste zu versuchen sich durchzuschlagen. Als er seine Leute in der gewünschten Stimmung sah, nahm er mit ihnen seinen Weg gerade auf Modena zu. Als er dann aus den mit Bäumen und Weinranken umgebenen Feldern auf die Strasse herauskam, stiess er auf ein französisches Cavallerieregiment, an dessen Spitze Macdonald mit seinem Gefolge ritt. Man stutzte wohl von beiden Seiten, allein Macdonald erkannte bald, dass es nur einige Versprengte seien, die sich zu retten suchten; er ritt ihnen entgegen, und bot ihnen Pardon an. Der tapfere Lefebvre aber schrie seinen Leuten zu, einzubauen; er selbst ritt auf Macdonald zu: „Vous etes le gdneral en chef, rief er, „tant mieux"! und versetzte ihm zwei Hiebe, einen über den Kopf, den andern über den Arm; in demselben Augenblicke ward aber er und alle ihn begleitenden Jäger von den Pferden gehauen, bis auf einen Unterofficier und einen Jäger, die das Glück hatten über die Gräben zu entkommen und im Lager das Schicksal Lefebvre's und seiner Gefährten erzählen konnten ').

Gleichzeitig mit Hohenzollern wurde auch Klenau bei San Giovanni von Ruska angegriffen. Den Ort hatte Klenau verschanzen lassen, was es ihm leicht machte, die Angriffe Ruska's zurückzuweisen. Da aber auch er die Übermacht gegen sich hatte und Abends Hohenzollern's Schicksal erfuhr, so zog er sich mit einbrechender Nacht nach Vigarano vor Ferrara zurück. Sein Verlust bestand in 44 Mann, dagegen hatte er 15O Gefangene gemacht.

') Ein Gegenstück zu dieser verwegenen That, eben bei der nämlichen Anaire, lieferten aufgefangene feindliche Schriften, nämlich der amtliche Bericht des Brigade-Generals d'Arnaud über das Gefecht am 24. Prairial — 12. Juni — in denen er unter anderm erzählte, dass der Capitän Bouilly von den Österreichern gefangen, von 3 Mann weglransportirt wurde, und mitten unter den Österreichern seine Begleiter wie ein Löwe anfiel, sich befreite, und einen seiner Begleiter als Gefangenen mit sich führte. Ist die Geschichte an sich schon wenig glaublich, so schliesst der Bericht noch mit der Rodomontade: „Lc prisonnier qu'il fit, transporte d'admiration de tant de bravour, demandoit par grare, de serrir sous les ordres d'uoii vaillant capitaine".

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