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Untersalpelcrsäure und Stickoxyd vereinigen sich in höherer Temperatur zu salpetriger Säure, welche sich auf diese Weise chemisch rein darstellen liisst.

Untersalpelersiiure und Chlor geben unter gleichen Umstünden das Chlorid der Salpetersäure.

Das Salpetersäurebromid, auf dieselbe Weise dargestellt, konnte nicht rein erhalten werden, da das Product sich beim Sieden zersetzt.

Jod und Untersalpetersäure verbinden sich in höherer Temperatur nicht.

Cyan und Untersalpetersäure geben in der Hitze eine höchst explosive Verbindung, vielleicht das Cyanid der Salpetersäure.

Tn der Kälte findet die Vereinigung der Untersalpetersäure mit Chlor, Brom und Cyan nicht, oder nur in beschränktem Maasse statt.

Salpetrige Säure und Sauerstoff verbinden sich bei gewöhnlicher Temperatur zu Untersalpetersäure.

Schweflige Säure und Kohlenoxydgas vereinigen sich mit Untersalpetersäure schon bei niederer Temperatur zu nicht weiter untersuchten Verbindungen.

Alle diese Thatsachen sprechen für die Annahme, dass das

Molekül der flüssigen Untersnlpetersäure J N02 , das der dampfförmigen oberhalb 100° dagegen N02 ist.

Auf Benzol wirkt Untersalpetersäure direct nicht nilrirend, aber bei Gegenwart von Schwefelsäure erfolgt die Bildung von iNilrobenzol leicht und vollständig.

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Dr. Moseley, Ein Verfahren um die Blutgefässe der Coleopteren auszuspritzen. Aus der physiol. Anstalt zu Leipzig. Vorgelegt v. d. wirkt. Mitgl. C. Ludwig.

Mit 4 Tafel in Farbendruck.

Als ich mich in der physiologischen Anstalt zu Leipzig einige Zeit hindurch mit Einspritzungen von Blut- und Lymphgefiissen beschäftigte, um mir eine genügende Fertigkeit in den einschlagenden Handgriffen anzueignen, verfiel ich auf ein Verfahren, mit welchem es leicht und sicher gelingt die Blutgefässe der Coleopteren zu injiciren.

Der Ort, in welchen ich die Masse einführe, ist ein grosses Blutgefäss des Hartflügels. Um dieses mit Sicherheit aufzufinden, schneide ich an einem lebenden, grossen Coleopter, z. B. Dytiscus marginalis, Hydrophilus piceus, Melolontha vulgaris, den Hartllügel mit der Scheere quer durch. Auf dem Schnitt erscheint alsbald eine Reihe von Blutstropfen, welche die Lage der grösseren Gefasse bezeichnen. In das Gefiiss, aus welchem die grössten Tropfen ausfliessen, setze ich die lnjectionscanüle ein. — Diese letztere besteht aus einer kurzen Glasröhre, welche einerseits in eine sehr feine Spitze ausgezogen ist. An das entgegengesetzte Ende des Röhrchens ist ein kleines Gummirohr angebunden. Dieses wird mit der Injectionsmasse gefüllt und am freien Ende fest verschlossen. Die Spitze der geladenen Canüle führt man vorsichtig in das blutende Gefiiss, so dass sie fest an die Wand desselben anschliessl. Die Richtung, in der dieses geschieht, bestimmt sich nach der Absicht, die man durch die Injection zu erreichen strebt. Will man nur den Flügel ausspritzen, so setzt man die CanUle in das abgeschnittene Ende des letztein; will man den Körper des Thieres injiciren, so setzt man die Spitze des Glasröhrchens in den Stumpf des Flügels, der noch mit dem Körper in Verbindung steht.

Den Druck, mit welchem die zu injicirende Masse vorschreiten soll, erzeugt man entweder einfach dadurch, dass man das Kautschukröhrchen sanft zwischen den Fingern presst, oder auch dadurch, dass man ein kleines Gewicht auf das eben genannte Röhrchen legt. — Von den Injectionsflüssigkeiten, die ich geprüft habe, eignet sich am besten eine Lösung von Indigcarmin, sie schreitet in den Gefässen rascher fort als eine Lösung des rothen Carmins oder des Berlinerblaus; aber sie hat ebenfalls eine sehr bedenkliche Eigenschaft. Der Indigcarmin wird nämlich, nachdem er einmal in die Blutgefässe eingetreten ist, vom lebenden Thier sehr rasch in die Drüsen ausgeschieden. So fand ich z. B., als ich eine Blatta orientalis vom Rückengefäss aus mit Indigcarmin injicirt hatte, dieses schon nach einer Stunde in die Malpighi'schen Röhrchen ausgeschieden. Da Prof. Brücke *) im Inhalte dieser Röhren schon Harnsäure nachgewiesen, und sie somit als Harnkanälchen bestimmt hat, so dürfte die von mir gefundene Thatsache in Analogie mit den Erfahrungen Chronschewsky's an der Säugethierniere stehen. Bei Hydrophilus piceus schied sich das Indigcarmin auch durch die einfachen Drüsen des Darmkanals aus; die Höhlung derselben war tiefblau gefärbt, während die Drüsenzellen selbst durchaus farblos geblieben waren. Auf diese Weise kann man sehr schöne Bilder dieser Drüsen erhalten.

Als eine Probe dessen, was die lnjection zu leisten vermag, lege ich die Abbildung eines DeckOügels von Dytiscus marginalis mit injicirlen Blutgefässen vor. Fig. I. giebt in etwa sechsfacher Vergrösserung das abgeschnittene Ende des Flügels wieder. In den pigmenlfreien Theilen des Flügels, näher dem gebogenen Rande, ist der Verlauf der Gefässe zwischen den Chitinbalken vorzugsweise deutlich. — Fig. 2. giebt in etwa sechszigfacher Vergrösserung einen Theil des pigmenthaltigen Flügelabschnitts wieder. Fig. 3. endlich zeigt das Verhalten der Injeclion am convexen Rande des Flügels. Hier ist es auffallend, wie die blaue Farbe in feine Spalten theils gegen den freien Rand des Flügels (a), theils gegen die Ansatzpunkte der Haare (b) eingedrungen ist.

*) Dr. Bosch Ueber das chylopoetische und uropoetischc System der Blatta orientalis. Wiener Sitzungsberichte 1858. 33. Bd.

Auf eine genauere histologische Analyse der vorliegenden Bilder werde ich erst bei einer spateren Gelegenheit eingehen können.

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