Grundlinien einer Psychologie der Hysterie

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Verlag von Wilhelm Engelmann, 1904 - 502 Seiten
 

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Beliebte Passagen

Seite 333 - Parallelprozesse aus oder werden nur unvollständig durch jene geweckt, auf der anderen Seite entspricht einer materiellen Rindenerregung ein Übermaß psychischer Leistung, das die verschiedenartigsten Rückwirkungen auf die gesamten Innervationsvorgänge, die in der Rinde entstehen oder von ihr beherrscht werden, hervorruft.
Seite 333 - Die hysterische Veränderung besteht darin, dafs die gesetzmäßigen Wechselbeziehungen zwischen der psychischen und materiellen Reihe gestört sind, und zwar in doppelter Richtung: auf der einen Seite fallen für bestimmte Reihen materieller Rindenerregungen die psychischen Parallelprozesse aus oder werden nur unvollständig durch jene geweckt; auf der anderen Seite entspricht einer materiellen Rindenerregung ein Übermafs psychischer Leistung, das die verschiedenartigsten Rückwirkungen auf die...
Seite 184 - Die Kontrolle, die sich in der mehr passiven Apperzeptionslage über's ganze Bewusstseinsfeld erstreckt und damit die reichste Willensbetätigung ermöglicht, schwindet mit der zunehmenden Spannung der aktiven Apperzeption. Dann entstehen die Zerstreutheit shandlungen.
Seite 387 - Hysterie befällt bei den Kindern beide Geschlechter in gleichmäßigem Prozentsatz; dann, die Hysterie findet sich bei viel mehr erwachsenen Frauen, als erwachsenen Männern; weiter, die Hysterie sucht viel mehr erwachsene Männer der unteren, ungebildeten Volksklassen heim, als der oberen; endlich, die Hysterie als Volkskrankheit ist eine typische Erkrankung des Mittelalters und hat mit dem Fortschreiten der Neuzeit stetig abgenommen.
Seite 365 - Wege noch ganz andere Dinge herausbringen könnte. Wenn aber unsere vielgeplagte Seele durch längst vergessene unliebsame sexuelle Erfahrungen für alle Zeiten ihr Gleichgewicht verlöre, so dürften wir am Anfange vom Ende unseres Geschlechts angekommen sein; die Natur hätte ein grausames Spiel mit uns getrieben!
Seite 29 - fühlen", „sehen" an und für sich bezeichnet. Ganz anders verhält es sich mit den Worten, die den „Ich"-Begriff ausdrücken; es sind dies äufserst zusammengesetzte Ausdrücke. Es ist das die Vorstellung des Persönlichen, dh die Vereinigung aller gegenwärtigen Empfindungen, die Erinnerung an alle vergangenen Eindrücke und die Fähigkeit, die zukünftigen Erscheinungen sich vorzustellen. Es ist dies die Kenntnis des eigenen Körpers, der eigenen Fähigkeiten, der gesellschaftlichen Stellung,...
Seite 419 - Die lenksame Seelenbeschaffenheit trägt die Tendenz zur Affektverdrängung in sich, indem auf der einen Seite der Affekt durch den der Lenksamkeit eigenen Mangel an physischer Äußerung geschwächt, und gleichzeitig die phantastische Apperzeption durch die Vorstellungsinhalte, die den Affekt erregten, gefesselt wird. Damit haben wir den genetischen Faden gefunden, der von der Lenksamkeit zur Hysterisierung der Psyche führt.
Seite 85 - Die historische Entwicklung führt eine Art zu reagieren herauf, die je nach der individuellen Beschaffenheit der Nervensysteme, teils als normal, wenngleich neu, teils als ausgesprochen krankhaft ins Auge fällt oder empfunden wird.
Seite v - Selbst der Monograph ist heute schon nicht mehr imstande, alle literarischen Eier aufzusammeln, die von wissenschaftlichen Eintagsfliegen auf dem grossen Kohlfelde der Hysterie abgelegt werden.
Seite 380 - Erziehung in der öffentlichen Schule vor sich geht, Massenerziehung ist, also einer gewissen disziplinaren Grundlage gar nicht entraten kann: und man sieht schon, wie oft diese Erziehung genötigt sein wird, das seelische Erleben des Kindes unorganisch abzukürzen — aller idealen Forderung ungeachtet. Nehmen wir aber gar statt dieser Forderung die Wirklichkeit: so finden wir, daß stellenweise die Verdrängung geradezu zum pädagogischen Prinzip erhoben worden ist.

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