Andeutungen zur Belebung der vaterländischen bildenden Kunst

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Gerold, 1857 - 115 Seiten
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Seite 4 - ... entsprechenden Entwicklung gelangen konnte; mein Entwurf zur Verbesserung ward mit vornehmer Miene belächelt und ad acta gelegt, wobei es auch an spöttischen Bemerkungen nicht fehlte, wie ein Künstler, der nicht Stylistiker, sondern nur Naturalist sei, sich anmassen könne, solche Belehrungen zu erlassen. Die Benennung Naturalist wurde mir damals spottweise ertheilt, und die Herren ahnten gar nicht , dass sie mir dadurch eben wider ihren Willen die höchste Auszeichnung erwiesen. Alles diess...
Seite 28 - Nur in ihrem Studium kann es erlangt werden, nie durch Vorlegblätter oder Gemälde, und wären sie von den ersten Meistern gemalt. Nur das Leben erzeugt Leben, nur die Natur, die Gott geschaffen, nicht das Gebild der Menschenhand, die sie nachahmte, weckt den Geist der Kunst zur selbstschaffenden That. Im Gemachten lernt sich nur Gemachtes.
Seite 23 - Alles Begreifen, alles Wissen in der Kunst ist eben, weil es ein Begreifen , ein Wissen ist, keine Kunst. Sie selbst ist das ewig Unbegreifliche, sie ist die Saat von Gott gesäet, die nur in seinem Lichte reift. Sie pflegen kann man, sie erzeugen nie. Lernen kann man Künstliches, aber das Künstliche ist eben nicht die Kunst. Das ist es, was man in den Akademien nicht begreifen will.
Seite 72 - Leben ruft. Ohne die geringste Erhöhung der Staatskosten gehen ihm eben durch die Aufhebung der Akademien alle nöthigen Mittel zu dieser Aufgabe zu. In den, in solcher Richtung verwendeten Summen der jetzigen Dotationen der Akademien steht dem Staat der Fond zu Gebot, als Ermunterer und Unterstützer der Kunst in der entschiedensten und wirksamsten Weise aufzutreten. Der Staat erkläre sich zum Käufer aller echten Kunstwerke, welche in Oesterreich entstehen.
Seite 37 - Verkauf meiner so zahlreichen Gemälde, wie mich die Erfahrung gelehrt hatte , nicht zu denken. Um so mehr kam mir also eine Einladung aus Philadelphia in den Vereinigten Staaten von Nordamerika willkommen, welche mir die Aussicht gewährte, in dieser Beziehung mein Talent auch dort geltend machen zu können. Dankbar muss ich es erwähnen , dass mir von zahlreichen theilnehmenden Freunden, worunter auch sehr hohe Personen, ihr Bedauern ausgedrückt ward, dass ich im Alter von 63 Jahren noch eine...
Seite 60 - So kopierte ich denn auch damals (sc. während eines Aufenthalts in Dresden) mit der größten Pietät den bekannten Kirchhof von Ruisdael. Jetzt, nach so langer Zeit, stand ich wieder vor jenem Gemälde, aber welcher Kontrast herrschte zwischen meiner Empfindung und Erkenntnis von damals und heute! Damals keimte nicht der leiseste Zweifel in mir, dieses Bild sei ein unübertreffliches Kunstwerk, jetzt vermochte ich nichts mehr darinnen zu sehen als ein Gemälde ohne Kunstwert, aller Wahrheit bar.
Seite 112 - Zauber alle trüben Stunden meines Daseins verklärt, danke ich ihr doch die reinsten Freuden, die höchsten Genüsse...
Seite 43 - Gebiet sei, in dem sie sich entsprechendbewegen könne, dass nur die Wahrheit in der Idee, die Wahrheit in der Ausführung es sei , was ein Bild zum Kunstwerke stempele ; alles , wo diese Inspiration fehlt, ist Malerei , aber nicht Kunst. Die Kunst wird nicht in dem Farbenstoff, in der Palette, sondern im Geist geboren, der Pinsel ist ihr Diener, aber nicht ihr Schöpfer.
Seite 101 - Hilfsmittel, die sie bedurfte. Als die Lehre mit dem Schulzwang umgeben, unfrei gemacht ward, wurde es auch die Kunst. Das Geschöpf kann nie die Natur des Schöpfers verleugnen. Die zweite Frage berührt gerade den Gegensatz. Wenn der akademische Unterricht wirklich geeignet wäre, Künstler im echten Sinne des Wortes zu bilden, so...

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