Weimarisches Jahrbuch für deutsche Sprache, Litteratur und Kunst, Band 3

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C. Rümpler, 1855
 

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Seite 261 - Sachen, die zur lebendigen Welt, zum Spruch- und Nationalliede gehören und mit diesem verschwinden — davon, und davon allein hängt das Wesen, der Zweck, die ganze wundertätige Kraft ab, die diese Lieder haben, die Entzückung, die Triebfeder, der ewige Erb- und Lustgesang des Volks zu sein!
Seite 100 - Gleichwohl wäre es ewig Schade und Schande, wenn unsere Haupt- und Helden-Sprache dergestalt durch unsere Fahrlässigkeit zu Grunde gehen sollte, so fast nichts Gutes schwanen machen dörfte; weil die Annehmung einer fremden Sprache gemeiniglich den Verlust der Freyheit und ein fremdes Joch mit sich geführet.
Seite 98 - Die Teutsche Nation hat unter allen christlichen den Vorzug wegen des Heiligen Römischen Reichs, dessen Würde und Rechte sie auf sich und ihr Oberhaupt gebracht, welchem die Beschirmung des wahren Glaubens, die Vogthey der allgemeinen Kirche, und die Beförderung des Besten der ganzen Christenheit oblieget, daher ihm auch der Vorsitz über andere hohe Häupter ohnzweifentlich gebühret und gelassen worden.
Seite 115 - Fremden übertroffen werden? Daher nicht allein unsre Nation gleichsam wie mit einer düstern Wolke überzogen bleibet, sondern auch die, so etwa einen ungemeinen durchdringenden Geist haben und das, so sie suchen, nicht zu Haus, sondern auf ihren Reisen und in ihren Büchern bei Welschen und Franzosen finden, gleichsam einen Ekel vor den deutschen Schriften bekommen und nur was fremd lieben und hochschätzen, auch kaum glauben wollen, daß unsre Sprach und unser Volk eines besseren fähig sei.
Seite 101 - Heimat nicht gekennet und deswegen alles bei den Franzosen bewundert, haben ihr Vaterland nicht nur bei den Fremden in Verachtung...
Seite 100 - Kunst-Wörtern noch in etwas zu verschmerzen, ja ich habe es zu Zeiten unser ansehnlichen Haupt-Sprache zum Lobe angezogen, daß sie nichts als rechtschaffene Dinge sage und ungegründete Grillen nicht einmal nenne.
Seite 115 - Muttersprach und der Natur zu wenig zugeschrieben, welches denn sowohl bei den Gelehrten als bei der Nation selbst eine schädliche Wirkung gehabt. Denn die Gelehrten, indem sie fast nur Gelehrten schreiben, sich oft zu sehr in unbrauchbaren Dingen aufhalten; bei der ganzen Nation aber ist geschehen, daß diejenigen, so kein Latein gelernet, von der Wissenschaft gleichsam ausgeschlossen worden, also bei uns ein gewisser Geist und scharfsinnige Gedanken, ein reifes Urteil, eine zarte Empfindlichkeit...
Seite 207 - Gesegnet sei mir du, das mein Haupt bedeckt, Mein graues Haar ! die Kraft, die nach Sechzigen Fortdauert ! Denn sie war's, so weit hin Brachte sie mich, daß ich dies erlebte.
Seite 116 - Metall gekrönt zu sein pflegt; daher weil die meisten derer so sich die Ehre der deutschen Sprache angelegen sein lassen der Poeterei vornehmlich nachgehänget und also gar selten etwas in Deutsch geschrieben worden so einen Kern in sich habe, auch Alles gemeiniglich in ändern Sprachen besser zu finden, so ist kein Wunder dass es bei der eingerissenen Verachtung der unsrigen verblieben.
Seite 181 - Schelling ist einer von den wenigen Menschen, deren persönlicher Umgang den vortheilhaften Eindruck ihrer Schriften noch erhöht. Er stand eben im vierundzwnnzigsten Jahre; sein Aenßeres ist, ohne schön zu sein, kraftvoll und energisch, wie sein Geist. Die Großheit seiner Ideen entzückte mich oft, ich fühlte mich selbst durch ihn erhoben, in unseren politischen Ideen trafen wir meist zusammen. Der Schwung seines Geistes ist höchst poetisch, wenn er gleich nicht das ist, was man einen Dichter...

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