Abbildungen der Seite
PDF
EPUB
[ocr errors]

bei Tobitschau ein Treffen, in welchem sie 18 Geschüße erbeuteten unb 400 Gefangene machten; ihr Plan aber, die Armee Benedet's zu umgehen und abzusơneiden, war vereitelt. Am 17. Juli befand fich das Hauptquartier des Königs von Preußen zu Lundenburg, unge: fähr in der Mitte des Weges zwischen Brünn und Wien, zehn Meilen von Wien entfernt. Der Kaiser von Desterreich wies an dem năm: lichen 17. Juli die von Napoleon ihm übermittelten Friedensbedingungen, welche so ziemlich diejelben waren, wie die später (am 26. Juli) in Nikolsburg gleichwohl angenommenen, zurüd. Napoleon erklärte, daß er diese preußischen Bedingungen billig finde und sich daher auch ferner neutral verhalten werde. Am 19. Juli trafen der König und der Kronprinz von Hannover in Wien ein, wo fich der König von Sadsen bereits befand. Diese Fürsten mahnten natürlich zur Fortseßung des Krieges; allein bas österreichische Kabinet, dem es jeßt deutlich geworden war, daß von Seiten Napoleons weder ein activer Beistand noch ein entschiedenes Einschreiten für bessere Friedensbeding: ungen zu erwarten stehe, neigte sich zum Frieden. Bei dem Orte Blumenau, eine Stunde von Presburg, kam es am 22. Juli noch zu einem Zusammenstoß zwischen 35,000 Mann Desterreichern unter dem General Grafen Thun mit einem preußischen Corps unter General Franseky. Noch ehe der Sieg entsdieden war, machte mittags 12 Uhr die Nachricht, daß in Nikolsburg Waffenruhe auf fünf Tage gejchlossen sei, dem Kampf ein Ende. Das kaiserliche Kabinet hatte sich nämlich entschlossen, in dem Hauptquartier zu Nikolsburg, einem Städtchen an der mährischen Grenze gegen Niederösterreich, wo der Rönig Wilhelm von Preußen in einem dem österreichischen Minister Grafen Men&borff gehörigen Schlofie seine Wohnung genommen hatte, mit dem preußischen Kabinet direct Friebensverhandlungen anzuknüpfen, und es wurde zu diesem Zwede am 22. Juli auf fünf Tage Waffen: ruhe geschlossen, die man nach Ablauf dieser Zeit bis zum 22. August verlängerte. Am 23. Juli fanden sich behufe der Friedensverhandlungen die österreichischen Diplomaten Graf Rarolyi und b. Brenner und der Feldzeugmeister Graf Degenfeld ein. Desterreich hatte sich zwar gegen Bayern verbindlich gemacyt, ohne Beiziehung eines bayerischen Bevollmächtigten keine Friedensverhandlungen einzugehen, und dieselbe Rüdsicht war daher auch für seine übrigen deutschen Bundesgenossen zu er: warten; allein da Preußen erklärte, es erkenne keinen beutschen Bund mehr an und wolle mit den Mittel- und Kleinstaaten einzeln verhandeln, so legte Desterreich auf diese eingegangene Verbindlichkeit weiter kein Gewicht mehr. Die durch die Gerüchte von Friedensverhandlungen alarmirten Minister, der Mittelstaaten (Bayern, Württemberg, Baden, Darmstadt) erschienen nun aber zwischen dem 24. und 29. Juli ungeladen in Nikolsburg.

Es erübrigt uns nun nod), einen Bliť auf die kriegerischen Vorgänge zu werfen, die sich vom 16. Juli an, den Tage, wo die Preußen die freie Stadt Frankfurt beseßten, bis zum Präliminar: frieden von Nikolsburg (26. Juli) am Main abspannen. Nur in der Erwartung, daß Desterreich nach der Schlacht bei Röniggräß (3. Juli) noch einmal vor Wien eine Entidheidungsschlachtwagen werde, konnten die Bundestruppen am Main einen Kampf fortscßen, der im anderen Falle völlig unnüß war. Das Commando über die preußische Mainarmee hatte am 19. Juli aus den Händen des Generals Vogel von Faldenstein der Generalv. Manteuffel übernommen. Da sich die deutschen Bundestruppen auf dem linken Mainufer in der Gegend von Wertheim sammelten, um einen gemeinsamen Angriff auf die preußische Mainarmee auszuführen; so sah sich leßtere veranlaßt, den Zug, den sie soeben mainabwärts bis Frankfurt unternommen hatte, nun auch wiederum zurück mainauswärts zu madhen. Sie war in den legten Tagen um ungefähr 10,000 Mann verstärkt worden, worunter sich auch die oldenburgisch-hanseatische Brigade befand, die am 19. Juli 5800 Mann stark in Frankfurt eingerüđt war*). Das achte deutsche Bundesarmeecorp8 hatte sich am 18. Juli bei Miltenberg und Amorbach concentrirt und brachte seine Vereinigung mit dem siebenten (Bayern) am 19. Juli bei Wertheim zu Stande. In dieser Ver: einigung war die Bundesarmee ungefähr 90,000 Mann stark, während die preußische Mainarmee nur gegen 75,000 Mann zählte; allein die Bundestruppen erkämpften auch icßt keine Erfolge; ex fam zu feiner großen Shladit; die Preußen griffen die verschiedenen Bundescorps einzeln an und warfen sie ohne besondere Anstrengung; da unter den: selben kein ernstliches Zusammengehen stattfand und keine Abtheilung die andere energisch unterstüßte. Erst nachdem am 22. Juli zwischen Desterreich und Preußen Waffenstilstand abgeldlossen war, kam es zur Erneuerung der Action zwischen der Bundesarmee und der preußischen Mainarmee, und es mußte billig auffallen, daß man die Bundestruppen sich noch unnüßer Weise herumschlagen ließ, während die Desterreicher Waffenruhe hielten und wegen des Friedens verhandelten. Erreicht wurde durch diese Kämpfe von Seite der Bundespolitiť gar Nichts, im Gegentheil wurde die Stellung der süddeutschen Staaten gegen Preußen eher noch nachtheiliger, als zuvor. Die preußische Armee rückte am 20. Juli in zwei Abtheilungen von Frankfurt aus gegen die Bundegarmee vor; die eine Abtheilung ging über Darmstadt durch den

*) Von den Hanseaten war nur das bremer Bataillon bei dieser Brigabe; das hamburger und lübeđer Bataillon traf erst am 27. Juli bei der preußischen Mainarmee ein.

Odenwald, die andere über Aschaffenburg; in der Gegend von Wert: heim sollten sich beide Corps vereinigen. Bei dem Dorfe Hundheim, in der Nähe von Wertheim, kam es am 23. Juli zuerst zu einem Gefecht mit der badisden Division. Die Badener, 7000 Mann start, die nur 1500 Preußen gegen sich hatten, waren in dem waldigen Terrain der Meinung, sie hätten es mit einer großen Uebermacht zu thun und gingen zurück. Am anderen Tage (24. Juli) erneuerten sie den Kampf bei dem Dorfe Wer bach, um ben Preußen den Uebergang über die Tauber zu verwehren, mußten sich aber vor den zahlreicheren Preußen mit dem Verlust einer Kanone und 85 Mann an Todten, Verwundeten und Vermißten nad Werbachhausen zurüdziehen. An demselben 24. Juli wurden auch die Württemberger unter General v. Hardegg in dem Städtdyen Tauber bijhofsheim von den Preu: Ben unter den Generalen Wrangel und Rummer angegriffen. Sie hatten den Auftrag, die Stadt und die Ausgänge aus dem Thale länge der Straße nad Würzburg gegen die Preußen zu behaupten. Nachdem von zwei Uhr nadımittags bis abends fieben Uhr im Orte selbst und in der nächsten Umgebung gekämpft worden war, zogen fich die Württemberger hinter das Städtchen zurüď und schlugen am an: deren Morgen den Weg gegen Würzburg ein. Sie hatten 66 Todte und 500 Verwundete. Am 25. Juli kam es bei dem badischen Dorfe Ger dy & heim, vier Stunden südwestlich von Würzburg, zu einem Kampfe zwischen den Preußen einerseits und Bayern, Württembergern, Badenern und Hessen andererseits. Die beiderseitigen Verluste maren unbedeutend; der Kampf bestand fast nur in einer gegenseitigen Kanonabe. Am Abend zogen sich die Bundestruppen in das bayerische Grenzdörfchen Kist zurüd. Hißiger wurde an dem nämlichen 25. Juli bei Helmstadt, zwei Stunden nordwestlich von Würzburg, zwischen den Preußen und Bayern gefochten. Die Bayern zogen sich auf Uet: tingen und Waldbrunn zurüd, erneuerten aber am 26. Juli den Rampf bei Noßbrunn. Man kämpfte hier von frühem Morgen bis Mittag, ohne daß eine der beiden Parteien Terrain gewinnen konnte. Die bayerische Reiterei fiel über die preußische her, welche eine bayerische Batterie nehmen wollte, und trieb sie in die Flucht. Nach bayerijden Berichten wäre der Sieg hier den Bayern, denen die preußischen Di: visionen Beyer und Flies gegenüberstanden, gewiß gewesen, wenn sie von den Württembergern, die, statt an dem Kampfe theilzunehmen, schon am Morgen bes 26. Juli hinter den Main nach Würzburg abzogen, unterstüßt worden wären. Am Abend des 26. Juli gingen jodann auch die Bayern auf Würzburg zurück. Die Preußen und Oldenburger rüdten am 27. Juli vor die Stadt Würzburg und beschossen von zwölf Uhr mittags bis drei Uhr die Festung Marienberg vom sogenannten

[ocr errors]

Herenbruch und dem Nikolausberge aus; bayerische, österreichische und nassauische Artillerie antwortete von der anderen Seite, bem Steinberg, Galgenberg, der Käsburg und dem sogenannten legten Hieb. Um 11 Uhr gerieth das Zeughaus auf der Festung in Brand und wurde zum Theil vom Feuer zerstört. Ein bayerischer Parlamentär verlangte um drei Uhr wegen der in Nikolsburg schwebenden Waffenstilstand: verhandlungen von dem preußischen General Manteuffel Waffenruhe, bis von Nitolsburg Nachricht über den Ausgang der Verhandlungen eingelaufen sei. Der preußische General ging auf dieses Verlangen ein. Nachdem der Waffenstillstand am 28. Juli in Nitolóburg abge: (chlossen war, kam man am 31. Juli überein, daß die Preußen bis zum Abidluß des Friedens die Stadt Würzburg, die Bayern aber die Feste Marienberg mit dem Stadttheil jenseit des Maines beseßt hielten. Am 2. August zogen die Preußen in Würzburg ein und verließen die Stadt erst wieder nach dem Abschluß des Friedens (22. August 1866). Nachdem in Nikolsburg von den Bevollmächtigten der Mittelstaaten am 28. Juli ein mit dem 2. August beginnender Waffenstilstand auf drei Wochen abgeschlossen war, von dem man zuverläßig annehmen konnte, taß ihm der Friede folgen werde, ging das Bundesheer aus: einander; Württemberger, Badener, Helien und die Defter: reicher unter General v. Neipperg zogen in die Heimath zurück; die Nassauer, deren Land von den Preußen occupirt war, bezogen Kantonirungen auf bayerischem Gebiet bei Günzburg an der Donau, wo sie der Herzog am 8. Sept. 1866 ihres Eides entband und in die Hei: math entließ.

Man hat behauptet, der Prinz Karl von Bayern, Oberbefehlshaber der Bundesarmee, sei burch politische Bedenklichkeiten bestimmt worden, mit der bayerischen Armee und der Bundesarmee überhaupt nicht energijch vorzugehen und sich mehr in der Defensive zu halten; es ist dies auch nid)t unwahrscķeinlich. Schon als der Kampf ernstlich begann, bei Kissingen und Hammelburg am 10. Juli, war die Nieder: lage der Desterreicher bei Königgrät (3. Juli) der ganzen Bundes. armee bekannt. Die Generale des Bundesheeres konnten nur eine selfie

.en geringe Hoffnung haben, daß Desterreich sich wieder aufrichten und

über Sieg auf seine Seite wenden werde. Jeder Vortheil, den fin die Preußen erfochten, würde für diese eine Aufforderung gewe

in sein,

in die bas preußische Heer am Main zu verstärken, mit Ueberm südlichen Mittelstaaten einzubringen und die Friedensbedi zungen zu

* aus am steigern. Als die Preußen das zweite Mal von Frankfur

das erste 20. Juli gegen das Bundesheer anrüdten, war noch hin 22. Juli

, eh Zusammentreffen bei Hundheim am 23. Juli statt fand,

enstilstand zu Nikolsburg zwischen Desterreich und Preußen bereits e

[ocr errors]
[ocr errors]

geschlossen, und die Bevollmächtigten der Mittelstaaten eilten nach Wien, um an den Verhandlungen theilzunehmen. Was sollte jett nod; die Bundestruppen für den Krieg begeistern? Von Desterreich waren sie verlassen; die Friedensverhandlungen hatten begonnen; jeder Erfolg, den sie fortan errangen, hatte keinen Zwed mehr; er konnte das stärkere Preußen höchstens auffordern, auf Kosten der jüddeutschen Bundes: regierungen Genugthuung zu suchen.

Der preußische Krieg gegen Bayern hatte noch eine kleine Episode, die wir nicht ganz übergehen wollen. Am 23. Juli überschritt das zweite preußische Reservecorps unter dem Großherzog von Medlenburg-Schwerin die bayerische Grenze bei Hof und besette am 28. Juli Baireuth. Es bestand anfangs nur aus 8000 Mann, verstärkte sich aber durch Zuzüge (Medlenburger, Braunschweiger, Alten: burger, Dessauer) bis auf 20,000 Mann. Die bayerische Armee stand bei Würzburg; ihr Oberbefehlshaber verließ sich auf die Waffenstilstandsverhandlungen und schickte nur ein einziges Bataillon nach Bai: reuth, um diesen Ort zu beseßen. Als dasselbe vor der Stadt ankam, waren bereits Preußen darin. Der Großherzog erklärte, er wisie von keinem Waffenstilstand und könne einen solchen nur anerkennen, wenn er ihm vom preußischen Obercommando notificirt sei. Das bayerische Bataillon 30g nun ab, wurde aber am anderen Tage (29. Juli) auf der Strasse nach Kemnath bei dem Dorfe Seybothenreuth in der Frühe von zwei Bataillonen Preußen, welche drei Kanonen und eine Escadron medlenburgische Dragoner bei sich hatten, angegriffen und nach Creussen zurüdgeworfen; 200 Bayern wurden gefangen. Schnell rückten die Preußen ießt nach Nürnberg vor, um diese Stadt noch vor Eintritt des Waffenstilstandes (2. August) in ihre Gewalt zu bekommen. Eine Compagnie bayerische Infanterie ging ihnen über Nürnberg brei Stunden hinaus bis nach dem Flecken Ejdenau entgegen; man war der Meinung, die Preußen sollten, in der Vorausseßung, es käme ein größeres bayerisches Corps nach, einige Stunden vor Nürnberg Palt maden; allein die Preußen nahmen die Compagnie gefangen und 8, gen am 31. Juli in Nürnberg ein, das sie bis zum Frieden

August 1866) bejeßt hielten. burg,

Die Friedensverhandlungen begannen am 23. Juli zu Nikolsreich, zejmem mährischen Städtchen an der Grenze gegen Niederöster: rеі,

Meilen von Wien. Dieselben wurden österreichischerseits von dem C meister Grrafen Karolyi, dem Baron Vrenner und dem FeldzeugBismard?fen Degenfeld geführt, preußischerseits von dem Grafen wesend. De auds der König Wilhelm selbst war in Nikolsburg an:

französische Gesandte in Berlin, Benedetti, befand sich gleichfalls in

Nikolsburg und äußerte auf die Feststellung der Friedens

[ocr errors]
« ZurückWeiter »