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I.

Friede zu Mailand

zwischen Oesterreich und Sardinien

am 6. August 1849.

(Der österreichisch-jardinische Krieg vom Jahre 1849).

Die geheimen Verbindungen für die Einigung Italiens, die ihren Ursprung bis auf das Jahr 1816 zurückleiteten, hatten von Jahr zu Jahr in Italien größere Verbreitung und Anerkennung ihrer Bestrebungen gefunden. Vergeblich bemühte sich die österreichische Regierung, dieselben auszurotten. Am 1. Januar 1848 fanden sich in Mailand Plakate an den Straßenecken angeschlagen, in welchen die italienische Bewegungspartei den Lombarden das Rauchen verbot. Die österreichische Tabakregie gewann aus dem Tabakverkauf in der Lombardei jährlich 42 Millionen Lire; um diese Einnahme sollte die österreichische Regierung verkürzt werden. Die Lombarden leisteten dem Befehl Folge; die Regierung dagegen befahl den österreichischen Soldaten, in den Straßen von Mailand rauchend auf und abzugehen. Die rauchenden Soldaten wurden vom Volke verspottet; sie zogen die Säbel und verfolgten die Höhnenden, drangen auch in die Kaffeehäuser und verwundeten hier Viele, die an dem Erceß nicht betheiligt waren. Der Vicekönig, Erzherzog Rainer, ließ hierauf am 5. Januar 1848 eine versöhnliche Adresse an die Bevölkerung ergehen, worin er auch verschiedene Verbesserungen in der Verwaltung in Aussicht stellte. Dadurch fand sich die Centralversammlung in Mailand aufgefordert, in einer vom 14. Januar datirten Adresse an den Kaiser bestimmte Verbesserungsanträge zu stellen, nämlich Herabsetzung der Steuern, Verkürzung der Dienstzeit beim Militär, Freiheit der Presse und Hebung des Unterrichtswesens. Diese Anträge fanden. keine Berücksichtigung; vielmehr wurde schon in den nächsten Tagen eine vom 9. Januar 1848 datirte kaiserliche Erklärung bekannt gegeben, die in Wien sofort nach dem Eintreffen der Nachricht von den Excessen

bezüglich des Rauchens erlassen worden war, dahin lautend, der Kaiser habe für das lombardisch-venetianische Königreich bereits Alles gethan, was er für zuträglich halte, und werde keine weiteren Zugeständnisse mehr machen. Es erfolgten jezt viele Verhaftungen. Inzwischen brach am 12. Januar 1848 die Revolution in Sicilien aus; der König Ferdinand II. von Neapel genehmigte am 29. Januar die Errichtung von Nationalgarden und freie Presse; ein Aufstand im Großherzogthum Toscana hatte gleichen günstigen Erfolg; der Großherzog Leopold II. publicirte am 17. Februar 1848 eine Repräsen tativ-Verfassung, welche Gleichheit aller Culte, gleiche Besteuerung Aller nach Verhältniß des Vermögens und Gleichberechtigung aller Unterthanen zu allen Civil- und Militärämtern festseßte. Am 23. Februar 1848 erfolgte in Paris die Entthronung Louis Philipps und die Einführung einer republicanischen Verfassung in Frankreich; am 5. März 1848 wurde im Königreich Sardinien die neue Constitution publicirt. Diese Ereignisse vermehrten die Gährung in der Lombardei. Dieselbe kam zum Ausbruch, als der österreichische General Graf Nadeßky die Bildung einer Bürgergarde in Mailand nicht dulden wollte, wozu der Graf O'Donnel, der in Abwesenheit des Vicekönigs Rainer die Regierung führte, bereits die Erlaubniß gegeben. hatte. Am 18. März griffen die Mailänder zu den Waffen und bauten Barrikaden. Die Oesterreicher unter dem Commando Radetzky's versuchten die Barrikaden zu nehmen; ihre Truppenzahl war aber zu gering, um den Aufstand zu bewältigen. Sie räumten Mailand in der Nacht vom 21. auf den 22. März, da sie ohne Lebensmittel waren, ihre Munition verbraucht hatten und der König Karl Albert von Sardinien mit seinem Heere den Mailändern zu Hülfe herbeizog. Am 24. März 1848 wurde in Mailand eine provisorische Regierung eingesetzt; sie publicirte eine vom 23. März datirte Proclamation des Königs von Sardinien, worin dieser sagte: „Völker der Lombardei und Venedigs! Unsere Waffen, die Wir an Eurer Grenze sammelten, als ihr die Befreiung des ruhmwürdigen Mailands vollbrachtet, kommen nun, euch in künftigen Kämpfen den Beistand zu leisten, den der Bruder vom Bruder, der Freund vom Freunde erwartet." An demselben 23. März erklärte Karl Albert an Oesterreich den Krieg. Radetzky zog sich mit den österreichischen Truppen, von denen die, welche der italienischen Nationalität angehörten, abgefallen waren, vor läufig nach Verona; in Mailand rückten am 25. März sardinische Truppen ein. Am 1. April 1848 erfolgte die Kriegserklärung Desterreichs an Sardinien. Inzwischen war auch in Parma und Modena eine provisorische Regierung eingesetzt worden; die nationale Erregung verbreitete sich über ganz Italien; auch den König

Ferdinand II. von Neapel zwang die Bevölkerung, dem Kaiser von Desterreich am 7. April 1848 den Krieg zu erklären und sein Heer nach Norditalien in Bewegung zu sehen, und selbst der Pabst Pius IX. jah sich veranlaßt, am 20. März die Anordnung zu treffen, daß die päbstliche gelb-weiße Fahne am Rande mit der roth-weiß-grünen italienischen Tricolore eingefaßt werde.

Karl Albert rückte mit einem Heere von 50,000 Mann gegen Verona; Nadeßky zog ihm mit der Besaßung aus der Stadt entgegen und schlug ihn am 6. Mai 1848 in die Flucht. Gleiches Schicksal hatten die Sardinier am 29. Mai bei Curtatone in der Nähe von Mantua; dagegen waren sie am 30. Mai bei Goito im Vortheil. Am 8. Juni erklärte die Lombardei ihre Vereinigung mit Sardinien; doch richteten die mit den Sardiniern vereinigten Lombarden gegen die Desterreicher wenig aus. Im Monat Juli zogen sie in allen Treffen den Kürzeren, am 25. Juli 1848 wurden sie bei Custoza nach einer neunstündigen Schlacht vollständig geschlagen. Radesky überschritt am 26. Juli den Mincio und am 30. Juli den Oglio. Unter beständigen Gefechten zogen sich die Sardinier auf Mailand zurück, wo sie am 3. August einrückten. Am 5. August schloß Karl Albert mit Radetzky, der ihm fortwährend gefolgt war, eine Capitulation, vermöge welcher er Mailand räumte; am folgenden Tage zogen die Desterreicher in die Stadt ein. Die Lombardei war wieder im Besiß der Oesterreicher; Venedig, das am 4. Juli 1848 Karl Albert zum König ausgerufen hatte, proclamirte am 10. August 1848 die Republik. Am 9. August 1848 wurde zwischen Oesterreich und Sardinien Waffenstillstand geschlossen; Desterreich war in seinem Innern durch die Empörung der eigenen Hauptstadt und den Aufstand der Ungarn so sehr beschäftigt, daß es der Regierung nicht möglich wurde, ihre Streitkräfte gegen Italien für die nächsten Monate zu vermehren. Am 13. März 1849 fündigte Karl Albert dem Feldmarschall Radesky den Waffenstillstand. Die Oesterreicher überschritten am 20. März den Ticino, warfen die Sardinier am 21. März aus Mortara und schlugen sie vollständig am 23. März 1849 bei Novara. Noch in der Nacht vom 23. auf den 24. März übergab König Karl Albert von Sardinien die Regierung seinem Sohne Victor Emanuel und ging über Antibes durch Frankreich nach Portugal, wo er wenige Monate später (am 26. Juli 1849) zu Oporto an wiederholten Schlaganfällen starb. Der neue König Victor Emanuel begab sich am Tage nach der Schlacht (24. März) nach Vignole bei Novara, um mit Radetzky über einen Waffenstillstand zu verhandeln. Dieser wurde am 26. März 1849 auf unbestimmte Zeit für die ganze Dauer der beabsichtigten Friedensunterhandlungen abge

schlossen unter der Bedingung, daß das sardinische Heer auf den Fries densfuß gesezt, die lombardischen, ungarischen und polnischen Truppencorps entlassen würden, die sardinische Flotte aus dem adriatischen Meer, wo sie zur Unterstüßung Venedigs Stellung genommen hatte, sich zurückziehe, und 20,000 Mann Desterreicher das sardinische Gebiet zwischen dem Po, der Sesia und dem Ticino, sowie die Hälfte der Festung Alessandria beseht hielten.

Radesky ging jezt mit dem übrigen Theil seiner Armee aus Sardinien zurück und hielt am 30. März 1849 in Mailand seinen Einzug. Die Stadt Genua, unzufrieden mit dem Waffenstillstand, empörte sich am 1. April gegen die sardinische Regierung, wurde aber schon am 10. April durch ein sardinisches Heer von 24,000 Mann unter General Lamarmora zur Unterwerfung gezwungen. Venedig, das sich beim Ausbruch des Krieges zwischen Karl Albert und Desterreich im Frühjahr 1849 wieder für den Anschluß an Sardinien erklärt hatte und seit dem 4. Mai 1849 von einem österreichischen Corps unter Haynau belagert wurde, proclamirte, nachdem die Nachricht von der Schlacht von Novara eingegangen war, abermals seine Trennung von Sardinien und die Republik. Aus Rom war der von seiner Bevölkerung um liberale Maßregeln bestürmte Pabst Pius IX. am 25. Nov. 1848 nach der neapolitanischen Grenzfestung Ga eta ent flohen; die Römer sezten am 11. Dez. 1848 eine provisorische Regierung ein, da der Pabst in Gaeta nicht selbständig sei, und beriefen eine constituirende Versammlung, gegen deren Theilnehmer der Pabst am 1. Januar 1849 die Excommunication ankündigte. Die Constituante versammelte sich gleichwohl und proclamirte am 9. Febr. 1849 die römische Republik. Nach der Schlacht von Novara ernannte fie ein Triumvirat, bestehend aus Mazzini, Armellini und Saffi, mit unbeschränkten Vollmachten für den Unabhängigkeitskrieg und zur Rettung der Republik. Louis Napoleon, seit dem 10. Dezember 1848 Präsident der französischen Republik, nahm sich des bedrängten Pabstes an. Am 25. April 1849 landete ein französisches Corps unter Marschall Dudinot in Civita Vecchia, um Rom zu besehen. Dasselbe versuchte am 30. April einen Sturm auf die Stadt, wurde aber von Garibaldi, der in Rom commandirte, zurückgeschlagen; auch die gegen Rom anrückenden Neapolitaner schlug Garibaldi bei Valmontone in der Nähe von Palästrina am 9. Mai 1849. Nachdem aber das fran= zösische Belagerungscorps ansehnlich verstärkt und auf 35,000 Mann gebracht worden war, mußte Garibaldi, der nur 17,000 Mann hatte, die Stadt an die Franzosen, die seit dem 21. Juni den Sturm fortgesetzt hatten, am 29. Juni 1849 durch Capitulation übergeben. und sein Heer entlassen; er selbst ging wieder nach Südamerika.

und

Die Franzosen hielten von da an Rom besetzt und schüßten den Papst (der jedoch erst am 4. April 1850 in seine Hauptstadt zurückkehrte) gegen seine aufständischen Unterthanen. Inzwischen waren die Friedensverhandlungen zwischen Sardinien Desterreich in Mailand unter Vermittlung Frankreichs und Englands beständig fortgesetzt worden. Desterreich stellte sehr hohe Geldentschädigungsforderungen, auf welche Sardinien nicht einging; dieselben wurden endlich auf 75 Millionen Franken ermäßigt, zu deren Bezahlung sich der König Victor Emanuel verstand. Auf diese Bedingung hin wurde der Friede am 6. August 1849 zu Mailand abgeschlossen. An Gebiet hatte Sardinien Nichts einzubüßen; der König mußte sich aber verpflichten, auf jede Gebietserweiterung über die bisherigen Grenzen hinaus für sich und seine Nachkommen zu verzichten ein Artikel, der freilich nur wenige Jahre gehalten wurde. Nach dem so der Friede in der Lombardei, in Rom und in Sardinien hergestellt war, blieb auch dem bedrängten Venedig, das seit dem 4. Mai 1849 das Feuer der österreichischen Geschüße ausgehalten hatte, Nichts übrig, als an die Desterreicher unter der Bedingung vollständiger Amnestie zu capituliren (22. Aug. 1849). Die neapolitanischen Hülfstruppen unter General Pepe zogen aus der Stadt ab; am 28. Aug. rückten die Oesterreicher unter Radesky ein.

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