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Die

Kunst der Rede

in ihren Hauptzügen

an den Reden Bismarcks

dargestellt von

Dr. Hermann Wunderlich

a. o. Professor an der Universität Heidelberg.

Leipzig
Verlag von S. Hirzel

1898.

Das Recht der Übersetzung ist vorbehalten.

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Vorwort.

Die Kunst der Rede hat mich schon seit lange angezogen, und die mannigfachen Proben, die ich aus den einzelnen Entwicklungsformen unserer deutschen Rhetorik auslas, haben mir längst gezeigt, wie dankenswerth und nothwendig eine eingehende Untersuchung hier ist. Die Mitarbeit am Deutschen Wörterbuche der Brüder Grimm zieht mir jedoch in den stilistischen Untersuchungen, für die ich mit meiner „Umgangsprache“ den Grund gelegt habe, gewisse Grenzen; es ist mir daher erst jetzt möglich, auf dem geplanten Wege wieder einen Schritt weiter zu gehen.

Für die Darstellung, die ich im vorliegenden Buche verfolge, sind mir Erfahrungen bestimmend gewesen, die ich in Vorlesungen gemacht habe. Weder der geschichtliche Ueberblick über die Entwicklung der Rede, noch die Aufzählung der einzelnen Mittel, über die sie verfügt, schien mir so lebendigen Einblick in das Wesen der ganzen Kunst zu gewähren, wie die eingehende Betrachtung eines einzelnen bedeutenden Redners. Hier erst löste sich die Schablone in bewegtes Leben auf, hier erst kam Farbe in die Darstellung.

Dazu ist uns für die deutsche Redekunst ein Beispiel ohne Gleichen gegeben: Bismarck. Ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte wird von seiner Rede umspannt, wird von ihr gelenkt. Eine Mannigfaltigkeit der Formen, wie sie schon im Wandel der Zeiten sich ausbreitet, wie sie noch mehr aus der Gestaltungs

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kraft dieses Mannes herauswächst! Jede Form, die er bevorzugt, jede Form, die er hintansetzt, lässt sich als Zeugniss verwenden, um die Eigenart des Redners, um das Wesentliche an den Ausdrucksmitteln der Rede aufzudecken.

Bismarck hat vor allem im Parlamente gesprochen. Der Wortlaut seiner Rede wenigstens tritt uns am treuesten in den stenographischen Berichten der Landtage, der Reichstage entgegen. Aber von diesem Theilgebiet der Redekunst fällt doch ein helles Licht auch auf die anderen Gattungen der Rede; keine andere Stilart würde das Gemeinsame in der ganzen Kunst so deutlich wiederspiegeln als gerade die in ihren Formen so unendlich mannigfaltige Parlamentsrede.

Die Darstellung war noch nicht weit gediehen, als die Kunde kam, dass der Kanzler seinem Volke entrissen sei. Im ersten Augenblicke schien es mir undenkbar, den grossen Todten in den Rahmen wissenschaftlicher Betrachtung ziehen zu wollen, die Empfindungen zurückzudrängen, um dem Urtheil und der Prüfung Raum zu geben.

Aber aus dem erneuten innigen Versenken in das Vermächtniss, das Bismarck uns hinterlassen, wuchs die Gestalt des deutschen Redners so gebietend hervor, dass die Nachbildung einem inneren Zwang gehorchte. Möge sich kein falscher Zug in das Bild eingeschlichen haben! Heidelberg, November 1898.

II. Wunderlich.

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Einleitung
I. Capitel: Das gesprochene Wort

1. Die Begleiterscheinungen des gesprochenen Wortes

a) Die Persönlichkeit des Redners .
b) Mienenspiel und Gebärden .
c) Der Vortrag

a) Das Organ
B) Das Tempo
) Die Abstufungen der Betonung
d) Tonfärbungen

£) Die Nachahmung fremden Vortrags
2. Syntaktische Beobachtungen am gesprochenen Worte

a) Die Partikeln
b) Die Gliederung der Sätze
c) Das Satzgefüge auf der Grundlage der Gedanken-

entwicklung
a) Die Wortstellung
B) Einschiebsel
y) Anakoluthe

d) Correctur
3. Stilistische Beobachtungen am gesprochenen Worte

a) Die Wortwahl
b) Kraft und Anschaulichkeit des Ausdrucks .

c) Kürze
II. Capitel: Redner und Hörer

1. Die Eingriffe der Hörer in die Rede .
2. Der Redner sucht Fühlung mit den Hörern zu gewinnen
a) Die allgemeinen Formen

a) Die Anredeformel und ihre Entwicklung

B) Andere Anknüpfungsmittel
b) Der Verkehr mit einzelnen Gruppen der Hörer

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