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Heer schon vier Wochen lang dem Elend und den giftigen Dünsten seines Lagers ausgesetzt, die ersten Vorboten seiner Vernichtung gewahrte, da war jenseit der Alpen die grosse Hungersnoth mit der Troussegalant in ihrem Gefolge in vollem Anzuge, und fast in denselben Tagen brach die Schweisssucht an der Themse aus.

4. Naturereignisse. Vorboten.

Die Zeitbücher aller europäischen Völker sind voll von denkwürdigen Angaben über die Störungen der Natur in eben diesen Jahren, welche dem Pflanzen- und Thierleben so überaus feindlich wurden. In England bereitete sich die Zeit des Elends schon zu Ende des Jahres 1527 vor. Den ganzen Winter über (November, December und Januar 1528) überschwemmten Regengüsse das Land, die Flüsse traten aus ihren Ufern, und so wurde die Wintersaat durch Fäulniss vernichtet. Dann blieb es trocken bis zum April, kaum hatte man aber die Sommersaat dem Boden anvertraut, so regnete es wieder volle acht Wochen, Tag und Nacht, so dass auch nun die letzte Hoffnung auf eine Ernte vernichtet wurde *), und die durchnässte Erde in dicken Nebeln den wohlbekannten Dämon der Schweisssucht ausbrütete. Es frommte nun nicht, dass die Regengüsse nachliessen, denn der aufgeweichte Boden gab der Seuche anhaltende Nahrung, und die feuchte Wärme, die mit unzeitiger Kühle wechselnd, die nächsten Jahre in ganz Europa herrschend blieb, machte mehr und mehr die Körper für grosse Krankheiten empfänglich.

Die Geschichtschreiber dieser Zeit waren mit den

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Italien. 1527. Ueberschwemmungen. 1528.

verworrenen Angelegenheiten des Hofes und der Kir-
che allzusehr beschäftigt, um der Natur einige Auf-
merksamkeit zu widmen; deshalb haben sie uns über
die Witterung und den Verlauf der nächsten Jahre
in England keine genauen Nachrichten hinterlassen,
doch ist kein Grund anzunehmen, dass sie wesentlich
anders gewesen, als im übrigen Europa. Eine Zu-
sammenstellung wichtiger Ereignisse mag dies bewei-
sen, im Verein mit den über Frankreich und Italien
schon mitgetheilten Angaben.
In Oberitalien traten schon im Jahre 1527 so be-
deutende Ueberschwemmungen aller Flussgebiete ein,
dass die Astrologen eine neue Sündfluth verkündigten.
Sie wiederholten sich in gleicher Ausdehnung und Ver-
derblichkeit im folgenden Jahre, so dass nicht ohne
Grund auf eine Ueberhäufung der höchsten Gebirge
Europas mit Schnee geschlossen werden kann. 1529

den 3. Juli folgte ein gewaltiges Erdbeben in Ober

italien, und bald darauf ein sogenannter Blutregen in
Cremona *). -
1530 im October trat die Tiber so hoch über
ihre Ufer, dass in Rom und der Umgegend an 12,000
Menschen ertranken. Einen Monat später durchbrach
die See in den Niederlanden die Deiche, und Hol-
land, Seeland und Brabant litten sehr bedeutend durch
das Ueberfluthen des Wassers, das zwei Jahre darauf
sich wiederholte *).
1528 zeigten sich in der Mark Brandenburg bei
anhaltendem Südostwinde und grosser Trockenheit *)
(die Nässe begann in Deutschland erst 1529) Heu-

1530.

Norddeutschland. Heuschreckenschwärne.

528.

1) Campo, p. 150. 51.
2) Grafton, p. 431. – Wagenaar, Bd. II. S. 516.
3) Haftitz, S. 130. -

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schreckenschwärme"), als sollte auch dieses Vor-
zeichen grosser Volkskrankheiten nicht fehlen. Von
Feuermeteoren, die auch in den folgenden Jahren oft-
mals erschienen, und in ihrer Gesammtheit offenbar
einen ungewöhnlichen Zustand des Luftmeers erken-
nen lassen, wird hier und da in der VWeise des Zeit-
alters viel berichtet *). Besondere Aufmerksamkeit
erregte ein langer feuriger Strahl, der am 2. Januar
1529 Morgens sieben Uhr in ganz Mecklenburg und
Pommern gesehen wurde *). Ein anderes Feuerzei-
chen (Chasma) sah man in der Mark am 9. Januar,
zehn Uhr Abends *), so wie ähnliche Lufterscheinun-
gen in anderen Gegenden.
Kometen erschienen im Verlauf dieser Jahre in
ungewöhnlicher Zahl *). Der erste am 11. August
1527 vor Tagesanbruch; man sah ihn in ganz Europa,
und er wurde von den Späteren oft mit einer ko-
metenähnlichen Lufterscheinung am 11. October ver-
wechselt *). Der zweite 1529 im Juli und August;
man sah ihn in Deutschland, Frankreich und Italien.
Auch sollen sich in diesem Jahre vier andere Kome-
ten zu gleicher Zeit gezeigt haben, doch ist hier wahr-
scheinlich nur ein Feuermeteor von unbekannter Art

1) Annales Berolino-Marchici. (Ohne Seitenzahl.)

2) Magnus Hundt, fol. 4. b., und viele andere.

3) Bonn, S. 143. Ein Mädchen in Lübeck starb vor Schreck über dieses Meteor.

4) Haftitz, S. 131. – Angelus S. 317.

5) Man wolle aus diesen Angaben nicht auf irgend eine vorgefasste Meinung des Verf über die Bedeutung dieser Himmelskörper schliessen. Der Geschichtschreiber darf die gleichzeitigen Erscheinungen nicht übergehen, gleichviel was man aus ihnen bei der Beschränkung des menschlichen Gesichtskreises folgern möge.

6) Pingré, T. I. p. 485. – Spangenberg, M. Chr. sol. 410. a.

Meteore.

Kometen. 1529. Deutschland.

Warmer
Winter.

Nasser Sommer.

zu vermuthen ! ). Der dritte 1531, der in Europa
vom 1. August bis zum 3. September sichtbar blieb.
Es war der grosse Halleysche, der im Jahre 1835
wiederkehren wird ?). Der vierte 1532, vom 2. Oc-
tober bis zum 8. November sichtbar; er ist 1661 wie-
der erschienen *); und endlich der fünfte 1533, von
der Mitte des Juni bis zum August *).
Ueber die Unzuträglichkeit des verhängnissvollen
Jahres 1529 berichten die Zeitgenossen in auffallen-
der Uebereinstimmung. Der Winter war äusserst ge-
linde, und nur allzu frühzeitig wurden die Keime be-
lebt, so dass alle VVelt über den milden und schönen
Frühling erfreut war. In Erfurt schmückte man sich
schon am St. Matthiastage (den 24. Februar) mit Veil-
chen, nicht ahnend, dass diese freundliche Vorbedeu-
tung hartes Missgeschick verkünden sollte *). Das
ganze Frühjahr, den ganzen Sommer über blieb die
Nässe vorherrschend. Anhaltende Regengüsse über-
schwemmten die Felder, die Flüsse traten aus ihren
Ufern, das Gedeihen der Früchte wurde durchweg
vereitelt "), und allenthalben brach Elend und Hun-
ger herein. Einer viertägigen Regenfluth im südlichen

1) Pingré, p. 486. – Angelus, S. 318. – Crusius, Bd. II. S. 223. 2) Pingré, p. 487. – Campo, p. 154. – Angelus, S. 320, und unzählige andere Angaben. Er hat eine 76jährige Umlaufszeit, und ist 1456, 1531, 1607, 1682 und 1759 beobachtet worden. 3) Pingré, p. 491. – Spangenberg, M. Chr. fol. 433. b. 4) Pingré, p. 496. – Angelus, S. 322. – Spangenberg, M. Chr. fol. 435. a. 5) Chronik von Erfurt. – Mit denselben Worten bei Spangenberg, M. Chr. fol. 431. b., der diese Chronik häufig benutzt hat. 6) Den sauern Wein dieses Jahres nannte man den Wiedertäufer-Wein. Schwelin, S. 144.

Deutschland in der Mitte des Juni – man nannte sie
den St. Veits-Guss – erinnerte man sich als eines
unerhörten Ereignisses noch in späterer Zeit. Ganze
Länderstrecken geriethen in die äusserste Wassers-
noth, und viele Menschen kamen um, die sich nicht
zeitig genug retten konnten *). Ein ähnliches, sehr
weit verbreitetes, vielleicht allgemeines Unwetter, wie-
derholte sich am 10. August, und veranlasste beson-
ders in Thüringen und Sachsen grosse Ueberschwem-
mungen *). Im Ganzen brach die Sonne nur wenig
durch die dichten grauen Wolken: der Spätsommer
und der ganze Herbst mit Ausnahme einer Reihe heisser
Tage vom 24. August an *), blieben trübe und nasskalt;
man glaubte die brittische Nebelluft zu athmen *).
Es darf hier nicht übergangen werden, dass man
im nördlichen Deutschland, besonders aber in der Mark
Brandenburg, den Genuss von Fischen, die in grosser
Menge gefangen wurden, allgemein für schädlich hielt.
Man wollte böse und ansteckende Krankheiten davon
beobachtet haben, und man war darüber verwundert,
dass die einzige Speise, die die Natur freigebig spen-
dete, so offenbar Verderben brachte *). Es möchte

1) Crusius, B. II. S. 323. – St. Veits-Tag ist den 15. Juni. – In Heidelberg fing man auf dem Neckar ein Kind auf, das sechs Meilen weit unversehrt in seiner Wiege geschwommen war. Franck, fol. 252. b.

2) Spangenberg, M. Chr. fol. 432. a. 3) Klemzen, S. 254.

4) Schwelin, S. 144. – Newen ar, fol. 69. a. – „fecit tamen huius anni, ac fortasse etiam praecedentium intemperies, fluminum exundationes, frigora cum humiditate perpetuo coniuncta, ut iam in Germania Britannicus quidam aër suscitatus videri possit.“ – Aehnliche Angaben finden sich bei fast allen Chronisten. *

5) Leuthinger, p. 90. Siehe Seriptorum etc.

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