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schen Arzte"), wenn auch immer noch mangelhafte, doch schon genügendere Beschreibungen ihrer Zufälle. Ihr Verlauf war auch damals sehr rasch, so dass sie in zwei bis drei Tagen tödtete; sie befiel wiederum mehr die Starken als die Schwachen, als wollte sie ihren alten Namen rechtfertigen, auch blieben die Genesenen lange Zeit an dem Verlust der Haare und ihrem elenden Aussehen kenntlich. Zu Anfang fühlten die Kranken eine unerträgliche Schwere im Körper, mit äusserst heftigem Kopfschmerz, der sie bald des Bewusstseins beraubte, und in gänzliche Stumpfheit überging, so dass selbst die Schliessmuskeln ihre Dienste versagten, oder nach anhaltender Schlaflosigkeit eine so heftige Fieberwuth zur Folge hatte, dass man zu Zwangsmitteln greifen musste, wie denn diese entgegengesetzten Zustände bei allen typhösen Fiebern gewöhnlich sind. Sander erwähnt ausdrücklich, dass sich bei den meisten Kranken Ausschläge gezeigt hätten, ohne diese jedoch näher zu beschreiben, oder den Verlauf und die Entscheidung der Krankheit näher zu bezeichnen, als dass sie gegen den vierten oder elften Tag zu Ende gegangen sei. Eben jene Ausschläge (wahrscheinlich Petechien und vielleicht auch rother Friesel) kamen zu ganz unbestimmter Zeit, entweder zu Anfang, mit schlimmer Vorbedeutung, oder später mit den Zeichen guter Entscheidung. Spulwürmer in grosser Menge vermehrten gewöhnlich die Leiden der Kranken, und wurden unter grosser Qual lebendig ausgebrochen. Die Krankheit war nicht viel weniger ansteckend, als die Pest, und was ihre Behandlung betrifft, so wurde sie entschieden glücklich

1) Forest. L. VI. obs. 7. p. 156. Sander berichtet von seinen zahlreichen Beobachtungen in und um Chamberay.

mit starken Aderlässen, selbst bis zur Ohnmacht bekämpft, woraus auf Vollblütigkeit und entzündliche Wallungen, vielleicht auch wohl Hirnentzündung zu schliessen ist, wenn wir die beschriebenen Kopfzufälle berücksichtigen *). Es darf unserer Aufmerksamkeit nicht entgehen, dass schon während der Seuche von 1546 die Drüsenpest sich hier und da, namentlich in den Niederlanden zeigte *), im folgenden Jahre aber in Frankreich in grösserer Ausbreitung vorkam *), woraus hervorzugehen scheint, dass in Bezug auf dieses Uebel ihre Bedeutung gleich der des Fleckfiebers gewesen sein mag, da dieses den Pesterkrankungen vorauszugehen pflegt *).

Die Angabe der Geschichtschreiber, Frankreich habe 1528 und die folgenden Jahre dem vierten Theil seiner Bewohner durch Hunger und Seuchen verloren, erscheint nach unserer Darstellung durchaus nicht zu hoch. Auch waren die Folgen für die Zukunft dieses Landes sehr wichtig. Denn Franz I. sah ein, dass von seinem so hart geprüften Volke keine neuen Opfer zu verlangen waren, er entsagte seinen Entwürfen von Grösse und auswärtiger Macht, und willigte in den unglücklichen Frieden von Cambray, den 5. August 1529.

1) Sauvages, T. I. p. 487. nennt die Trousse-galant geradehin Cephalitis verminosa, wiewohl weder Hirnentzündung noch Würmer bei allen Kranken vorhanden waren, und giebt ihre Beschreibung nach Sander, die wieder Ozanam von ihm abgeschrieben hat. T. III. p. 27.

2) Forest. p. 157. Schol.
3) Paré, a. a. O.

4) Bekanntlich erscheinen auch die Pocken und Masern als Vorläufer der Pest.

Menschenverlust.

Ausbruch in London, im Mai.

3. Schweiss sucht in England. 1528.

Wer irgend nach diesen Thatsachen das Bild von Europa im Jahre 1528 sich vergegenwärtigt, der sollte wohl glauben, dieser Welttheil wäre von einem giftigen Hauche angewehet worden, der fort und fort Unheil und Tod über die Völker brachte. In tausend Gestalten brach das Verderben herein, zerrüttete die Körper, verfinsterte die Gemüther – und hierzu der Unfriede der Welt, der tödtliche Hass der Parteien –: Es war als sollten alle Angelegenheiten der Menschheit in diesen riesenhaften Kampf hineingezogen, und in zerstörender Entscheidung alle Spuren vergangener Zeit vernichtet werden.

Noch Schlimmeres als bis jetzt dargestellt worden, bereitete sich in England. Denn hier brach in den letzten Tagen des Mai das Schweissfieber aus, mitten in dem volkreichsten Theile der Hauptstadt, verbreitete sich rasch über das ganze Königreich, und wurde vierzehn Monate später für alle Völker des nördlichen Europa ein Schreckbild des Entsetzens, wie kaum je eine andere Volkskrankheit. Es zeigte sich sogleich in derselben Tödtlichkeit wie elf Jahre früher, kündigte sich durch keine Vorboten an, und zwischen Wohlsein und Tod lag nur eine kurze Frist von fünf oder sechs Stunden. So fehlten nun auch nicht die inneren Erschütterungen des öffentlichen Lebens. Die Gerichtstage wurden aufgeschoben, und vier Wochen nach dem Ausbruch der Seuche unterblieb die Feier des Johannistages"), zum grossen Leidwesen des Volkes, das gewiss nicht davon gelassen haben würde, hätte es vor Bestürzung über das

1) Faby an, p. 699.

grosse Sterben nur irgend zu Athem kommen können. Am Hofe des Königs wurde es wieder einsam, und zu den vielen Leidenschaften und Gemüthsregungen, welche sich hier seit 1517 durchkreuzt hatten – man gedenke nur des theologischen Eifers, den Heinrich's VIII. Glaubensvertheidigung hervorgerufen – gesellte sich wieder die alte Angst und Beklommenheit, die durch den Tod einiger hochbegünstigten Hofleute gerechtfertigt schien, namentlich zweier Kammerherren *) und des aus Spanien zurückgekehrten Gesandten Sir Francis Poynes. Der König verliess Heinrich VIII. sofort London, und suchte der Seuche durch beständiges Umherreisen zu entgehen, bis er endlich, des unstäten Lebens überdrüssig, in Tytynhangar sein Verhängniss abzuwarten beschloss. Hier lebte er still und abgeschieden mit seiner ersten Gemahlin und wenigen Vertrauten, umgeben von luftreinigenden Feuern, und bewacht von der Vorsicht seiner Aerzte, denen die Genugthuung zu Theil wurde, dass die Seuche von dem einsamen Aufenthalte fern blieb *). Wie hoch in diesem Sterben, welches einige Ge- Menschenschichtschreiber das grosse nennen, der Menschen- verlust. verlust gestiegen sei, kann nur nach den mitgetheilten Thatsachen beurtheilt werden, die eine äusserst gewaltsame Erschütterung der Gemüther beurkunden. Genaue Angaben fehlen durchaus, doch liegt es klar am Tage, das ganze englische Volk, vom Throne bis in die niedrigste Hütte, wurde von dem Angstgefühl der Unsicherheit des Lebens durchzuckt, gegen welches

1) Sir William Compton und William Carew, ausser vielen anderen Vornehmen, die nicht genannt sind.

2) Grafton, p. 412., die Hauptstelle. Vergl. Holinshed, p. 735. – Baker, p. 293. – Hall, p. 750. – Herbert of Cherbury, p. 215.

Hungersnoth.

Gleichzeitigkeit dreier Epidemieen.

weder die Rohheit der Sitten, noch die alltäglichen
Wirkungen mit Blut geschriebener Gesetze *) die Ge-
müther abgestumpft hatten. Dergleichen geschieht nicht
ohne sehr zahlreiche Todesfälle, die jedem Einzelnen
die Gefahr nahe rücken, und so mögen denn aller
Orten die Kirchhöfe reichlich gefüllt worden sein.
Auch kam die mörderische Krankheit nicht allein.
Mangel und Theuerung begleiteten sie, und während
Hunderttausende auf das Sterbelager niedergestreckt
wurden, verschmachteten viele vor Hunger *); man
hätte Aehnliches wie in Frankreich erlebt, wäre nicht
der Kornhandel in etwas zu Hülfe gekommen *).
Als man erst die Vorfälle dieser Unglücksjahre
mehr übersehen konnte, so überzeugte man sich bald,
dass es dieselbe allgemeine Ursache des Er-
krankens war, welche die giftige Seuche im
französischen Lager vor Neapel, das Faul-
fieber der jungen Leute in Frankreich, und
die Schweifs sucht in England hervorrief,
und dass die verschiedene Natur dieser
Krankheiten nur von Bedingungen des Bo-
dens und der Luftbeschaffenheit der heim-
gesuchten Länder abhing *). Sollte dagegen

- eine beschränkte Ansicht von dem menschlichen Ge

sammtleben Zweifel erheben wollen, so werden diese durch die wunderbare Gleichzeitigkeit aller dieser Erscheinungen in so verschiedenen Theilen Europas schlagend widerlegt. Denn während das französische

1) Unter Heinrichs VIII. Regierung (1509 – 1547) wurden nach Harrison 72,000 Verbrecher wegen Raub und Diebstahl hingerichtet, also jährlich fast 2000. Hume, T. IV. p. 275.

2) Stow, p. 885. – 3) Fabyan, a. a. O.

4) „- it seeming to be but the same contagion of the aire, varied according to the clime.“ Herbert of Cherbury, a. a. O.

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