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des Königs Johann tödtete "); 1551 ist das Jahr der fünften Schweissfieberseuche; 1557 trat nach der Influenz eine Drüsenpest in Holland auf, die bis in das folgende Jahr dauerte, und in Delft 5000 Einwohner wegraffte *); 1564 herrschte eine sehr mörderische Pest in Spanien, an der in Barcelona 10.000 Menschen starben, und endlich 1580, dem letzten Influenzenjahre dieses Jahrhunderts, eine Pest im grössten Theile Europa's (in Paris starben 40.000) und in Aegypten *).

7. Volkskrankheiten von 1517.

Wir kehren jetzt zum Jahre 1517 zurück, und wollen nun die Volkskrankheiten betrachten, welche die englische Schweissfieberseuche begleiteten. Hier Hauptkrank- zeigt sich zuerst die Hauptkrankheit, jenes hirnneit. entzündliche, in Mitteleuropa so oft wiederkehrende Fieber, durch ganz Deutschland in nicht geringer Verbreitung. Viele starben an dieser gefahrvollen Krankheit, und von den Zeitgenossen wird versichert, dass auch andere hitzige Fieber zwischendurch vielen tödtlich geworden seien *). So stand es in Deutschland, dem Herzen Europas. Noch viel bedeutungsvoller erDiphtheritis scheint aber eine andere, den Aerzten bis dahin noch in Holland. ganz unbekannte Krankheit in Holland, die in den ersten Monaten des Jahres 1517 auftrat, und mit ihren gefahrvollen, so ganz unerklärbaren Zufällen Furcht und Schrecken verbreitete. Es war eine bösartige, und nach der Versicherung eines sehr achtbaren ärzt

lichen

1) Hvitfeldt, Danmarks Riges Kronike.
2) Forest. Lib. VI. Obs. IX. p. 159.

3) Webster, Vol. I. p. 157. 165. Villalba, T. I. p. 102. 117., und Schnurrer.

4) Spangenberg, M. Chr. fol. 408. b.

lichen Augenzeugen, selbst mittheilbare Halsentzündung,
von so raschem Verlaufe, dafs wenn in den ersten
acht Stunden keine Hülfe gebracht wurde, die Kran-
ken noch vor Ablauf des Tages ohne alle Rettung
dem Tode verfielen. Augenblicklicher Halsschmerz
und gewaltige Brustbeklemmung in der Herzgegend,
drohten und brachten endlich Erstickung, die Muskeln
des Halses und der Brust wurden in den Anfällen
von heftigen Schmerzen durchzuckt, und nur kurze
Linderung trat ein, bis zur Wiederholung der tödt-
lichen Qual. Die Krankheit begann ohne alle Vor-
zeichen mit einem heftigen Brustkatarrh, der sich rasch
zur Entzündung der Luftwege steigerte, und wenn der
Tod nicht an demselben Tage erfolgte, wohl auch in
eine lebensgefährliche Lungenentzündung von gewöhn-
lichem Verlauf, jedoch mit sehr hitzigem Fieber über-
ging. Zuweilen bemerkte man auch einen minder ge-
fährlichen Uebergang in Wechselfieber; doch gelang
in keinem Falle eine rasche Wiederherstellung, son-
dern wenn auch schon das Fieber beseitigt war, so
blieben die Kranken noch mindestens vier Wochen
lang mit Magenweh und grosser Hinfälligkeit behaftet,
welche Erscheinung für einen Arzt unserer Zeit aus
den Geschwürchen und Rissen der Zunge, welche auf
der Höhe des Fiebers entstanden, und gegen die ge-
bräuchlichen Mittel hartnäckig blieben, leicht erklär-
lich wird.
Die gewählte Heilart zeigt die Umsicht und Tüch-
tigkeit der holländischen Aerzte. Sie liessen, so
bald als möglich, spätestens noch vor Ablauf der sech-
sten Stunde, zur Ader, und reichten danach sogleich
Abführmittel, wogegen sich jedoch einige angese-
hene Männer, zum grossen Nachtheile der Kranken
erklärten, denn die plötzliche Erstickung konnte ohne

Heilart. In der Schweiz. 1517.

die vereinte Wirkung dieser beiden Mittel nicht abgehalten werden. Ausserdem war der Erfolg reinigen der Gurgelwässer, mit denen man die Verbreitung des Uebels auf die Lungen verhütete, und

- einhüllender Brustmittel entschieden heilsam, und es

wird versichert, alle so Behandelte wären leicht ge-
nesen *).
Ist diese Krankheit, für welche die Zeitgenossen
keinen Namen erfanden, schon an sich auffallend und
eigenthümlich, so ist es noch mehr ihr schnelles Auf-
treten und ihr plötzliches Verschwinden. Die mei-
sten der von ihr Ergriffenen erkrankten zu gleicher
Zeit, und kaum waren elf Tage unter Noth und Trauer
vergangen, so wurde niemand weiter befallen, die vie-
len Todten waren begraben, und ohne das Tagebuch
des würdigen Tyengius *) würde sich keine ver-
ständliche Erinnerung an diese denkwürdige Volks-
krankheit erhalten haben, die sich ohne Zweifel wei-
ter, als bloss über das nebelige Holland, und wahr-
scheinlich mit noch grösserer Bösartigkeit verbreitete.
Denn wir finden sie in demselben Jahre in Basel wie-
der, wo sie innerhalb acht Monaten an 2000 Men-
schen tödtete, und ihre Zufälle, so scheint es, sich
noch viel deutlicher entwickelten. Von den Zwischen-
ländern, welche die Krankheit höchst wahrscheinlich
von Holland aus durchzogen hatte, ehe sie in Basel
erschien, haben wir leider keine Nachricht. Zunge
und Schlund wurden weiss, wie mit Schimmel über-
zogen, die Kranken mochten weder essen noch trin-

1) Tyengius, bei Forest Lib. VI. Obs. II. Schol. p. 152.

2) Forest hat die ungedruckten, wahrscheinlich verloren gegangenen Werke dieses vorzüglichen Arztes benutzt, von dem wir ohne ihn keine Kenntniss haben würden.

ken, und unter andauerndem Kopfweh mit Irrereden litten sie an bösartigem Fieber. Auch hier erkannte man, nächst einem innern Heilverfahren, das nicht näher bezeichnet ist, die Reinigung des Mundes für einen wesentlichen Theil der Behandlung, alle zwei Stunden entfernte man den zähen weissen Ueberzug, und bestrich danach Zunge und Gaumen jedesmal mit Rosenhonig *), wonach die Kranken leichter genasen, als wenn dieses Verfahren unterlassen wurde *). Es scheint nach neueren Erfahrungen keinem Zweifel zu unterliegen, dass diese Krankheit in einer Schleimhautentzündung bestanden habe, die sich mit Ausschwitzung lymphatischer Stoffe vom Schlunde bis in den Magen, und zugleich durch die Luftröhre bis in die Lungen verbreitete, mit dem Schlund croup also übereinstimmt, den man noch vor wenigen Jahren als eine neue Krankheit aufgestellt, und sogleich mit einem besondern Namen bezeichnet hat *). Ihre nachmalige Erscheinung in dem denkwürdigen Jahre 1557, über welche wir einen noch genaueren Bericht haben, bekräftigt diese Annahme noch mehr. In diesem Jahre brach sie im October aus, und wurde von Forest, der sie selbst überstand, in Alkmaar beobachtet, wo sie ganze Familien befiel, und innerhalb weniger Wochen über 200 Menschen tödtete, jedoch nicht so überaus rasch verlief, wie 1517, sondern mit einem gelinden Fieber begann, wie ein gewöhnlicher Katarrh, und ihre grosse Bösartigkeit erst in allmählicher Entwickelung offenbarte. Dann zeigten sich plötzlich Erstickungszufälle, und das Brustleiden war ausgebildet, mit so verzweiflungsvoller Beklemmung, dass die Kranken in den Anfällen zu sterben wähnten. Der krampfhafte, beengende Husten steigerte das Uebel mehr und mehr, und wurde, bevor es zum lindernden Schleim

1) Die Neueren, die den gewaltigen Mitteln den Vorzug geben, ohne damit weiter zu kommen, wählen hierzu den Höllenstein.

2) Wurstisen, S. 707. – „In diesem siebenzehenden jar entstund eine unbekannte Sucht, das den Leuten die Zung und Schlund, gleich als mit Schimmel überzogen, weiss wurden, weder essen noch trincken mochten, mit einem Hauptwehe, nicht one pestilentzischs Fieber, welches die Leut von vernunft bracht, auch bei 2000 Personen innerhalb acht Monaten zu Basel hinname. Welchem sollt geholffen werden, demselbigen musste neben anderen mitlen, je zu zweien stunden, der Mund und Schlund biss auffs Blut sauber geseget, demnach mit Rosenhonig gelindert werden.“

3) Bretonneau's Diphtheritis. Vergl. Naumann’s Abhandlung darüber in des Verf. Wissenschaftlichen Annalen der ges. Heilkunde, Bd. XXV. H. 3. S. 271.

In Holland

1557

Wechsel

fieber.

auswurfe kam, vornehmlich den Schwangeren gefähr

lich, von denen innerhalb acht Tagen sechzehn starben, während die überlebenden alle zu früh niederkamen. Sehr verschiedenartig in seinem Verlaufe war das die Entzündung begleitende Fieber. Mit anhaltendem Verlaufe wurde es bei den wenigsten Kranken beobachtet, brachte aber dann die grösste Gefahr; doch erfolgte der Tod wohl erst gegen den neunten oder vierzehnten Tag, nachdem im Jahre 1517 eben so viele Stunden das Lebensende herbeigeführt hatten. Nach dieser Zeit verminderte sich die Gefahr, und von Anfang an waren die Kranken – stand ihnen ein guter Arzt zur Seite – vor Erstickung mehr gesichert, deren Uebel nur von einem Wechselfieber begleitet wurde. Dies erschien, so deutlich war der Einfluss des holländischen Bodens, von der reinsten, ungetrübten Form, bis zum Uebergange in anhaltendes Fieber in mannigfachen Abstufungen. Hier war denn auch die Entzündung weniger vollständig ausgebildet, so dass selbst das sonst unerlässliche Aderlass zuweilen

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