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T'agen durchaus, bis ein geschickter Arzt aus der Nähe herbeikam'), und als schon die meisten Einwohner vom Schweissfieber ergriffen waren, eine zweckmässige Behandlung anordnete. Doch sind in einer solchen Verwirrung die Kräfte eines Mannes den tiefgewurzelten Vorurtheilen des Volkes nicht gewachsen, und so fuhr man denn in den meisten Häusern fort, mit Hitze und Theriak Schweiss und Leben der Kranken auszutreiben, bis endlich am 3. December Herr Dr. Sinner von Würzburg, ohne welchen das Andenken an diese merkwürdige Krankheit erloschen sein würde, hinzutrat, und in Verein mit jenem wakkere Kunstgenossen, wie einst der ungenannte Arzt in Zwickau, den verderblichen Volkswahn bekämpfte. Er fand noch vierundachtzig Kranke ?) in hohen Federbetten, die in gereinigter Luft zuerst wieder frei aufathmeten, und bei vorsichtiger Kühlung sein Verfahren erinnert an die altenglische Behandlung leicht und ohne alle Gefahr bis auf einen genasen 3).

Die Krankheit blieb durchaus nur auf Röttingen beschränkt, nirgends zeigte sie sich ausser den Thoren dieses Städtchens. Am 5. December aber trat helles Frostwetter ein, es erkrankte niemand mehr, und alle Spur des Röttinger Schweissfiebers, dem auch nicht eininal Friesel an irgend einer .

1) Herr Amtsphysikus Dr. Thein, von Aub.

2) Die vollständige Kranken- und Todtenzahl ist nicht an. gegeben. Herr Dr. Sinner fand kurz vor dem Aufhören der Krankheit noch 9 Leichen, von denen keine geöffnet wurde.

3) Alle Erhitzung wurde vermieden, die Luft vorsichtig gereinigt, kühlendes Getränk gegeben, und gegen die damalige Brownsche Weise kamen nur wenig Arzneimittel in Gebrauch, wie Baldrian, Hirschhorngeist, Holfinannstropfen u. dgl. Blasenpilaster thaten gule Dienste, und eben so nach Umständen Kampher. Die Genesenden worden gut genährt.

Stelle in Franken vorherging oder folgte, ist seitdem verschwunden.

Die Aehnlichkeit dieses Fiebers mit dem engli- Vergleichung. schen Schweisse ist offenbar, und ergiebt sich selbst aus der ganz kurzen, nur zehntägigen Dauer des Erkrankens, welche nach unserer Darstellung als ein ganz Wesentliches Merkmal der englischen Schweissfieberseuchen, wenigstens in Deutschland erscheint, während die Frieselseuchen sich immer durch einen viel längeren Zeitraum hingezogen haben. Aber bleiben wir auch nur bei den Zufällen der Krankheit steben, so sind bei dem Röttinger Schweissfieber durchaus keine anderen als wesentlich zu betrachten, als das Herzklopfen mit Angst, der strömende Schweifs und der rheumatische Nakkenschmerz, der bei keinem Krankenvernisst wurde, und gerade dieselben Erscheinungen treten aus dem Bilde des englischen Schweisses in gleichem Verhältnisse zu den übrigen ganz deutlich und erkennbar hervor. Die Ausschläge dagegen waren so durchaus unwesentlich, wie in der Krankheit des sechzehnten Jahrhunderts. Die Reizbarkeit der Haut und die Neigung zu lebensgefährlichen Versetzungen war bei dem Röttinger Fieber geringer, als beim englischen Schweiss, denn die Kranken konnten ohne Schaden mitten in Schweiss die Wäsche wechseln, was bei der englischen Schweisssucht nicht ohne tödtliche Folgen gewesen wäre; doch wird dieser Unterschied leicht aus der höbern Stufe des Leidens in dieser, und der niedrigern in jener erklärlich. Es bliebe mithin nur noch die Dauer zu beachten, und hier sehen wir ganz deutlich, der Hauptsturin war in dem ungestört verlaufenden Röttinger Schweisse in den ersten vierundzwanzig Stunden vorüber, und das einzige noch

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218 Schweisskrankheiten. 3. Röttinger Schweils.
übrige Symptom bis zum sechsten Tage, die verinehrte
Hautausdünstung wir reden hier nur von den ganz
reinen Fällen – konnte füglich nur als ein Nachzügler
angesehen werden. Die Entscheidung geschah nicht
mit einem Schlage, wie beim englischen Schweiss, was
keinen wesentlichen Unterschied begründen kann.

Wir nehmen daher keinen Anstand, das Röttinger Fieber für einen englischen Schweiss zu erklären. Dieser Erscheinung aber ihre Deutung zu geben, die Ursachen zu durchschauen, welche das Nebelgespenst von 1529 mitten in Deutschland wieder aus den Wolken herabzogen, und in einem einzigen Orte seine kurze Wuth austoben liefsen, dies vermag keine menschliche Weisheit - keine Wissenschaft führt so weit, um die Triebfedern des Erkrankens in dieser Durchkreuzung unerkannter Kometenbahnen zur Anschauung zu bringen. Aber so wie aller Einsicht in die Werke der Natur ein ernstes Forschen vorausgehen muss, welches die Erscheinungen auf jedem Boden, in jeder Zeit und in aller Entwickelung aufsucht, so kann eine bessere Erkenntniss der Krankheiten, und so auch des ganzen menschlichen Seins nicht ausbleiben, wenn erst die Untersuchungen über das Erkranken der Völker in grossen Zeiträumen an Zahl und Gediegenheit gewonnen haben werden.

Eine solche Erkenntniss fordert dies Zeitalter von den Aerzten, deren Beruf es ist, das Leben nach allen Richtungen zu durchforschen. Es fordert von ihnen eine historische Pathologie, und zu diesein Zweige der Naturforschung ist das vorliegende Werk ein Beitrag!

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Uebersicht der Zeitfolge.

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Politische Ereignisse.

Erstes Erkranken. 1461-1483 Ludwig XII, 1478 und 1482 Heuschrecken. 1485 – 1509 Heinrich VII., schwärme im südlichen Eu1493 - 1519 Maximilian I. füh

ropa. . ren die Söldnerheere ein. 1483-1498 Karl VIII.

1480 1485 nasse Jahre. 1483-1485 Richard III. 1483 im October, erste vergeb- 1483 Ueberschwemmung der Se

liche Unternehmung des 1471 vern. (Das grosse Wasser des nach Frankreich entflohenen Herzogs von Buckingham.) Grafen von Richmond

gegen

1480 und 1481 Hungersnoth in Richard III. Der Herzog

Deutschland und Frankreich. von Buckingham hingerichtet. 1477 — 1485 Drüsenpest in Ita1485 Richmond erhält Unter lien. stützung von Karl VIII.

1480 u. 1481 Hauptkrankheit in 1485 d. 25. Juli, Abfahrt Rich Deutschland. mond's 's von Havre.

1482 hirnentzündliches Fieber in 1485 den 1. August, Landung Frankreich, und epidemische in Milford Haven.

Pleuritis in Italien. 1485 vom 1. bis zum 22. Au- 1483 Drüsenpest in Spanien.

gust, Marsch von Milford Ha- 1484 u. 1485 bösartige Fieber in ven nach Lichfield und Bos Deutschland und der Schweiz. worth.

Pest in Spanien. 1485 den 22. August, Schlacht 1485 in den ersten Tagen des

bei Bosworth. Richard III. August: Ausbruch des englifällt, der Graf von Richmond schen Schweisses, wahrscheinwird König, unter dem Na lich in Richmond's Söldner. men Heinrich VII.

heere. Verbreitung desselben 1485 den 28. August, Hein von Westen nach Osten, und

rich's Einzug in London. dann in entgegengesetzter 1485 den 30. October, Hein Richtung rich’s Krönung.

1485 Ende August in Oxford.

Politische Ereignisse.

Erstes Erkranken. 1481 – 1492 Kämpfe Ferdi. 1485 den 21. September bis in

nand's des Katholischen ge. den October in London. gen die Saracenen.

1485 Mitte November in Croy

land. 1486 den 1. Januar, Ende der

ersten Schweifsfieberseuche. 1486 Scharbock epidemisch in

Deutschland. Pest in Spanien. 1488—1490 Pest in Spanien. 1490 Erster Ausbruch des Fleck

fiebers in Granada, im Heere Ferdinand's des Katholi

schen. 1495 Vergeblicher Erbfolgekrieg 1495 Ausbruch der Lustseuche

Karl's VIII. gegen Alonso II. in Neapel, im Söldnerheere (+ 1495) und Ferdinand II. Karl's VIII. von Neapel. Die Eroberung 1499 Grosse Pest in London. des Reiches muss sogleich wieder aufgegeben werden.

Zweites Erkranken. 1485— 1509 Heinrich VII. 1500 - 1503 Schimmelflecken 1501 dessen ältester Solun Ar. (signacula) in Deutschland und

thar vermählt sich mit Ka. Frankreich. tharina von Aragonien, Toch- 1500 Komet. ter Ferdinand's des Katho- 1500 Viehsterben in Deutschlischen.

land. 1502 Prinz Arthur stirbt. Prinz 1502 weitverbreiteter Raupen

Heinrich (VIII.) zweiter frass in Deutschland. Sohn Heinrich's VII. wird 1503 Drüsenpest und mörderimit Katharina von Arago sche Seuchen in Deutschland nien verlobt.

und Frankreich. Die inneren Verhältnisse 1504 Pest in Spanien. von England werden durch 1504 und 1505 Hauptkrankheit, Heinrich VII. umgestaltet. Faulfieber und faalige LungenDie Städte fangen an sich zu entzündung in Deutschland. heben und die Wissenschaften 1505 Pest in Portugal. sich auszubreiten.

1505 erste Fleckfieberseuche in Strenges and unrechtliches Italien. Die krankhafte ThäFinanzsystem.

tigkeit der Organismen zeigt

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