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auch wohl in der ganzen Brust *), empfanden sie fortwährend einen unerträglichen Druck, und in den Anfällen, die mit Ohnmacht eintraten, oder diese zur Folge hatten, wallte und klopfte ihnen das Herz, ohne alle Veränderung des kleinen Pulses *). Das Gesicht wurde ihnen leichenblass, die Augen sanken zurück, und ging es dann zum Tode, so wurde es finster um sie her, Hände und Füsse färbten sich blau, und während das Herz ungeachtet der Kälte des ganzen Körpers immer noch heftig schlug, behielten die meisten ihre volle Besinnung, nur wenige waren kurz vor dem Sterben abwesend, während andere selbst in Verzückung geriethen und mit Seherkraft begabt wurden *). Endlich krümmten sich die Nägel an den kalten Händen, die Haut wurde runzelig, und so gaben die Kranken ihren Geist auf, ohne Linderung ihres qualvollen Zustandes *). Man erkennt in diesem Bilde ganz deutlich eine Vergleichung.

auffallende Aehnlichkeit des alterthümlichen Herzübels mit dem englischen Schweisse, in der höchsten Steigerung der beiderseitigen Zufälle. In beiden dasselbe Herzklopfen, dieselbe Veränderung der Stimme, dieselbe Angst, dasselbe Hinderniss des Athmens, also dasselbe Leiden der Brustnerven, derselbe übelriechende Schweiss, und durch diesen Schweiss dieselbe tödtliche Entleerung, und alle wesentlichen Zufälle aus demselben Kreise der Verrichtungen hervorgegangen. Denn auch bei den Schweisssüchtigen des Alterthums *) blieben die Unterleibsnerven verschont,

1) C. 34. p. 154. Thoracis gravedo. – 2) C. 35. p. 156.
3) Aretaeus, L II. c. 3. p. 30.
4) Cael. Aurel. a. a. O. – 5) Diaphoretici, Cardiaci.

Ursprung

Leber, Darm und Nieren nahmen keinen Theil am Hauptleiden, das Zwerchfell machte, wie beim englischen Schweiss, die Scheidewand. Der scharfsinnige Aretaeus nahm daher keinen Anstand, die Herzkrankheit Ohnmacht zu nennen (Syncope), mit einer allerdings wohl ungebräuchlichen Ausdehnung dieses Begriffes, der in gewöhnlicher Abgränzung das stürmische Wogen des Herzens ausschliesst. In dem Hirnleiden tritt einige Verschiedenheit hervor. Denn das Irrereden war wohl in beiden Krankheiten von sehr übeler Vorbedeutung, aber die tödtliche Schlafsucht war dem englischen Schweisse eigenthümlich, kein Beobachter erwähnt ihrer bei der Herzkrankheit. Grössere und ganz wesentliche Verschiedenheiten dieses Leidens vom englischen Schweiss ergeben sich noch in anderer Rücksicht. Man kann mit vollem Rechte annehmen, dass die Herzkrankheit zuerst im Zeitalter Alexander’s des Grossen, d. h. zu Ende des vierten Jahrhunderts v. Chr. auftrat, denn die Hippokratischen Aerzte kannten sie nicht, und nur erst Erasistratus erwähnt ihrer, der am Hofe von Seleucus Nicator Leibarzt, und unter dem ersten Ptolemaeus in Alexandrien ein weltberühmter Lehrer war. Man vergleiche dieses Zeitalter nur obenhin mit dem von Heinrich VII. und VIII., und Afrika, Kleinasien und das südliche Europa mit England, und man wird sich schon von vorn herein leicht überzeugen, dass beide Krankheiten, ungeachtet ihrer Uebereinstimmung in den Hauptzufällen, nicht dieselben sein konnten. Im Uebrigen wird auch von den Alten un

- ter dem Namen „Morbus cardiacus“ vieles zusammengefasst, was bei näherer Prüfung sich nicht als eine

und dieselbe abgeschlossene Krankheitsform ergiebt, denn bald ist von diesem Leiden wie von einer

selbstständigen Krankheit die Rede, bald wird sie nur Symptomaals eine zu anderen hinzugekommene Erscheinung, als “Äeine Art des Ueberganges von anderen, sehr verschiedenartigen Krankheiten angegeben, wie dergleichen in neuerer Zeit nie vorgekommen ist. Soranus erwähnt als solche Krankheiten anhaltende Fieber mit vieler Hitze *), und bezeichnet unter diesen auch den Causus, d. h. ein entzündliches Gallenfieber, zu welchem auch Aretaeus das Herzübel hinzutreten sah. Diese Fieber gingen am fünften oder sechsten Tage in die Herzkrankheit über, auch zeigte sich eine solche Umwandlung vorzüglich an den kritischen Tagen *). In gleicher Beziehung spricht Celsus sogar von der Phrenitis, unter welchem Namen man hier alle hitzigen Fieber mit heftigen Delirien zu verstehen hat, mit Ausschluss der eigentlichen Hirnentzündung. Man sieht also, die Herzkrankheit entstand und gedieh auf einem sehr verschiedenartigen Boden von anderen Krankheiten, und war unter diesen Umständen eben so unselbstständig, wie etwa der Lethargus unter ähnlichen Verhältnissen, um bei einem alterthümlichen Beispiele stehen zu bleiben. Aber es gab auch ohne allen Zweifel eine selbst- Idiopathische ständige, nicht symptomatische Form der Herzkrank- noheit. Ob diese fieberhaft wäre, oder nicht, darüber waren die berühmtesten Aerzte der früheren Zeit verschiedener Meinung. Wie hätten sie jemals darüber in Streit kommen können, wenn die Herzkrankheit nur immer als Folgeübel am fünften oder sechsten Tage hitziger Fieber erschienen wäre? Der Erasistratäer Apollophanes, Leibarzt Antiochus I., hielt sie

1) Febres continuae flammatae. Cael. Aurel. C. 31. p. 147. 2) Aretaeus, Cur.ac. L. II. c. 3. p. 188.

mit seinem Lehrer für beständig fieberhaft, und sein Ausspruch blieb eine Zeit lang gültig; auch mochte er wohl Recht haben, denn es ist wahrscheinlich, dass die Krankheit in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts noch viel heftiger war, als späterhin. Sein berühmter Zeitgenosse, der Herophileer Demetrius von Apamea, wollte nur im Anfange der Krankheit Fieber gesehen haben, und behauptete, es verschwände in ihrem weiteren Verlaufe. Bald entschieden sich auch die meisten Aerzte dahin, die Herzkrankheit sei nicht fieberhaft. Asklepiades aber unterschied eine fieberhafte und eine nicht fieberhafte Form der Herzkrankheit, und es ist gewiss, dieser Arzt hatte einen sehr sichern Blick; auch stimmten ihm Themis on und Thessalus bei. Aretaeus beschrieb mit wenigen Zügen nur die fieberhafte Form, kannte vielleicht auch keine andere. So ranus folgte im Wesentlichen dem Urheber seiner Schule, Asklepiades, und man pflegte wohl späterhin allgemein die innere Hitze, den heissen Athem und den brennenden Durst der Kranken, Zufälle, welche zuweilen weniger ausgebildet waren, für Beweise des Fiebers zu halten. Theoretische Ansichten einzelner Schulen, auf die es hier nicht ankommt, mischten sich viele ein, und alles in allem möchte wohl die nicht ficberhafte Form auf eine solche zurückgeführt werden können, in der die Zeichen fieberhafter Regung nur geringer angedeutet erschienen. Denn unter allen Umständen trat die Herzkrankheit mit Kälte der äusseren Theile und mit einem kleinen, zusammengezogenen, beschleunigten Pulse ein, Zufälle, welche mit Sicherheit Fieber vermuthen lassen ! ).

-- Ueber

1) Cael. Aurel. C. 33. p. 150.

Ueber den Verlauf der Herzkrankheit sind wir nicht genau unterrichtet. Er war ohne Zweifel sehr kurz, denn Zufälle so heftiger Art erträgt der Körper nicht lange, es muss bald zur Entscheidung kommen; doch ist aus den grossen Anstalten zur Behandlung mindestens auf einige Tage zu schliessen. War der Schweiss gut überstanden, so genasen die Kranken wahrscheinlich rasch, und ihre Leiden kamen ihnen, nach Aretaeus VVorten, wie ein Traum vor, aus dem sie sich wohl noch der grösseren Schärfe ihrer Sinne zu erinnern wussten *). Aber es glückte nicht immer so, die Krankheit war sehr lebensgefährlich, und bei einigen blieb nach unvollkommener Entscheidung schleichendes Fieber zurück, das mit Abzehrung endete *). Die ganze Erscheinung war höchst eigenthümlich, und es findet sich unter den jetzigen Krankheiten keine, die ihr zur Seite gestellt werden könnte.

Es muss also in dem ganzen Sein der Alten etwas gelegen haben, das die Entstehung der Herzkrankheit begünstigte. Dass sie mehr im Sommer, als im VWinter entstanden sei, mehr die Männer, als die Frauen heimgesucht habe, und zwar vornehmlich die lebenskräftigen jungen Leute, die Vollsaftigen mit hitzigem Blut, die an Leibesübungen gewöhnt waren, dies wissen wir von zuverlässigen Beobachtern *). So würde sich hier also ein ähnliches Verhältniss herausstellen, wie beim englischen Schweiss. Hierzu kommt, dass Unverdaulichkeit, Ueberladung, Trunkenheit, auch wohl Betrübniss und Furcht, am häufigsten aber Erbrechen und Baden nach Tische Veranlassung zum

1) L. II. c. 3. p. 30.

2) Aret. Cur. ac. L. lI. c. 3. p. 193

3) Cael. Aurel. C. 31. p. 146.

Verlauf.

Ursachen.

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