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Jahre früher (1536, den 12. Juli) starb Erasmus an der Ruhr"). Diese Krankheit kommt selten vereinzelt, gewöhnlich epidemisch vor, und so könnten vielleicht geringere Verbreitungen dieses rheumatischen Uebels als Vorläufer der grossen Erkrankung von 1538 vorausgesetzt werden. Eine denkwürdige Pestzeit beginnt hierauf im Jahre 1540, und endet gegen 1543. Der Sommer des erstgenannten Jahres wird in den Zeitbüchern vorzugsweise der heisse genannt, und er blieb noch im ganzen Jahrhundert seines trefflichen Weines wegen in gutem Andenken *). Waldbrände waren häufig, auch wird ein Erdbeben in Deutschland (den 14. December) angeführt *). 1541 folgte hierauf eine grosse Pest in Constantinopel *), die sich 1542 durch einen Heereszug der Türken nach Ungarn verbreitete, und ihre grössere Bedeutung an begleitenden Erscheinungen zu erkennen gab, unter denen besonders die Heuschreckenschwärme dieses Jahres zu bemerken sind. Sie kamen aus dem Innern von Asien, und zogen in dichten Massen über Europa hin, nördlich bis über die Elbe *), und südlich bis nach Spanien "). Kaye sah eine solche Heuschreckenwolke in Padua; ihr Vorüberziehen währte volle zwei Stunden, und ihr Umfang war unübersehbar *). Die Pest griff alsbald in Ungarn um sich, und bereitete dem gegen die Türken fechtenden Reichsheere unter dem Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg einen ähnlichen Unter- Joachim II. gang, wie einst den Franzosen vor Neapel *). Ob diese Seuche die ursprüngliche morgenländische Drüsenpest gewesen sei, oder ob man schon jetzt eine Entartung derselben in das ungarische Fleckfieber annehmen könne, welches auch im Jahre 1566 in dem Lager bei Komorn, während des Feldzuges von Maximilian II. ausbrach, und durch die entlassenen Landsknechte sich überallhin verbreitete *), ist für jetzt nicht wohl zu entscheiden, denn es fehlt noch an Thatsachen. Noch im folgenden Jahre (1543) brach dieselbe Pest in Deutschland aus, namentlich in den Harzgegenden, im Gebiete der Saale *), und viel bösartiger noch in Metz *), doch verursachte sie im Ganzen keinen erheblichen Menschenverlust. In den Jahren 1545 und 46 finden wir wieder Trousse-gadie Trousse-galant in Frankreich °). Sie tödtete noss. in der Nähe von Boulogne den Herzog von Orleans, zweiten Sohn Franz I., und in dieser Festung (1546) nach der Angabe französischer Geschichtschreiber

Pest 1541. 42. 43.

Heuschreckenschwärme.

der vorausgegangene Winter wäre sehr warm gewesen. So würde also Aph. 12. Sect. III. zutreffen.

1) Wurst isen, a. a. O.

2) L'année des vins rostis, bei den Franzosen. Stettler, S. 119.

3) Spangenberg, fol. 439. a. – Chron. chron. p. 375.
4) Kircher, p. 147.
5) Spangenberg, fol. 439. b.

6) Villalba, T. I. p. 93. Sie machten in Spanien grosse Verwüstungen.

1) P. 193. bei Babington, p. 25. der lat. Ausg. – Vergl. Haftitz, S. 149. u. a. 2) Spangenberg, fol. 439. b. 3) Jordan, Tr. I. c. 19. p. 220. 4) Spangenberg, fol. 440. b. 5) Villalba, T. I. p. 94. – Die Schrift von Sixtus Kep

ser, einem Beobachter dieser Krankheiten, hat der Vers nicht benutzen können. (Consultatio saluberrima de causis et remediis Epidemiae, sive pestiferi morbi Bambergensium civitatem tum infestantis. Bambergae, 1544. 4.

6) S. oben S. 83.

10.000 Engländer, so dass die Besatzung genöthigt
war, ausserhalb der Stadt ein Lager aufzuschlagen,
und die zögernden Ersatzmannschaften dem gewissen
Tode entgegenzugehen glaubten *). Die Krankheit
verbreitete sich auch unter die französischen Truppen,
und wir haben gesehen, dass sie ihr Gebiet bis über

die savoyischen Alpen ausdehnte *).
Bis hierher scheint also nur das Jahr 1544 von
grösseren Erkrankungen frei geblieben zu sein; doch
möchte es schwer fallen, von nun an die einzelnen
Gruppen von Volkskrankheiten genau zu bestimmen,
wenn der Zusammenhang der Schweissfieberseuche von
1551 mit ihnen nachgewiesen werden soll. Denn es
war, um einen Ausdruck der Schule zu gebrauchen,
eine anhaltende typhöse Constitution, die sich
durch diese ganze Zeit hindurchzog, und sich bei den
geringsten Anlässen durch bösartige Krankheiten zu
erkennen gab, so dass die Erkrankungen, die wir bis
jetzt dargestellt haben, nur eigentlich als ihre Ver-
schlimmerungen erscheinen, mit dem Hervortreten bald

dieser, bald jener Seite des Lebens. Fleckfieber, Das Lagerfieber, das im Frühjahr 1547 unter den 1547. Truppen des Kaisers herrschte, kann mit gutem Grunde für ein Fleckfieber gehalten werden. Sehr viele Soldaten erkrankten daran, und es wurde um so bösartiger, da das kaiserliche Heer aus ganz verschiedenartigen Kriegsvölkern, Spaniern, Deutschen, Ungarn und Böhmen zusammengesetzt war. Die Befallenen klagten, wie in der Hauptkrankheit, über unerträgliche Hitze des Kopfes, die Augen schwollen an und traten glänzend hervor; ein stinkender Athem verpestete ihre Nähe, die Zunge war braun bedeckt, sie erbrachen Galle,

1) Mezeray, p. 1036. – 2) S. oben S. 83.

Galle, die Haut wurde bleifarben, und dunkelblauer
Ausschlag brach hervor. Die Krankheit, deren frische
Keime des Kaisers Husaren aus Ungarn mitgebracht
hatten, tödtete schon am zweiten und dritten Tage,
und man kann voraussetzen, -dass sie vor und nach
der Schlacht bei Mühlberg (24. April) nicht geringe
Verheerungen in Sachsen gemacht habe *). Doch
kam es nicht zu allgemeinen Erkrankungen.
Nach kurzer Zwischenzeit mehren sich nun wie-
der die ungewöhnlichen Erscheinungen von 1549 an.
Von Raupenfrass und Viehsterben in diesem Jahre be-
richten die mitteldeutschen Zeitbücher; eben so von
einem Nordlicht am 21. September, und einer bösar-
tigen Krankheit, die bis zum Winter hin junge Leute
in nicht geringer Zahl weggerafft habe *). Allem An-
scheine nach war diese Krankheit ein Fleckfieber,
das auch im folgenden Jahre (1550) die Mark Bran-
denburg, Thüringen und Sachsen heimsuchte *). Be-
sonders war in Eisleben das Sterben bedeutend, wo
vom 14. September an in nicht vollen vier Wochen
257, und nach dieser Zeit mehrmals an einem Tage
20 und 24 Leichen beerdigt wurden, so dass der Ver-
lust dieses Städtchens wohl auf 500 angeschlagen wer-
den kann *). Man erkennt aus diesem kleinen Bei-
spiele die grosse Bösartigkeit der Seuchen im sech-
zehnten Jahrhundert, die noch viel deutlicher in die
Augen fallen würde, wenn die damaligen Aerzte bes-
ser beobachtet, und die Geschichtschreiber Vorfälle
dieser Art genauer aufgezeichnet hätten.

1) Thuan. L. IV. p. 73.
2) Spangenberg, fol. 458. a. b. 459. a.
3) Leuthinger, p. 241.
4) Spangenberg, fol. 460. a.

1549, 50. 1551.

Influenz.

1551 herrschte in Schwaben eine pestartige Krankheit, die den Herzog Christoph von Würtemberg bestimmte, sich von Stuttgart zurückzuziehen. Sie war nicht eben verbreitet, und blieb wie es scheint in den übrigen deutschen Landen unbekannt *). Auch in Spanien zeigte sich die Pest *), und bringt man die Influenz desselben Jahres °), so wie die grossen Erkrankungen an bösartigen Fiebern in Deutschland und der Schweiz in Anschlag, die noch von den folgenden beiden Jahren berichtet werden *), so ergiebt sich wiederum ganz deutlich, dass die fünfte Schweissfieberseuche umgeben von einer Gruppe verschiedenartiger Volkskrankheiten erschien, welche als Wirkungen allgemeiner Einflüsse betrachtet werden können. Die Krankheit unserer Forschung nahm also in ähnlicher Umgebung von Europa Abschied, wie sie ursprünglich aufgetreten war, und dazwischen dreimal ihre mörderischen Angriffe wiederholt hatte.

5. John Kaye.

Verweilen wir noch einige Augenblicke bei dem Beobachter der fünften Schweissfieberseuche, dessen Leben ein frisches Bild der Eigenthümlichkeiten und Regungen seines Zeitalters darstellt. Er wurde am 6 October 1510 zu Norwich geboren, und erhielt seine Bildung am Goneville Hall in Cambridge. Seine grosse Kenntniss des Griechischen und seinen Eifer

1) Crusius, S. 280. – 2) Villalba, T. I. p. 95.
3) S. oben S. 61.

4) Wurstisen, (1552 pestilenzische Seuche in Basel) S. 627. – Spangenberg, fol. 467. b. 468. a. (Pestilenz und Hauptkrankheit.)

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