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Zersetzung.

ten Male von der Schweiss sucht ergriffen
werden") – Spätere berichten sogar von zwölf-
maliger Wiederholung des Schweisses *) –
wodurch endlich eine völlige Zerrüttung der Gesund-
heit herbeigeführt wurde, denn es entstand Wasser-
sucht oder irgend eine andere zerstörende Nachkrank-
heit, bis der Tod dem unheilbaren Leiden ein Ziel
setzte, wobei es noch wichtig ist zu bemerken, dass
auch der Unterleib an der grossen Reizbarkeit des
Körpers Theil nahm, denn zu frühe Einwirkung
der Luft erregte leicht Durchfälle *).
Wie gross die Zersetzung des organischen
Stoffes gewesen, geht aus allen bisherigen Angaben
überzeugend hervor. Doch würde sie schon aus der
überaus raschen Fäulniss der Leichen vermuthet wer-
den können, die aller Orten die grösste Eile mit den
Begräbnissen nothwendig machte *), und glücklicher
Weise die Furcht vor dem lebendig Begrabenwerden
nicht aufkommen liess. Von Leichenöffnungen
haben wir keine Kunde, auch würden sie, hätte man
sie überhaupt anstellen können, bei der damaligen
Weise zu untersuchen schwerlich irgend eine wichtige
Seite der Krankheit enthüllt haben. Wenige Aerzte,
fast nur die in Italien gebildeten, kannten den innern
Bau des Körpers aus eigener oberflächlicher Ansicht,
die meisten nur aus Galenischen Handbüchern – wie
hätten sie mit so ärmlichem Wissen das Unverdor-
bene vom Krankhaften unterscheiden können? Ueber-

1) Erasm. Epist. L. XXVI. ep. 58. p. 1477. b. – „et crebro quos reliquit brevi intervallo repetens, nec id semel, sed bis, ter, quater, donec in hydropem aut aliud morbi genus versus, tandem extinguat miseris excarnificatum modis.“

2) Kaye, p. 110. – 3) Ebend p. 113.

4) Staphorst, Th. II. Bd. I, S. 83.

dies konnte die Schweisssucht in so kurzer Zeit keine handgreiflichen und in das Gewicht fallenden Ver

derbnisse der Eingeweide verursachen, wie man der

gleichen allein gesucht haben würde. Angaben über die Beschaffenheit des Blutes in den Leichen, das nach so ungeheuerem Verluste von wässeriger Flüssigkeit, nach so gewaltiger Brustbeschwerde, nach so grossen Hindernissen der Lungenverrichtung höchst wahrscheinlich verdickt und dunkel gefärbt war, so wie über den Zustand der Lungen und des Herzens, würden uns höchst erwünscht sein, aber auch sie fehlen durchweg, und es bleibt nach so langer Zeit nur Raum für Vermuthungen. Es wiederholte sich in Deutschland die seit 1485 schon so oft gemachte Bemerkung, dass das mittlere Alter vorzugsweise dem Schweissfieber ausgesetzt war, die Kinder dagegen von dieser Krankheit fast ganz verschont blieben, und die Alten fast nur in einzelnen Ausnahmen von ihr befallen wurden *), und dies wahrscheinlich auch nur während der Höhe der Volkskrankheit, wie denn z. B. in Zwickau eine hundertundzwölfjährige Frau von der Schweisssucht weggerafft wurde *). Wir haben den Grund dieser ganz beständigen Erscheinung schon zum Theil in der üppigen Lebensweise der vollsaftigen jungen Männer gefunden, und wenn wir den sittlichen Zustand der Deutschen im sechzehnten Jahrhundert berücksichtigen, so zeigt sich auch bei ihnen dieselbe unmässige Genussgier wie bei den Engländern, dieselbe Trunkenheit, dieselbe Völlerei bei den häufigen Gelagen, wo die Weinhumpen und Bierkrüge mit allzu gierigen Zügen geleert wurden, endlich auch dieselbe Verweichlichung der Haut durch heisse Bäder und warme Kleidung. Davon wissen alle Zeitgenossen zu reden"), und un sere wackeren Vorfahren standen bei ihren südlichen Nachbarn in allen diesen Dingen nicht im besten Rufe. Rheumati- Doch ist hierbei noch ein anderes Verhältniss zu sches Wesen. berücksichtigen; es liegt in dem eigenthümlichen VVesen der Krankheit. Schon im Eingange haben wir die Schweiss sucht als ein rheumatisches Fieber bezeichnet, und wenn wir den Begriff eines rheumatischen Leidens, wie gebührlich, in seiner weitesten Bedeutung nehmen, so haben sich wohl für diese Ansicht im Verlaufe unserer ganzen Untersuchung gewichtige und überzeugende Gründe ergeben. Sehen wir, dass gerade diejenigen Völker von dem Schweissfieber heimgesucht wurden, die sich durch weisse Haut, blaue Augen und blondes Haar auszeichnen – die Merkmale deutscher Abstammung – so kann wohl mit Recht angenommen werden, dass eben diese Eigenthümlichkeit des Körperbaues für die wunderbare Krankheit empfänglich machte. Sie ist es, welche die Empfänglichkeit zu Flüssen aller Art begründet, und welche diese Krankheiten ihres Theils in dem nördlichen Europa einheimisch macht, während die südlichen schwarzhaarigen Völker, und die Schwarzen in den Tropenländern unter gleichen Verhältnissen mehr von ihnen verschont bleiben !). Man erinnere sich weiter des übergrossen Wassergehaltes der unteren Luftschichten, bei dem die Schweissfieberseuchen entstanden, der dicken, selbst übelriechenden Nebel, welche die Krankheit vorbereiteten und verkündeten, der jähen Abwechselung von frostiger Kühle und grosser Hitze während des Sommers 1529, nicht minder des häufigen Vorkommens aller Arten Flüsse in eben diesem Jahre, und man wird das vollendete Bild der rheumatischen Constitution in jedem einzelnen Zuge wiedererkennen. Wäre nur schon in den prunkenden Lehrgebäuden der neuesten Zeit eine reifere Kenntniss von der Electricität der lebenden Körper anzutreffen, es könnte nicht fehlen, dass auch von dieser Seite helles Licht über den grossen Gegenstand unserer Forschung verbreitet würde. Wir müssten dann nicht bei der Erfahrung stehen bleiben, dass nebelige Luft dem Körper die Electricität entzieht, Haut und Lungen ihrer electrischen Atmosphäre beraubt, ihr electrisches Wechselverhältniss mit der Aussenwelt stört, und durch diese Störung rheumatisches Erkranken des Körpers vorbereitet, mit aller eigenthümlichen Entmischung der Säfte, aller reizbaren Spannung der Nerven, Fieber und schmerzhaftem Leiden einzelner Theile. Man stelle sich diese Störung vor, wie nur irgend neuere Hypothesen dazu einladen mögen, vielleicht als eine Anhäufung der Electricität im Innern des Körpers bei krankhafter, isolirender Thätigkeit der Haut, wofür wichtige Erfahrungen sprechen *) – eine bessere Erkenntniss

1) „Immunes erant pueri et senes abhoc malo.“ Ditmar. p. 473. – „Pueri infra decem annos rarissime hac febre corripiuntur.“ Newen ar, fol. 72. a. – „Senibus solis quandoque pepercit, – praeternavigavit etiam magna exparte atrabilarios et emaciatos corpore, quoniam et horum corpora putris succi expertia erant.“ Schiller, fol. 4. a

2) Schmidt, S. 307.

Ursachen.

1) Z. B. Schiller, um von Tausenden nur einen zu nennen. „Juvit etiam auxitque malum frequens multaque crapula, et in potationibus otiosa vita nostra.“ sol. 3. b.

1) Wohl zu bemerken unter gleichen Verhältnissen. Es soll nicht gesagt werden, dass sie von rheumatischen Krankheiten frei, sondern nur dass sie weniger dazu disponirt sind.

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Beweis.

des Wesens der Flüsse wird nur von ernstem zukünf-
tigen Forschen zu erwarten sein, und bis dahin rei-
chen vielleicht einige offenbare Beziehungen zwischen
den rheumatischen Leiden und dem englischen Schweisse
hin, die rheumatische Natur dieser Krankheit zu er-
weisen.
Zuerst die überaus grosse Empfindlichkeit
der Schweifsfieber kranken gegen je den
Wechsel der Temperatur, die entschiedene grosse
Gefahr der Abkühlung. In keiner bekannten Krank-
heit kommt diese Reizbarkeit der Haut bis zu dem
Grade ausgebildet vor, wie in den rheumatischen Fie-
bern, nicht weniger auch in den fieberlosen Flüssen,
in denen selbst eine ganz deutliche Empfänglichkeit
für Metallreiz entsteht.
Zweitens die Neigung des rheumatischen
Zustandes, sich durch sehr ergiebige, saure
und übelriechende Schweisse zu entschei-

Isolator macht, ermittelte A. v. Humboldt schon 1793, und fand diese Bemerkung durch spätere Erfahrungen bestätigt. „Ich habe an mir selbst beobachtet, dass ich bei einem heftigen Anfalle von Schnupfenfieber gar nicht im Stande war, mittelst der wirksamsten Metalle mir die galvanischen Blitze vor den Augen zu erregen; dass ich jede Kette zwischen der Muskel- und Nervenarmatur unterbrach. So wie das rheumatische Uebel die Reizempfänglichkeit der Organe mindert, so schien es auch ihre Leitungskraft zu afficiren. Freilich ist das wie? in dieser Sache damit noch gar nicht erläutert; freilich habe ich hier und da isolirende Personen gefunden, welche sich im Genusse der vollkommensten Gesundheit befanden; aber ist es in einem solchen Oceane der Unwissenheit nicht immer schon gewonnen, eine Bedingung auszumitteln, wo man nicht jede determiniren kann?“ Versuche u. s. w. Bd. I. S. 159. – Pfaff glaubt, dass während der Dauer rheumatischer Krankheiten die eigenthümliche Electricität des Körpers auf Null herabsinke. – S. dessen Aufsatz über die eigenthümliche Electricität des menschlichen Körpers, in Meckel’s Archiv, Bd. III. H. 2. S. 161.

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