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nungen hervor, wie es damit gehalten werden sollte, die auch Kaye wiederholt'), auch scheinen Kranke vorgekommen zu sein, in denen die Natur eine gleichzeitige Krise durch die Haut, die Nieren und die Därme bewirkte.

Noch viel wichtiger aber ist die Bemerkung ei- Ausschlag. nes achtbaren holländischen Arztes, dass nach überstandenem Schweisse an den Gliedmassen kleine, nicht zusammenfliessende, und die Haut sehr uneben machende Bläschen erschienen wären ?), die von keinem andern ärztlichen Beobachter, wohl aber von dem Verfasser eines alten Hamburgischen Zeitbuches, und zwar, dass man sie noch an den Leichen gesehen, erwähnt werden 3). Es sind hierunter höchst wahrscheinlich Frieselbläschen, vielleicht aber auch Flecken zu verstehen, doch ist alles gegen die Annahme, dass diese Erscheinung beständig, und mithin das Schweifsfieber eine Ausschlagskrankheit gewesen sei *). Denn es würde ihrer in diesem Falle in den

1) Die Erkältung zu vermeiden liess man die Kranken lieber das Bett verunreinigen. Steckbecken kannte man nicht. Kaye, p. 110., und die meisten anderen.

2) Tyengius, bei Forest, p. 158. b. - „Febrem sador finiebat, post se relinquens in extremitatibus corporis pustulas parvas, admodum exasperantes, diversas et malignas secundum humorum malignitatem.“

3) „Wenn dat versehen würde, dat se de Hände oder Vothen uth der Decken steckende, so waren se dodt und schwart aver allen Live alse ene Kahl, und vull Bladdern, und stuncken so, dat man se fort tho der Erden bestaden muste, van groten Stancks wegen.“ Staphorst, Th. II. Bd. I. S. 83.

4) Der ältesten Tochter von Thomas Morus, der gelehrten Margaretha Roper, die 1517 oder 28 am Schweissfieber erkrankte, und gereltet wurde, brachen nach erneutem Schweisse (er war unterdrückt worden) Flecken über den ganzen Körper aus (maculae quas ronchas (?) vocant), die man sonst für To

zahllosen Nachrichten der Geschichtschreiber, von denen viele die Krankheit ohne Zweifel selbst gesehen haben, irgendwie Erwähnung geschehen sein, und sie selbst bei den häufigen Rückfällen der Genesenen sich deutlicher und bestimmter ausgebildet haben. Eine Verwandtschaft mit dem Frieselfieber wird durch sie allerdings angedeutet, jedoch nur insofern beide Krankbeiten rheumatischen Ursprungs sind, und dieser leise Anflug von dem Wesen einer Ausschlagskrankheit wurde bei dem englischen Schweissfieber wahrscheinlich nur in ganz vereinzelten Fällen beobachtet. Was mit dieser Andeutung aus dem Schweissfieber bei längerem Verlaufe hätte werden, ob es vielleicht gar in Frieselfieber hätte übergeben können, diese Frage liegt ausser dem Bereiche des Geschehenen, da auch später Uebergänge dieser Art nie beobachtet worden sind. Beide Krankheiten sind in Verlauf und Eigenthümlichkeit streng von einander gesondert, der Frie. sel aber entwickelte sich unter ganz anderen Verhältnissen erst im folgenden Jahrhundert zur selbstständigen Volkskrankheit, und seine entschiedeneren Vorläufer sind nur jenseits der fünf Schweissfieberseuchen aufzufinden.

Die Erschütterung der Lebenskräfte durch den englischen Schweiss war sehr bedeutend, woher denn auch sehnelle Genesung wohl nur nach der mildesten Form dieser Krankheit beobachtet wurde, diejenigen aber, denen sie heftiger zugesetzt hatte, mindestens noch acht Tage lang sehr hinfällig und kraftlos blieben, so dass sie durch gute Pflege und stärkende Nah

Genesung.

deszeichen hielt, oder die erst nach dem Tode zum Vorschein kamen. Th. Stapleton, Vita et obitus Thomae Mori, C. 6. p. 26. S. Mori Opera.

rung nur allmählich wieder aufgerichtet wurden. Nach überstandenem Schweiss pabm man sie behutsam von dem Lager, trocknete sie im warmen Zimmer vorsichtig ab, setzte sie an das Kaminfeuer, und gab ihnen zur ersten Erquickung gewöhnlich Eiersuppe, doch konnten die meisten das überstandene Fieber noch lange Zeit nacbber nicht ganz verwinden. Selten konnten Genesene schon am zweiten oder dritten Tage wieder ausgehen“).

In noch viel grössere Gefahr geriethen die, de Unternen der Schweiss im Verlaufe der Krankheit Schweisses.

drückung des selbst irgendwie unterdrückt wurde. Die meisten von ihnen verfielen dem unabwendbaren Tode

dies bestätigt die Volksstimme seit 1485 - bei denen sich aber die Lebenskraft zu erneutem Widerstande regte, da brach nach kurzer Frist ein neuer Schweiss hervor, noch viel übelriechender als der erste, so dass der Körper wie von stinkender Jauche triefte, und es schien, als wollten die inneren Theile sich ihrer Fäulniss in übermässiger Anstrengung auf cinnal entledigen ?). Es liegt am Tage, dass dieser wiederholte Sturm noch vielen, die ohne ein Hinderniss der Entscheidung hätten gerettet werden können, verderblich werden musste, denn es ist in hitzigen Krankheiten nichts gefährlicher, als wenn Aussonderungen unterbrochen werden, welche die Natur als das einzige Rettungsmittel anordnet.

Rückfälle waren häufig, weil dic Genesenen Rücksille. . nach überwundener Krankheit noch lange sehr reizbar blieben. Man sah diese zum dritten und vier

1) Und gewiss nur nach sehr zweckmässiger, schonender Behandlung. S. das Wittenberger Regiment, Kaye, a.

. a. 0., Schmidt, S. 307., und Klemzen, S. 256.

2) Newenar, fol. 72. b.

Zersetzung

ten Male von der Schweisssucht ergriffen werden 1) - Spätere berichten sogar von zwölfmaliger Wiederholung des Schweisses ?) wodurch endlich eine völlige Zerrüttung der Gesundheit herbeigeführt wurde, denn es entstand Wassersucht oder irgend eine andere zerstörende Nachkrankheit, bis der Tod dem unheilbaren Leiden ein Ziel setzte, wobei es noch wichtig ist zu bemerken, dass auch der Unterleib an der grossen Reizbarkeit des Körpers Theil nahm, denn zu frühe Einwirkung der Luft erregte leicht Durchfälle 3).

Wie gross die Zersetzung des organischen Stoffes gewesen, geht aus allen bisherigen Angaben überzeugend hervor. Doch würde sie schon aus der überaus raschen Fäulniss der Leichen vermuthet werden können, die aller Orten die grösste Eile mit den Begräbnissen nothwendig machte *), und glücklicher Weise die Furcht vor dem lebendig Begrabenwerden nicht aufkommen liefs. Von Leichenöffnungen haben wir keine Kunde, auch würden sie, hätte man sie überhaupt anstellen können, bei der damaligen Weise zu untersuchen schwerlich irgend eine wichtige Seite der Krankheit enthüllt haben. Wenige Aerzte, fast nur die in Italien gebildeten, kannten den innern Bau des Körpers aus eigener oberflächlicher Ansicht, die meisten nur aus Galenischen Handbüchern wie hätten sie mit so ärmlichem Wissen das Unverdorbene vom Krankhaften unterscheiden können? Ueber

1) Erasm. Epist. L. XXVI. ep.

58.
p.

1477. b. „et crebro quos reliquit brevi intervallo repetens, nec id semel, sed bis, ter, quater, donec in hydropem aut aliud morbi genus versus, tandem extinguat miseris excarnificatum modis.“

2) Kaye, p. 110. 3) Ebend p. 113.
4) Staphorst, Th. II. Bd. I. S. 83.

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dies konnte die Schweisssucht in so kurzer Zeit keine handgreiflichen und in das Gewicht fallenden Verderbnisse der Eingeweide verursachen, wie man dergleichen allein gesucht haben würde. Angaben über die Beschaffenheit des Blutes in den Leichen, das nach so ungeheuerem Verluste von wässeriger Flüssigkeit, nach so gewaltiger Brustbeschwerde, nach so grossen Hindernissen der Lungenverrichtung höchst wahrscheinlich verdickt und dunkel gefärbt war, so wie über den Zustand der Lungen und des Herzens, würden uns höchst erwünscht sein, aber auch sie feblen durchweg, und es bleibt nach so langer Zeit nur Raum für Vermuthungen.

Es wiederholte sich in Deutschland die seit 1485 Ursachen. schon so oft gemachte Bemerkung, dass das mittlere Alter vorzugsweise dem Schweissfieber ausgesetzt war, die Kinder dagegen von dieser Krankheit fast ganz verschont blieben, und die Alten fast nur in einzelnen Ausnahmen von ihr befallen wurden *), und dies wahrscheinlich auch nur während der Höhe der Volkskrankheit, wie denn z. B. in Zwickau eine hundertundzwölfjährige Frau von der Schweisssucht weggerafft wurde 2). Wir haben den Grund dieser ganz beständigen Erscheinung schon zum Theil in der üppigen Lebensweise der vollsaftigen jungen Männer gefunden, und wenn wir den sittlichen Zustand der Deutschen im sechzehnten Jahrhundert berücksichtigen, so

p. 473.

1) „ Immunes erant pueri et senes ab hoc malo.“ Ditmar.

Pueri infra decem annos rarissime hac febre corripiuntur.“ Newenar, fol. 72. a. – „Senibus solis quandoque pepercit,

praeternavigavit etiam magna ex parte atrabilarios et emaciatos corpore, quoniam et horum corpora putris succi expertia erant.“ Schiller, fol. 4. a

2) Schmidt, S. 307.

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